Ken Jebsen

Die Leute sollen politisiert werden.

Unser bislang längstes Interview: Vier Stunden haben wir uns mit dem politischen Journalisten und Aktivisten Ken Jebsen unterhalten. Themen sind u.a. sein Werdegang, NATO, "Eliten", Terroranschläge, Mustererkennung, Pressefreiheit, Tilo Jung, KenFM, journalistische Unabhängigkeit, Ukraine-Konflikt, Drohungen gegen Jebsen – und warum er so schnell spricht.

Ken Jebsen

© James Rea

+++ Das folgende Interview fand im März 2016 statt. Einige Anmerkungen dazu haben wir hier aufgeschrieben. +++

Herr Jebsen, wie sind Sie eigentlich zum Moderieren gekommen?
Ken Jebsen: Das war reiner Zufall. Ich wollte eigentlich nie vors Mikrofon oder die Kamera. Aber ich hatte damals in einer Musikredaktion angefangen, bei einem neu gegründeten Sender in Baden-Württemberg. Ich hatte deren Musikprogramm gehört, alle zwei Stunden hat sich das wiederholt und ich dachte: Wenn sie damit die Leute ködern wollen, wird das nicht funktionieren. Also bin ich hin und habe gesagt: Ich will im musikalischen Rahmen tätig werden. Ich war schon immer ein großer Musikfreak.

Was war das für ein Sender?
Jebsen: Radio Neufunkland. Das waren vor allem Leute, die von den Öffentlich-Rechtlichen kamen und jetzt eine eigene private Station aufmachten. Mit dem Vorteil: keine Bürokratie.
Dort war ich in der Musikredaktion Mädchen für alles. Ich habe das Studio miteingerichtet und dann dort tage- und nächtelang gearbeitet. Nun wurde ich nach Stunden bezahlt, weshalb irgendwann der Chef zu mir meinte: ‚Sie verdienen ja so viel wie ich, das geht nicht, sie müssen jetzt hier ein Volontariat machen.‘ Ich sollte weiter machen wie bisher, nur jetzt auch noch im Wortbereich mitarbeiten, allerdings zu einem kleineren Gehalt. Und wenn ich das nicht wolle, so der Chef, könne ich gleich nach hause gehen. – Ich bin geblieben und war dann einer von insgesamt zwei Volontären.

Sie wurden sozusagen zum Volontariat gezwungen?
Jebsen: Ja. Die sagten dann auch irgendwann zu mir, dass ich sprachliches Talent hätte – davon war ich nie ausgegangen.

Was war Ihre erste Moderation?
Jebsen: Es fiel ein Moderator von einer Nachtsendung aus. Und weil ich eh Tag und Nacht dort war und mich mit Musik auskannte, habe ich einfach meine Platten genommen und Geschichten dazu erzählt. Das kam sehr gut an – so bin ich da rein geraten. Ich habe dann Jugendsendungen gemacht, Spezialsendungen, eine politische Sendung. Redaktion und Moderation rotierten dort damals. Man konnte ans Mikro, aber man musste nicht. Das hat mir Spaß gemacht, auch die Produktion. Ich war technisch affin, im Gegensatz zu vielen dort, die 40+ waren.

Wie kamen Sie zum RBB?
Jebsen: Ich war vier Jahre bei Neufunkland, bis das Volontariat abgeschlossen war. Ich habe dort auch den Baden-Württembergischen Hörfunkpreis bekommen, für die Sonderform Feature. Ich habe sehr lange Wortsendungen gemacht, zum Beispiel über Heckler & Koch, in Oberndorf am Neckar – der Ort schwer katholisch, aber die Firma ein großer Arbeitgeber.

Konnte man mit denen reden?
Jebsen: Ja, das ging. Ich habe damals schon die Prospekte gesehen über das in Planung befindliche G36-Gewehr.
Ich habe immer beide Sachen gemacht: politische Sendungen aber auch Rock’n’Roll. Ich gehe außerdem leidenschaftlich gerne raus als Reporter.
Ich habe dann eine Kassette aufgenommen und mit einem klassischen Bewerbungsschreiben an den SFB geschickt. Die haben geantwortet, ich könnte mal bei „Radio 4U“ vorbeikommen. Das klang für mich allerdings nach einem Privatsender – und ich wollte auf keinen Fall zum Privatradio.

Wegen der Musik?
Jebsen: Nein, das war thematisch nichts für mich. Mein Chef bei Neufunkland kam von der Stuttgarter Zeitung, andere kamen vom WDR, ich hatte eine solide Ausbildung – ich wusste, dass ich mich beim öffentlich-rechtlichen Radio bewerben kann.
Ich bin dann aber zu Radio 4U und habe Helmut Lehnert kennen gelernt. Das war in einer Übergangsphase, Radio Fritz war bereits in der Planung. Schon bei Radio 4U habe ich angefangen, für alle ARD-Stationen zu arbeiten. Ich war ein relativ schräger Vogel dort beim SFB…

Schräg inwiefern?
Jebsen: Ich habe Sendungen moderiert, war aber auch Reporter. Wenn es zum Beispiel hieß „da ist in Neukölln gerade etwas ganz Verrücktes“ dann bin ich dort hin. Auch wenn nur eine Brücke eingeweiht wurde – ich war immer in der Lage etwas draus zu machen, ein gutes Hörspiel, live. Wie ein Sportreporter, der von einem Spiel berichtet, das nicht stattgefunden hat, der trotzdem aus der Kabine heraus ein geiles Stück macht, wo der Hörer sagt: Es gab zwar kein Spiel, aber der Beitrag dazu war super. Ich habe auch Interviews gemacht mit Förstern im Wald, die nicht gekommen sind. Da musste ich halt mit dem Baum reden. Ich habe es aber so hinbekommen, dass es am Ende spannender war als mit dem Förster.

Wann kam die Kamera hinzu?
Jebsen: Das war bei bei der Deutschen Welle. Dort habe ich erst hinter der Kamera gearbeitet, bis der Chefredakteur einmal meinte: Du musst jetzt durchs Bild laufen mit einer Banane als Mikrofon, das ist irrsinnig komisch und wir nennen das Format „Der Auftrag“ (innerhalb der Jugendsendung „100 Grad“). So wurde ich auf einmal der Typ mit der Banane. Dabei wollte ich nie vor die Kamera…

Sie wurden zu Ihrem Glück gezwungen?
Jebsen: Weiß ich nicht. Ich arbeite auch gerne hinter der Kamera, hinter dem Mikrofon, strategisch, oder wie jetzt bei KenFM verstärkt als Verleger.
Das Arbeiten in der Öffentlichkeit ist auch schön, aber dir geht etwas verloren, nämlich die Unvoreingenommenheit. Irgendwann kennen dich die Leute, wissen wer du bist. Und dann verhalten sie sich zu dir, das ist manchmal hilfreich, weil man schneller O-Töne bekommt, manchmal aber auch ätzend, weil sie sich nicht natürlich verhalten.
Ich werde das vor der Kamera auch nicht ewig machen. Ich mache jetzt bei KenFM auch nur das wenigste, ich schreibe sehr viel und lese im Moment viele Bücher.

Begegnen Ihnen Interview-Partner heute reservierter als früher?
Jebsen: Das kommt drauf an, wo man hingeht. Je studierter sie sind, desto mehr wissen sie über mich. Und je älter sie sind, je mehr sie ein umfassendes Bild haben, desto mehr klopfen sie mir auf die Schulter und sagen: Finde ich super, dass sie sich das alles trauen.
Ich rede ja mit jedem, das ist mein Job als Reporter. Bei einigen anderen geht das allerdings nicht, die dürfen dann nicht mit Assad reden, oder nicht mit jemandem von der AfD, auch nicht mit einem Soldaten.

Die ARD hat erst vor kurzem mit Assad geredet.
Jebsen:
Das stimmt, nur wurde dem Interviewer in verkürzten Versionen die später auch publiziert wurden Teil der Aussagen im Mund herumgedreht. Auch Putin wurde von Hubert Seipel für die ARD Interviewt, nur hat sich Seipel damit den als Abwertung gemeinten Titel „Putin-Versteher“ eingehandelt.
Ich bin der Auffassung unser Beruf erfordert, mit jedem zu reden, was nicht bedeutet, dass alles, was meine Interview-Partner sagen, meine Meinung wäre. Auch ein Kripobeamter ist nicht automatisch derselben Meinung wie die Person, die er ins Präsidium bittet und niemand würde auf die absurde Idee kommen das zu behaupten. Als Journalist muss man sich diese Unterstellung häufiger anhören.

Sie waren Angestellter beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk, heute betreiben Sie mit KenFM Ihre eigene Plattform. Wie ergeht es Ihnen damit, wenn Sie die heutige mit der damaligen Situation vergleichen?
Jebsen: Hervorragend. Früher war ich Werksfahrer bei Volkswagen, heute bin ich der Kopf eines eigenen „Rennstalls“ mit diversen „Fahrern“. „KenFM im Gespräch“ oder „Positionen“ sind die mit den aktuell größten Reichweiten, aber „Missing Link“ von Dirk Pohlmann oder „Rebellunion“ von Pedram Shahyar laufen auch immer besser. Zudem haben wir rund 20 freie Autoren, die bei KenFM ihre Texte veröffentlichen, darunter Rainer Rupp in etwa, Willy Wimmer, Ulrich Gellermann, Dirk Fleck, Wolfgang Bittner. Ich rede diesen Autoren nicht rein. Als Verleger lasse ich die Meinung Dritter unkommentiert und unzensiert zu. Was ich heute mache, könnte ich in der Ausführlichkeit beim ÖR gar nicht. Die Qualität, die wir bei KenFM herstellen, muss sich nicht hinter ARD und ZDF verstecken. „Positionen“ oder „KenFM im Gespräch“ könnten auch bei ARTE laufen. Wir drehen auf Filmkameras, wir sind die einzigen, die eine Talkshow mit Tiefenschärfe machen. Das war nicht nur eine ästhetische sonder auch ein symbolische Entscheidung. Bei uns gibt es kein Bewegtbild – das ist wie im guten, alten französischen Dokumentarfilm, oder wie früher bei Günter Gaus: Standbild, das gesprochene Wort zählt.
Generell gilt: Es darf nichts Menschenverachtendes stattfinden, oder publiziert werden. Jede Form von Output muss dem Humanismus verpflichtet sein. KenFM Autoren können gerne eine andere
Meinung zu Bernie Sanders oder zur AfD haben als ich. Mich interessiert vor allem ihre Meinung, ihre Sicht. Das ist Demokratie: andere Meinungen aushalten.

Lassen Sie sich von einer Meinung auch mal umstimmen?
Jebsen: Ich lerne jeden Tag dazu. Wäre ich nicht Journalist, wäre ich Staatsanwalt geworden, hätte Soziologie studiert, ich hätte mich um Leute gekümmert, die auf die völlig schiefe Bahn gekommen sind. Weil mich das Motiv dahinter interessiert. Die Leute sind ja nicht merkwürdig auf die Welt gekommen, sondern die sind so geworden, durch die Gesellschaft. Und mich interessiert der Prozess dahinter. Ich mache sozusagen Grundlagenforschung, Mustererkennung.

Hat KenFM eine politische Ausrichtung?
Jebsen: Unsere politische Ausrichtung ist, dass wir tolerant sind und Gesellschaftsprozesse abbilden wollen. Das ist Journalismus meiner Meinung nach. Oder um Orwell zu zitieren: Journalismus heißt, etwas zu drucken, von dem jemand will, dass es nicht gedruckt wird. Alles andere ist Public Relations.
Einige Autoren der „Jungen Welt“ veröffentlichen bei uns ihre Volltexte, die sie bei ihrer Zeitung nicht unterbringen können, dort redet denen der Verleger dauernd rein. Das ist aber nicht sein Job, sondern ein Verleger muss eine Plattform bilden, wo dann unterschiedliche Meinungen stattfinden. Wenn Gerhard Wisnewski bei mir in der Talkshow Dinge sagt, die ich anders sehe, dann darf er es trotzdem sagen. Es geht nicht darum, was der Moderator denkt, sondern darum was der Gast denkt.
Beispiel Assad: Er hat sich im ARD-Interview ganz anders dargestellt als über ihn berichtet wird. Ich bin nicht sein Kumpel, aber wenn er dem Westen vorhält, dass er immer über Kriegsverbrechen spricht, wenn es die anderen betrifft, und nicht die eigenen Kriegsverbrechen zum Beispiel im Irak benennt, wenn Assad diese Bigotterie zeigt, dann hat er Recht. Auch die Gegenseite kann mit ihren Argumenten richtig liegen. Am Ende soll der User darüber entscheiden, für wie glaubwürdig er jemanden wie Assad hält, und nicht Dritte, die ihm vorschreiben, wie er über Assad zu denken hat. Ich muss auch mit Leuten reden, die eine Meinung oder ein Weltbild vertreten wo ich sage: Verstehe ich nicht. Mein Job ist es, diese Positionen abzubilden – und nicht nur die Leute zu zeigen, die mir in das eigene Weltbild passen.

Können Sie wichtige Personen nennen, die vom ÖR nicht abgebildet werden, die Sie dort als Interview-Partner vermissen?
Jebsen: Wir haben zum Beispiel ein Interview mit James Risen veröffentlicht, dem Autor von „Krieg um jeden Preis“ – warum läuft so etwas nicht in ARD und ZDF? Die könnten Interviews mit Noam Chomsky oder Daniel Ellsberg führen, das machen die aber nur in Ausnahmefällen. Warum hat kein ARD-Sender ein langes Interview mit Julian Assange gemacht, oder mit Ilan Pappe? – Da gibt es eine rote Linie. Das ist Kreisklasse zu GEZ Preisen. KenFM orientiert sich an der Formel 1. Ich brauche auch keinen riesigen Apparat dafür, sondern ich rufe einen Interview-Partner an und 90 Prozent der Leute sind bereit mit uns zu sprechen. Und wenn wir dann noch sagen: Sie haben so viel Zeit wie Sie wollen – dann freuen die sich. Unsere Sendung „Positionen“ geht drei Stunden, welcher Sender kann schon von sich behaupten, eine dreistündige Gesprächsrunde zu machen? Dort gibt es Talkshows mit Betonung auf Show. Etwas völlig Anderes.

Und Sie suchen sich auch Gesprächspartner, die die Dinge ganz anders sehen als Sie?
Jebsen: Ja. Wir versuchen zum Beispiel gerade, ein Interview mit einem AfD-Kopf zu bekommen. Aber es ist nicht bei allen einfach. Das ist ähnlich wie bei Michel Friedman: Die Leute wissen, wenn sie zu ihm gehen, dass es unangenehm werden kann.
Bei „Positionen“ scheitert es häufig am Termin, zu dem ja mehrere Leute in der Stadt sein müssen. Jemand wie Jürgen Todenhöfer, Gerhard Schröder oder Wladimir Putin zu kriegen, ist schwierig, die haben volle Terminkalender. Journalist sein bedeute aber eben auch Geduld zu haben. Haben wir.

Wie wäre es zum Beispiel mit John Kornblum?
Jebsen: Den würde ich sofort einladen, ein extrem interessanter Gast, die Frage ist nur, ob er kommt. Man könnte offen darüber reden, wie das damals bei der Wiedervereinigung geplant war – und was draus geworden ist. Die Frage ist, ob er dann auch so reden darf. Ich kenne ja die Absprachen beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Das ist wie beim Schauspiel: Ihr steht für die Position und Ihr für die. Im Rahmen dieser Begrenzung passiert nur selten etwas, was ich interessant finde. Zum Beispiel das, was Horst Seehofer beim ZDF off the record gesagt hat.

Was sind das für Absprachen, die Sie erwähnen, wo sind die festgehalten?
Jebsen: Man weiß dort, wen man einlädt. Die Interview-Partner stehen für eine politische Richtung, der sie nicht widersprechen werden. Es gibt ein Interview von Anne Will mit Angela Merkel, wo sie das sogar sagt: „Ist das schon die Stelle, wo ich das sagen darf?“ – Da wird vorher drüber geredet, was man fragt, wie man fragt. Und gewisse Dinge werden nicht gefragt, sonst ist der Interviewer seinen Job los.

Anne Will enttarnte in ihrer Sendung einen Claqueur von Heiko Maas. So etwas ist abgesprochen?
Jebsen: Diese Sendung habe ich nicht gesehen. Ich gucke Anne Will, Maybritt Illner oder Markus Lanz nur noch in Ausnahmefällen und dann bei Youtube. Die Moderatoren sind dort wie Schauspieler und ein Schauspieler ist ans Drehbuch gebunden, sonst ist er seinen Job los. Die Moderatoren wissen, dass sie ihren Sendeplatz nur behalten, wenn sie eine systemkompatible Berichterstattung machen. Das behaupte nicht ich, sondern das sagt sogar Wolfgang Herles vom ZDF
. Natürlich gibt es eine Berichterstattung, die einer politischen Linie entsprechen muss. Die Produktionsfirmen sind Wirtschaftsunternehmen mit vielen Angestellten, die haben wirtschaftliche Zwänge. Die sind nicht wirklich unabhängig, die müssen diesen Sendeplatz behalten.
An dieser Stelle sei auf die innere Pressefreiheit verwiesen. Was Sie innerhalb des Hauses nicht durch bekommen, landet gar nicht erst im Blatt. Diese Aussage stammt von Harald Schumann
, der lange für den „Spiegel“ gearbeitet hat, bis ihm diese Zensur gegen den Strich ging.

Zitiert

Ich habe noch nie so frei arbeiten können wie heute.

Ken Jebsen

Wenn wir über Wirtschaftlichkeit sprechen: Wie groß ist Ihr Team und wie finanzieren Sie es?
Jebsen: Wir sind ein Kernteam von fünf Leuten und 15 drum herum. Finanziert wird das durch Crowdfunding. Wir kriegen sehr oft den symbolischen Beitrag von 17,50€ überwiesen, also in Höhe des Rundfunkbeitrages.

Kann im Prinzip jeder in Ihre Sendung kommen, oder gibt es bestimmte Begrenzungen?
Jebsen: Die Grenzen liegen dort, wo Menschen meine Sendung missbrauchen würden, um aus meiner Sicht Schwachsinn zu veröffentlichen. Es gibt Personen, deren Meinung ich bigott finde.

Zum Beispiel?
Jebsen: Alexander Gauland steht für mich auf der Kippe: Er war 40 Jahre CDU und bedient jetzt ganz klar eine deutsch-nationales Klientel. Gauland ist aber nicht doof, im Sinne von er wüsste nicht welche Knöpfe er drückt und welchen Effekt das haben kann. Er spielt mit Stammtisch-Parolen um auf seine alten Tage politisch zu charten. Ich kann ihn mir als Gesprächspartner vorstellen. Es reicht nämlich nicht, einer Beatrix von Storch eine Sahnetorte ins Gesicht zu schmeißen. Man muss sich mit den Positionen der AfD auseinandersetzen. Man kann die einladen und versuchen, sie im Gespräch zu entzaubern. Ob es gelingt ist eine andere Frage. Es besteht immer die Gefahr, von einem intelligenten Gesprächspartner missbraucht zu werden, für seine PR. Frauke Petry ist auf diesem Feld äußerst geschickt. Wenn jemand Positionen vertritt, die ich für gefährlich halte, dann würde ich mich ihm dennoch nähern. Nähern müssen. Aber eben nie naiv. Ulrich Seipel sagte mir gegenüber „Politiker missbrauchen Journalisten – Journalisten missbrauchen Politiker“. Ich nutze eine andere Metapher: Heinz Sielmann hat als Tierfilmer auch Geschöpfe gezeigt die giftig waren, aus menschlicher Sicht hässlich oder extrem angriffslustig. Das Reich der wilden Tiere ist komplex. Das Reich der hohen Tiere auch. Wer aber nur Slogans veröffentlicht, um Gazetten mit Propaganda zu verkaufen, ist für mich nicht interessant.

Würden Sie mit jemandem sprechen, dessen Positionen gegen deutsche Gesetze verstoßen? – Beatrix von Storch vertrat beispielsweise die Position, man müsse auf Flüchtlinge an deutschen Grenzen gegebenenfalls schießen.
Jebsen: Wenn sich jemand verspricht oder im Affekt übertreibt, wäre das kein Ausschlussgrund für mich. Wenn jemand allerdings seine Verstöße betonen würde, dann wäre derjenige irre, und ich müsste mich ihm auf andere Weise nähern.
Wenn so jemand gewählt ist, dann ist das Gesagte auch automatisch relevant, dann stellt die Person womöglich eine Gefahr dar. Dann muss ich mich auf diesem sehr dünnen Eis bewegen. Wenn so jemand ein politisches Amt anstrebt und Macht bekommt, muss ich mich mit ihm auseinandersetzen. Deshalb bin ich auch als politischer Aktivist nach Plauen gegangen…

…wo Sie auf einer Demonstration der Initiative „Wir sind Deutschland“ eine Rede hielten.
Jebsen: Weil ich mir Sorgen mache, dass die Menschen dort irgendwelchen Leuten und deren einfachen Parolen hinterherlaufen, weil sie wütend sind. Bevor die zu Mitläufern werden, durch Connewitz rennen und alles einschlagen, versuche ich zu retten, was zu retten ist. Dort bin ich eine Art Sozialarbeiter, der zuhört und zu verstehen versucht, warum die Menschen wütend sind. Ich sage ihnen auch, dass ich selbst einer von diesen „fiesen Ausländern“ bin.

Journalist und Aktivist? Lässt sich das vernünftig vereinen?
Jebsen: Nicht, wenn man glaubt, dass beides mit Vernunft zu tun hat. Politischer Journalist und Aktivist zu sein bedeutet, auf den Herzinfarkt hinzuarbeiten. Auch die Bezahlung ist mäßig. Man macht das nur, wenn man besessen oder einer Aufgabe verfallen ist.

Finanziell mag es unvernünftig sein, ist es denn arbeitsethisch vertretbar, im Hinblick auf die Neutralität von Journalisten?
Jebsen: Hajo Friedrichs sagte ja, „Ein Journalist macht sich mit keiner Sache gemein, auch nicht mit einer guten“. Andererseits bin ich Bürger dieses Landes und Vater von drei Kindern, darüber muss ich mir auch Gedanken machen. Und wenn ich als Aktivist auf eine Veranstaltung gehe, kann ich den Journalisten nicht zu Hause lassen, ich werde ja als Journalist wahrgenommen.

Sind Sie in Ihrer Berichterstattung parteiisch?
Jebsen: Ich bin dahingehend parteiisch, dass ich mich ganz klar gegen jede kriegerische Auseinandersetzung äußere. Wenn das an meiner journalistischen Glaubwürdigkeit kratzt, muss ich damit leben. Aber oft sagen mir Leute, dass es meiner Glaubwürdigkeit eher nützt.
Ich würde niemals wohlwollend über den Einsatz von Massenvernichtungswaffen berichten, das empfinde ich aber auch nicht als ideologisch gefärbt. Und ich vertrete meine Position auf Bühnen, weil ich gemerkt habe, dass der Journalismus, den ich bislang betrieben habe, die Leute nicht auf die Straße gebracht hat. Es hat die Sache für die Menschen nicht persönlich gemacht. Also, was bringt dieser Journalismus dann überhaupt?

Es geht Ihnen also um mehr als nur um Berichterstattung.
Jebsen: In dem Moment, wo ich mich vor eine Kamera gestellt und ein persönliches Statement abgegeben habe, sagten die Leute zu mir: Das hat mich berührt, das hat mich politisiert. Und das ist das, was ich will: Die Leute sollen politisiert werden. Bei mir arbeiten Leute, die 20 Jahre bei der „Ergo direkt“ gearbeitet haben. Die haben dort gekündigt.
Wir alle wissen doch mehr oder weniger was auf diesem Planeten gespielt wird, wir sehen was passiert. Wir können erkennen, dass es kriegerischer wird, dass wir uns hochrüsten und dass wir uns ganz klar auf einen Dritten Weltkrieg vorbereiten. Kriege sollen wieder führbar werden, auch für deutsche Soldaten.
Aus der Bundeswehr wurde eine mobile Eingreiftruppe, die weit außerhalb des NATO-Territoriums agiert. Die Bundeswehr least jetzt Drohnen die man auch bewaffnen kann. Deutsche Soldaten stehen 150 km vor der russischen Grenze und Frau von der Leyen verkauft uns das als „Vorne Präsenz“. Diese ganze Richtung ist das Gegenteil der Ostpolitik von Brandt, Bahr oder Palme. Auch Kohl hätte nie so gehandelt.

Sie sagen, es wird „kriegerischer“, aber spricht nicht dagegen, dass vor geraumer Zeit die Wehrpflicht in Deutschland abgeschafft wurde?
Jebsen: Nein. Es war die Aufgabe des ehemaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg, die Idee vom „Staatsbürger in Uniform“ gegen eine Söldnerarmee von Freiwilligen einzutauschen. Denn die Söldner machen das freiwillig, die kann man überall hinschicken. Berufskiller, die für das Töten bezahlt werden, die machen ihren Job.

Allerdings ging mit der Abschaffung der Wehrpflicht eine Reduzierung des Heeres einher.
Jebsen: Natürlich, aber die Schlagkraft wuchs. Sie agiert auch nicht nur an den deutschen Grenzen, was eigentlich ihr Job wäre, sondern die Bundeswehr arbeitet immer mehr im Ausland. Und wenn sie am Hindukusch oder in Somalia agiert, wird dafür Gerät angeschafft. Krieg wird heute von kleinen mobilen Einheiten geführt, unterstützt durch starke Luftraumüberwachung und Drohneneinsätze. Das ist viel effizienter als eine riesige Flotte zu befehligen.
Natürlich haben wir jetzt eine kleinere Bundeswehr, aber jemand, der sich heute bei der Bundeswehr bewirbt, der will diesen Job machen. Der stellt die Moralfrage nicht.

Es gibt aber auch immer wieder Berichte darüber, dass die Truppe demotiviert ist.
Jebsen: Im Moment ist das so. Es wird aber abgefedert durch riesige Kampagnen, zum Beispiel, dass man sich mehr um die Frauen kümmern will.
Die Deutschen haben im Moment keine Lust auf Krieg, trotz aller Propaganda wollen sie nicht gegen Russland sein, auch weil ihnen der Zweite Weltkrieg noch in den Knochen steckt. Fraglich ist allerdings, ob das in 25 Jahren noch so ist. Und wenn dann noch der Parlamentsvorbehalt gekippt werden sollte – woran massiv gearbeitet wird – dann wird die Bundeswehr im Pentagon kommandiert. Dann spielt der Bundestag dafür überhaupt keine Rolle mehr. Das ist das Ziel von alledem. Und wenn deutsche Soldaten im Ausland Leute umbringen und das nicht mehr über den deutschen Bundestag läuft – wo sind wir dann?

Haben die Wähler eine Chance, das zu verhindern?
Jebsen: Ich glaube nur wenn sie dazu massenweise auf die Straße gehen. Die Stunde der Bewährung ist heute. Jetzt. Hier.

In der Folge von „Me, Myself and Media“ (MMM) vom 07.03.2016 sagten Sie: „Ich bin ausgestiegen bei ARD und ZDF“. Was meinten Sie damit?
Jebsen: KenFM gab es bei Radio Fritz zehn Jahre. Und ich habe dort auch auch immer politische Spezialsendungen gemacht, zum Beispiel über „Depleated Uranium“, oder die Geld-Sendung. Ich wurde dann immer wieder gefragt: Muss die Sendung so lang sein?
Ich bin da ausgestiegen worden. Die Intendantin sagte im Medien-Magazin bei Jörg Wagner: Ken Jebsen hat sich nicht an vereinbarte Standards gehalten. Aber was meinte sie damit? Worüber man reden darf und über was nicht?
Ich habe immer zu meiner Redaktion gesagt: Ich verstehe mich als Reporter in einem Sender wie ein Arzt im Krankenhaus. Ich operiere jeden, der durch die Tür kommt, aber der Besitzer des Krankenhauses muss den Laden wirtschaftlich halten. Was wiegt höher, dass der Arzt seinen Job machen kann, oder die Wirtschaftlichkeit des Krankenhauses? Ich glaube, dass es höher wiegt, den Menschen zu helfen. Und mein Job ist, der Wahrheit zu ihrem Recht zu verhelfen, Leute zu Wort kommen zu lassen, auch Dinge anzusprechen, die einigen Leuten nicht passen.
Eine Sendung wie ich sie über den 11. September gemacht habe, konnte ich nur so lange machen, solange ich beim RBB die Freiheit dazu hatte. Nicht zensiert wurde. Ich wurde beim Jugendradio „Fritz“ aber nicht deshalb nicht zensiert, weil die Intendanz des RBB auf meiner Seite stand, sondern ich wurde nicht zensiert, weil die Intendanz meine Sendung nur sporadische hörte. Und wenn in diesem Moment gerade einen Live-Band ein 30 Minuten-Set ablieferte, gab es für die Chefetage keinen Grund, den Rest der Sendung auch noch zu hören. Sie haben die politischen Beiträge, die es immer gab, in jeder Sendung, schlicht verpasst. Radio wird in diesen Häusern deutlich weniger beobachtet. Das macht ARD-Radio um Längen besser als ARD-Fernsehen.

Warum sagen Sie denn nicht zu Ihren Zuschauern: „Ich bin ausgestiegen worden?“
Jebsen: Gut, das war dann ein Versprecher, meinetwegen. Aber dass ich ausgestiegen worden bin, das weiß ja jeder. Das ist allgemein bekannt.

Weiterhin sagten Sie in der MMM-Folge, Sie hätten lange für den NDR gearbeitet und dort Sachen sagen müssen, von denen sie nicht gewusst hätten, ob sie stimmen. Können Sie genauer erklären, worum es dabei ging?
Jebsen: Bei ARD und ZDF gibt es Richtlinien, wenn es politisch wird.

Diese Richtlinien stehen wo?
Jebsen: Die stehen eben nirgends. Das sagt auch Wolfgang Herles: Es heißt, ‚das muss so und so…‘ und dann weißt du schon automatisch, was du besser nicht tust.
Bei Radio 4U sind wir noch einen anderen Weg gegangen. Wir wurden dort erzogen, Rock’n’Roll zu machen und den Kollegen auf die Füße zu treten. Wir sind auch regelmäßig beim SFB nach oben zitiert worden, wo wir gefragt wurden, ob das denn sein müsste, was wir da machen? – Ja, das muss so sein, ein Jugendsender muss provozieren, so wie früher beim Bayerischen Rundfunk der „Schlachthof“. Mein Chef hat immer hinter mir gestanden. Aber als ich gemerkt habe, dass es sich ändert, dass ich manche Dinge behaupten muss oder andere Dinge nicht sagen darf, die ich aber sagen möchte – da habe ich gesagt, ich mache nicht mehr mit.

Was konkret durften Sie nicht sagen?
Jebsen: Es fing an mit dem 11. September, da gab es im Sender gewisse Wordings: Du durftest nicht über WTC 7 reden. Das gibt es bis heute nicht, dass man das knallhart hinterfragt. Dass man einfach sagt: Die amerikanische Administration lügt wie gedruckt. Ich sage bis heute: der 11. September war ein Inside-Job. Aber das kriegen Sie niemals auf die Antenne. Und Gerhard Wisnewski ist beim ÖR rausgeflogen, weil er mit dem Bürgermeister von Shanksville geredet hat, der sagte: Hier war kein Flugzeug (Flug 93 United Airlines, Anm. d. Red.).
Irre ist, das die Reportage von Wisnewski „Aktenzeichen 11.9 ungelöst“ ausgestrahlt beim WDR 2003, natürlich im Vorfeld von den Justiziaren des Hauses auf Herz und Nieren geprüft worden war. Der WDR wusste genau, dass er hier ein Tabu-Thema streifte und darum sicherte er sich im Vorfeld maximal ab. Niemand der Verantwortlichen wollte sich später sagen lassen, er wäre durch mangelnde Recherche einen Scharlatan auf den Leim gegangen. Wisnewski war aber eben auch kein Scharlatan und seine Reportage waren nicht die „Hitlertagebücher“ des Stern.
Es gibt Tabuthemen, bestimmte Dinge darf man nicht hinterfragen.
[Anmerkung PI: Zu Wisnewskis Darstellung gibt es unterschiedliche Berichte, einen bei Telepolis, einen anderen im Spiegel.]

Man darf sie nicht hinterfragen, oder man darf nicht sagen: Die amerikanische Administration lügt?
Jebsen: Sie können alles herausfinden, aber sie kriegen es nicht auf die Antenne. Sie können auch bei der „Zeit“ alles recherchieren, die Zeitung ist aber ein NATO-affiner Block. Wenn Sie da etwas anderes schreiben, kommt Herr Joffe und sagt: Muss der Autor unbedingt für die „Zeit“ schreiben? Wenn Sie in der Bank Karriere machen wollen, hinterfragen Sie bestimmt nicht die Geldschöpfung.
Ich war aber so naiv und dachte: Beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk darf man alles sagen und alles fragen.

Und Sie sind sich sicher, dass man es nicht darf?
Jebsen: Man darf es, solange es um Rock’n’Roll geht, die Sache also nicht wirklich politisch ist. Wenn es nicht Dinge betrifft, die mit der NATO, mit Sicherheitspolitik, mit Geldpolitik, Drogenpolitik und mit Waffenexporten zu tun haben, sondern zum Beispiel mit Skaterparks.
Die Sender haben eine klare politische Agenda an der man sich ausrichtet. Und in den Rundfunkräten sitzen Leute mit Parteibuch, die dafür sorgen, das gewisse Themen nicht besprochen werden.

Sie erwähnen Wolfgang Herles, der einmal im Deutschlandfunk sagte, es gebe einen „Regierungsjournalismus“ beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Das zitierten Sie bei einem Vortrag in Aachen im Februar 2016. Zwei Wochen vor diesem Vortrag erschien im dem Freitag ein Interview, in dem Herles sagte: „Da ist nichts von oben befohlen.“
Jebsen: Ich kenne das nicht, was Herr Herles im Freitag gesagt hat. Herles hat später gesagt – als ihm seine Äußerung beim Deutschlandfunk auf die Füße gefallen ist und er unter so einem großen Druck stand – er habe totalen Stuss geredet. Aber nein: Es gab danach einen Anruf, ob er noch ganz dicht ist, ob er an seinem Job hängt. Das war der Druck, der dann kam. Herr Herles hat einmal die Wahrheit gesagt.

Wenn Herles nun aber dem Freitag sagt: „Da ist nichts von oben befohlen“, klären Sie dann Ihre Zuschauer auf, wenn sich eine Quelle, auf die Sie sich berufen, anders äußert, als Sie es wiedergegeben haben?
Jebsen: Wenn wir bei KenFM sehen, dass wir einen Fehler gemacht haben, der uns ja letztlich schadet, wenn er gegen uns benutzt wird, dann räumen wir das auch ein. Ich räume ein, dass wir fehlbar sind.

Das heißt, es gibt auf KenFM auch Richtigstellungen?
Jebsen: Wir haben es noch nicht oft gemacht. Wir machen es aber bei MMM immer wieder, dass wir Fehler einräumen. Ich hatte mich zum Beispiel bei russischen Militärbasen vertan: Natürlich gibt es mehr als zwei Militärbasen Russlands außerhalb Russlands – ich habe das mit NGOs verwechselt. Ich spreche das aber auch frei, ohne Teleprompter.

Und diese Richtigstellung…
Jebsen: Die kommt jetzt. Aber lassen Sie uns auf Herles zurückkommen und seine Kernaussage, die lautet: Es gibt bei vielen Themen keine freie Berichterstattung, sondern eine Schere im Kopf. Man muss den Redakteuren beim ÖR gar nicht mehr sagen, dass es so sein muss, dass es Angela Merkel gefällt. Das hat er im Deutschlandfunk gesagt.

Sie benutzen häufig den Begriff Propaganda. Glauben Sie, Berichte in deutschen Medien werden bewusst gefälscht?
Jebsen: Tom Curley, der Chef von AP hat 2009 in einer Universität in Kansas/USA gesagt, er sei vom Pentagon dahingehend erpresst worden: Entweder er korrigiert seine Berichterstattung über die amerikanische Außenpolitik oder sie machen ihn persönlich und seinen Laden, also AP, kaputt.

Und in Deutschland?
Jebsen: Ist das ein Unterschied?

Wir fragten Sie nach Deutschland.
Jebsen: Sind die deutschen Medien mit amerikanischen verbandelt? Zum Beispiel Claus Kleber, Mitglied beim Aspen Institute und in der Atlantik-Brücke, ist das ein deutscher Journalist?

Nochmal unsere Frage: Gibt es in Deutschland Propaganda-Berichte? Werden Berichte verfälscht, um bestimmte Ziele staatlicherseits zu erreichen?
Jebsen: Die Frage ist: Was ist Propaganda? Propaganda ist das Weglassen von Wahrheiten. So lügt man auch. Zum Beispiel unsere Berichterstattung gegenüber der ehemaligen Sowjetunion: Warum reden wir über die Krim und über Russland, aber nicht über die NATO-Osterweiterung? Warum nicht? – Weil die Leute das nicht wissen sollen.
Berichte über den NATO-Krieg gegen Jugoslawien wie „Es begann mit einer Lüge“, seinerzeit ausgestrahlt beim ZDF, sind leider die Ausnahme und nicht die Regel. Schon im Titel zeigt das ZDF was es herausgefunden hat. Die Regierungen haben 1999 gelogen, um einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg vom Zaun zu brechen. Für Deutschland unter Rot/Grün war das der Sündenfall.(Anmerkung PI, Update: Der Film Es begann mit einer Lüge“ des ZDF thematisiert den Irak-Krieg, der WDR produzierte unter gleichem Titel die Doku „Es begann mit einer Lüge – Deutschlands Weg in den Kosovo Krieg“)

Dass über die NATO-Osterweiterung nicht geredet wird, haben wir nicht nachvollziehen können. Ihr Interview-Partner Daniele Ganser behauptet beispielsweise, dass keine Karten zur NATO-Osterweiterung publiziert werden. Wenn man das recherchiert, findet man sehr schnell solche Karten, z.B. bei der FAZ.
Jebsen: Es geht doch um eine ganz andere Aussage. Und die ist, dass es nicht ausgewogen ist. Die Berichterstattung gegenüber Russland und China ist nicht ausgewogen wie gegenüber den USA. Das wird niemand bestreiten. Coca-Cola hat doch einen größeren Marktanteil als Red Bull, oder wollen Sie das bestreiten? Dann können wir mit dem Interview aufhören.

Wir kamen ja zunächst von der Frage, ob es in Deutschland Propaganda gibt.
Jebsen: Natürlich, in jedem Land gibt es die. Anders gefragt: Gibt es keine? Was ist denn Wahrheit? Lügt Scholl-Latour, wenn er in seinem Buch „Russland im Zangengriff“ sagt, es geht nur um Interessen? Stimmt Zbigniew Brzezińskis Maisterplan der USA, den er in seinem Bestseller „Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft“ formulierte? Politik, Geopolitik wird von Wirtschaftsinteressen getrieben, von Militärs umgesetzt und von Politik und Presse verkauft.

Uns ging es um Ihren Vorwurf an deutsche Medien, dass sie Staatspropaganda betreiben.
Jebsen: Was ist denn Propaganda? Alle machen Propaganda. Jeder.

Also auch Sie?
Jebsen: Ich mache in meinem Fall auch Propaganda. Wenn Sie mehr Taschengeld haben wollen, dann machen Sie auf eine Weise Propaganda bei Ihren Eltern, dass die sich dafür entscheiden, Ihnen mehr zu geben.

Wenn Sie aber von staatlicher Propaganda sprechen, konnotieren Sie den Begriff negativ.
Jebsen: Ich konnotiere den Begriff überhaupt nicht negativ. Und auch nicht positiv. Früher hieß es Propaganda, heute heißt es PR. Public Relation. Es gibt 27.000 PR-Schergen des Pentagon mit einem Budget von 4,9 Milliarden, die sorgen dafür, dass in ihrem Sinn berichtet wird. Wenn die Journalisten in eine Richtung bringen wollen, dann geben sie denen die Informationen, die ihrer Position nutzen – und die anderen lassen sie weg. Das macht doch jeder so.

Was hat PR des Pentagon mit Ihrem Vorwurf zu tun, es gäbe in Deutschland Propaganda?
Jebsen: Deutschland und Russland sind über eine kurze Strecke Nachbarn. Wir sind gut miteinander ausgekommen, wir würden hier, im Ostteil der Stadt, nicht sitzen, wenn damals die Wiedervereinigung nicht so gelaufen wäre. Aber auf einmal ist Putin ein ganz böser Bube, der unbedingt weg muss und wir kommen angeblich nicht drum herum uns dort bewaffnet zu engagieren. Das ist Propaganda. Wer für Krieg schreibt ist ein Propaganda-Mann. Und ich mache Propaganda für Frieden. Ich bin extremer Pazifist. Ich bin auch dafür, dass die Atombomben aus Deutschland entfernt werden. Ich mache eine humanistische Propaganda. Ich bin gegen Krieg, gegen Aufhetzen, ich bin ein Hardcore-Aktivist, wenn es um Frieden geht. Und deswegen bin ich im Fadenkreuz. Beim militärischen Rüstungskomplex geht es um Multimilliarden Dollar, da kommen solche Typen wie ich auf den Index. James Risen genauso, die Regierung hat auch gegen ihn etwas unternommen. Die Regierung hat auch Jeremy Scahill bei seinen Recherchen zu „Dirty Wars“ immer wieder wissen lassen, bis wo seine Recherche zu gehen hat und wo sie aus „gesundheitlichen Gründen“ besser enden sollte. Jeder Journalist, der diesem Laden investigativ auf die Füße tritt, kriegt richtig Probleme. Versuchen Sie doch mal über das israelische Atomprogramm zu recherchieren. Versuchen Sie mit Mordechai Vanunu Kontakt aufzunehmen. Oder mit Theodore Kaczynski.

Wenn Sie Propaganda für den Frieden machen, laufen Sie dann ebenfalls Gefahr, dass Sie nur Dinge heranziehen, die Ihrer Propaganda dienlich sind?
Jebsen: Die Gefahr besteht immer, dass man ideologisch wird. Ich bin aber nicht ideologisch, nur in einem Punkt gibt es für mich keine Alternative: Es gibt keine Alternative zum Frieden. Darum geht es in meiner Arbeit generell. Meine Kinder sind 21, zwölf und acht und die werden niemals Uniform tragen. Dass irgendjemand sagt, wir müssen jetzt nach Russland, auf Leute schießen – nein, kommt nicht infrage!
Ich war im Bundeswehrkrankenhaus und habe dort Verletzte gesehen, Menschen ohne Beine. Die Leute, die das schönreden, die tolle Waffen und Bundeswehr-Werbung machen, „wir dienen Deutschland“, die suggerieren, die Bundeswehr wäre ein mittelständisches Unternehmen, das sind einfach totale Lügner. Und diesen Lügnern kann man nur entgegentreten, in dem man maximale Propaganda für Frieden macht.
„Du sollst nicht töten“ – das ist total populistisch. Es geht im Kern darum, dass unsere Generation, die ’45 nicht erlebt hat, aber die weiß, was bei rausgekommen ist, dass wir alles dafür tun, um zu verhindern, dass sich das wiederholt. Wir als Journalisten. Aber die meisten Journalisten tun das nicht, weil sie feige sind, weil sie bezüglich ihres Arbeitsplatzes abhängig sind. Und ich bin unabhängig. Es ging mir auch nie um Geld. Auch beim RBB nicht. Dort habe ich zum Beispiel Sendungen gemacht, wo ich Bands aus unterschiedlichen Kreisen zusammengebracht habe, um zu zeigen, dass sogar Punker und Jazzer in einem Raum sitzen können, ohne sich die Fresse zu polieren. Das ist ein Symbol. Wer mir daraus einen Strick drehen will, dem sage ich: Dann geh doch mit ins Kampfgebiet! Ich komme aus einer Familie mit 150 Toten. Ich bin gegen einen militärischen Konflikt, das ist der Ansatz bei allem, was ich mache.

Nochmal zurück zu unserer Frage: Welche Belege sehen Sie dafür, dass die Presse in Deutschland regierungsgesteuertist?
Jebsen: Wenn ich mir die Zeitung angucke, sehe ich dort ein einheitliches Putin-Bashing. Es wird sogar behauptet, er hätte die Krim besetzt, das stimmt aber juristisch gar nicht. Auf der Krim hat vor der Abspaltung ein Referendum stattgefunden. Es gab unabhängige Wahlbeobachter, zum Beispiel aus Österreich. Vor dem Anschluss an die Russische Föderation fand dann aber in Kiew ein von außen finanzierter Putsch statt. Ich erinnere nur an Victoria Nuland.
Es gibt juristisch einen enormen Unterschied zwischen Annexion und Sezession. Völkerrechtler Rainhard Merkel hat das in der FAZ detailliert beschrieben. Sein Artikel aus dem Jahre 2014 trägt den Titel „Kühle Ironie der Geschichte“.
Es gibt auch eine gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit seit dem 11. September. Man muss nur Moslems gegen Juden austauschen. Jedes Mal wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Irgendwann sind es dann die „faulen Griechen“ – mich kotzt das an, dieses Pauschalurteile.

Die „Pleite-Griechen“-Kampagne der Bild-Zeitung wurde von vielen Seiten kritisiert, u.a. vom deutschen Presserat.
Jebsen: Das mag sein. Aber ich habe mit vielen Journalisten darüber gesprochen und deren Kernaussage ist: Die Presse schwingt mit. Wenn die Regierung gegen einen Krieg ist – wie damals unter Schröder – schwingt die Presse mit. Und sie schwingt genauso mit, wenn die Regierung für Krieg ist.
Der Richter Thomas Fischer („Fischer im Recht“) sagt: Wir sind ein Überwachungsstaat. Wenn er, ein Bundesrichter, das so sagt: Warum bekommt er dann nicht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen eine Dreiviertel-Stunde zur Primetime? Oder wenn die Rede davon ist, dass wir den Syrern helfen müssen – warum reden wir dann nicht über die Sanktionen, die immer noch gegen Syrien laufen? Warum reden wir nicht darüber, wer die Flüchtlingsströme erzeugt? Das sind NATO-Kriege mit NATO-Bomben und die deutsche Rüstungsindustrie ist richtig dick dabei.

Und jemand wie Thomas Fischer kommt nicht in die öffentlich-rechtlichen Medien hinein, weil er konträre Positionen vertritt? (Anmerkung: Tatsächlich war Thomas Fischer schon zu Gast bei Markus Lanz und bei bei Maybrit Illner)
Jebsen: Jeder, der harte konträre Positionen vertritt, steht mehr oder weniger auf dem Index oder bekommt nicht die Fläche die er bekommen müsste wenn man die Wichtigkeit seiner Aussage zum Maßtab nimmt, oder seine Position. Fischer ist nicht irgendwer. Er sitzt in Karlsruhe. Warum wird einem solchen Mann, bei den Aussagen die er tätigt nicht eine 45-Minuten Reportage zur Prime-Time in einem GEZ Sender gewidmet? Weil man es nicht will.

Es gibt also einen „Index“ bei den Öffentlich-Rechtlichen…
Jebsen: Es gibt richtige Listen, wen man zu bestimmten Themen einlädt und wen man besser nicht einlädt, um sich die Karriere nicht zu versauen. Es gibt diese Listen.

Und diese Listen haben die Talkshow-Redaktionen?
Jebsen: Keine Ahnung wer die hat. Nur ist es eben kein Zufall das sie Ray McGovern oder Rainer Rupp niemals als Gast bei Anne Will sehen werden, damit die mal ihre Sicht zur NATO darlegen können. Das wird nicht passieren. Auch Oskar Lafontaine, Willy Wimmer, Albrecht Müller oder Brandon Bryant wird man bei Frank Plasberg nie einladen damit sie ihre Sicht zu Ramstein äußern können. Zufall? Nein. System.

Haben Sie einen Beleg für die Existenz dieser Listen?
Jebsen: Nein, den gibt es nicht. Gibt es Absprachen innerhalb der Banken? Bekommt man das schriftlich?
Du wirst bei den Öffentlich-Rechtlichen und bei den großen Zeitungen eingestellt, um deren Ausrichtung zu verkaufen: Wenn du dich dagegen zu sehr sträubst, wird man dir sagen: Das geht hier nicht, wir haben eine Blattlinie. Diese Blattlinie muss man aber nicht unbedingt aufschreiben.

Sie sprechen häufig über Verbindungen von Journalisten zur Atlantik-Brücke und dass diese nicht transparent gemacht werden. Nun war der Sender, der diese Verbindungen öffentlichkeitswirksam publik gemacht hat, das ZDF, welches Sie als Regierungspresse bezeichnen. Wie erklären Sie das?
Jebsen: Sie meinen „Die Anstalt“? Das ist zwar das ZDF, aber das ist eine Abteilung, die das unter dem Satire-Label macht. In dem Rahmen geht das.

Sie hätten sich dafür einen anderen Sendeplatz gewünscht?
Jebsen: Natürlich.

Dennoch: Widerspricht nicht die Tatsache, dass das ZDF diese Informationen gesendet hat, Ihrer Behauptung, beim ZDF handele es sich um Regierungspresse? Das ZDF hat ja auch noch vor Gericht um diese Darstellung gerungen.
Jebsen: Ausnahmen bestätigen die Regel. Der Rahmen des Satirischen ist allerdings etwas Anderes, als eine richtige journalistische Sendung. Und das wäre ja interessant: Eine Sendung, wo Mitglieder der Atlantik-Brücke, die beim ZDF arbeiten, befragt werden; wo man Claus Kleber befragt, ob dadurch nicht eine Befangenheit entsteht? Warum macht er diese Mitgliedschaft nicht öffentlich? – Die sollen das einfach bei sich raufschreiben, wie in der Formel 1. Dort steht der Sponsor drauf und ich weiß: Der fährt für Esso. Doch diese Journalisten machen Mauschelgeschäfte, die sind nicht transparent.

Sie bezweifeln die Unabhängigkeit des ÖR und von Medien wie der „Zeit“. Was ist mit der Organisation „Reporter ohne Grenzen“, vertrauen Sie deren Arbeit?
Jebsen: Natürlich macht „Reporter ohne Grenzen“ tolle Arbeit. Man muss nur immer gucken, wo sie Missstände nachweisen und wo sie es nicht tun. Das gleiche gilt für Amnesty International. Je größer der Einfluss von solchen Organisationen ist, desto mehr Kräfte gibt es, die versuchen, sie zu unterwandern und ihnen zu sagen: Das muss in diese Richtung gehen.

Ist „Reporter ohne Grenzen“ unterwandert?
Jebsen: Für mich ist das kein neutraler Laden. Auch Amnesty International ist für mich kein neutraler Laden.

Warum nicht?
Jebsen: Weil ich nicht genau weiß, ob die nicht tendenziös berichten. Was sie berichten ist schon sehr richtig – aber was berichten sie gleichzeitig nicht? Ich hätte gerne nach zehn Jahren Guantanamo einen ausführlichen Bericht darüber, was da los ist. Aber ich sehe das nicht.
[Anmerkung PI: Amnesty International berichtet über Guantanamo sehr häufig.]

Was ist mit dem Index zur Pressefreiheit von „Reporter ohne Grenzen“ – ist das für Sie eine Grundlage, über Pressefreiheit zu reden? Sie sagen ja, die Presse in Deutschland sei nicht frei…
Jebsen: Natürlich ist das überspitzt formuliert. Ein Journalist muss immer überspitzt formulieren, er kann nicht immer jedes Detail erläutern.
Frei wäre zum Beispiel, wenn die Bürger frei entscheiden könnten, ob sie den Rundfunkbeitrag bezahlen wollen und wenn ja, wofür ihr Beitrag verwendet wird, so dass ich zum Beispiel sagen kann: Meine GEZ-Gebühren gehen nur zu „Panorama“.

Aber nochmal zur Pressefreiheit…
Jebsen: Die Presse ist so frei, wie man es regelmäßig bei Tilo Jung sieht: Der kann in der Bundespressekonferenz frei fragen, nur kriegt er nicht die Antworten. Das ist die Freiheit, dass man nicht verblöden darf.
Und wenn man sich parlamentarische Kontroll-Kommissionen anschaut oder Banken-Rettungssysteme – da herrscht Verschwiegenheit. Da kannst du als Presse zehn mal nachfragen: Die dürfen darüber gar nicht reden. Da endet die Freiheit. Bei den Bereichen, die mich interessieren, gibt es keine Pressefreiheit. Ich würde gerne dabei sitzen, wenn Rüstungsexporte durchgewunken werden, ich möchte gerne wissen, wer als Nächstes neue Panzer bekommen soll. Doch ich erfahre immer erst später: Das hätte nicht passieren dürfen, wurde aber leider durchgewunken.

Das ist der Konflikt Pressefreiheit und Geheimhaltungsinteressen der Regierung.
Jebsen: Was ist denn wichtiger? Ein Staat ohne freie Presse oder eine freie Presse ohne Staat? – Ich wäre für Letzteres.

Aber ist die Presse in Deutschland nun frei Ihrer Ansicht nach oder nicht?
Jebsen: Sie ist freier als in Kasachstan, wahrscheinlich auch freier als in Teheran. Aber ich ruhe mich doch nicht auf meinen Lorbeeren aus. Sondern ich frage: Kriege ich für acht Milliarden GEZ-Gebühren das Programm, das ich haben will? – Und da bin ich total enttäuscht. Für das Geld, das die Öffentlich-Rechtlichen kassieren, sind sie außerdem zu wenig transparent.
Natürlich provoziere ich diejenigen, die der Meinung sind ‚wir können doch fast alles sagen‘. Können wir auch, aber nur fast.

Sie sagen ja selbst, dass Tilo Jung seinen Job machen kann.
Jebsen: Aber welchen Impact hat er? Was bringt das?

Seine Videos werden im Netz sehr häufig geklickt und auch von TV-Sendungen aufgegriffen. Er ist auch erst seit 2014 Mitglied in der Bundespressekonferenz.
Jebsen: Und wie lange darf er das noch? Irgendwann schmeißen die ihn raus.

Sie vermuten, dass Tilo Jung aus der BPK raus muss?
Jebsen: Irgendwann fliegt er raus, weil er denen tierisch auf die Nerven geht. Man merkt ja, dass er mit seinen Fragen den dort Sitzenden tierisch auf den Sender geht. Irgendwann sagen sie: Du bist ein Störenfried. Das wird passieren.

Aber dass Tilo Jung seine Fragen dort stellen kann, das sehen Sie nicht als Indiz von Pressefreiheit?
Jebsen: Wenn das ein Indiz für Pressefreiheit ist, wenn jemand, der ungefährlich ist, weil er keinen Impact hat, dort solche Fragen stellen kann, dann ist er natürlich absolut frei. Das ist, was Chomsky unter Konsens versteht: Man kann alle Fragen stellen, allerdings nur in einem abgesteckten Rahmen. Und wer macht es denn außer Tilo Jung noch? Was machen die anderen 150 Journalisten von den Top-Gazetten? Die sind doch nicht blöd, dass sie ihren Job gefährden. Da sehen wir die Freiheit. Die Leute müssen ihr Leben bezahlen.
Tilo Jung arbeitet auf sehr sportlichem Niveau mit kleinen Gopro-Kameras, der hat keine Kosten. Deswegen kann er das machen. Der arbeitet auch nicht in irgendeiner Chefredaktion, wo er nach oben kommen will. Er kann das dort machen, weil er eben nicht für die FAZ, die Süddeutsche und auch nicht für „Report aus Mainz“ arbeitet. Weil sonst würde sofort die BPK dort anrufen, und sie auffordern, diesen Clown abzuziehen.

Warum lässt das die Mehrheit der Journalisten mit sich machen? Warum akzeptieren sie angeblich diesen Maulkorb, von dem Sie hier sprechen?
Jebsen: Es gibt unter den Journalisten einen Konkurrenzkampf. Wenn du aufsteigen willst, musst du Geschichten bringen, zum Beispiel so etwas wie die Flick-Affäre ausgraben. Dann kommst du nach oben, kriegst einen guten Job und in den entsprechenden Läden wirst du von Politikern mit benutzt. Du benutzt die, die benutzen dich. Das ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Diekmann hat das mit Kohl gemacht, das ist ein gemeinsamer Aufstieg. Das bedient die Eitelkeit der Journalisten. Und darauf bin ich nicht scharf. Als Anne Will bekommst du natürlich viele Informationen und als Anne Will glaubst du auch irgendwann, die Politiker meinen dich. Aber sie meinen dich nicht, sondern du wirst benutzt, du bist nur eine Funktion. Anne Will ist nur so lange wertvoll so lange sie ihre Sendung macht.

Aber in dieses Bild, dass Journalisten von der Regierung für ihre Zwecke als Funktion genutzt werden, passt nicht der Fall Christian Wulff. Der amtierende Bundespräsident trat zurück aufgrund massiven Drucks der Medien, u.a. von Medien, denen Sie Staatspropaganda unterstellen. Wie erklären Sie das?
Jebsen: Der Mann ist in Ungnade gefallen. Nur warum ist er in Ungnade gefallen? Es gibt gewisse Spielregeln und Journalisten sind da letztlich auch Erfüllungsgehilfen. Auf der Liste sitzen sie weiter unten und machen dort ihren Job.

Sie meinen, dass die Journalisten hier „Erfüllungsgehilfen“ für jemanden waren aus dem politischen Spektrum, der Herrn Wulff zu Fall bringen wollte?
Jebsen: Das würde ich nicht sagen. Ich weiß nur, dass Wulff sich in Regierungskreisen und bei vielen anderen ziemlich unbeliebt gemacht hat. Und irgendwann wird ein Politiker zum Abschuss freigegeben.

Also war es Ihrer Meinung nach einer Order aus dem politischen Feld?
Jebsen: Natürlich aus dem politischen Feld. Die Journalisten können nicht einen Politiker fertig machen, weil sie Bock drauf haben, das funktioniert nicht. Die Journalisten sind Erfüllungsgehilfen.

Woher wissen Sie, dass es eine politische Order war?
Jebsen: Ich sage nicht, dass ich das weiß. Ich glaube, dass es so war. Er wurde politisch fallen gelassen, da haben Politiker beschlossen, dass er für sie nicht mehr tragbar ist. Wenn jemand politisch nicht mehr ins Lager passt, wird er aussortiert. Und die Presse hat den Rest erledigt.

Sie beklagen fehlende Transparenz beim ÖR. Sehen Sie sich selbst als transparent?
Jebsen: Was ist das?

Transparent wäre zum Beispiel, wenn Sie Ihre Biografie bei sich online stellen. Oder Ihrem Publikum den Versprecher über Ihr Ausscheiden beim RBB erklären…
Jebsen: Jeden Versprecher, den Sie mir nachweisen, den ich dringend erklären müsste, den erkläre ich. Und dann gucke ich mir an, was Sie alles falsch machen und dann müssen Sie es auch machen. Sie machen bestimmt Fehler. Ich auch.

Zurück zur Frage nach der Biografie. Warum findet man auf Ihrem Portal keinerlei Informationen über Sie, wie zum Beispiel einen Lebenslauf?
Jebsen: Das ist unerheblich. Und von dem, was bei Wikipedia über mich steht, stimmt nicht viel. Es gibt mindestens zwei Wikipedia-Einträge: Der englischen Ausgabe ist neutral, da geht es um Fakten zur Person und KenFM. Die deutsche Ausgabe ist ein bewusste Verleumdung, die sie extrem schwer korrigieren können, wie der Film „Die dunkle Seite der Wikipedia“ von Markus Fiedler und Frank-Michael Speer zeigen konnte.
Es geht bei KenFM nicht um mich, es gibt bei uns keine Chefredaktion, wo einer bestimmt, was Sache ist.

Das Portal ist nach Ihnen benannt, Sie tauchen in den meisten Videos auf und trotzdem sollen Ihre Leser nichts über Ihren Werdegang erfahren?
Jebsen: Wenn Sie Kinder haben, und wenn es dazu kommt, dass Ihnen Kollegen mit Baseball-Schlägern vor der Schule auflauern, dann stellen Sie Ihre Biografie nicht mehr rein. In dem Moment, wo Sie handfeste Morddrohungen bekommen, weil Sie das schreiben, was Sie schreiben, machen Sie es nicht mehr. Das ist dann das Ende der freien Presse. Und ich weiß genau, wovon ich rede. Ich musste die Kripo einschalten, weil das zu weit ging. Ich habe meine Büroadresse auch nicht hier, wo wir gerade sitzen, sondern aus Sicherheitsgründen woanders. Dazu hat mir die Kripo geraten. Nach der zehnten Morddrohung aufs Handy oder der Drohung, „wir wissen wo deine Kinder wohnen“. Wenn Sie vor der taz von Leuten zusammengeschlagen werden, und die taz-Leser zücken ihr Handy und gucken wie es ausgeht, dann wissen Sie genau, wo Sie sind. Wenn Sie in Kreuzberg in Ihrer französischen Stammkneipe von Leuten belästigt werden, mit Totschlägern und die anderen Kollegen drum herum gucken wie es ausgeht….

Sprechen Sie jetzt von Fällen, die Ihnen passiert sind?
Jebsen: Ja.

Sie selbst schalteten mehrfach Anwälte ein, um Berichte über Ihre Person aus dem Netz zu entfernen. Warum?
Jebsen: Weil die gelogen sind. Wer Fakten oder Aussagen erfindet, um mich zu belasten, tut das vorsätzlich und muss mit Post von meinen Anwälten rechnen. Ich halte das für legitim. Jeder der über öffentliche Personen Fakten erfindet, um ihnen zu schaden, bekommt in einem Rechtsstaat irgendwann ein Problem mit der Justiz. Er muss eine Gegendarstellung bringen oder eine Unterlassungserklärung unterschreiben.

Auch ein Bericht auf freitag.de von 2014 verschwand Anfang 2016 zwischenzeitlich, über 190 Kommentare wurden gelöscht. Wie lässt sich das vereinbaren mit Ihrem Streben nach Pressefreiheit?
Jebsen: Wenn ich Sie verleumden würde, dann hat das mit Pressefreiheit nichts zu tun, das ist durch die Pressefreiheit nicht gedeckt und auch nicht durch die Meinungsfreiheit. Wenn jemand vorsätzlich Dinge über mich behauptet, die nachweislich nicht stimmen, dann gehe ich dagegen vor. Wir sind hier in einer Rechtsanwaltskanzlei und ich habe mehrere Leute, die machen den ganzen Tag nur das. Und das ist super, das bringt jedes Mal Geld.

Was ist super? Was bringt jedes Mal Geld?
Jebsen: Es gibt dann jedes Mal eine Abmahnung. Da gibt es eine Schadensersatzklage. Das ist die einzige Methode, auf etwas, was immer wieder absichtlich falsch behauptet wird, zu reagieren. Wenn Sie einmal Post vom Anwalt bekommen haben, dann machen Sie das nie wieder, weil das so teuer ist. Und da weiß ich: Die ganzen Journalisten und Zeitungen haben eine begrenzte Kriegskasse.
Mir werden immer wieder Dinge unterstellt, was ich sei. Das ist durch die Meinungsfreiheit nicht gedeckt. Und wer so etwas schreibt, als Journalist, der muss mit den Konsequenzen rechnen.

Welches Problem hatten Sie denn mit der Band Antilopen Gang, die Sie aufgrund des Songs „Beate Zschäpe hört U2“ abgemahnt haben?
Jebsen: Auf die war ich persönlich sauer, weil ich weiß, wer deren Plattenfirma ist. Ich kenne die alle. Und wenn die gegen mich schießen, aus sportlichen Gründen, dann ärgert mich das einfach. Dagegen bin ich vorgegangen und habe verloren. Macht ja nichts. Die Antilopen Gang darf halt ihr Lied machen. Nur haben die mich mit Jürgen Elsässer und Verschwörungstheoretikern in einen Topf geworfen – und damit habe ich nichts zu tun.

Aber Sie hatten ja eine Zeit lang mit Elsässer zu tun.
Jebsen: Welche Probleme haben Sie denn mit Herrn Elsässer?

Dazu haben wir jetzt gar nichts gesagt.
Jebsen: Aber hätten Sie welche?

Wir haben nur gesagt, dass Sie mit ihm zu tun hatten.
Jebsen: Ich sage nur eins dazu: Es gibt Leute, die sagen, ich hätte mit Elsässer zusammen gearbeitet. Habe ich das? – Elsässer ist Verleger und er hat mir damals die Möglichkeit gegeben, auf der „Compact“-Bühne Interviews zu führen. Das hätte ich auch beim „Spiegel“ gemacht oder bei der „Zeit“, nur haben die mir nicht die Möglichkeit gegeben. Und als Elsässer anfing in einer Art und Weise zu publizieren, die rassistisch wurde, habe ich ihn darauf aufmerksam gemacht und bin ausgestiegen.

Das geschah dann vermutlich nachdem die Antilopen Gang den Song geschrieben hat.
Jebsen: Falsch. Das geschah deutlich früher und wurde in einem öffentlich publizierten Brief kund getan. Ich war dort nur einer von vielen, die diesen Brief unterschrieben hatten. Der Bruch mit Elsässer war spätestens unübersehbar als er im KenFM-Interview über Familienpolitik gesprochen hat. Meine häufigste Frage damals an ihn lautet „glauben Sie das jetzt alles wirklich?“
Elsässer war übrigens jahrelang Chefredakteur bei der „Jungen Welt“, er hat auch beim „Neuen Deutschland“ als Chefredakteur gearbeitet, er hat die „Jungle World“ gegründet, für „konkret“ gearbeitet – das ist also
euer Mann. Und ihr werft mir vor, dass ich mit dem Mann rede, den ihr jahrelang bezahlt habt? – Das verschweigt ihr immer. Jürgen Elsässer und Jutta Ditfurth gehörten über rund zehn Jahre dem selben politischen Lager an. Sie als gemeinsame Erfinder der Anti-Deutschen zu bezeichnen trifft meiner Meinung nach voll zu. Heute hassen sie sich wie die Pest. Eine weitere Gemeinsamkeit ist, dass sie es aus eigenen Antrieb geschafft haben, sich zu tragischen Figuren zu entwickeln. Beide sollten sich mal auf die Couch legen. Von mir aus auch getrennt.
[Anmerkung PI, 07.10.2016: Jürgen Elsässer war nicht Chefredakteur des Neuen Deutschland, sondern von April 2008 bis Januar 2009 als Mitarbeiter auf der Basis eines Honorarvertrags für die Zeitung tätig und nicht Teil der Redaktion. Warum sich das ND von Elsässer trennte steht hier.]

Zurück zur Antilopen Gang. Werfen Sie der Band vor, dass sie nicht den ganzen Kontext in ihrem Song erwähnt haben?
Jebsen: Nein, die Band ist unwichtig. Das sind schlechte Rapper, das ist das einzige, was ich ihnen vorwerfe. Die glauben, sie sind Public Enemy. Dazu vertreten sie neoliberale Positionen und sind für einen „starken Staat“. Wenn ich deutschen Rap mit politischen Inhalten hören will, der technisch auf der Höhe ist, höre ich lieber Chefket oder PA Sports.

Aber Sie mahnen doch keine Band ab, weil sie schlechte Rapper sind.
Jebsen: Nein. Ich hätte mich auch nicht über den Text mockiert, aber kennen Sie das Video?

Ja, in dem Video kommen Sie nicht vor.
Jebsen: Nein, aber an der Stelle, wo man über mich spricht, wo es heißt, man soll diesen Leuten mit allen Mitteln entgegentreten, ihnen das Maul stopfen, dort zeigen sie eine Faust, die zum Schlag ausholt. Das habe ich sofort am nächsten Tag auf der Straße gemerkt. Und wenn ich gleich rausgehe und Ihnen die Fresse poliere, dann will ich wissen, ob Sie noch gut auf mich zu sprechen sind. Wenn ich andere dazu anstifte, Ihnen die Zähne einzuschlagen, Ihre Kinder zu bedrohen – dann will ich von Ihnen wissen, ob Sie das noch witzig finden. Dieser subtile Gewaltaufruf im Video hatte für mich konkrete Folgen. Ich musste mit meiner Tochter zum Psychologen – wie finden Sie das eigentlich? Ist das noch Pressefreiheit? Ist das noch Kunstfreiheit? Würde es Ihnen leid tun, wenn man mich auf offener Straße erschießt, weil ein Fan dieser Band sich in der Pflicht sieht die Botschaft des Videos zu „interpretieren“ und umzusetzen – würden Sie sich da schuldig fühlen? Wahrscheinlich nicht.

Ich konnte in dem Video keinen Aufruf zur Gewalt gegen Sie erkennen.
Jebsen: Natürlich nicht. Aber ich habe das gemerkt, weil ich auf der Straße von Leuten bedroht wurde, die das Lied zitiert haben. Nur so bin ich überhaupt auf den Clip gekommen. Und da hört der Spaß auf. Das ist der Unterschied zu dem freien Journalismus, von dem Sie reden. Ich bin noch nie so oft körperlich bedroht worden, seit dem ich auf Friedensmahnwachen war. Und zwar richtig, von üblen Schlägertruppen, gern mit Taz unterm Arm. Und ich wüsste gerne von Ihnen, ob Sie das witzig finden.

Ich wusste bislang nichts von alldem und ich finde es nicht witzig. Mich haben nur die konkreten Hintergründe des Verfahrens gegen die Antilopen Gang interessiert. Genauso wie mich interessiert, warum Sie auf freitag.de einen Artikel entfernen lassen, der im Prinzip nur eine Zusammenfassung eines Monologs von Ihnen darstellt.
Jebsen: Welchen Monolog?

Der Monolog mit dem Titel „Zionismus ist Rassismus“. Sie könnten ja auch mit Ihren Kritikern reden, mit der Autorin des Artikels – anstatt den Artikel löschen zu lassen.
Jebsen: Sie meinen, die würde mit mir reden?
Der Beitrag heißt im Übrigen nicht „Zionismus ist Rassismus“ sondern „Zionistischer Rassismus“. Ist das ein Unterschied? Aber sicher. Der Unterschied ist erheblich. Zionismus ist Rassismus würde bedeuten, jede Form des Zionismus wäre Rassismus. Das ist falsch und wurde von mir nie behauptet. Im Beitrag „Zionistischer Rassismus“ geht es um den politischen Zionismus, der extrem rassistische Begründungen für sein Handeln anführt. Sehen sie sich in den seit 1967 von der israelischen Armee besetzen Gebieten um – ohne Rassistische Auslegung einer Ideologie wäre das gar nicht möglich. Mein Beitrag basiert übrigens zu 100% auf israelischen Quellen. Ilan Pappe, Shlomo Sand, Moshe Zuckermann, Gideon Levy und den Tagebüchern von Ben Gurion.
Es ist eine Zusammenfassung von Fakten, die den Status quo Israels zum Kern haben. Die Staatsgründung 1948 lief alles andere als friedlich ab. Im Gegenteil, sie lief extrem blutig und brutal ab. Massenerschießungen, Terroranschläge, Massenvertreibungen, Massenenteignungen waren schon über Monate im Vorfeld das Leid, das man den Ureinwohnern, den Palästinensern, zugemutet hatte. Auf Befehl von ganz oben. Das Problem von Deutschland auch 2016 ist, dass wir aufgrund unserer Geschichte nicht den Mumm haben, auf diese israelischen Kriegsverbrechen hinzuweisen. Ich tue das dennoch, immer wieder und befinde mich damit in einer Reihe mit den oben genannten Autoren. Wenn wir etwas aus unsere Geschichte lernen sollten, dann ist es, gegen Willkür und Terror aufzustehen. Man kann nicht von den Türken verlangen sich endlich zu ihren Untaten an den Armeniern zu bekennen und parallel dazu die Nakba totschweigen. Das ist verlogen und feige und da mache ich nicht mit.
Aber zurück zu ihrer Frage
Sie meinen, die Autorin des Freitag würde mit mir reden?

Sicher. Sie schreibt auch in ihrem Blog, dass ihr nicht mitgeteilt wurde, aus welchem Grund der Artikel gelöscht wurde. Warum so eine Vorgehensweise, wenn Sie für eine freie Presse plädieren?
Jebsen: Weil es Spielregeln gibt. Ich mahne immer ab, wenn jemand behauptet, ich wäre wegen antisemitischer Äußerungen beim RBB geflogen. Weil es nicht stimmt. Und das stand bestimmt in diesem Artikel.
Ich muss allerdings dazu sagen: Ich selbst mache das gar nicht. Da gibt es eine Abteilung, die macht das, die haben dafür ein Standardschreiben. Ich selbst habe doch dafür keine Zeit, ich lese doch nicht den Freitag, um zu gucken, ob da irgendetwas über mich drin steht. Ich lese den ganzen Tag Bücher. Und irgendwann am Ende des Monats gibt es eine Besprechung, wo ich erfahre, wie die Verfahren gelaufen sind: Da haben wir gewonnen, da gibt es eine Gegendarstellung usw.

Und Ihr Rauswurf beim RBB basierte nicht auf antisemitischen Äußerungen.
Jebsen: Geschickt gemacht. Sie tun so als wüsten Sie das nicht genau. Durch das Wiederholen speziell falscher Tatsachen, gerne auch unter dem Vorwand es journalistisch nur ganz genau wissen zu wollen, reiben Sie dem Leser immer wieder ein, es wäre doch so. Kann ich auch.
Bitte denken Sie jetzt njcht an einen rosa Elefanten.! Stimmt es das Sie ihre Frau nicht mehr schlagen? – Damit ist dieser Teil des Gesprächs zu Ende. Ich bin nicht dumm.
(Anmerkung von PI: Ken Jebsen hat an dieser Stelle fünf seiner Antworten gestrichen und durch eine andere ersetzt. Er wirft uns Interviewern nachträglich vor, dass wir den Leser falsch informieren wollen. Diesem Vorwurf widersprechen wir. Leider hat Ken Jebsen es abgelehnt, seine Streichung rückgängig zu machen.)

Sie stellen in Ihren Beiträgen häufig Personen der NATO nahe. Brauchen Sie dafür eigentlich einen Beleg, eine Quelle?
Jebsen: Ich beobachte ja, wie jemand schreibt, wie er sich zu etwas äußert, wie er kommentiert, wie er politische und geschichtliche Ereignisse einordnet, teilweise wider besseren Wissens. Wo jemand bewusst Dinge weglässt. Aufgrund dessen kann ich sagen, dass jemand NATO-nah ist.

Das heißt, wenn Sie jemanden als „NATO-Journalisten“ bezeichnen, bedeutet das nicht, dass dieser Journalist direkte Verbindungen zur NATO hat…
Jebsen: Wenn jemand ständig schreibt, dass alles gut ist, was die NATO macht, und ich bei ihm nichts Kritisches über die NATO finde, dann kann ich sagen, der ist Nato-nah, der ist parteiisch. Ich sage nicht, dass er von der NATO bezahlt wird.
Wenn es heißt, „150 Tote in Somalia, wahrscheinlich Islamisten“ und das unkritisch übernommen wird, ohne zu fragen: Wer hat das beschlossen, dass die umgebracht werden? Sind vielleicht auch Nicht-Islamisten Opfer? – dann verspotte ich so etwas. „NATO-nah“ benutze ich als Spott.

Nicht nur Journalisten sondern auch die Künstlergruppen Zentrum für politische Schönheit und Peng! sind für Sie NATO-nah. Letztere haben mit ihren Aktionen u.a. gegen Shell, Google, fossile Energiegewinnung, gegen Vattenfall und gegen die Bundeswehr protestiert. Warum nennen Sie das Peng!-Kollektiv einen „NATO-Laden“?
Jebsen: Das Peng!-Kollektiv provoziert. Ich provoziere auch. Doch da wo es richtig weh tut, mal richtig Stress machen in Ramstein, da sehe ich die nicht, auch nicht wenn es um Rüstungsexporte geht. Ich bin gespannt ob sie mal etwas machen, was wirklich weh tut.

Was denken Sie denn über die Aktion „Erster Europäischer Mauerfall“ des Zentrums für politische Schönheit?
Jebsen: Dem Typen glaube ich gar nichts. Das Zentrum für politische Schönheit vertritt komplett die grüne Agenda und ist ein totaler NATO-Laden – das meine ich ernst.

Aber was hat jene Aktion, bei der mit Mauerkreuzen gegen die Flüchtlingspolitik der EU demonstriert wurde, mit der NATO zu tun?
Jebsen: Die laufen mit „Refugees-Welcome“-Schildern rum und fordern den Sturz von Assad. Die sollten lieber fragen, wie die Flüchtlingsströme erzeugt werden. Die sagen, den Flüchtlingen muss man helfen – aber die fliehen doch vor unseren Bomben, Bomben aus dem Westblock. Die Aktionen sind PR-mäßig gut aufgezogen, und jeder, der keinen Flüchtling aufnimmt ist nach deren Meinung ein Unmensch. Doch ich stelle die Frage: Woher kommen die ganzen Flüchtlinge?

Selbst wenn das Zentrum für politische Schönheit diese Frage nicht erörtert, so haben sie mit der Aktion die Aufmerksamkeit auf die Situation der Flüchtlinge gelenkt…
Jebsen: Das glaube ich nicht. Die Flüchtlinge haben sie nur benutzt. Das sind Selbstdarsteller. Sie sind politisch auf der richtigen Seite, aber sie zeigen nur das Symptom, nicht die Ursache.

Woher weiß man eigentlich, ob Sie gerade provozieren oder es ernst meinen mit Ihrer NATO-Kritik?
Jebsen: Das weiß man nie. Ich appelliere ja auch dazu, alles zu hinterfragen, was ich sage. Ich bin keine Quelle, sondern am Ende nur eine subjektive Sicht auf etwas. Ich möchte, dass sich die Menschen auf die Suche nach Fehlern machen und sie mir nachweisen. Dann müssten sie sich allerdings mit der Materie beschäftigen – das ist das, was ich will. Ich möchte die Leute dafür begeistern, sich mit Themen wie der NATO, bei denen es um Leben und Tod geht, endlich auseinanderzusetzen. Ich lese schließlich jeden Tag in der Zeitung von Aktionen, die von der NATO gedeckelt werden.

Sagen Sie denn Ihren Zuschauern, dass Sie „keine Quelle“ sind?
Jebsen: Ja, jeden Tag. Wenn sich jemand darüber beschwert, dass ich nicht objektiv sei, hat er Recht: Es gibt keine Objektivität. Es handelt sich immer um die Einzelmeinung eines Journalisten. Um zu wissen, wie die Dinge wirklich sind, müsste ich zu allen Orten fahren, über die ich berichte. Dann ist das Ereignis aber meistens schon vorbei bzw. kann ich nicht mit allen Beteiligten sprechen.
Am Ende geht es um die Frage: Habe ich als Journalist einen moralischen Kompass? Hat dieser Beruf überhaupt etwas mit Moral und Ethik zu tun? – Ich finde schon. Und wenn jemand zur Legitimation von Gewalt aufruft, positioniere ich mich dagegen.

Und wenn Ihnen Fehler nachgewiesen werden publizieren Sie die auf Ihrer Internetseite?
Jebsen: Ja, wenn mir jemand einen Fehler nachweist und mich bittet eine Gegendarstellung zu machen, tue ich das. Warum auch nicht? Das hilft mir ja weiter.

Ein Video von Ihnen zum Ukraine-Konflikt trägt den Titel „Krim-Krimi und die wahren Hintergründe“. Woher wissen Sie eigentlich wie die Wahrheit aussieht?
Jebsen: Zum Beispiel von Victoria Nuland, George Friedman,
Brzeziński oder NATO-General Philip Breedlove. Die wahren Hintergründe in der Ukraine sind geopolitische Interessen, es geht nicht um Menschenrechte, sondern darum, die Ukraine zu erschließen, man muss sich nur anschauen, wer die großen Gasfirmen führt. Es geht um Kapitalinteressen, das ist immer dasselbe. Der Krieg ist ein Geschäft, der einzelne Bürger spielt keine Rolle. Und es gibt Journalisten, die wider besseren Wissens da mitmachen. Ich mache da aber nicht mit. Und wenn mich Leute deswegen blöd finden oder bedrohen ist mir das egal. Denn ich werde nie Mitläufer werden. Ich werde nie Dinge aussprechen, zwecks Karriere, an die ich nicht glaube. Und wem meine Meinung nicht gefällt, der soll einfach umschalten. Ich lege mich nicht fest, ich irre mich sogar oft – und es ist gesund, sich zu irren.

Bei einer „Mahnwache für den Frieden“ am Brandenburger Tor im Mai 2014 berichteten Sie den Zuhörern, dass Sie via Facebook Kontakt zu einem Notarzt hatten, der bei dem Brand im Gewerkschaftshaus in Odessa angeblich von Faschisten daran gehindert wurde, Menschen zu retten. Ihr Fazit war: „Diese (die ukrainische) Regierung hat nicht mehr mein Vertrauen.“ Wussten Sie, dass das betreffende Facebook-Profil ein Fake war?
Jebsen: Nein, das wusste ich nicht. Was ist denn in dem Nachrichtenkrieg, mit dem wir es heute zu tun haben, noch echt? Auch ARD und ZDF haben schon alte Berichte aus dem Irak als aktuelle ausgestrahlt. Oder aus der Ukraine.

Klären Sie Ihre User denn im Nachhinein auf?
Jebsen: Ich nehme das als Anregung für eine nächste Sendung auf, in der wir publizieren, welchen Fakes wir aufgesessen sind. Man kann heute genau hinschauen und weiß trotzdem nicht, wie es tatsächlich ist.

Haben Sie schon mal eigene Beiträge gelöscht oder nachträglich geschnitten?
Jebsen: Nein, das wäre ja unlauter.

Youtube bietet einem ja diese Möglichkeit.
Jebsen: Ich mache das nicht. Wir haben zum Beispiel Interviews mit Leuten geführt, die sich verändert haben. Jürgen Elsässer haben wir 3-4 mal interviewt, und dann hat er sich auf ein sehr merkwürdiges Feld begeben, er ist richtig abgedriftet. Aber wir lassen das drin, denn das war ja damals so; das ist Geschichte. Das zu löschen wäre ja wie früher bei der „Prawda“, wo man Leute einfach wegretuschiert hat.

Spiegel TV hat behauptet, Sie hätten Ihren Beitrag zum Zionismus gelöscht.
Jebsen: Falsch, den habe ich geblockt, nachdem er auf Seiten publiziert wurde die national angehaucht waren. „Wenn man das richtige sagt, ist man nie sicher vor falschem Beifall“ – Gerhard Schröder.
Spiegel TV wird ja von Springer gemacht, Sie nennen also die „Bild“-Zeitung als Quelle.
Der Beitrag ist nicht gelöscht, sondern ich habe das Video im Youtube-Kanal auf privat gestellt, weil viele Leute sich darüber unglaublich aufgeregt haben. Der Beitrag ist in Textform noch im Netz zu finden, das Video nicht. Und der Text basiert wie schon erwähnt ausschließlich auf Büchern großer jüdischer Autoren. Wer den Text nicht haben will, müsste auch deren Werke wegschaffen. Hatten wir doch schon mal alles in Deutschland.
Ich habe bereits im Gespräch mit Pedram Shayar gesagt, dass es in dem Beitrag Formulierungen gab, die ich heute so nicht mehr tätigen würde.

Shahyar warf Ihnen vor, antisemitische Beispiele bzw. Begriffe für Ihre Israel-Kritik zu wählen.
Jebsen: Ich wurde damals provoziert und ich habe (mit dem Beitrag zum Zionismus) zurückprovoziert.

Für Kritik sorgte Ihre Aussage, dass Israel einen Genozid an den Palästinensern betreibe.
Jebsen: Ich bin nicht der erste, der das sagt. Wenn Sie „Die Holocaust-Industrie“ von Norman Finkelstein lesen, dann finden Sie das wieder. Der Journalist Gideon Levy nennt Israel „besatzungssüchtig“.

Besatzung und Genozid sind zwei verschiedene Dinge.
Jebsen: Es geht ums Prinzip. Und drehen wir es doch mal um: Wo ist die deutsche Presse, wenn es um die Verfehlungen Israels geht? Die Israelis schreiben Dinge wie „Arabs to the Gas Chambers“ an die Wand, das habe ich mit eigenen Augen gesehen, in Hebron, wo ich jüdische Verwandte habe. So etwas fordern radikale Zionisten und das stört mich sehr. Viel mehr noch stört mich, dass Journalisten wie Sie an so etwas keinen Anstoß nehmen. Ich werde die Nakba nicht schönreden, bestreiten oder ignorieren, nur weil ich ein deutschen Pass habe. Gerade deshalb auf gar keinen Fall.

Wäre es für Sie eigentlich denkbar, sich wählbar zu machen und Politiker zu werden?
Jebsen: Wenn Sie in die Politik gehen, verfolgen Sie eine politische Karriere, Sie sind abhängig davon, dass viele Leute Sie wählen und das ist wiederum stark abhängig davon, wie die Medien Sie darstellen. Auf diesem Weg an die politische Spitze haben sie irgendwann so viele Leichen im Keller liegen, dass viele ihrer ursprünglichen Ideen verschwinden. Joschka Fischer war erst bei einer Friedenspartei und dann bei jedem Krieg dabei. Das wird bei den Linken auch so sein. Es gibt dort einen stärker werdenden rechten Flügen und jemand wie Stefan Liebich ist bereits Mitglied der Atlantik Brücke. Damit fängt es an.
Jede Partei, die regierungsfähig werden will, muss zuerst ihren Kotau vor der NATO machen. Was ich in einer Partei durchsetzen wollen würde, würde so nie gewählt.

Sie meinen also, dass der Wähler es befürwortet, wenn jemand NATO-nah ist?
Jebsen: Nein. Aber es geht ja um die Frage, wie man etwas bewirkt. Und ich glaube, dass ich mit meiner Arbeit mehr Einfluss habe. Weil ich eben nicht Allianzen mit Leuten bilden muss, denen ich etwas schuldig bin, ich muss keine Kompromisse machen, ich bin auch nicht an den Fraktionszwang gebunden. Was dieses Kompromisse-machen bedeutet, das sehen wir doch heute bei den Grünen.

Unser politisches System sieht aber vor, dass Gesetze im Parlament gemacht werden. Überzeugungsarbeit außerhalb der Parlamente verändert noch keine Gesetze.
Jebsen: Das stimmt. Ich habe auch kein Problem mit der Grundidee des parlamentarischen Systems. Es ist aber in seiner jetzigen Form extrem korrupt. Allein die ganzen Berater, die im Bundestag ein- und ausgehen.

Die Vergabe von Hausausweisen an Lobbyisten wurde gerade erst eingeschränkt.
Jebsen: Das sind aber alles Geschichten, mit denen man dort große Probleme hat. Ich sehe doch, wie sich Politiker, die ich einst gut fand, auf dem Weg nach oben extrem verändert haben.
Wir brauchen viel mehr eine außerparlamentarische Opposition, die bereit ist auf die Straße zu gehen, mit Organisationen, Kirchen und Gewerkschaften, um den Politikern zu sagen: Das wollen wir nicht. Wenn man vergleicht, wie viele Menschen in den 80er-Jahren auf der Straße waren und wie wenige Menschen es heute sind, diese geringe Zahl ist heute ein massives Problem.

Glauben Sie, dass der Wähler grundsätzlich Gutes will?
Jebsen: Der Wähler will seine Ruhe haben. Und der Wähler will belogen werden. „Wer in einer Demokratie die Wahrheit sagt, wird von der Masse erschlagen“, das ist ein alter Satz.
Man muss natürlich der Bevölkerung auch die unangenehmen Dinge sagen, dafür wird man aber nicht gewählt, sondern dafür fliegt man raus.

Welche unangenehmen Wahrheiten wären das?
Jebsen: Zum Beispiel, dass der Energieverbrauch pro Kopf in Deutschland viel zu hoch ist, allein aufgrund des Fleisch-Konsums, oder durch den Benzinverbrauch – ich las gerade den Vergleich, dass jeder von uns im Grunde 60 Sklaven hat, ohne es zu wissen. Das sagen Sie dem Wähler aber nicht. Denn der Wähler möchte zwar, dass sich alles ändert, allerdings nur solange sich nichts für ihn selbst ändert. Ihm fällt es enorm schwer, liebgewonnene Dinge aufzugeben.
Ich glaube, dass es besser ist, wenn ich einfach mit gutem Beispiel vorangehe.

Was meinen Sie konkret?
Jebsen: Ich arbeite zum Beispiel an einem Think Tank, der im deutschsprachigen Raum dafür wirbt, eine Energieunabhängigkeit hinzubekommen, mit regenerativen Energien. Ich treffe mich auch mit Industriellen und spreche mit denen über den Konflikt mit Russland. Es gibt 6000 deutsch-russische Firmen, die Sanktionen bringen uns nichts. Das schadet ja der deutschen Wirtschaft – wie wäre es stattdessen mit Wandel durch Annäherung? Man muss diesem Land sein eigenes Tempo zugestehen. Es ist nicht so wie hier, aber überlegen Sie mal, wie es in Deutschland in den 60ern oder 80ern ausgesehen hat. Ich muss akzeptieren, dass es andere Länder gibt, andere Sitten, die mir nicht gefallen, damit muss ich leben. Anstatt zu sagen: Wenn die nicht so werden wie wir, dann ist das unser Feind.

Die Linke lehnt den Krieg ab, die Grünen passen zu Ihrem Energiekonzept – würden Sie die wählen?
Jebsen: In beiden Parteien gibt es Leute, die cool sind. Allerdings haben uns die Grünen auch nach Jugoslawien gebracht, als Friedenspartei – das haben sie verraten, die kann man nicht mehr wählen. Vielleicht sind sie gegen TTIP, aber wie stehen sie zur NATO?
Die Linke könnte man schon wählen, aber wenn sie an die Macht kommen, werden sie ihre Position nach und nach relativieren. Man muss sich nur Barack Obama anschauen: Der ist mit einem Friedensversprechen angetreten und bringt heute mehr Journalisten ins Gefängnis als seine Vorgänger. Dass der das jetzt angeblich alles anders macht – das ist ein Trick. Politik ist Show-Business.

Obama bringt mehr Journalisten ins Gefängnis als seine Vorgänger?
Jebsen: Seine Bilanz ist im Vergleich zu seinen sechs Vorgängern richtig gut – im negativen Sinne. Obama bringt Journalisten in den Knast und verfolgt sie regelrecht, wenn sie nicht regierungskonform berichten. Wer in den USA investigativ arbeitet, kriegt richtig Ärger.

Und Sie meinen damit jetzt nicht Whistleblower wie Chelsea Manning oder Edward Snowden.
Jebsen: Die meine ich genauso. Oder James Risen, der bekommt Druck von der Regierung, die ihn wirtschaftlich kaputt machen will.

Lassen Sie uns noch etwas konkreter über die NATO sprechen. Warum sind Sie eigentlich gegen die NATO?
Jebsen: Ich bin nicht gegen die NATO, da liegen Sie total falsch. Ich frage mich allerdings, warum die NATO seit der Wende auf so vielen Geländen operiert und ihre friedenssichernden Maßnahmen macht, weit außerhalb der NATO-Grenzen. Ich bin dagegen, dass die NATO außerhalb ihres Gebietes Kriege führt. Innerhalb ihres Territoriums soll die NATO dafür sorgen, dass ihre Mitgliedsländer nicht angegriffen werden, das ist ihr Job. Nach dem 11. September wurde der NATO-Fall ausgerufen – das ist ein Muster. Die NATO hat sich zu einem Moloch entwickelt, der Kriege vom Zaun bricht. Damit habe ich ein Problem, weil ich persönlich involviert bin, ich werde dann mit ins Gras beißen. Ich finde auch, dass Ramstein geschlossen gehört, denn das ist ein NATO-Stützpunkt von wo aus Angriffskriege und Drohnenangriffe operiert werden.
Aber ich habe kein Problem damit, wenn die NATO dafür sorgt, dass das NATO-Gebiet frei bleibt und dort demokratische Prozesse stattfinden. Bevor irgendjemand kommt und dieses Land angreift – da hätte ich die NATO dann schon ganz gern. Doch wenn die NATO bei Angriffskriegen dabei ist, dann widerspricht das dem Grundgesetz.

Heißt das nun, dass Sie Krieg befürworten, solange das Ziel der Frieden ist?
Jebsen: Krieg führen für den Frieden funktioniert nicht. Die NATO war als Abschreckungsbündnis gedacht. Sie hat sich allerdings in ein Angriffsbündnis verwandelt.

Kann man ohne Waffen abschrecken?
Jebsen: Gute Frage. Man kann mit Waffen abschrecken, aber Krieg führen für den Frieden, das kann man nicht. Jeder Krieg wird doch am Ende diplomatisch beendet, auch der Syrien-Krieg. Es wurden unzählige Menschen getötet und am Ende trifft man sich in Genf zu Verhandlungen. Das hätte man ja gleich machen können.

Sie nannten sich vorhin einen „extremen Pazifisten“. Was ist Ihre Definition von Pazifismus?
Jebsen: Für mich bedeutet das, niemals die Waffe zu ergreifen um auf jemanden zu schießen. Mein Pazifismus endet aber dort, wo jemand auf mich schießt. Dann bin ich in eine kriegerische Auseinandersetzung verwickelt, selbst wenn ich keine Waffe habe. Ich bin Pazifist, aber der Aggressor entscheidet, wo mein Pazifismus endet.

Die NATO versteht sich als Verteidigungsbündnis, Sie sehen darin ein Angriffsbündnis. Warum?
Jebsen: Die NATO wurde vor dem Warschauer Pakt gegründet, sie ist nach Auflösung des Warschauer Paktes geblieben und hat sich nach Osten erweitert,
[entgegen eigenen Beteuerungen, die] lügen ja den ganzen Tag. [Die sagen, sie greifen nicht auf der Krim ein, nach dem sie sich zehn Staaten angeeignet haben], das sind Lügner. Die NATO kann sich gerne ausbreiten, aber muss das in meiner Nachbarschaft passieren? Warum nicht irgendwo bei Kanada.
(Anmerkung: Sätze in [ ] waren akustisch schwer verständlich, Anm. d. Red)

Die NATO hat ihr Wesen verändert, weil es heute kein Gegengewicht mehr gibt, das daraus entstehende Machtvakuum nutzt sie aus. Das bedeutet, dass es kriegerische Auseinandersetzungen geben soll und wird. Es laufen ja die ganze Zeit schon verdeckte Aktionen, auf dem Majdan gab es verdeckte Aktionen – das ist ein Muster. Und am Ende geben sie es sogar zu und kommen damit durch.
Das Problem dabei ist: Wenn jemand bei VW Abgaswerte fälscht, muss er gehen. Wer Beweise für den Irak-Krieg fälscht, bleibt da wo er ist. Wo sitzt heute Tony Blair? – Jedenfalls nicht in Den Haag, wo er hingehört. Das findet auch Jeremy Corbyn. Nur wo sind da die Journalisten?

Jemand wie Jürgen Todenhöfer fordert regelmäßig, George Bush einen „Kriegsverbrecher“ zu nennen.
Jebsen: Das werden wir aber nicht erleben. Wir als Journalisten sind in dem Punkt auch nicht glaubwürdig, weil wir uns selbst angreifen, anstatt die Verursacher von Kriegen.

Wenn dem so ist, dass Kriegsverursacher ungestraft bleiben – bräuchte es dann Ihrer Meinung nach eine Revolution?
Jebsen: Eigentlich ja. Das Problem ist: Revolutionen enden immer blutig und befördern nur jene nach oben, die jetzt unten sind. Und die machen dann das Gleiche wie ihre Vorgänger. Ich will nicht die Eliten austauschen durch friedlichere Eliten, sondern der Machtmissbrauch muss begrenzt werden. Im Moment haben zu wenige Leute an der Spitze zu viel Macht. Ich bin nicht für Revolution sondern Evolution.

Das bedeutet?
Jebsen: Dass der Mensch als Spezies denkt, dass er seine Macht nicht aus Faulheit an Stellvertreter abgibt, sondern dass er sich wieder viel mehr im politischen Geschehen engagiert. Dafür brauchen wir Zeit. Wir arbeiten viel zu viel, anstatt uns um die Demokratie zu kümmern. Wir lassen zwar schon Maschinen für uns arbeiten und haben trotzdem keine Zeit. Unser Gesellschaftssystem ist krank. Viele Menschen sind heute Doppelverdiener und haben trotzdem Geldnöte. Wir geben die Macht, die uns zusteht, ab und wählen die Politiker, die wir als das geringere Übel empfinden. Die Demokratie bleibt dabei auf der Strecke.

Welche Aufgabe sehen Sie für sich in dieser Evolution?
Jebsen: Journalist, Aktivist und Vater zu sein. Als Journalist ist meine Aufgabe die Menschen erkennen zu lassen, dass unser System so abstrakt geworden ist, dass die Leute einerseits sehen, wie der Kahn absäuft und andererseits erklären ‚ich bin nicht zuständig‘.
Wenn man erkennt, dass ein Boot ein Leck hat und die Chefetage es nicht gestopft bekommt, dann müssen alle mit anpacken.

Aber wenn die Menschen keine Zeit haben, weil sie zu viel arbeiten?
Jebsen: Ein wichtiger Schritt bei dieser Evolution wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen: Man trennt die klassische Arbeit vom Geld, weil es heute einfach nicht mehr genug Arbeit gibt. Beziehungsweise gibt es viel Arbeit, die gering bezahlt wird, Menschen in der Altenpflege kommen schwerlich über die Runden, während ein DAX-Vorstand richtig viel Geld verdient, der Jobs abbaut und damit der Gesellschaft schadet. Die Leute müssen sich fragen, was sie mit ihrer Fertigkeit tun.

Die Leute sollten ihre Arbeitskraft sozusagen positiver einsetzen?
Jebsen: Wenn jemand ein guter Programmierer sein will, aber am Aufbau eines Überwachungsstaats mitarbeitet, muss er sich fragen, an was er da teilhat – und ob sich das nicht irgendwann gegen ihn selbst richtet. Menschen in großen Systemen neigen dazu, sich nur auf ihr Ding zu konzentrieren und das Große Ganze aus den Augen zu verlieren. Wir müssen wieder als Spezies denken. Wir müssen begreifen, dass die Bodenschätze auf diesem Planeten allen gehören, dass Krieg und Waffen weg gehören. Atomwaffen haben auf diesem Planeten nichts zu suchen. Nach dem Zweiten Weltkrieg sollten wir uns gemeinsam an einen Tisch setzen und miteinander reden, anstatt zu kämpfen. Wenn wir Angst voreinander haben, sollten wir uns mal kennenlernen und miteinander reden. Ich plädiere für große Klassenfahrten nach Russland anstatt NATO-Manöver abzuhalten. Und wenn die Politik das nicht macht, dann sollte sich jeder einzelne Bürger dazu berufen fühlen. Rainer Rothfuß macht das jetzt und ich fahre mit ihm mit nach Moskau. Der war Professor, ist aber bei seiner Uni rausgeflogen, weil er mit Russen geredet hat. Auch Daniele Ganser wurde von seiner Uni rausgeschmissen, nach einem Anruf des State Departments: weil Ganser gesagt hat, wie es läuft, weil er Fragen stellt, als Forscher. Das ist für mich Evolution, gegenzusteuern in einem System, das mehr oder weniger totalitär ist und jeden bestraft, der ausschert. Im Moment kommt noch kein Lastwagen, der mich abholt, ich stehe noch nicht auf dem Index. Aber mal sehen wie lange mein Youtube-Kanal noch läuft.

Sie suggerieren gerade, dass in Deutschland Journalisten wie Sie, Leute, die „ausscheren“ von der Regierung „bestraft“ werden. Wo sehen Sie dafür konkrete Anzeichen? Wo werden Blogger eingeschüchtert, wo werden Zeitungen geschlossen usw.?
Jebsen: Das sehe ich noch nicht. Aber das heißt ja nicht, dass es nicht noch kommt. Denn bei unseren Partnerländern dulden wir das ja. Wir sind von der Türkei im Moment so sehr abhängig, dass wir dort zwei Augen zudrücken. Unsere Regierung sieht darüber hinweg, wenn dort Journalisten ins Gefängnis gesteckt und Zeitungen geschlossen werden, weil wir die Flüchtlinge nicht an den eigenen Grenzen haben wollen. Selbst wenn Erdogan auf Flüchtlinge schießen lässt – egal, dann kriegt er halt mehr Geld und die Sache ist erledigt. Wo bleibt da der große Aufschrei? Ich sehe den nicht. Und wenn man es in der Türkei durchgehen lässt, dann hat man vielleicht übermorgen in Berlin auch kein Problem mehr damit.
Wenn allerdings Russland sich so verhalten würde wie im Moment die Türkei, dann gäbe es einen Aufschrei. – Für mich ist das alles nicht glaubhaft, die lügen, dass sich die Balken biegen und die Berichterstattung hierzulande ist überhaupt nicht ausgewogen.

Und sie ist auch unausgewogen im Hinblick auf die Ukraine?
Jebsen: Die Tendenz in der Berichterstattung war, dass Stimmung gemacht werden sollte, um in der Ukraine zu intervenieren. Die Regierung formuliert das dann in etwa so „manchmal muss man in den sauren Apfel beißen“ – dabei geht es darum, Menschen in großen Massen umzubringen. Da bin ich dagegen.
Ich verstehe übrigens auch nicht, warum auf Waffenschauen nie gezeigt wird, wozu die neuen Gewehre in der Lage sind. Die können Menschen unglaublich zerfetzen – warum wird das nicht gezeigt? – Für mich ist das alles tendenziös. Und ich werde beim Thema Krieg total emotional. Meine ganze Berichterstattung dreht sich darum: Krieg soll schöngeredet werden, Wirtschaftskriege, verdeckte Kriege usw. und ich soll mich dem gefälligst anschließen und mich auf die richtige Seite stellen. Aber es gibt keine richtige Seite.
Und weil ich mich dem nicht unterordne, hält man mich für einen Spinner; weil ich auf die Defizite im System hinweise, anstatt zu loben, dass die Pressefreiheit in Deutschland größer ist als in Russland. Mein Beruf ist, den Finger in die Wunde zu legen, provokativ auf Missstände hinzuweisen und dem Ottonormalbürger zu sagen: Wenn du nur lamentierst wird das nichts mit der Revolution, oder Evolution. Der soll gefälligst in die Gänge kommen – weil ich selbst mache das bestimmt nicht noch 30 Jahre. Daher versuche ich eine Generation zu generieren, die sich für den Frieden und ein menschliches Miteinander einsetzt.

Sie verwenden häufig den Begriff der „Elite“. Was oder wen beschreibt der?
Jebsen: Es gibt Menschen, die mehr Macht haben als andere. Und die wollen an der Macht bleiben. Die sind der Überzeugung, dass der Otto-Normalbürger viel zu einfach gestrickt ist, um die komplexen Fragen zu beantworten, die Demokratie ist ihnen zu langsam, weshalb sich Leute darum kümmern sollen, die sich damit auskennen, zum Schutze aller. Die Eliten sind so etwas wie die Eltern, nur dass wir, die Kinder, nie erwachsen werden.

Eine Art Vormund also?
Jebsen: Ja, sie suchen den Kindern die Schuhe raus und verbieten ihnen, kurze Hosen zu tragen, auch wenn sie schon 18 sind. Sie sagen, das sei ihre Aufsichtspflicht. Die Eliten haben die Aufsichtspflicht über uns. Nur, wenn ich meine Kinder nicht ausziehen lasse, denken die irgendwann, ich bin komisch. Und die Eliten sind verdammt komisch. Sie treffen sich unter Ausschluss der Presse – aber was haben die zu verheimlichen? Warum sind die Dinge, die mich wirklich interessieren – wie zum Beispiel TTIP – Geheimverträge in Geheimräumen, wo ich nicht reinkomme? Wo sogar Politiker große Schwierigkeiten haben, reinzukommen? Jemand der so wenig transparent ist, hat meiner Meinung nach etwas zu verbergen. Er muss sich von mir fragen lassen, warum er so wenig transparent ist, denn seine Entscheidungen betreffen mich. Und ich würde gerne wissen, wer die Leute sind, die Entscheidungen treffen, denn ich kann die nicht wählen. Da hat Horst Seehofer Recht, wenn er sagt: „Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden.“ Du kannst in den USA nicht Präsident werden, wenn du nicht die richtigen Leute auf deiner Seite hast, die deinen Wahlkampf finanzieren.

Sie brachten bei den Terroranschlägen vom 11. September und den Anschlägen von Paris die Eliten als Verursacher ins Spiel. Auf was für einer Recherche beruht das?
Jebsen: Das ist ein Muster, was dort zu erkennen ist.

Ein Muster, das man aus der Geschichte kennt und auf heutige Entwicklungen anwendet?
Jebsen: Alle Kriege der jüngsten Vergangenheit haben mit einer Lüge begonnen. Dazu gibt es Standardwerke. Und meine User wissen das. Die haben Ganser & Co. gelesen. Es gibt Standardkriege, Golf von Tonkin usw.

D.h., es braucht keine neue Recherche, sondern man kann sagen: Ich erkenne ein Muster – und ein Terroranschlag ist dann der Anfang von einem „Drehbuch“ wie Sie es häufig nennen…
Jebsen: Ja, das sind Drehbücher und die werden abgearbeitet. Leider.

Aber wenn Sie sich als Journalist sehen, müssten Sie es dann nicht doch im Einzelfall nochmal recherchieren?
Jebsen: Es gibt viele Dinge, die in dem Moment, wo es passiert ist, noch nicht recherchiert werden können. Ich habe auch nicht behauptet, dass es die Eliten waren. Ich sage nur: Muster legen nahe, dass dies ein Terrorismus ist, der staatlich organisiert ist. Und die Historie ist so voll davon. Unglaublich voll. Und ich mache den ganzen Tag nichts Anderes, weil ich aus so einer Familie komme, deren Job es war, Muster zu erkennen, was da los ist.

Wenn IS-Terroristen offenkundig nach einem islamischen Staat streben, wie kann dieser Terror dann staatlich organisiert sein?
Jebsen: Er dient einer höheren Sache. Der Terrorismus in Middle East würde nicht ohne den Support großer Partner funktionieren. Da kochen viele Gruppen ein – wie sie glauben – eigenes Süppchen, aber sie erkennen nicht, dass sie nur Zahnräder einer großen Maschine sind.
Aktuell wird alles dafür getan, dass die eben noch recht stabilen arabischen Staaten zerfallen. Das Ziel ist, einen neuen Panarabismus zu verhindern, indem man wieder Stämme, Clans und religiöse Splittergruppen gegeneinander ausspielt. Diese Taktik ist Teil imperialer Pläne und ihrer lokalen Partner und wurde in den 80igern publiziert. Der Oded Yinon Plan.

Die Terroristen vom Bataclan in Paris beispielweise argumentierten in ihrem Bekennerschreiben auf religiöser Ebene, genauso wie der IS-Kämpfer Christian Emde (im Interview mit Jürgen Todenhöfer). Wie passen solche Glaubenskrieger in die Theorie vom staatlich organisierten Terrorismus?
Jebsenm: (Antwort wurde von Jebsen nicht freigegeben, möglicherweise versehentlich.)

Sie können nichts zu Paris sagen?
Jebsen: Die zentrale Aussage von Paris war: Es hat nur ein Ausweis überlebt – und sofort weiß man, wen man zu bombardieren hat. Wir wissen immer ganz schnell bei einem Terroranschlag wer es gewesen sein muss und dann beschließen wir, dass wir gegen den vorgehen und bombardieren die entsprechenden Länder.

Sie wissen es aber offenbar genauso schnell.
Jebsen: In Paris geht eine Bombe hoch und ganz schnell wissen wir Bescheid. Es sind zwar alle nicht mehr wirklich auffindbar, aber es gibt den einen Ausweis, wie beim 11. September, wo ein Ausweis aus dem Flugzeug segelt. – Ich glaube gar nichts.

Wie können Sie dann wissen, dass es staatlich angeordneter Terror ist?
Jebsen: Ich kann nicht sagen, dass es in Paris staatlich angeordneter Terror gewesen ist. Ich sage nur: Es sieht aus wie staatlich angeordneter Terror. Man muss sich fragen, wem es nützt.

Und wenn es einer bestimmten Macht nützt, dann ist diese Macht automatisch der Auftraggeber?
Jebsen: Die Anschläge in Paris wurden von Leuten, die aus Paris stammten und von Belgiern ausgeübt. Warum hat man deren Wohnorte nicht bombardiert? Warum hat man damals nicht Tübingen bombardiert, wo die Gudrun Ensslin herkam?

Weil Deutschland schlecht Deutschland bombardieren kann?
Jebsen: Das spielt doch keine Rolle, es geht darum, den Terrorismus zu bekämpfen und militärisch ist die einzige Methode. Warum bombardiere ich den Irak, weil jemand sagt, Saddam Hussein hätte etwas mit 9-11 zu tun? Hatte er ja nicht. Warum bombardiere ich Afghanistan und nicht das Land, wo die meisten Attentäter von 9-11 herkamen, nämlich Saudi-Arabien?
Wenn Sie einen Terroranschlag haben und sofort wissen, wer es gewesen ist, wo sofort danach Einsätze geflogen werden – da weiß ich was die wollen. Da erinnere ich mich an die Aussage von Wesley Clark, der gesagt hat, er findet im Pentagon im Papierkorb einen Zettel, wo drauf steht: Sieben Staaten in fünf Jahren (Irak, Syrien, Libanon, Libyen, Somalia, Sudan, Iran). Das wird abgearbeitet. Und da brauche ich auch keinen weiteren Beweis, denn egal ob mit oder ohne Beweis, es wird ein Krieg gemacht. Es gibt keine Rechtsstaatlichkeit, sondern
er (wen Ken Jebsen hier mit „er“ meint, konnte nicht geklärt werden, Anm. d. Red) muss es gewesen sein und deswegen greifen wir sein Land an. Und weil Sie das alles fragen, finden Sie das ja gut. Sie fragen ja deswegen so kritisch, weil Sie denken „das geht schon in Ordnung“. Es gibt eine Miltärmaschinerie, es gibt eine Gehirnwäsche, durch eine Presse, die embedded ist.

Was steht am Ende des ganzen?
Jebsen: Der totale Kapitalismus, der sich gegen jeden einzelnen Menschen richtet, alles aus allen herauspresst. Der Mensch ist nur noch Kostenfaktor, die totale Effizienz. Würde gibt es nicht mehr.
Wir sind ein sehr reiches Land, aber schauen Sie sich mal unsere Schulen, Kindergärten oder den Niedriglohnsektor an. Unser System produziert eine Ellenbogengesellschaft. Mann gegen Mann. Und am Ende müssen Sie Krieg führen, denn es geht nur darum, Gewinne zu machen. Krieg ist dafür das bewährte Mittel.

Wären davon aber nicht auch die Eliten betroffen?
Jebsen: Ja, die gehen am Ende mit drauf. Sie sind auf einer Titanic und gehen am Ende mit unter. Die sind irre geworden.

Und Sie sind der Einzige, der das weiß, und die Eliten wissen es nicht?
Jebsen: Ich bin natürlich nicht der Einzige, eine Menge Leute wissen das.

Es macht doch aber keinen Sinn, dass die Eliten den eigenen Untergang organisieren.
Jebsen: Natürlich macht das keinen Sinn. Es macht auch keinen Sinn sich Atom-U-Boote anzuschaffen, wenn man weiß, dass die Gegenseite auch welche hat. Das prangere ich ja an, das macht alles überhaupt keinen Sinn. Aber die Menschen sind einfach irrsinnig geworden, die sind in ihrer eigenen Blase und das ist für die alles korrekt.
Wir haben es im Moment mit Verteilungskämpfen zu tun. Und um diese Verteilungskämpfe dahingehend zu regeln, dass die Bodenschätze bei uns ankommen, muss ich Kriege rechtfertigen. Das tue ich, in dem ich die übliche Technik anwende: Ich muss die Bevölkerung einschüchtern – das geht durch Terroranschläge. Denn Terroranschläge werden immer nur von Leuten verübt, die aus Gegenden kommen, wo es Erdöl oder Bodenschätze gibt, und nie aus Sylt. Das ist doch komisch.

Terroranschläge gibt es also nur wegen Öl und Rohstoffen? Was ist mit dem NSU, der RAF…
Jebsen: Ich spreche von Terroranschlägen, die ausgenutzt werden, um Kriege auszulösen. Wir sind hochgradig Erdöl-abhängig, wir sind auch von Coltan abhängig, von Yellowcake usw.
Und die meisten Terroranschläge, die uns, den West-Block, dazu bringen sollen, zu agieren, werden dann immer von Leuten ausgeübt, die dort wohnen, wo diese Bodenschätze vorkommen. Und wenn man dort gleich ist, kann man auch die Bodenschätze holen.

Kann man Ihr Muster auch anlegen auf die Sprengstoffanschläge in Russland 1999? Dann wäre ja sehr schnell klar, wer der Urheber dieser Anschläge gewesen ist: Die russische Regierung begann Infolge der Anschläge den Zweiten Tschetschenienkrieg.
Jebsen: Ich kann zu diesem Tschetschenienkrieg nichts sagen, weil ich mich damit nicht beschäftigt habe. Was ich vermute: Das war ja auch islamischer Terror, wer hat den finanziert? Ich glaube, das waren West-Kräfte – auch wenn Sie jetzt von mir denken, ich nehme Drogen oder ich spinne. Aber Sie haben überhaupt keine Ahnung, das ist das Problem. Weil Sie diese Realität nicht wahrhaben wollen, weil Sie in einer Traumwelt leben.

Wir haben nur eine Frage gestellt. Kann man Ihr Muster anlegen auf die Sprengstoffanschläge in Russland 1999?
Jebsen: Ja, das ist dasselbe Muster.
Zbigniew Brzeziński wurde in einem Interview gefragt, wie das damals war in Afghanistan, wo die Russen im Dezember 1979 eingefallen sind. Und er sagte: „Wir waren schon früher da, wir wollten den Russen ihr Pearl Harbor schaffen“. Der war Präsidenten-Berater, er hat einen Krieg vom Zaun gebrochen. In seinem Buch „Die einzige Weltmacht“ wird explizit beschrieben, wie man auch die Ukraine einkreisen soll – das ist ein Fahrplan, der abgearbeitet wird. Es geht darum, Russland, das größte Land der Welt, für den Kapitalismus zu erschließen, um jeden Preis.

Und das wird erledigt durch Islamismus in Tschetschenien?
Jebsen: Der islamische Terror ist ein fantastisches Tool. Deswegen ist unser Partner im Kampf gegen den islamischen Terror ja auch Saudi-Arabien. Da stimmt gar nichts. Sie dürfen diesen Käse nicht glauben: Es gibt überhaupt keinen islamischen Terror, das ist totaler Quatsch, der kommt und geht, so wie Assad, der mal Hoffnungsträger ist und mal nicht, oder wie der Russe, der dann zur Bedrohung gemacht wird.

Wenn Sie nun sagen, das Muster lässt sich auf die Terroranschläge von Moskau anwenden….
Jebsen: Das Muster ist überall anwendbar.

…dann würde das bedeuten, dass die russische Regierung die Anschläge verübt hat, denn sie hatte ja einen Nutzen davon.
Jebsen: Ich kann nicht sagen, wie es war. Ich glaube nicht, dass es ein Terroranschlag war, den die Russen selbst inszeniert haben, um in Tschetschenien einzufallen.

Aber Sie haben vorhin gesagt, dass man bei Terroranschlägen gucken muss, wem es nützt.
Jebsen: Ja, das ist richtig.

Die Terroranschläge in Moskau nützten Russland, weil die russischen Truppen anschließend Gebiete in Tschetschenien eroberten.
Jebsen: Das hat Russland doch nichts genützt! Das ist doch ein Krieg mit einem enorm hohen Preis gewesen.
Ich gehe anders heran: Wenn ein Terroranschlag muslimischen Hintergrund haben soll, dann vermute ich dahinter eine Regierung, die das schon mal so gemacht und offen zugegeben hat. Das macht jeder Polizist, wenn er die Handschrift eines Täters analysiert. Und Sie glauben, dass ich irre bin, weil ich die Handschrift eines Täters erkenne. Dabei macht er immer dasselbe: Er inszeniert irgendwo Dinge, lässt Leute für sich einen scheiß Krieg anzetteln, um den Erzfeind kaputt zu machen.

Ihre These ist also: Russland sollte in Tschetschenien aufgerieben werden?
Jebsen: Genau, das sehe ich dahinter. Ich kann das nicht beweisen und ich weiß über diesen Tschetschenien-Krieg zu wenig, aber für mich ist es so: Sobald islamischer Terror in dem Land etwas macht, weiß ich: Das gab es schon mal, in Afghanistan. Und Brzeziński, Präsidenten-Berater, hat es sogar zugegeben.

Was ist mit den Islamisten selbst? Interviews und Bekenner-Videos zeigen Männer, die aktiv für ihre Ideologie kämpfen und demnach kaum Marionetten sein können.
Jebsen: Natürlich kann es Leute geben, die total daran glauben und sich in die Luft sprengen. Aber auch Osama bin Laden und Al-Qaida wurden ja benutzt.

Das heißt: Jemand, der sich aus islamistischen Gründen dem Terror verschreibt, wird automatisch ein Instrument des Westens?
Jebsen: Nicht automatisch, aber wenn man sich den islamischen Terror im Nahen/Mittleren Osten anschaut, wie wird der denn finanziert? Das sind doch Söldner, das machen die doch nicht einfach nur so. Da gibt es jede Menge Überzeugungstäter, aber woher kommen die Waffen für diesen Krieg?

Aus eroberten Gebieten…
Jebsen: …oder sie bekommen die Waffen über Umwege geliefert. Das ist doch super, was die dort machen: Die Terroristen richten ein riesiges Chaos an und am Ende gibt es eine große imperiale Macht, die sagt: Wir müssen das ganze sichern. Das passiert dort. Es geht nicht um den Nahen Osten, das ist doch Quatsch! Der Nahe Osten ist im geopolitischen Spiel nur ein Puzzle-Teil. Es geht darum, wer die nächste Supermacht sein wird – und wenn die Chinesen sich mit den Russen zusammenschließen bekommt das Imperium Amerika ein ernsthaftes Problem. Es wird versucht, die Welt-Tankstelle zu kontrollieren. Alleine mit Soldaten schaffen sie das nicht, also machen sie es mit Terroristen. Sie unterstützen viele kleine Warlords, die das eben machen. Das tun sie, die stecken ihr Geld doch in Heroin. Die CIA und Heroin ist dasselbe, derselbe Laden, darüber gibt es es Bücher, von Alfred W. McCoy – man muss sie bloß lesen. Ich habe auch mit Ray McGovern von der CIA darüber gesprochen, der sieben Präsidenten gebrieft hat. Der bestätigt mir das alles.

Jener Fahrplan, von dem Sie sprechen, ist der durch den Fracking-Boom in den USA nun ins Wanken geraten?
Jebsen: Ja, im Moment ist das ins Stocken geraten. Das sind aber parallele Entwicklungen, das hat nichts damit zu tun, dass der Nahe Osten und die Kriegsführung in diese Richtung immer weiter geführt wird. Die ganze Rüstungsindustrie ist ja seit dem 11. September explodiert, die
müssen Krieg führen. Das einzige, was sie (wen Jebsen hier mit „sie“ meint konnte nicht geklärt werden, Anm. d. Red.) noch produzieren, ist Rüstungstechnologie. Sie müssen die Arbeitsplätze sichern und dementsprechend die produzierten Waffen auch verbrauchen. Und selbst wenn sie viel Öl fördern und gar nicht importieren müssten, müssen sie dafür sorgen, dass diejenigen, die auf das Öl angewiesen sind, das nicht kriegen – aus geostrategischer Sicht ist das ganz klar.

Wenn die USA selbst genug Öl fördern besteht doch aber kein Sinn mehr darin, jenen Kurs weiter zu fahren, an dessen Ende sich eine Elite selbst zerstört.
Jebsen: Wenn die Amerikaner selbst so viel Ölquellen bei sich erschließen würden, dann würden sie trotzdem in der Region Krieg führen.

Warum?
Jebsen: Weil das System sich ausbreiten muss. Der größte Markt ist Eurasien und es geht nicht nur darum, dass sie das Öl brauchen, sondern es geht auch darum, dass alle anderen durch die Abhängigkeit von Öl erpressbar sind. Öl ist ein Tool. Du kannst die Volkswirtschaft anderer Länder regeln, in dem du den Ölpreis künstlich tief hältst. Das haben die Amerikaner unter Reagan gemacht: Sie trafen mit Saudi-Arabien den Deal, den Ölpreis tief zu halten, damit die Russen ihre Deviseneinnahmen nicht bekommen. Das sind Muster. Und ich sage: Das wird langsam langweilig.

Sie sagten vorhin, dass Sie aus einer Familie kommen, „deren Job es war, Muster zu erkennen“. Können Sie das erklären?
Jebsen: Ich komme aus einer Familie, die in der iranischen Regierung mitgemischt hat, zu Schah-Zeiten. Und danach eben nicht mehr. Und ich kann aus persönlichen Erfahrungen sagen, dass mir diese Muster bestätigt wurden, da wird ein Dienstplan abgearbeitet. Es geht um Macht, um große geopolitische Stellschrauben. Und wenn ich mich mit der Geschichte des Terrors beschäftige, muss ich doch immer am Ende die Frage stellen: Wem nützt es? Wem hat der Anschlag in Paris genützt und wem geschadet? Er hat auf jeden Fall Syrien geschadet, und Mali hat er geschadet. Er schadet immer denselben. Es geht im Moment darum, sich den eurasischen und afrikanischen Raum anzueignen. Das machen Saudi-Arabien und China genauso, dort findet ein Machtkampf statt. Und den müssen sie moralisch rechtfertigen. Sie können Kriege aber nicht moralisch rechtfertigen. Also muss man dafür sorgen, dass die Bevölkerung sagt: „Ich bin eigentlich gegen Krieg, aber weil die uns so oft angegriffen haben, müssen wir dort intervenieren.“ Wir führen dort doch keine „Kriege“, das sind „peace keeping operations“. Was machen wir in Afghanistan, wie lange geht das noch? Ist das Land besser geworden? – Nein, da gibt es ein weiteres Muster: Wo immer wir geholfen haben, wo immer wir eingeritten sind, war es danach viel schlechter als vorher. Wir haben den Irak in die Steinzeit zurückgebombt, Syrien ist bis auf einige Zonen komplett zerstört, Libyen war ein Vorzeige-Staat – ist kaputt. Was wird das, wenn es fertig wird?

Wurde der Fehler nicht erkannt? Dass man Staaten zu Nicht-mehr-Staaten gemacht hat…
Jebsen: Der wurde erkannt, das ist richtig.

Und dass man die Sanktionen gegen den Iran gelockert hat, spricht das nicht dafür, dass jetzt umgesteuert wird?
Jebsen: Die Frage ist ja: Macht man das aus Überzeugung oder weil man sich taktisch neu aufstellen muss? Und wird tatsächlich umgesteuert oder wird das nur behauptet? Die Situation kann sich sehr schnell ändern, da ist Iran ein super Beispiel: Der Iran war unter dem Schah ein starker Partner Israels, die haben gemeinsam ein Programm für Langstreckenraketen entwickelt – und dann ist der Iran in Ungnade gefallen.
Auch das gelockerte Embargo gegen den Iran kann sich wieder ändern, das haben ja viele US-Senatoren in ihrem öffentlichen Brief an Obama geschrieben. Ich gespannt, was passiert, wenn Trump an die Macht kommt, oder Clinton. Und dass es im Moment in Syrien nicht weitergeht – womit hat das zu tun?

Sagen Sie es uns.
Jebsen: Das hat mit einer militärischen Patt-Situation zu tun. Die Russen haben ihre Crew reingeschickt, du kannst den Konflikt nur am Boden noch gewinnen – du musst also amerikanische oder europäische Nato-Soldaten dort reinschicken. Aber den Preis wollen wir nicht bezahlen. Deswegen sitzen die am Verhandlungstisch. An diesem Verhandlungstisch geht es aber bestimmt nicht um die Interessen Syriens.

Sondern?
Jebsen: Es gibt einen Perthes-Feltman-Plan, der besagt, dass das Land aufgeteilt werden soll, und dass Assad weg muss. Syrien ist geopolitisch so wichtig, dazu gab es sogar einen Beitrag in der FAZ. Der Autor allerdings, der Historiker Hans-Christof Kraus, den ich danach versuchte für ein Interview zu bekommen, sagt: Er wird das nie wieder tun. Weil er so einen Stress bekommen hat. Mich macht so etwas hellhörig, immer wenn jemand ausschert kriegt er richtig auf die Mütze – oder er muss sagen, er habe unter totalem Druck gestanden. Auch ein Muster.

Der Blogger Fefe hat mal über Sie gesagt: „Jebsen ist ein paar Mal ausgerutscht. Aber das heißt nicht, dass alles was er sagt vergiftet ist“.
Jebsen: Meine Art ist so: Ich kann auch umschalten und charmant sein. Oder ich bin der Provokateur. Man muss mich nicht mögen. Es gibt aber einfach Themen, die mir unter den Nägeln brennen, bei denen die Bevölkerung den Arsch hochkriegen muss. Die Gesellschaft darf das nicht allein den Aktivisten und Journalisten überlassen. Vielen Kritikern sage ich: Mach‘ es doch selber, schreib einen Gegenbericht – der kommt aber nie. Bei den Mahnwachen habe ich dann aber Menschen getroffen, die Aktivisten wurden und wirklich etwas tun. Segel setzt man nicht mit Worten. Nur zu sagen „find ich auch total doof“ nützt uns nichts.

Wie wäre es denn für Sie, auf Ihre Kritiker zuzugehen?
Jebsen: Mache ich gerne.

Wir meinten damit jetzt nicht „juristisch vorgehen“.
Jebsen: Nein. Ich habe kein Problem mit meinen Kritikern, wenn es eine fundierte, sachliche Kritik ist, dann können wir darüber sprechen.

Wie ist das im Fall der Otto-Brenner-Stiftung? Gegen deren Arbeitspapier mit dem Titel „Querfront“ sind Sie juristisch vorgegangen, weshalb es erstmal aus dem Netz verschwand. Sieht so der Dialog mit Ihren Kritikern aus?
Jebsen:
Wir haben Wolfgang Storz, den Autoren der Studie, eingeladen, er hat sich aber nicht gemeldet. Ich hätte gerne Stellung genommen – ich wurde aber nicht gefragt. Das werfe ich Wolfgang Storz vor, er könnte mich doch fragen und mir zeigen, was ich alles falsch mache. Aber er hat gekniffen.

Und deswegen sind Sie schließlich gegen die Studie vorgegangen?
Jebsen: Nein, das war nicht der Grund. In dem Bericht wurden Dinge über mich behauptet, die nicht stimmen. Dass ich auf irgendeinem Portal veröffentlichen würde – wo ich in Wirklichkeit aber nicht veröffentliche, ich wurde von denen nur gelistet. Daraus wurde in der Studie eine Zusammenarbeit konstruiert, wider besseren Wissens. So etwas konstruiert Storz vorsätzlich, mit dem Ziel, mich in den Braunen Eimer zu werfen. Mir unterlaufen auch Fehler, wenn ich mal etwas falsch zitiere, doch im Unterschied zu Storz geht es mir nicht um Existenzvernichtung.

Warum sollte Wolfgang Storz Ihre Existenz vernichten wollen?
Jebsen: Es geht darum, dass ich als Verleger sehr viele Leute liste, die Beiträge machen, die sie woanders nicht publizieren können. Und wenn meine Person verunglimpft wird, dann mit dem Ziel, dass mein Portal nicht mehr besucht wird.
Es ist allerdings auch so: Wenn du heute jemanden „Verschwörungstheoretiker“ nennst, dann gehen alle, die ein bisschen Grips im Kopf haben, erst recht dort hin. Wir haben zum Beispiel angefangen, Vorträge von Wissenschaftlern zu filmen und ins Netz zu stellen, auch von Wissenschaftlern, die an Universitäten nicht mehr auftreten dürfen, weil sie Fragen stellen, beispielsweise zur Waffenindustrie. Der Vortrag von Daniele Ganser an der Universität Tübingen hatte nach einem halben Jahr 500.000 Klicks. Hält aber Claus Kleber dort einen Vortrag, interessiert das gerade mal 15.000. Dort entscheidet dann der freie Markt. Gucken Sie sich „Young Turks“ aus den USA an, „Electronic Intifada“ oder „Democracy Now“, die wir als Partner verstehen. Die Büchse der Pandora der Informationsrevolution lässt sich nicht mehr schließen. Und wir nutzen den freien Markt.

Ist der freie Markt nicht einer Ihrer Hauptkritikpunkte?
Jebsen: Ja, weil der Markt nicht frei ist. Und weil man alles der Marktwirtschaft unterwirft. Altenpflege muss effizient sein, Kindererziehung muss effizient sein – was nicht geht. Viele Dinge, die das menschliche Zusammenleben ausmachen, sind ja nicht gewinnorientiert. Den Begriff der Freien Marktwirtschaft benutze ich provokativ, um die, die ihn ernsthaft benutzen, mit ihren eigenen dämlichen Waffen zu schlagen. Ich stehe dem freien Markt extrem ambivalent gegenüber, weil der freie Markt der Gott ist.

Der Markt ist Ihrer Ansicht nach also nicht frei. Wären Sie denn für einen freien Markt?
Jebsen: Nein. Ich bin dagegen, alles der Ökonomie zu unterwerfen. Denn die Natur bringt uns unterschiedlich auf die Welt, der eine ist besser aufgestellt, der andere vielleicht behindert – wir müssen alle mitnehmen, die Stärkeren kümmern sich um die Schwächeren, aus Selbstverständlichkeit, wie in einer Familie. Alles andere, Rufe nach einer starken Rasse, „nur die besten“, Darwin in Reinkultur, das ist die Endkultur unserer Ökonomie. Wenn wir das nicht wollen und dem Leben einen Wert und eine Würde geben, auch den Tieren und der Natur, wenn Respekt vor diesem Leben die oberste Maxime wäre, dann wären wir ein Stück weiter. Etwa so, wie das Buddhisten tun. Da geht es nicht um den freien Markt.

Und wer sollte die Rahmenbedingungen setzen?
Jebsen: Wir müssen uns als Spezies insgesamt begreifen und nicht einzelne Rassen oder nationale Interessen nach oben stellen, um Kriege abzuschaffen. Die Eliten sollten aus allen Schichten kommen, es sollte nicht wie heute bei uns eine reine Geldelite die Macht haben. Alle Eliten sollten sich an einen Tisch setzen und sich ein menschenwürdiges Leben auf diesem Planeten als gemeinsames Ziel setzen. Es reicht doch für alle. Globale Probleme nicht gegeneinander lösen sondern miteinander. Die Möglichkeiten dazu haben wir, speziell in einem Zeitalter, in dem alle miteinander vernetzt sind.

Eine humanistische Elite sollte also die Rahmenbedingungen setzen?
Jebsen: Ich habe mit dem Begriff Elite kein Problem, denn es gibt eben Menschen, die auf gewissen Gebieten begabter sind als andere. Das bedeutet aber nicht, dass ihre Argumente wertvoller sind. Daher müssten an dem Gespräch alle Menschen teilnehmen können, um Vorschläge einzubringen. Anschließend müsste demokratisch entschieden werden, was sein soll, und was nicht. Momentan sitzt der größte Teil aber nicht am Tisch, sondern es wird über ihn entschieden. Heute ist ein Leben in Guatemala nicht so viel Wert wie eines in Washington DC.

In Deutschland besteht jedenfalls Wahlrecht für alle Menschen, die Ausnahmen sind geringfügig.
Jebsen: Ja, das deutsche Grundgesetz ist auch ein verdammt gutes Grundgesetz.

Und die Umsetzung?
Jebsen: Die ist okay. Nur wird an unserem Grundgesetz geschraubt, es wird sogar ausgedünnt. Im Grundgesetz steht: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das steht da, weil die Verfasser nach vielen Jahren Krieg wussten, wohin gewalttätige Auseinandersetzungen führen. Heute gibt es aber immer mehr Forderungen, das Grundgesetz aufzuweichen, etwa über die Lissabon-Verträge. Kurz nach dem Krieg ist eine Gesellschaft stärker sensibilisiert als mit 70 Jahren Abstand – das ist normal.

Sie loben das Grundgesetz, die Umsetzung ist „okay“, worin liegt Ihre Kritik am politischen System?
Jebsen: Dass wir alles diesem durchgeknallten Fortschrittsglauben und der Effizienz unterstellen. Wir erfinden die Atomkraft, wissen aber nicht wohin mit dem Müll. Wir schaffen Dinge und machen uns erst viel später über die Nebenwirkungen Gedanken. Im Moment haben wir ein System, das sich immer weiter aufschaukelt, die Weltbevölkerung wächst ins unermessliche, der Konsum nimmt zu und irgendwann knallt es. Wir nähern uns immer mehr einer kriegerischen Auseinandersetzung, wie sie Samuel Huntington in „Kampf der Kulturen“ vorbeschrieben hat.

Zurück zu den Lissabon-Verträgen. Die hatten unter anderem das Ziel, Auseinandersetzungen diplomatisch führen zu wollen. Klingt doch gut, oder?
Jebsen:
Der Vertrag ist undemokratisch und ohne Diskussionen durchgewunken worden. Wenn etwas gut für die Menschen sein soll, muss es transparent zur Diskussion gestellt werden – auch wenn es schmerzt. Das sorgt für Vertrauen in der Bevölkerung. Momentan erleben wir das Gegenteil: Ein großes Misstrauen gegenüber Europa, was von zahlreichen Parteien ausgenutzt wird.

War die europäische Einigung eine schlechte Idee?
Jebsen: Nein. Die ist ein unglaublich wichtiges Projekt, auf einem Kontinent, auf dem man sich jahrhundertelang die Schädel eingeschlagen hat. Heute versuchen ein paar Menschen das Projekt zu pervertieren, und schon finden es alle kacke. Was ist denn die Alternative? Sollen wir alle wieder in die Nationalstaatlichkeit zurück, Privatarmeen aufbauen – oder Deutschland und Frankreich gegen den Rest? So etwas schlagen manche vor. Ich halte das für keine gute Idee. Wir brauchen eine neue Form der politischen Menschlichkeit, getragen vom einzelnen Bürger. Dazu gehört die Bereitschaft, abzugeben. Ich bin bereit, um des Friedens willens. Ich bin offen für eine Partei, die mir sagt: Wenn du mehr und andere wesentlich weniger haben, dann musst du verzichten.

Gehen Sie eigentlich wählen?
Jebsen: Ja. Ich wähle Einzelpersonen. Natürlich gehe ich wählen, aber das ist ein sehr schmerzlicher Prozess. Ansonsten gehe ich auch jeden Tag wählen, über mein Konsumverhalten. Es soll jeder selbst entscheiden, ob er wählen geht oder nicht. Nur, wer sich dafür entscheidet, sollte nicht fünf Minuten vorher den Wahlomat checken – das ist keine Beschäftigung mit Politik. Diese Oberflächlichkeit regt mich auf und ich muss mich fragen, wie ich an die Leute rankomme. Natürlich muss ich sie provozieren.

Manchmal hat man allerdings den Eindruck, dass auch Sie oberflächlich arbeiten. Sie verwenden häufig das Zitat „Journalismus heißt etwas zu drucken, von dem jemand will, dass es nicht gedruckt wird. Alles andere ist Public Relations“ und schreiben es George Orwell zu. Jedoch existieren keine Belege, dass der Satz wirklich von ihm stammt.
Jebsen: Es stimmt, dass auch ich manchmal oberflächlich bin, aber natürlich nicht absichtlich. Ich arbeite 20 Stunden pro Tag, 7 Tage die Woche und ich mache Fehler.

Wie klappt das, 20 Stunden pro Tag?
Jebsen: Viel Kaffee. Ich schlafe vier Stunden, ich lese den ganzen Tag. Und die knappe Zeit die übrig bleibt, verbringe ich mit meinen Kindern. Ich bin besessen von dem was ich mache, auch weil ich glaube, dass wir eine gewisse Verantwortung haben. Wir wissen im Moment nicht, ob das Projekt Europa kippt. Und wo endet das? Wenn ich mir angucke, mit welchen Parolen jetzt Wahlerfolge erzielt werden – dann gute Nacht. Als Halbiraner bin ich der erste, der auf dem Index steht, ich komme sofort weg. Ich kriege jetzt schon jeden Tag Post: „Was macht ein Typ wie du überhaupt in Deutschland?“

Was könnte Deutschland tun, um die Welt ein Stück friedlicher zu machen?
Jebsen: Die Deutschen sind ziemlich gut darin, diplomatisch zu sein. Das würde ich mir wünschen, anstatt dass gleich Waffengeschäfte gemacht werden. Dass Deutschland anderen Ländern auf Augenhöhe begegnet, ohne die Arroganz und ohne denen vorzuschreiben, wie sie zu sein haben. Dann wird sich auch etwas tun.
Deutschland sollte bei der Diplomatie auch eigenständiger sein, wenn Merkel und Hollande nach Moskau fahren sollen sie nicht vorher in Washington nachfragen, ob sie das dürfen. Wir müssen doch in Europa dafür sorgen dass wir Frieden haben. Und wir müssen auch begreifen, dass unsere amerikanischen Freunde sich ziemlich verändert haben. Ich selbst bin kein Anti-Amerikaner, ich habe dort viele Freunde. Nur, wenn du heute die Gründerväter der USA zitierst, giltst du gleich als Kommunist. Es ist nicht mehr das Amerika von dem ich geträumt habe.

Warum reden Sie eigentlich so schnell? War das immer so?
Jebsen: Ich habe früher ja auch auf Bühnen moderiert, als Conferencier, da habe ich auch für die Industrie gearbeitet. Um das gut zu machen, habe ich damals eine Schauspielausbildung gemacht, meine Mutter ist auch Schauspielerin gewesen. Und mein Lehrer war der erste, der mir sagte, dass ich so schnell spreche. Ich wusste das gar nicht. Er gab mir dann ein Buch, in dem alles klein und zusammen geschrieben war, ohne Punkt und Komma. Das konnte man nur ganz langsam lesen, damit habe ich dann geübt.

Es hat aber offenbar nicht so viel gebracht.
Jebsen: Doch, ich habe früher noch viel schneller gesprochen. Wenn ich vor ein Mikro gehe, kann ich aber auch sofort mit der Geschwindigkeit runtergehen.

Sind Sie in Ihrem Privatleben langsamer unterwegs, entschleunigen Sie da?
Jebsen: Ich betreibe schnelle Sportarten wie Racing und Fallschirmspringen, genieße aber auch das Wandern. Auf Wanderungen wird mir manchmal vorgeworfen, ich hätte drei Wochen am Stück kein einziges Wort gesprochen.

Würden Sie heute rückblickend sagen, dass Ihr Ende beim ÖR für Sie ein glücklicher Meilenstein, eine Veränderung zum Positiven war?
Jebsen: Auf jeden Fall. Nur die Erfahrung in der Zeit dazwischen war für mich sehr unangenehm, etwa so wie eine Krebsdiagnose. Ich wurde aus dem Laden rausgeschmissen, den ich mit aufgebaut habe, dessen Teil ich war.
Ich habe ja auch zehn Jahre in der Sendung „KenFM“ die Rubrik „Rückblicke“ gehabt, mit O-Tönen von Auschwitz-Überlebenden. Das habe ich gekoppelt mit Berichten über Ausgrenzung und Gewalt in Deutschland. Ich bin den Kollegen damit richtig auf die Nerven gegangen, die fragten mich häufig „muss das unbedingt sein“. Eigentlich habe ich damit gerechnet, dass der Zentralrat mir mal ein Lob ausspricht. Hat er nicht. Aber als Broder seine Veröffentlichung machte, haben sie alle auf mich eingeschlagen. Das fand ich schäbig und es hat mich persönlich beleidigt. Diese Erfahrung hätte ich mir sparen können, sie war aber wohl nötig, um etwas zu schaffen, um etwas Anderes zu machen. Es war auch der richtige Zeitpunkt, das Netz wurde größer, die Aktivität bei Youtube hat zugenommen. Ich würde heute sagen: Es war das Beste, was mir passieren konnte. Ich habe noch nie so frei arbeiten können wie heute.

[Das Interview entstand im März 2016.]

58 Kommentare zu “Die Leute sollen politisiert werden.”

  1. Dausiad6 |

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    Antworten
  2. dame.von.welt |

    Lieber Jakob Buhre, lieber Adrian Arab,
    zunächst mal danke für das tapfer geführte Interview!
    Es gehört zu den journalistischen Ausnahmeerscheinungen, notfalls auch mehrfach unbeantwortete Fragen zu wiederholen und auf Antwort zu bestehen.

    Da mein Blog „Hasbara andersrum. KenFM: Zionistischer Rassismus“ im Interview verhandelt wird, erlaube ich mir noch eine Anmerkung: Sie schreiben, es habe eine „Vorbereitungslücke“ gegeben, der Sie aber inzwischen abgeholfen hätten. Das stimmt leider nicht ganz.

    Ken Jebsen behauptet im Interview – von Ihnen unwidersprochen – ich hätte im April 2014 seinen Rauswurf aus dem rbb als Folge „antisemitischer Äußerungen“ dargestellt.
    Das ist unrichtig.

    U.a. mein Blog wurde am 20.1.2016 auf Betreiben von Jebsens Anwälten von Der Freitag offline genommen und am 3.2.2016 gekürzt und unter Löschung der 197 Kommentare wieder online gestellt (das, nachdem ich mich im Juni 2015 vom Freitag verabschiedet hatte). Die Löschungen im Freitag-Blog wurden mir nie begründet und sie sind mir inhaltlich auch nicht nachvollziehbar. Noch verstehe ich Jebsens Angang, knapp zwei Jahre nach Veröffentlichung in meinem Blog herumlöschen zu lassen.

    Zu den Merkwürdigkeiten beim Freitag veröffentlichte ich am 22.1.2016 „Kritisch. Mutig. Meinungsstark. Der Freitag“ in meinem WP-Blog, wo Sie meine Sicht auf Jebsens rbb-Rauswurf wörtlich zitiert nachlesen können. Beim Freitag wurde aus meiner Wortwahl „Rauswurf“ eine „beendete Zusammenarbeit“ gemacht, alle 197 Kommentare und der Part zu Günter Grass und meiner unerfolgreichen Beschwerde beim Presserat gegen Josef Joffes Schmähkritik wurden ohne jede Anmerkung der Editierung ganz gelöscht.

    Ich wäre Ihnen verbunden, wenn Sie auch diese „Vorbereitungslücke“ noch korrigieren: ich habe niemals und nirgendwo behauptet, Jebsen sei wegen „antisemitischer Äußerungen“ beim rbb gegangen worden. Sondern: aufgrund mutmaßlicher Einflußnahme von Henryk M. Broder auf den rbb, mit Hilfe einer bei ach-gut veröffentlichten Email. Ich hielt und halte es für unfair, Jebsen nach 10 Jahren der Zusammenarbeit zunächst ‚on probation‘ und nach einer weiteren Sendung vor die rbb-Tür zu setzen.

    Für ebenso unfair halte ich allerdings Jebsens heutige, anwältlich gestützte Einflußnahme auf Berichterstattung und Meinungsäußerung über seinen eigenen O-Ton und sein öffentliches Verhalten.

    Ich kann auch nicht glauben, daß er – als Medienprofi – mit dem Internet so unvertraut sein soll, um nicht zu wissen, daß sich Videos wie „Rassistischer Zionismus“ schnell und weit verbreiten. Aus diesem Grund war die Unzugänglichmachung dieses Videos auf dem KenFM-Kanal auch wirkungslos und die von ihm darin verwendeten antisemitischen Stereotypen sind nicht aus der Welt – egal, WIE teuer und bedrohlich seine Unterlassungserklärungen in der Zukunft noch werden.

    Sie sollten ihn m.M.n. bei der Mythenhäkelei zur Rechtfertigung seiner Einflußnahmen auf Meinungs- und Pressefreiheit nicht auch noch stützen.

    In Reaktion auf Ihr Interview und Anmerkungen habe ich heute noch einen Blog online gestellt „Und das ist super, das bringt jedes Mal Geld.“

    Freundliche Grüße
    dvw

    Antworten
  3. Tom |

    Achso, noch eine Anmerkung. Ich finde es ganz interessant, dass es bei solchen Diskussionen (Politik, Geopolitik, Wirtschaftssysteme etc.) meist nur zwei Konkurrenten gibt, die relevant (Volk – Eliten, Russland – USA, Reich gegen arm).
    Aber das wird in der Studie der Otto-Brenner Stiftung besser auf den Punkt gebracht (Seite 29).
    https://www.otto-brenner-shop.de/uploads/tx_mplightshop/AP18_Storz_2015_10_19.pdf

    Antworten
  4. Tom |

    Nach dem Interview gehe ich mich erst mal nach einer guten Einführung in die Wissenschaftsphilosophie umkucken.

    Aber noch eine Empfehlung:
    Aus meiner Sicht einer der besseren Kritiken zu den Massenmedien ist „Flat Earth News“ von Nick Davis.
    Die beschriebenen Mechanismen sind ganz interessant. Bietet auf jeden Fall mehr als: „Da erkennt man doch Muster!“.

    Naja, soll jeder selbst beurteilen.

    Antworten
  5. Alexander Dill |

    Es ist ganz normal, dass man bei so vieloffizi eller Ablehnung und Kritik die Nähe und Zustimmung anderer Dissidenten sucht. Man gerät dann auch in deren Jargon und nickt sich bei 9/11, Syrien und Ukraine wissend zu.

    Im Grunde ist es wie in den Mainstreammedien: Auch dort herrscht stumme Übereinstimmung im „Krieg gegen den Terror“, gegen Putin und Islam.

    Ohne geradezu wissenschaftliche Kenntnisse über Geschichte und Gegenwart anderer Kulturen, über Makroökonomie und Fremdsprachen, können auch deutsche Akademiker heute nicht mehr die internationale Politik beurteilen.

    Ken Jebsen fehlt – wie den meisten Journalisten – diese Kenntnis, weshalb er sie an echte und vermeintliche Experten delegiert. Diese freuen sich, einmal 100 Minuten gehört zu werden.

    Sehenswert sind die KenFM Gespräche allemal auch dann, wenn der Experte sich im Tausendsten verliert. Das ist Experten-Doku-TV.

    Aber wir erfahren wenig bis nichts über die laufenden Konflikte. Ganser z.B., Jebsens Lieblingsexperte, erzählt seit 10 Jahren, dass es um Öl und dessen Kontrolle geht.

    Die US-Ökonomie hängt aber nicht an billigem Öl, sondern an Nullzinsen und unbegrenzt verfügbarem Kapital, mit dem nicht Exxon, sondern Google und Apple jedes beliebige Unternehmen aufkaufen können.

    Tesla ist die Geschichte von Kapital, nicht die von Rohstoffen.

    Es wäre gut, wenn Jebsen mehr Kontakte mit uns vom vermeintlichen Mainstream hielte.

    Als Journalist verdient er Respekt und Anerkennung für seine Pionierleistung eines Interviewsenders auf YouTube.

    Antworten
  6. emil |

    Da hat der Interviewer ja ganz schön seine Integrität verbraten…

    Antworten
  7. Robert |

    Ihr versucht Jebsen zu dekonstruieren. Jebsen versucht, Gesellschaft zu dekonstruieren. Er spielt einfach in einer anderen Liga. Auch wenn hier die üblichen Hooligans an Rande rumheulen.

    Jebsen wurde wurde so zu einem relevanten Journalisten. Zu Recht. Ob er schon das Format eines Tucholsky‘ hat vermag ich nicht zu beurteilen. Auch nicht, ob er es erreichen wird, wenn er davon entfernt ist. Eines aber verbindet ihn durchaus nur Tucho: Er zieht den Hass der Dummköpfe vieler politischer Richtungen auf sich, was eine große Ehre ist.

    Was die Möglichkeiten und Grenzen der Form “Interview “ betrifft, seid ihr mit Sicherheit unendlich viel fitter als ich. Mir fiel nur auf, dass das, was in gefilmten Interview als “Nachfragen“ oder “Nachfassen“ gilt, wirkte auf mich nur redundant. Ich bin mir nicht sicher, dass das funktioniert .

    Gestattet mir, trotzdem, und klar, ich stehe sehr viel mehr auf Seiten Jebsens als der euren, zu einen Detail eine Anmerkung zu machen. Ihr werft ihm vor, juristisch gegen die Brenner-Studie vorgegangen zu sein, statt eine journalistische Auseinandersetzung zu suchen. Nun, interessant zu lesen, dass der Autor zu feige war, Gesprächsangebot anzunehmen. Da ist Jebsen offensichtlich ein anderes Kaliber. Nur, da die Stiftung eine juristische Auseinandersetzung scheute, und bei ihr ist Geldmangel auszuschließen, schreibt dort die Annahme vorherrschend gewesen zu sein, dass man Unrecht hatte. Was spricht denn aus eurer Sicht dagegen, sich auf einem in einem Rechtsstaat üblichen Wege gehen Unrecht zu wehren?
    Und wie sollte sich Jebsen, jetzt mal ganz ernsthaft gefragt, journalistisch gegen die Studie wehren, deren Autoren sich nicht wagen können, deren Inhalte vor Gericht zu verteidigen, aber lächelnd beobachten konnten, wie diese millionenfach durch andere Medien reproduziert wurden. Ne, ich bitte euch. Das ist doch albern.
    Was ihr ihm vorwerft ist einfach nur, dass er nicht stillt hält, wenn man ihm eins in die Fresse haut. Die Erwartung, dass er dies tut, mag bestehen. Gut dass er ihr nicht gerecht wird.

    Antworten
    1. Robin |

      Was mir in diesem Interview besonders auffällt, ist das Herr Jebsen in vielen Dingen mit zweierlei Maß misst. Standards, die er für andere definiert und kommuniziert, scheinen für ihn selbst nicht zu gelten.
      Gerade das was er bei Transparenz und Pressefreiheit predigt, lässt sich in seinem Handeln nicht nachvollziehen!
      Besonders auffällig wird es zudem, wenn man seine Populistischen Thesen mal näher hinterfragt. Anstatt die Chance zur Aufklärung zu nutzen, fängt er an seinen Gesprächspartner Dummheit/Unwissenheit vorzuwerfen. Solches Verhalten lässt eigentlich nur erkennen, dass er entweder selbst nicht versteht wovon er redet oder das es in seinen Thesen soviele Widersprüche gibt, dass er diese gar nicht erklären kann.

      Antworten
  8. icherkläredieaffärefürbeendet |

    Alles in allem „Hut ab“! Ein schönes Interview, was sowohl an Euren Bemühungen als auch an der Auswahl des Gastes liegt (nach meiner Meinung).
    Was mir häufiger auffällt (nicht nur bei Euch) bei Interviews mit Gästen, die zu so komplexen Themen Stellung beziehen bzw. beziehen sollen ist, dass der Interviewer letztlich ab einem gewissen Punkt immer in eine Art „Informationsrückstand“ gerät, da er wohl kaum all die Quellen, die vom Befragten genannt werden, kennen kann.
    Ich persönlich wäre eigentlich der Ansicht, dass somit nach der Befragung noch mal eine Überprüfung der Quellen stattfinden sollte. Anschließend kann dann der Befragte vor der Freigabe noch einmal auf Rechercheergebnisse hingewiesen werden (das gebietet meiner Meinung nach die Fairness), so dass mit der Freigabe dann evtl. noch einmal eine Stellungnahme zu Richtigstellungen, Vorwürfen, etc. erfolgen kann.
    Natürlich würde das grade bei einem derart massiven Informationsgehalt viel Zeit kosten, aber grade das nervt mich ehrlich gesagt am meisten in der heutigen Medienlandschaft: Zeitnahe Berichterstattung ist wichtiger geworden als journalistische Sorgfalt und damit Quellenüberprüfung, -Absicherung, Faktencheck und Gegendarstellung, etc. etc.
    Ein Artikel, in dem fahrlässig falsche Fakten publiziert werden, verursacht leider enormen Schaden desinformativen Charakters und ich habe den Eindruck gewonnen, dass den Verantwortlichen der diversen Publikationen diese Verantwortung zwar bewußt aber aus wirtschaftlichen Gründen egal ist.
    Mir ist jedenfalls noch kein Faktencheck bekannt, der Ken Jebsen einer groben inhaltlichen Lüge entlarvt hätte und ich meine keine Versprecher, Verwechselungen o.Ä. sondern z.B. einen folgenden (von mir erdachten und vollkommen fiktiven) Fall:
    – Jebsen behauptet: Mustermann hat in seinem Buch „XY“ folgendes Geschrieben.
    – Bei der Prüfung stellt man fest, weder das Buch „XY“ noch die anderen Werke Mustermanns „ABC“ und „A-X“ enthalten einen derartigen Inhalt, womit auch eine oberflächliche Verwechslung von Jebsen ausgeschlossen wäre und man in einen Bereich käme, dass man hinterfragen könnte warum er solche Falschbehauptungen aufstellt.

    Wie gesagt: so ein Fall ist mir nicht bekannt und mir ist es auch selber bei eigenen Nachprüfungen nicht gelungen, so etwas zu „entlarven“. Dazu sei aber auch gesagt, dass mein Interesse an der Person Ken Jebsen – im Verhältnis zu meinem Interesse an den von ihm angesprochenen Inhalten – eher gering ist.

    Abschließend möchte ich noch eine Empfehlung aussprechen zur Diskussion aussprechen. Was wir meiner Meinung nach alle nicht tun sollten, ist: wenn uns ein Gegenüber mit Haufen von Zitaten und Quellen zu (angeblichen) Fakten überschüttet und wir diese aus dem eigenen Wissensstand heraus nicht beurteilen können (und vielleicht darüber dann auch in eine Defensivhaltung geraten), sollten wir nicht unserem Gegenüber dafür die Schuld geben und dann mit holen Phrasen wie „du bist ja dumm wenn du das immer noch glaubst“ etc. verfallen. Ich persönlich halte es für völlig legitim auch mal zu sagen: „Damit habe ich mich noch nicht auseinandersetzen können“, „diese Quelle ist mir nicht bekannt“ usw.
    Und ja: Selbstverständlich gilt diese Empfehlung auch (nicht ausschließlich und nicht in erster Linie) für Herrn Jebsen.

    Antworten
  9. Tauchlehrer |

    P-I: Auf was für einer Recherche beruht das?
    Jebsen: Das ist ein Muster, was dort zu erkennen ist.

    *fremdschäm*

    Danke für dieses großartig vorbereitete und geführte Interview.

    Antworten
  10. Karsten |

    Hier erklärt „Ken Jebsen“, dass der Wikipedia-Eintrag über seine Person „Verleumdung“ sei.
    Anderswo hat er sich damit gebrüstet, dass er genau diesen Beitrag selber „gefälscht“ habe.
    Dabei habe er sich den dort genannten Namen „Moustafa Kashefie“ frei ausgedacht, um vermeintliche „Rassisten“ damit zu überführen.
    Zitat:
    „Das habe ich bei Wikipedia gefälscht. Ich habe mir gedacht: „Lass uns mal einen Namen ausdenken!: Nehmen wir Moustafa Kashefi!“. Ein typischer iranischer Name? Eben gar nicht. Die Leute übernehmen alles. Wenn dich jemand mit Moustafa Kashefi im Netz anspricht, weißt du sofort, dass er ein Rassist ist.“(Zitat-ende)
    http://www.dasmili.eu/art/ken-jebsen-wenn-man-mich-isoliert-habe-ich-mehr-zeit-zum-lesen/#.V_ftfmOxVH0
    Es hat tragische Züge, dass „Ken“ nicht erkennt, dass so ein „Gag“ prima zu einer „Gaga-Morning-Show“ passt, wie er sie weilands moderiert hat,
    ihn aber als „seriösen Journalisten“ disqualifiziert, wenn er gleichzeitig eine „Dokumentation“ über Verschwörungs-Fälschungen bei der Wikipedia“ verbreitet.
    (bei deren Promoting er im übrigen offen zum Stalking gegen einen von ihm, Ken, namentlich und mit Adresse genannten Wikipedia-Autoren aufrief, welcher offensichtlich genau solche Fälschungen verhindern will)
    Zitat:
    „„Woll’n wir Herrn S*****r mal zeigen, was alles möglich ist“
    „Herr S******, sie haben es mit einer riesigen Community zu tun, die so‘ ne Typen wie sie aber echt satt haben“ (Zitat-ende)
    Im Original spricht er den Namen und , leicht verklausuliert, die Adresse deutlich verständlich aus.
    Ich möchte hier nicht zur Quelle verlinken, um das möglicherweise strafbare Stalking nicht zu fördern

    Antworten
  11. Statistiker |

    Was ein Vogel. Drei von vier Sätzen beginnen mit „ich“. Selbstverliebt, keine andere Meinung duldend und sich für Gott halten. Dazu noch ein übelster Verschwörungstheoretiker. Gut, dass ich den nicht näher kennen muss, der hat doch einen an der Waffel.

    Antworten
  12. Yapyap |

    Zitat: „Wir drehen auf Filmkameras, wir sind die einzigen, die eine Talkshow mit Tiefenschärfe machen. Das war nicht nur eine ästhetische sonder auch ein symbolische Entscheidung.“

    Ich gehe mal davon aus, dass er in diesem Fall eher TiefenUNschärfe meint (da er Tiefenschärfe eben auch und gerade mit Digicams hinbekommt). Diese Symbolik passt dann wohl auch besser. Ich glaube allerdings nicht, dass Jebsen sich dieses Widerspruchs bewusst ist. ;)

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    1. Scharf |

      Der Begriff ist Tiefenschärfe, und er meint eben geringe Tiefenschärfe. Mit digital oder analog hat das auch nicht primär zu tun, sondern mit der Objektivbrennweite.

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      1. Boy Herre |

        Mit der Brennweite und noch eher mit der Blendeneinstellung (je weiter offen die Blende, desto geringer die Tiefenschärfe (oder Schärfentiefe). Mir erschließt sich aber nicht unbedingt, was damit sprachlich ausgedrückt werden sollte; etwa: wir gehen damit mehr in die Tiefe?

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  13. scotty |

    Die Recherche zu den Anschlägen am 13.11.15 in Paris bei Wikipedia offenbart übrigens die erwähnten Muster:
    Der offizielle Tathergang mit Quelle 42 und 43 (Bonne Biere/Casa Nostra) deckt sich leider nicht mit den Ereignissen, die man in dem fast einzigen Video (Quelle 44) der Anschläge sehen kann (die Personen im Casa Nostra reagieren sofort auf den ersten Schuss auf das Casa Nostra).
    Obwohl ja der Tathergang besagt, das der Attentäter seit zwei Minuten in ca.50 Meter Entfernung mit einer AK47 vier Menschen getötet und mehrere verletzt haben soll. Aber im Video (Q44) scheint das niemand mit zu bekommen.
    Aber das war der IS. Also ab nach Syrien. Das Land was zwischen dem größten Gasfeld der Welt (Katar) und den Abnehmern (Europa) liegt.
    Nebenbei entwickelt sich ein „Bürgerkrieg“ in der Ukraine, wo die wichtigste Gaspipeline von der in der Summe annähernd großen Gasfelder (Russland) und den Abnehmern (immer noch Europa) verläuft.

    Na wenn das kein Muster ist. Aber das ist eine viel zu einfache Erklärung, also Verschwörungstheorie. Dann lieber die komplizierte: Die Menschen wollen einfach gleichzeitig nicht mehr die bösen Unterdrücker und die Waffen wachsen bei denen im Keller, mit denen sie dann für Brunnen und Schulen kämpfen.

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    1. ??? |

      Aha?
      Du kannst also auch Muster erkennen…

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      1. scotty |

        Natürlich nicht! Ich bin auf der Suche nach der HP des ZDF-Fernsehgarten hier aus Versehen gelandet. Mich widern ja Leute mit einer politischen Meinung eigentlich an und stören meinen Konsum. Jetzt hab ich fast doch glatt auch eine bekommen. Und dann auch noch die falsche. Wo doch Demokratie bedeutet, die Stimme abzugeben um dann mehr Zeit zum Einkaufen zu haben.

        Personen mit politischen Ansichten sind suspekt und sollten generell alle bekämpft werden.

        Ach ja. Danke für die inhaltliche Auseinandersetzung. Aber dafür müsste man argumentieren und andere Meinungen zulassen. So Demokratie halt. Aber die kann nur funktionieren, wenn alle einer Meinung sind.

        Aber jetzt hab ich keine Zeit mehr: Bei KiK gibt es Jacken für 1,-€.

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        1. Effis Brie |

          Danke – es st schon öde, mit welcher Überheblichkeit hier gegen Jebsen orakelt wird. Pervers ist, dass auch linke und unideologische Menschen nicht mehr in der Lage sind zu differenzieren. Aber glauben, sie wären Erkenntnispropheten!

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  14. scotty |

    Da ja im Interview sehr auf korrekte Wiedergabe Wert gelegt wird, denke ich das die „Werbebotschaft“ der Bundeswehr schriftlich falsch wieder gegeben wird.

    „wir dienen Deutschland“ ist nicht die korrekte Schreibweise!

    Wir. Dienen. Deutschland. ist die korrekte Schreibweise.

    Dadurch verändert sich die Aussage vollkommen und in nicht unerheblichen Maße. „Die“ schreiben es sogar auch noch korrekt. Wir sind nur zu blöd, naiv oder gekauft, um zu verstehen, was „Die“ damit meinen.
    (wen ich hier mit „Die“ meine, konnte nicht geklärt werden, Anm. d. Schreiber)

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  15. Julian |

    Der Interviewer scheint nicht sonderlich kritisch oder aufmerksam zu sein.
    Wer nach Jahren der selektiven Berichterstattung noch nicht bemerkt hat, dass er manipuliert wird (die pro-amerikanischen Tendenzen sind so erdrückend offensichtlich und die Belege dafür so vielfältig…siehe fefe, propagandaschau, nachdenkseiten, Telepolis und diverse andere), muss sich schon sehr an sein Weltbild klammern.
    Nur ein Beispiel unter tausenden:
    Der Spiegel zur Fancy Bear Doping Sache:
    http://www.spiegel.de/sport/sonst/wada-simone-biles-empoert-ueber-hacker-angriff-a-1112217.html
    die Nachdenkseiten zu dem Thema:
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=34977

    Und jetzt möge man sich bitte an die Berichterstattung zu Doping und Olympia in den TV und Print-Medien (seltsamerweise sind die Onlinemedien kritischer, wer mal drüber nachdenkt weiß auch warum) erinnern.
    Phöses Russland mal wieder… xD

    Mehr will ich hier gar nicht schreiben da die Seite unheimlich miserabel performt und es deshalb sehr anstrengend ist, hier zu schreiben.

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  16. Sven |

    Und nun machen wir mal eine kleine Übunf ok? Übung 1 ist ein solches Interview mit unseren Jihad Bild Freund ok? Bitte genauso in Führung, Intensität und auch Bearbeitung und Länge und Übung 2 mit Kleber oder Roth ok?

    Ich bin sehr gespannt ob das A überhaupt möglich ist und B Ihr dann genauso es macht oder es Unterschiede geben wird.

    Und wir werden auch Fragen aus diesem Interview erkennen und besonders aus Ken sein Antworten.

    Aber vermutlich wird das wohl nichts werden…

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    1. DasKleineTeilchen |

      na klar, aber sicher doch:

      https://en.wikipedia.org/wiki/9/11_conspiracy_theories

      werden sogar als „theorien“ bezeichnet, obwohl „thesen“ der korrekte term wäre. wird alles unterdrückt, darf keiner sehen, lesen, drüber reden blablabla. kommt mal klar. echt jetzt.

      Antworten
      1. Julian |

        Dann ist der NIST-Report auch nur eine These denn Beweise für die dort beschriebenen Vorgänge haben Sie keine geliefert!
        Ganz im Gegenteil scheinen die dort erstellten Modelle auch noch grundlegend falsch zu sein:
        https://www.youtube.com/watch?v=QxG4lYyitsI

        Wärst Du nicht so von Deinem Weltbild überzeugt, würde ich Dir nahelegen etwas kritischer gegenüber „Ermittlern“ zu sein, die bereits ein paar Stunden nach den Anschlägen den Schuldigen ausmachen konnten. Noch lustiger wird’s aber wenn der Schuldige inzwischen auch noch mit Waffen beliefert wird, natürlich vom angeblichen Opfer.
        http://www.ksta.de/politik/interview-mit-al-nusra-kommandeur–die-amerikaner-stehen-auf-unserer-seite–24802176
        Und Du glaubst diese Show auch noch?
        Komm mal echt klar jetzt! xD

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        1. DasKleineTeilchen |

          tja, der NIST-report basiert auf simulationen, die den ablauf naturwissenschaftlich beschreiben, die „theories“ auf augenschein und falschen anahmen.

          kritisch gegenüber den ermittlungen war ich eben 10 jahre lang (ich war mehr oder weniger überzeugt, daß wtc1/2/7 „gesprengt“ wurden), leider aber eben auch absolut unkritisch gegenüber den gängigen, nicht komplett verrückten „theories“.

          und zu „nach ein paar stunden den schuldigen ausmachen“:

          https://en.wikipedia.org/wiki/Timeline_of_al-Qaeda_attacks

          bin laden war schlicht naheliegend. thats it.

          und schon bin ich mitten drin in der diskussion. sorry an planet-interview, ich werde versuchen, so sachlich wie möglich zu bleiben.

          Antworten
          1. DasKleineTeilchen |

            nur um das klarzustellen; ich traue dem pentagon absolut zu, diese wahnsinnigen mit waffen zu beliefern, denn der alte spruch „der feind meines feindes ist mein freund“ hat in keinster weise an gültigkeit verloren. daran ändert auch 9/11 nicht das geringste (siehe auch die „geschäftsbeziehungen“ mit den saudies, die *nachweislich* ganz, aber GANZ tief in 9/11 mit drinstecken).

            nenn es von mir aus „perversen pragmatismus“, diese scheisse ziehen so gut wie alle durch…und schon sind wir mitten drin im kapitalismus.

  17. DasKleineTeilchen |

    “ Nur haben die mich mit Jürgen Elsässer und Verschwörungstheoretikern in einen Topf geworfen – und damit habe ich nichts zu tun.“

    wie geil! und das, nachdem du weiter oben was vom „inside-job 9/11“ faselst. mannmannmann ken, manchmal biegst dus dir aber auch echt zurecht, wies dir gerade in den kram passt. machen wir alle gelegentlich, aber das ist schon n knaller!

    Antworten
    1. icherkläredieaffärefürbeendet |

      Zusammenhang?

      Antworten
  18. tantetrudeausbuxtehude |

    mann, was muss ken einen schlechten tag gehabt haben, dass er sich derart in die defensive von euch hat drängen lassen.
    und trotzdem hat er sich noch gut behaupten können. eure fragen lassen voreingenommenheit und ergebniserwartung erkennen. das ist ja an sich schonmal schlechter stil.

    Antworten
    1. Jakob Buhre Artikelautor|

      Welche Fragen konkret lassen „voreingenommenheit und ergebniserwartung erkennen“?

      Antworten
    2. ??? |

      Das Interview zeigt doch sehr deutlich was Ken Jebsen ist.

      Antworten
  19. DasKleineTeilchen |

    möglich. und dein kommentar ne menge über dich. *scnr*

    Antworten
  20. DasKleineTeilchen |

    „Ich sage bis heute: der 11. September war ein Inside-Job.“

    bof. och ken, immer noch? sorry, aber das heisst nur, daß du nach 15 jahren debunking der „verschwörung“ in der hinsicht bestimmte sachen einfach immer noch ausblendest. ich hab auch 10 jahre für gebraucht, aber du scheinst wohl 20 dafür zu brauchen. schade.

    Antworten
    1. Jimi |

      Aha.

      Also glaubst du jetzt, dass die Flugzeuge einfach durch Zufall in die 2 Türme geflogen sind. So eine Art Unfall. Piloten konnten nix sehen oder so.

      Also ohne jegliche Verschwörung.

      Okay.

      Antworten
      1. DasKleineTeilchen |

        ich werde mich hier nicht auf eine diskussion einlassen, die ich schon zu oft geführt habe, aber; erstens habe ich weder was von „zufall“ geschrieben, noch was von regulären piloten, die die flugzeuge in die türme geflogen haben. zu wtc7: jeder, der in der lage ist, den NIST-abschlussbericht von 2008 zu lesen, kann das ja mal VORURTEILSFREI tun, ohne sich gleich wieder triggern zu lassen, daß wtc7 „unmöglich“ so zusammengestürzt sein kann, wie es eben zusammengestürzt ist. mehr gibts an der stelle zu der thematik von mir nicht. ich bin es nämlich leid.

        Antworten
        1. Hans |

          Ich bin mir da nicht so sicher. Habe mich lange mit dem Thema beschäftigt und ich neige dazu der Initiative von ca. 3000 Ingenieuren und Architekten Recht zu geben, die die Erklärungen seitens NIST zum physikalischen Ablauf der Ereignisse infrage stellen. In diesem Zusammenhang lohnt sich dieses kurze Video.

          David Chandler’s – WTC7 NIST Finally Admits Freefall
          https://www.youtube.com/watch?v=J_mqJUsqeLA

          Antworten
          1. DasKleineTeilchen |

            kannste mal sehen, bei mir wars genau umgekehrt. und die nummer „finally admits freefall“ ist eine verkürzung und weglassung der vollständigen aussage des NIST (2,5 sek maximal „freefall“ der nordfassade, als bereits der grossteil der inneren struktur runtergekommen ist; vollständiger zusammenbruch 18 sekunden, von „echtem“ freefall keine spur. btw auch nicht bei wtc1/2).

            glaub mir, mir eingestehen zu müssen, 10 jahre einer VT-chimäre nachgejagt zu haben und nur das zu sehen, was ich sehen wollte, war alles andere als einfach. was übrigens nicht heisst, daß ich der us-administration ansonsten auch nur einen milimeter über den weg traue. aber der naturwissenschaft.

          2. Käse |

            Selbstverständlich wurden Flugzeuge benutzt, man hat es auch im Fernsehen gesehen.
            Doch alle Aufnahmen unterscheiden sich so stark voneinander, dass höchstens eine davon echt sein kann.

            Dazu den Film September Clues auf Youtube.
            (Auch der Film hat Fehler, aber er beweist, dass bei den Flugzeugen mit PC nachgeholfen wurde)

            Für alle, die das jetzt wirklich noch nicht mitgekriegt haben.

          3. DasKleineTeilchen |

            „Selbstverständlich wurden Flugzeuge benutzt, man hat es auch im Fernsehen gesehen.
            Doch alle Aufnahmen unterscheiden sich so stark voneinander, dass höchstens eine davon echt sein kann.“

            aha. und was für einen sinn sollte es machen, echte flugzeuge zu „benutzen“, nur um anschliessend LIVE und in ECHTZEIT die LIVE gesendeten aufnahmen des 2ten einschlags zu „bearbeiten“?!?

            grundgütiger, in was für einer bizarren paralellwelt leben hier eigentlich einige?

        2. icherkläredieaffärefürbeendet |

          „ich bin es nämlich leid.“
          Ich denke mal, dass es den Gegendiskutanten deiner Theorien und deiner Meinung genau so geht. Das ist Teil des Gesamtproblems.

          Antworten
  21. AbbeFaria |

    Gutes Interview!

    Ken Jebsen ist eine komplexe Person und das kommt hier sehr deutlich zum Ausdruck: etwas dünnhäutig ( kann man vielleicht verstehen bei dem Lebenslauf ), nicht zur Selbstironie neigend und vielleicht auch cholerisch; gleichzeitig aber leidenschaftlich (im positiven Sinne), idealistisch und wissbegierig.

    In der Medienlandschaft möchte ich Ihn trotz mancher Vorbehalte gegenüber seiner Art nicht missen.

    Er ist eine wichtige Stimme, die im schlechtesten Falle hilft mal Sachen zu hinterfragen, die sonst zu selten hinterfragt werden, im besten Falle eine echte Alternative zu den etablierten Medien, wenn diese sich untereinander mal wieder allzu einig sind.

    Wünschen würde ich mir von Ihm, dass er weiterhin die wichtigen Fragen stellt, aber selbst weniger Antworten vorgibt. Stilistisch kann er sich also von den beiden Interviewern hier einiges abschauen.

    PS: ich hoffe die Interviewer sind auch so hartnäckig bei anderen Interviewpartnern. Werde das bei Gelegenheit mal nachlesen. :)

    Antworten
    1. Adrian Arab |

      Sind die Interviewer selbstverständlich immer ;)

      „Ken Jebsen ist eine komplexe Person und das kommt hier sehr deutlich zum Ausdruck: etwas dünnhäutig ( kann man vielleicht verstehen bei dem Lebenslauf ), nicht zur Selbstironie neigend und vielleicht auch cholerisch; gleichzeitig aber leidenschaftlich (im positiven Sinne), idealistisch und wissbegierig.“

      Sehr treffende Beschreibung, die meinen Eindruck von ihm absolut wiedergibt.

      Antworten
    2. Hans |

      Sehr treffende Einschätzung. Ich bin kein großer Fan von Kens Gesprächsführung glaube aber – würde er daran arbeiten – seine Formate eine wirkliche Alternative darstellen könnten. Leider ist es so, dass er mit markigen Auslassungen zu bspw. geopolitischen Verstrickungen festen Boden verläßt, um sich auf dünnes Eis zu wagen. Dann macht er sich angreifbar, wie die Interviewer hier aufgezeigt haben… (Obgleich sich die Interviewer wahlweise Naivität oder Ignoranz vorwerfen lassen müssen). Ich wünschte mir, dass er methodischer in der Gesprächsführung vorgeht und sich in Interviews selbst mehr zurücknimmt. Dann, glaube ich, werden seine Sendungsformate sicher eine Alternative für noch viel mehr Bundesbürger darstellen.

      Antworten
  22. marvin |

    Es gibt zwei verschiedene Dokumentationen mit dem Titel „Es begann mit einer Lüge“. Herr Jebsen meint die von Jo Angerer und Mathias Werth aus dem Jahr 2001:
    https://www.youtube.com/watch?v=MYcRjHX50og
    Sender war allerdings nicht das ZDF, sondern (auch hier) der WDR.

    Antworten
  23. kdm |

    Planet-Interview: „Beatrix von Storch vertrat beispielsweise die Position, man müsse auf Flüchtlinge an deutschen Grenzen gegebenenfalls schießen.“
    .
    Da hab ich aufgehört, weiterzulesen. Denn:
    Nun wusste, ich was ich von „planet-interview“ zu halten habe: wenig.
    Leider.
    Das mit dem Erschießen ist inzwischen doch geklärt: das war diese lokale Zeitung, die darauf mehrmals insistierte und v.Storch hat nur (!) auf bestehende Gesetze verwiesen…. Ach, informiert euch doch selbst.

    Antworten
    1. ??? |

      Aha, es gibt also Gesetze laut denen man auf Flüchtlinge schießen darf?

      Antworten
  24. Thomas |

    „(Anmerkung PI: Der Film „Es begann mit einer Lüge“ thematisiert den Irak-Krieg, nicht den Jugoslawien-Krieg)“

    Anmerkung Thomas: Das ist falsch. Der Film thematisert den Kosovo/Jugoslawien Krieg. Einfach mal googeln.

    Antworten
    1. Jakob Buhre Artikelautor|

      Danke für den Hinweis, Link wurde entsprechend ergänzt.

      Antworten
  25. Tom |

    Also ich mochte dem sein Kram ja noch nie. Wenn man das so liest – völlig zurecht. Was für ein Geschwurbel. Psychotherapie wäre mal ein Versuch wert…

    Antworten
    1. na du |

      niveauloser kommentar…

      Antworten
    1. Jakob Buhre Artikelautor|

      Danke für den Hinweis, ich habe das in der Anmerkung entsprechend ergänzt.

      Antworten
  26. klaus markus |

    Dass Ihr bei Wisnewski die Propaganda-Artikel von Spiegel und Telepolis zitiert, sagt ja alles über Euch….

    Antworten
    1. na du |

      find ich auch nicht gut. spiegel.de waren doch die, die uns erklärt haben, der irak hätte massenvernichtungswaffen…

      Antworten
      1. DasKleineTeilchen |

        öhm, nö, das war die us-administration.

        Antworten
    2. DasKleineTeilchen |

      möglich. und dein kommentar ne menge über dich. *scnr*

      Antworten

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