Dieter Nuhr

Die Schlächter müssen lächerlich gemacht werden.

Dieter Nuhr im ausführlichen Interview über seinen Humor, den Islam, seine Rache an Jörg Kachelmann, Ideologen im Kabarett, die Linke, den "Niedergang der Journalisten" und seinen Jahresrückblick.

Dieter Nuhr

© Dieter Nuhr

Berlin, Anfang November. Während seine Fans ins ausverkaufte „Tempodrom“ strömen, sitzt Dieter Nuhr in seiner Garderobe und isst Sushi. Er wirkt ernst, aber entspannt, als er die Serviette beiseite legt und das Interview beginnt. Es wird ein langes, offenes Gespräch, welches Dieter Nuhr im Nachhinein wahrscheinlich bereut, geführt zu haben. Wir dagegen konnten Einiges aus diesem Gespräch mitnehmen.

Herr Nuhr, Sie gehen in einer Stunde auf die Bühne. Was geht kurz vor einem Auftritt in Ihrem Kopf vor?
Nuhr: Ich spiele das Programm ja nicht zum ersten Mal, insofern mache ich keine großen Textvorbereitungen. Ich überlege mir nur, was ich als erstes sage, das ist meist etwas Aktuelles. Im Moment ist es diese Islamgeschichte, die durch die Medien gegangen ist – das kann ich nicht ganz unkommentiert lassen. Aber ansonsten brauche ich keine große Vorbereitung, ich erzähle ja nur. Ich muss mich nicht warmmachen, weil ich ja nicht turne oder singe.

Also kein Warm-Up im Kopf?
Nuhr: Nein. Eigentlich fange ich damit erst an, wenn ich auf die Bühne gehe.

Was ist auf Ihrem Ipad, das Sie mit auf der Bühne haben, aber eher selten benutzen?
Nuhr: Da ist tatsächlich der ganze Text drauf. Das habe ich vor allem für die ersten Tage, die ich mit einem neuen Programm unterwegs bin. Irgendwann habe ich es dann sicher drauf, aber den Blick aufs Ipad kann ich mir dann trotzdem nicht abgewöhnen. Ich glaube, ich wäre total unsicher, wenn ich es nicht dabei hätte. Außerdem füge ich auch mal neue, aktuelle Sachen hinzu, die ich dann wirklich mal ablese.

Ipad und Mikrofon, mehr bringen Sie nicht auf die Bühne. Warum so karg?
Nuhr: Am Anfang war das gar nicht meine Entscheidung. Ich war ja zuerst in einem Ensemble, wo wir Szenen gespielt haben, mit Mützchen und Verkleidung und so, wobei ich Schauspielerei eigentlich gar nicht kann. Irgendwann kam dann ein türkischer Kabarettbetreiber, Ahmet Inanici, zu mir und meinte, ich solle das alles weglassen. Er bot mir sein Theater an, wo ich dann unter seiner Regie aufgetreten bin. Und die Regie bestand vor allem darin, dass er mir alles wegnahm, was ich auf der Bühne hatte. Wenn ich zwischendurch einen Apfel auf der Bühne schälte, sagte der: „Lass weg, brauchen wir nicht.“ Das hat er sehr geschickt gemacht, ich merkte irgendwann, dass nichts mehr da war.

Und es fehlt Ihnen nicht, mal etwas mit den Händen zu machen?
Nuhr: Am Anfang fehlte mir das schon, weil ich dachte: Was machst du jetzt? Aber inzwischen weiß ich: Da fehlt gar nichts. Es würde nur stören und ablenken wenn ich beim Reden noch irgendwas anderes mache. So wie jetzt ist es viel klarer.

Was machen Sie in der Pause?
Nuhr: Meistens ess’ ich ein bisschen Obst, weil es in der Garderobe steht. Gestern habe ich in der Pause geguckt, wie das Spiel Dortmund-Bayern weitergegangen ist, manchmal lese ich auch etwas oder unterhalte mich mit Leuten. Also, nichts Aufregendes.

Und es bringt Sie nicht raus, wenn Sie sich zwischendurch mit Fußballergebnissen beschäftigen?
Nuhr: Nein. Auf der Bühne bin ich dann wieder hochkonzentriert. Da brauche ich nicht lange, um wieder reinzukommen. Es ist eigentlich ein sehr entspannter Abend: Ich reg mich nicht groß auf, ich muss mich in keine Rolle reinfinden, ich gehe einfach raus und erzähle. Dafür brauche ich in der Pause keine große Konzentrationsleistung.

Hat es einen besonderen Grund, dass Sie auf die Minute pünktlich anfangen?
Nuhr: Ich habe es früher immer gehasst, wenn ich zu Rockkonzerten kam und die Bands fingen dann erst eine Stunde später an. Da dachte ich: Glauben die Drecksäcke ich habe sonst nichts zu tun? Ich finde das unhöflich den Leuten gegenüber, zu spät anzufangen. Also, wenn es nur drei Minuten sind, ist mir das egal, aber ich würde jetzt nicht zehn Minuten später anfangen.

Zitiert

Kunst ist immer ein Angebot. Nicht mehr und nicht weniger.

Dieter Nuhr

Sie waren dieses Jahr im Rahmen der ARD-Themenwoche Toleranz zu sehen. Haben Sie für sich selber als Komiker ein bestimmtes Maß an Toleranz?
Nuhr: Da gibt es ja diesen äußerst dummen Satz „Satire darf alles“. Das ist völliger Blödsinn, weil Satire natürlich nicht mehr darf, als jeder andere auch. Jeder hat sich in seinem Leben so zu verhalten, dass er die anderen möglichst wenig stört.

Was meinen Sie mit „stören“?
Nuhr: Jemanden in seiner Freiheit einschränken. Mich stört, wenn ein Salafist meint, ich dürfe über ihn und sein Verhalten keine Witze machen, weil er einem bestimmten religiösen Glauben anhängt. Das finde ich lächerlich.
Ich glaube, dass Toleranz notwendig ist, auch für Satiriker. Ich beleidige zum Beispiel sehr ungern Menschen, ich finde das auch nicht besonders witzig. Und grundsätzlich hat Toleranz natürlich ihre Grenzen da, wo ich andere beleidige, sie in ihrer Freiheit einschränke oder ihnen Dinge nachsage, die nicht stimmen. Ich möchte auf der Bühne nur das sagen, was ich den Leuten auch ins Gesicht sagen würde.

Waren Sie früher toleranter oder intoleranter?
Nuhr: Gute Frage, ich glaube dass ich früher eher intoleranter war. Ich bin in der alternativen Szene aufgewachsen, da glaubte man als junger Mensch, man hätte die Wahrheit in den Händen und alle, die es anders machen wollen, sind Drecksäcke und moralisch verkommen. Diese Eindeutigkeit, in der man als junger Mensch die Welt interpretiert, die schwindet irgendwann. Und man wird auch dadurch toleranter, dass man weiß, wie viel Scheißdreck man selber schon im Leben geredet hat. Da denkt man sich: Gestehe es den anderen Menschen doch auch zu!

Ingo Appelt machte in einem seiner Programme den Witz: „Warum ist Wolfgang Schäuble nicht schwul? Weil er seinen Arsch nicht mehr hochkriegt.“ Würden Sie da noch mitgehen oder ist das schon jenseits Ihrer Toleranzgrenze?
Nuhr: So aus dem Kontext gerissen ist es jenseits meiner Toleranzgrenze, das würde ich auf der Bühne nicht sagen, selbstverständlich nicht.
Ingo hat aber auch eine völlige andere Art von Humor als ich, sein Programm ist sehr vernichtend schont niemanden. So wie über Schäuble würde Ingo auch über sich selbst reden. Er ist jemand, der mit dem Humor den Teufel austreibt, weil er ihn auf die Spitze treibt. Er ist eine unglaubliche Rampensau, insofern muss ich bei ihm auch sehr lachen. Dass er Grenzen überschreitet, gehört zu seinem Humor dazu. Davon nur zwei Sätze rauszuziehen wird ihm nicht gerecht. Das Zitat klingt menschenverachtend, aber ich glaube nicht, dass Ingo auf der Bühne menschenverachtend ist.

Und wenn Caroline Kebekus singt: „Ich gebe mich Jesus hin, weil ich seine Bitch bin?“
Nuhr: Dann ist das eine Verballhornung des Glaubensbekenntnisses unserer Nonnen in moderner Jugendsprache. Darüber kann ich mich nun wirklich nicht aufregen. Für mich hat es aber sowieso immer etwas Lächerliches, wenn sich Vertreter einer Religion über so etwas aufregen. Denn sollte es einen Gott geben, wäre der doch selbst in der Lage, sich vor solchen Dingen zu schützen. Dafür braucht es keine Imame oder Bischöfe. Das sind für mich ohnehin Gestalten des öffentlichen Lebens, deren Funktion ich nicht so richtig verstehe.

© WDR/Claus Langer

© WDR/Claus Langer


Sie haben in Ihrem Programm auch einen Gag über ein Fußballspiel: Sie erzählen von einem Zeitungsbericht über ein Krawallspiel in der Kreisliga, bei dem alle Spieler, die sich anschuldigen, ausländische Namen haben, nur der Schiedsrichter hieß Adolf Schmidt. Gab es dieses Spiel?

Nuhr: Nein, so nicht, die Ortsnamen sind verändert. Ansonsten war aber der Lokalteil, den ich dort vortrage, fast 1:1 so. Die Zeitung hat mich ja zu dieser Nummer inspiriert.

Und der Schiedsrichter namens Adolf Schmidt?
Nuhr: Der Name ist eine Erinnerung aus meiner eigenen Handballzeit, die sich da mit reingemischt hat.
Sagen wir es so: Der Gag besteht darin, dass Türkgücü gegen Grafendorf spielt und dass die Torschützen des FC Grafendorf alle türkische oder südländische Namen haben. Dann hat jemand „Scheiß Türke“ gerufen, ein Ghanaer mit bulgarischem Spielerpass und griechischem Migrationshintergrund. Das finde ich persönlich lustig, weil es, glaube ich, der Gemengelage auf unseren Fußballplätzen ganz gut entspricht. Witze zu erklären ist übrigens immer sehr unlustig.

Das ist die pluralistische Gesellschaft in der wir leben. Warum ist das noch eine Pointe wert?
Nuhr: Die Leute lachen, weil es eine komische Komponente hat, Witz entsteht aus Überraschung und Wiedererkennung. In diesem Fall, weil das ganze Wirrwarr der Konfliktgrenzen in unserer Gesellschaft deutlich wird. Als ich aufwuchs dachte man noch, es gäbe zwei Frontlinien: Es gab Ausländerfeinde und normale Menschen, also uns. Und es gab Ausländer und Deutsche, zwischen denen es kein Problem gibt.
Alles ganz einfach. Wir müssen nur guten Willens sein. Heute wissen wir, dass das alles nicht so einfach ist, es gibt ethische und religiöse Normen, die sich ausschließen, es gibt Konflikte zwischen Ausländern untereinander, zwischen Deutschen und Ausländern. Und in dieser Gemengelage gibt es jetzt diese Erzählung eines Fußballspiels, das diese Unübersichtlichkeit schön widerspiegelt. Es wird deshalb sehr viel gelacht an dieser Stelle. Und ich glaube nicht, dass es ein schlechter Lacher ist.

Womöglich ist der Lacher für manche billiger als das, was Sie uns gerade erklärt haben.
Nuhr: Glaube ich nicht. Außerdem: Steckt da irgendwas Ausländerfeindliches drin, in diesem Witz? Natürlich nicht.

In Ihre Show kommen die unterschiedlichsten Menschen, und womöglich fasst der ein oder andere es so auf.
Nuhr: Das glaube ich nicht. Ich glaube nicht, dass auch nur einer im Publikum denkt, ich könnte etwas Ausländerfeindliches von mir geben. Ihre Frage beinhaltet ja den Verdacht, die anderen könnten das nicht so gut verstehen wie Sie es verstanden haben. Ich halte die Menschen da für intelligenter. Mein Programm kann man auf sehr verschiedenen Betriebssystemen lesen. Aber es kommt danach niemand mit einer geänderten Lebenseinstellung raus, da wäre die Funktion meines Programmes bei weitem überschätzt. Und dann ziele ich auch so sehr in alle Richtungen – man kann mein Programm nicht als Propaganda für irgendetwas wie rechts oder konservativ missverstehen. Ich wäre auch gar nicht bereit, mein Programm so umzugestalten, dass es in primitive ideologische Schablonen passt. Kabarett ist mir oft zu schablonenhaft.

Woran denken Sie da?
Nuhr: Das Kabarett setzt sehr oft primitive Frontlinien zwischen Gut und Böse voraus: Die Wirtschaft ist böse, die Bevölkerung ist gut. Die Industrie ist schlecht, der Kleinbetrieb ist gut. Die Linken sind gut, die Rechten und Konservativen sind schlecht. Aber was bitte ist konservativer als das linke Kabarett? Das sind die konservativsten Menschen im ganzen Land. Was ist rechter und nationalistischer als eine Linke, die Arbeitsplätze in China gegen die Arbeitsplätze in Deutschland aufrechnet? – Es gibt die alten Frontlinien nicht mehr. Und ich verzweifle fast daran, dass diese ideologische Zuordnung heute immer noch so gut funktioniert, dass man damit erfolgreiche Blogs betreiben kann. Dass man damit ganze Menschenmassen aufwiegeln kann, mit diesen primitiven Gesellschaftsideen des 19. Und 20. Jahrhunderts. Die da oben schlecht, wir hier unten gut – das ist so dumm, dass es knallt!

Wenn Kabarett gegen die Rechten und Konservativen austeilt, ist Kabarett dann immer links?
Nuhr: Die Frage interessiert mich nicht, weil ich gar nicht weiß, was links bedeutet. Man hat mir 30 Jahre lang erklärt, was das ist und ich habe irgendwann aufgehört, es zu verstehen. Die Linke blickt auf die Gesellschaft, in dem sie nur nach Klassen unterscheidet, nicht nach Ethnien oder religiöser Zugehörigkeit zum Beispiel. Wir haben aber in den letzten 20 Jahren gelernt, dass ethnische und religiöse Konflikte eine relativ große Rolle spielen und dass diese nicht unbedingt als Klassenkonflikte lesbar sind. Die Linke liest sie ausschließlich als Klassenkonflikte und verteidigt deswegen den zutiefst reaktionären Vertreter irgendeiner islamischen Richtung, in dem Glauben, er vertritt die Unterklasse. So etwas ist für mich nicht nachvollziehbar.

Gibt es eine Ideologie, die Ihnen zusagt?
Nuhr: Ich habe natürlich auch bestimmte Vorstellungen ideologischer Art im Kopf, das geht ja gar nicht ohne. Aber meine Vorstellungen richten sich ein bisschen freiheitlicher aus. Ich denke immer, es gibt ganz viele zulässige Interpretationen unserer Gesellschaft. Deswegen habe ich etwas gegen Leute, die die eine durchsetzen wollen, egal ob das nun eine politische oder religiöse Ideologie ist.

Und das Kabarett will Ihrer Meinung nach auch eine Ideologie durchsetzen?
Nuhr: Das Kabarett gibt’s schon mal gar nicht. Es gibt super Kabarettisten, es gibt riesige Pfeifen und selbstverständlich gibt es die Ideologen im Kabarett.

Christine Prayon sagt: „Comedy bedient Vorurteile und Klischees, Kabarett bekämpft sie.“
Nuhr: Dann war dieser Satz von ihr wohl Comedy.
Das ist ein dümmliches Klischee, ein untauglicher Versuch der Heroisierung des eigenen Geschäftsmodells. Ein bisschen doof und sehr oberflächlich. Und ganz offenbar kenntnisarm.

Kabarett bekämpft keine Vorurteile?
Nuhr: Die Behauptung ist lächerlich. Kabarett bedient sich der Vorurteile genauso oft wie Comedy. Es gibt dumme Comedy, schlaue Comedy, es gibt extrem dummes Kabarett und schlaues Kabarett. Es ist doof, das so unterscheiden zu wollen. Das ist auch bar jeder Kenntnis dessen, was auf Kabarettbühnen unter dem Label Kabarett gespielt wird. Entweder hat Christine Prayon keine Ahnung oder sie denkt wirklich so kurz.
Ich werde unter dem Label Comedy und gleichzeitig unter dem Label Kabarett geführt. Ich will lustig sein und relevant. Das geht. Ich habe aber auch nichts dagegen, wenn einer nur lustig ist. Wo ist das Problem?
In einer Kabarettsendung laufe ich als Kabarettist und in einer Comedy-Sendung als Comedian, wobei ich aber dasselbe Programm spiele. Ich habe zum Beispiel einmal im „Scheibenwischer“ die gleiche Nummer gemacht wie im Quatsch Comedy Club. Das Witzige ist: bei der VG Wort – das ist sozusagen die GEMA für Wortkünstler – werden diese Sachen unterschiedlich vergütet, „Kabarett“ doppelt so hoch wie „Comedy“. Ich habe dann für denselben Text im Scheibenwischer das Doppelte bekommen von dem, was ich im Quatsch Club gekriegt habe. Das ist lächerlich.

Sie beziehen sich in Ihrem Programm oft auf Studien. Wie genau sind Sie bei Ihrer Recherche?
Nuhr: Sehr genau. Es beruht alles auf Fundstücken aus dem Internet oder aus Büchern. Die schaue ich dann auch alle nochmal nach. Das ist eine Dauerarbeit. Ich schreibe eigentlich die ganze Zeit an irgendwas, mache mir beim Zeitungslesen Notizen oder kopiere mir einen Artikel in mein Internetnotizbuch.

Schauen Sie sich Nachrichten schon mit einer Art Pointen-Filter an?
Nuhr: Ich fürchte, ja. Ich klopf schon die Wirklichkeit darauf ab, auf Dinge, die absurd sind. Ich schaue nicht die Tagesschau, um etwas Absurdes zu finden, sondern ich gucke sie mir an und denke oft: Das gibt es doch gar nicht! Und dann bin ich dabei und hole meinen Stift.

Sie zitieren häufig aus dem Koran. Haben Sie den Koran vollständig gelesen?
Nuhr: Ja, habe ich. War auch echt ‘ne Quälerei, muss ich sagen, das ist ein echt schwieriges Buch. Der Grund, warum ich das auf der Bühne häufig zum Thema gemacht habe, ist der, dass es das einzige Thema ist, worüber man in Deutschland und überhaupt in der zivilisierten Welt nicht frei sprechen kann.

Religion?
Nuhr: Nein, nicht Religion allgemein. Über jede andere Religion kann man ja reden, nur über den Islam nicht, weil es zu konkreter körperlicher Gewalt führt. Sie können alles über Christus sagen aber nicht über Mohammed. Deswegen finde ich das interessant. Mich interessiert die Einschränkung der Freiheitsrechte nicht nur, wenn sie von der NSA kommt. So wie für uns das Thema Toleranz selbstverständlich die Toleranz gegenüber Ausländern einschließt, genauso wichtig finde ich die Forderung an religiöse Gruppen, sich unseren Vorstellungen von Toleranz anzupassen. Und da ist noch viel Arbeit.

Warum haben Sie den Koran gelesen?
Nuhr: Weil es mich einfach interessiert hat. Ich habe den Drang, das zu verstehen und außerdem ein gewisses Misstrauen unserer Presse gegenüber. Weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie dort einer vom anderen abschreibt und dann am Ende etwas entsteht, was mit der Realität nichts mehr zu tun hat.
Es ist jetzt allerdings schon ein paar Jahre her, davon habe ich nicht mehr alles im Kopf, weshalb ich mir vorgenommen habe, den Koran nochmal zu lesen.

Und die Bibel?
Nuhr: Die habe ich noch halbwegs im Kopf, ich bin ja katholisch erzogen worden und war Messdiener.
Wenn man es vergleicht: Die Bibel ist eine Geschichte und der Koran – das wissen die meisten Leute ja nicht, weswegen so viel dummes Zeug über die Gleichheit der heiligen Bücher erzählt wird – ist das einzige heilige Buch, das zahlreiche Anweisungen enthält. Das ist keine Geschichte, sondern ein Befehl.

Haben Sie auch Kant gelesen, den Sie zitieren?
Nuhr: Ja, ist aber auch schon länger her. Die „Kritik der praktischen Vernunft“. Das bleibt ja nicht aus, wenn man Geschichte studiert, dass man ab und zu etwas lesen muss, was einen quält. Und auch davon bleibt etwas hängen.
Wobei für mich heute als Quelle wichtiger ist, was die Rezeption von allem angeht, das finde ich in Zeitungen und vor allem im Internet.

Hatte Ihr Konflikt mit dem Salafisten eigentlich eine Vorgeschichte? Die NOZ schrieb, Sie hätten im Winter 2013 Strafantrag gegen Toka wegen Beleidigung gestellt.
Nuhr: Wusste ich nicht, dass ich den schon mal angezeigt hätte. Mir war der Gedanke fremd. Ich hatte keine Ahnung, wer der Mann ist. Ich kannte ihn nicht. Keine Ahnung, wo die Zeitung das her hat.

Das Ermittlungsverfahren gegen Sie ist inzwischen eingestellt worden. Löst sich da Ihre Sorge, nicht alles sagen zu dürfen, ein Stückweit auf?
Nuhr: Es ist ja nicht das Gesetz, das mich einschränkt, sondern die Mentalität radikaler Islamisten, bei Widerspruch Gewalt anzuwenden. Die Anzeige habe ich nicht ernst genommen, Das war ja totaler Humbug. Ich habe von behördlicher Seite aus nicht mal eine Mitteilung darüber bekommen. Ich weiß davon nur aus der Zeitung.

Gab es schon mal Protagonisten, die Sie gebeten haben, sie aus Ihrem Programm zu streichen?
Nuhr: Ja, da gab es schon mal einen. Es ging aber nicht um mein Programm, sondern um meine Homepage. Das ist einige Jahre her, ich hatte damals über das schlechte Wetter geschrieben: „Wenn das Wetter so bleibt wie es ist, sehe ich nur noch eine Möglichkeit: Wir müssen Kachelmann erschießen.“ Das war zugegebenermaßen eine etwas schnoddrige Bemerkung…

…und Jörg Kachelmann bat Sie, das zu entfernen?
Nuhr: Ja, allerdings hat er das in einer relativ komischen Form getan. Ich war damals in eine Talkshow eingeladen, die er leitete. Ich war nicht geübt in solchen Gesprächen, ich glaube sogar, das war meine erste Talkshow überhaupt. Kachelmann sprach mich an und sagte, ich sei ja für diesen menschenverachtenden Humor bekannt. Ich wunderte mich, was er nur hat und war ein bisschen verwirrt, bis er mir nach einer Viertelstunde erklärte, worum es ging, nämlich um diesen Satz auf der Homepage, an den ich mich gar nicht mehr erinnert habe. Er bat mich dann in sehr strengem, maßregelnden Ton, das rauszunehmen und ich hab geantwortet: Wenn er sich das wünscht, dann nehme ich das raus, ist mir doch wurscht.
Das ganze Gespräch war sehr lustig und auch eine immense Werbung für mich – so wie das oft ist, wenn man angepisst wird. Eigentlich regt es mich auf, aber meistens ist so etwas die beste Werbung. Schrecklich.

Sie witzeln auch in Ihrem aktuellen Programm über Kachelmann. Was, wenn er Sie heute nochmal fragen würde?
Nuhr: Ich hab dadurch gegenüber Kachelmann so eine Haltung entwickelt, ich habe daraufhin in jedem Programm einen Kachelmann-Witz drin gehabt. Das ist jetzt so meine diebische Freude. Als kleiner Wicht, als mich wirklich keiner kannte, hat er versucht, mich öffentlich fertig zu machen, wegen so einer Banalität. Das war eine ganz miese Tour…

Aber ist es nicht genauso mies, jetzt einen Gag zu machen, nur, weil man zurückschlagen will?
Nuhr: Ist das mies, oder ist es vielleicht menschlich? – Ich weiß es nicht. Mies finde ich es nicht. Ich kann die Kritik nachvollziehen, ich verspreche, darüber nachzudenken.Vielleicht nehme ich ihn dann raus. Egal. Ein bisschen Humor hilft übrigens auch im richtigen Leben weiter…
Wir reden jetzt so, als würde mein Humor ständig irgendjemand herabsetzen. Ich glaube, dass man die Stellen, wo ich in den letzten 20 Jahren auf der Bühne jemanden herabgesetzt habe, an einer Hand abzählen kann.

Der Hintergrund unserer Frage ist der von Ihnen für einen Gag erfundene „Kachelmann-Kanal“, zwischen Gehirn und Geschlechtsteil. Jene Frau, die damals Kachelmann der Vergewaltigung bezichtigt hat, darf diese Vorwürfe öffentlich nicht mehr äußern. Warum dürfen Sie es?
Nuhr: Ich werfe doch Kachelmann keine kriminellen Handlungen vor! Ich äußere überhaupt keine Vorwürfe gegen ihn. Was ist das denn für ein kranker Vergleich? Der Scherz, es ist immer blöd, wenn man Scherze erklären muss, aber hier geht es wohl nicht anders, der Scherz beruht darauf, dass Kachelmann mit seinen 100 Freundinnen damals offenbar ein extrem vitales männliches Beziehungsmodell pflegte. Die Vergewaltigungsgeschichte dagegen war ein Beispiel für eine Hinrichtung durch die Medien. Da würde ich mich sicher nicht in die Riege der Hetzer einreihen. Ich bin über Kachelmanns Sexualleben heute allerdings nicht mehr so richtig informiert, manchmal verlässt mich mein Gedächtnis, was die Inspirationen für bestimmte Textstellen angeht.

Für den Zuschauer ist das ja durchaus eine interessante Frage: Welche Details, über die Sie in Ihrem Programm Witze machen, sind real, welche fiktiv?
Nuhr: Alles was an Fakten im Programm auftaucht ist real und stimmt. Wenn ich beispielsweise Zahlen aus einem Artikel über die Gefahr von Handystrahlung erwähne, dann stimmen die auch.

Und wenn Sie erzählen, dass Sie in Neuseeland jemand trafen, der glaubt, Hitler sei noch an der Macht?
Nuhr: Den habe ich tatsächlich getroffen. Wobei das ein unwichtiger Fakt ist, das ist kein Zahlenfakt, solche Geschichten könnte ich mir vorstellen, auch zu erfinden. Diese Freiheit nehme ich mir raus. Es handelt sich ja immer noch um ein Humorprogramm. Da muss ich wohl heute mehrfach dran erinnern.

Was hat es denn mit Ihrem Vergleich von Sahra Wagenknecht mit Stalin auf sich?
Nuhr: Es handelt sich um Komik. Ich erwähne sie in einem Satz, in dem auch Stalin vorkommt, aber ich vergleiche sie nicht mit Stalin. Ich glaube, Sie haben da grundsätzliche Verständnisschwierigkeiten, was meinen Humor angeht. Es gibt Dinge, die meine ich nicht ernst.

Sie sagen, Stalin hätte nicht für die Linkspartei zur Verfügung gestanden, deshalb hat man Sahra Wagenknecht genommen.
Nuhr: Richtig. Zwar doof rausgerissen, aber grundsätzlich richtig. Aber wenn Sie wollen, erkläre ich es Ihnen nochmal: Die Linkspartei bei uns in Nordrhein-Westfalen ist ein Haufen chaotischer Linksideologen, die man ruhig in die Ecke rücken kann, wo sie hingehören, nämlich in die Ecke ideologischer Fantasten. Dort gibt es Parteimitglieder, die grundsätzlich Außenpolitik verweigern, die die Verstaatlichung wichtiger Wirtschaftszweige befürworten – die Linke erscheint in NRW als ein Haufen von Chaoten.

Sehen Sie die Linke als die „SED-Nachfolgepartei“?
Nuhr: Ja, natürlich, das ist sie ja de facto. Sie hat das Vermögen geerbt, sie sitzt in den alten Gebäuden, sie ist der Erbe, kann dadurch diese große Öffentlichkeit generieren – und Gregor Gysi hat ein Problem damit, die DDR als Unrechtsstaat zu bezeichnen. Das ist doch lächerlich. Da sitzen in Nordrhein-Westfalen auch die alten DKP-Recken drin, und wenn man die mit der alten kommunistischen Vergangenheit in Verbindung bringt, dann ist das, glaube ich, keine Zumutung. Gesine Lötzsch von der Linkspartei hat gesagt: „Man muss neue Wege des Kommunismus ausprobieren dürfen“. Eine Ideologie, die im 20. Jahrhundert schätzungsweise 100 Millionen Menschen das Leben gekostet hat. Da weiß ich nicht, warum ich mich rechtfertigen muss, wenn ich die Partei mit ihrer Vergangenheit in Verbindung bringe.

Sie präsentieren auch 2014 wieder Ihren Jahresrückblick. Was ist Ihnen – außer der WM – von diesem Jahr positiv in Erinnerung geblieben?
Nuhr: Mit dem Positiven ist es dieses Jahr nicht so ganz einfach. Das war 2013 viel schöner, da hatte man den durchgeknallten Bischof, der sich für 30 Millionen seine neue Butze hat bauen lassen. Dieses Jahr hat wenig Komisches mit sich gebracht, es nervt eigentlich alles. Die Ukraine nervt, die im Nahen Osten nerven alle, Gaza nervt, Nordafrika und Südsudan nerven, die Wirtschaft nervt – daraus einen Jahresrückblick zu zimmern ist nicht einfach.

Wie löst man dieses Problem als Komiker?
Nuhr: Vielleicht wird mein Thema sein, dass das Jahr insgesamt genervt hat und dass wir uns freuen, dass es vorbei ist. So könnte man einen positiven Zugang finden, um dann daraus etwas Lustiges zu machen. Aber ich muss auch sagen: So schwer wie dieses Jahr war es noch nie.

Lassen Sie drastische Dinge im Jahresrückblick auch manchmal einfach weg?
Nuhr: Ja. Es gibt schon Dinge wie bestimmte Todesfälle, wo ich denke, dass das nicht in einen komischen Jahresrückblick gehört. Das wird dafür ja auch 105 Mal in den anderen 30 Jahresrückblicken, die am Ende des Jahres kommen, serviert. Ich habe keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Aber so etwas wie Ukraine-Krise werden Sie vermutlich nicht aussparen können.
Nuhr: Nein, das ist ein so zentrales Thema, da denke ich schon, dass es vorkommen wird. Vielleicht nehme ich als Oberthema auch den Rückzug der Zivilisation aus unserer Welt, dass sich wieder alles mehr dem Recht des Stärkeren zuwendet. Das war so ein Hauptthema dieses Jahr, daraus lässt sich vielleicht etwas Komisches destillieren.

Lässt sich auch aus dem ISIS-Terror etwas Komisches herausholen?
Nuhr: Ich denke schon. Die Schlächter und Mörder müssen lächerlich gemacht werden, diese Leute, die die Welt erobern wollen, aber sich nicht trauen, Frauen als gleichberechtigten Menschen entgegenzutreten. Diese völlige Unzivilisation, die Rückkehr zur kompletten Barbarei, die sich paart mit Salafisten in Deutschland, die das prima finden und diese Gewalt unter Ausnutzung unserer Freiheit verteidigen – das ist ein Thema, weil es natürlich lustig ist, weil es absurd ist. Daraus entsteht auch Komik.

Sehen Sie Ihre Rolle auch darin, in düsteren Zeiten gute Stimmung zu verbreiten, die Leute aufzumuntern?
Nuhr: Düster ist ja in erster Linie die Berichterstattung. Ich sehe dieses Jahr schon düsterer an als die letzten Jahre, aber grundsätzlich muss man sagen, dass es gerade in so einem Jahr einen Grund gibt, positiv zu sein. Denn wenn überall auf der Welt sich die Zivilisation auf dem Rückzug befindet, ist es vielleicht auch Anlass zur Freude, wenn man feststellt, dass man selbst im zivilisiertesten Bereich der Welt lebt.

Sie sagen das ja auch in Ihrem Bühnenprogramm – und bekommen an der Stelle großen Applaus.
Nuhr: Weil das ein Faktum ist, das bei uns oft übersehen wird. Anstatt diesen Zustand zu feiern, in dem wir uns befinden, stehen die Leute da und heulen sich die Hosen voll. Das ist schon überraschend für mich. Und ich glaube, das ist einer der Hauptgründe, warum mein Programm so viele Leute anzieht.

Können Sie anhand der Lacher einschätzen, wer im Publikum sitzt?
Nuhr: Anhand der Lacher eigentlich nicht. Einer der Gründe, warum ich danach zum Unterschreiben gehe ist, dass ich mir die Leute gerne angucke, die gekommen sind. Ich merke dann, dass ich relativ zielgruppenfrei bin. Es sind sowohl Schüler als auch Rentner da, Frauen und Männer, Elektriker, Sozialpädagogen, Hochschulprofessoren, Unternehmer, das weiß ich aus Gesprächen… Es gibt keine soziale Zuordnung zu meinem Programm. Ich habe mir das auch nie erklären können, bis mir jemand den Satz gesagt hat, man könnte mein Programm auf verschiedenen Betriebssystemen lesen. Das war für mich ein schlüssiges Bild.

Warum ihres und so viele andere nicht?
Nuhr: Da hätte ich eine Erklärung, aber… die stinkt ein wenig nach Eigenlob.

Ist uns egal.
Nuhr: Ich glaube, dass ich mich eben nicht an Klischees und Ideologien orientiere. Bei mir erwarten die Leute, etwas zu hören, was über die üblichen Schuldzuweisungen hinausgeht.
Mein Programm ist einerseits lustig, es wird viel gelacht, andererseits kann man auch etwas mitnehmen. Und ich glaube schon, dass meine Aufforderung zur positiven Weltsicht, die ich ja argumentativ untermauere, das die Absage an das Jammerlappentum, dass das die Leute überzeugt. Ich denke, das überrascht viele, dass ein Kabarettist auf die Bühne geht, mit einer positiven „Botschaft“. Ich glaube auch, dass die Leute aus meinem Programm grundsätzlich besser gelaunt rauskommen als aus den meisten anderen Programmen, die eher zur Verzweiflung aufrufen.

© PHOENIX/WDR/Dirk Borm

© PHOENIX/WDR/Dirk Borm


Wie schon erwähnt geben Sie beim Rauskommen den Zuschauern auch Autogramme. Haben Sie sich selbst mal eins geholt, von einem Star?

Nuhr: Nein, noch nie.

Früher keinen Star angebetet?
Nuhr: Nein, das habe ich schon mit 13 nicht so richtig hingekriegt. Ich wüsste auch nicht, was ich mit so einer Autogrammkarte anstellen sollte.

Der Leiter des Deutschen Kabarettarchivs Jürgen Kessler sagte im Mai 2014 dem „Spiegel“, Sie wollten nur Star sein und kein Satiriker.
Nuhr: Ja, was für ein Quatsch. Der Mann, der diesen Satz gesagt hat, ist mein ehemaliger Agent, das hat er im „Spiegel“ allerdings verschwiegen und der „Spiegel“ hat bei mir auch nicht nachgefragt. Früher nannte man es Journalismus, wenn man die andere Seite auch mal anhört.
Der Mann war mein Agent, seine Angestellten, alle Künstler und ich haben die Agentur zeitgleich verlassen. Weil wir es satt hatten, aus guten Gründen, ich will das nicht im Einzelnen in die Öffentlichkeit bringen, jedenfalls war es für uns alle eine Befreiung! Er ist dann Vorsitzender des Kabarettarchivs geworden. Herzlichen Glückwunsch. Dieser Typ darf unwidersprochen sein Beleidigtsein über den Niedergang seiner Agentur, den er selbst zu verantworten hat, im „Spiegel“ ausbreiten, in dem er falsche Vorwürfe aufstellt und Kenntnisse, was meine persönlichen Antriebe betrifft, simuliert. Er weiß ganz genau, dass ich alles sein möchte, nur kein Star. Er weiß auch, dass alles, was ich sage, inhaltlich gemeint ist. Dass ich mich noch nie inhaltlich habe verbiegen lassen, und noch nie Dinge auf der Bühne gesagt habe, die ich nicht selbst gemeint hätte. Aber darum geht es ihm nicht. Er will Rache. Und der „Spiegel“ hat nichts Besseres zu tun, als das abzudrucken. Auch der angeblich seriöse Journalismus neigt immer mehr zum Krawall.

Vielleicht, weil sich Lästereien gut verkaufen.
Nuhr: Weil Journalismus teuer ist und möglicherweise auch Mühe erfordert. Dafür ist kein Geld und keine Zeit mehr da. Das ist schon enttäuschend. In der „Zeit“ war ein Artikel zu der Frage, ob ich jetzt ein Hassprediger bin oder nicht. Da durfte ein Journalist über dieses Thema sinnieren, der offensichtlich nichts von mir kennt, außer das von einem Salafisten zusammengestellte Video. Er kommt nicht mal auf die Idee, darüber nachzudenken, ob das Video, das dieser Salafist zusammengeschnitten hat, möglicherweise so etwas Ähnliches beinhalten könnte wie tendenziöse Schnitte. Das ist für mich unfassbar. Der Niedergang des Journalismus ist ein Niedergang der Journalisten.
Ein anderes Beispiel, weil Sie Sahra Wagenknecht erwähnten: Was sich Markus Lanz anhören musste, wegen dieses Interviews, das steht in keinem Verhältnis. Da sieht man, wie der Journalismus bei uns tickt.

Wie tickt er denn Ihrer Meinung nach?
Nuhr: Es geht immer mehr um Krawall, um fette Kampagnen. Sahra Wagenknecht war der häufigste Talkshow-Gast in diesem Jahr, 27-mal war sie 2014 in Talkshows, wenn ich mich recht erinnere. Niemand ist so oft zu Wort gekommen in deutschen Talkshows wie Sahra Wagenknecht. Dann lässt sie einer mal nicht zu Wort kommen und schon wird derjenige ein halbes Jahr lang als Vollidiot und Drecksack durch die Medien geschleust. Er hat sie nicht umgebracht und nicht beleidigt. Da stimmen Empörung und das was passiert ist nicht mehr überein. Da geht es nicht mehr um journalistischen Anspruch, da geht es um den Krawall.

Hatten Sie früher ein besseres Bild von der Presse?
Nuhr: „Die Presse“ gibt es natürlich auch nicht. Es gibt schon noch die Medien, die sich Mühe geben und auch selber korrigieren, wenn was falsch läuft, die also versuchen journalistische Ansprüche zu erfüllen. Aber für die wird es schwieriger. Ich weiß nicht, ob es früher besser war. Da soll sich niemand wundern, dass in der Bevölkerung dümmliche Verschwörungstheorien immer mehr Raum einnehmen. Das geschieht ja, weil man den Journalisten zunehmend misstraut. Nicht zu Unrecht. Auch im Spiegel wird Stimmung gemacht, die Gegenseite nicht angehört, dann unterscheidet er sich von der „Bild“ nur noch durch die Länge der Sätze.

Wir hoffen, unsere Fragen haben Ihr Bild von der Presse nicht weiter verschlechtert…
Nuhr: Ehrlich gesagt nervt es mich, wenn der Eindruck erweckt wird, ich würde ständig Leute herabsetzen. Sie fragen nach Kachelmann oder Wagenknecht – dabei sind das winzige Nebensachen in meinem Programm, das sich mit ganz anderen Dingen, mit dem großen Ganzen beschäftigt. Ich habe nicht den Eindruck, dass wir über das geredet hätten, was das Wesentliche meiner Arbeit ausmacht. Ich trete für Toleranz ein und mir sind bürgerliche Freiheiten sehr wichtig, weil ich noch Zeiten kannte, wo das nicht so einfach war mit bürgerlichen Freiheiten.Ich habe mich während des Interviews ständig für aus dem Zusammenhang gerissene Einzelheiten rechtfertigen müssen. Das ist weder spannend, noch erkenntnisreich. Da denke ich dann: Warum hast du das gemacht? Nachher ist man immer schlauer. Ich äußere mich am liebsten auf der Bühne, da werde ich entweder verstanden, dann lachen die Leute mit mir, oder sie gehen nicht mehr hin. Kunst ist immer ein Angebot. Nicht mehr und nicht weniger.

“Nuhr 2014 – Der Jahresrückblick” wird am 18.12. in der ARD ausgestrahlt (22.15 Uhr) und danach mehrfach wiederholt, u.a. auf Phoenix und Einsfestival. Alle Ausstrahlungstermine gibt es bei fernsehserien.de .

41 Kommentare zu “Die Schlächter müssen lächerlich gemacht werden.”

  1. ipaw |

    Aufschlussreiches, sehr gut geführtes Interview, Danke.

    Dieter Nuhr sollte sich schämen: Zwar verlautbart er auf seiner Facebook-Seite, dass Fremdenfeinde dort nichts zu suchen hätten und positioniert sich somit scheinbar eindeutig. Er täuscht aber darüber hinweg, dass er einer dumpfen Deutschtümelei, wie sie sich derzeit mit “Pegida” wieder ans Licht wagt, mit seinem “Kabarett” Vorschub leistete.

    Denn nicht die handvoll ewiggestriger Kahlköpfe und Dumpfbacken sind gefährlich, sondern vor allem Leute wie Nuhr oder auch bspw. Sarrazin, die teilweise deren essenzielle Grundgedanken in die Mitte der Gesellschaft tragen. Die Verantwortlichen in der ARD sollten wissen, was sie tun, wenn sie jemand wie Dieter Nuhr ein so wirksames Podium bieten.

    Hinter dieser Tatsache wirkt der Umstand, dass Dieter Nuhr mit seinen “Späßen” wie ein Lautsprecher der “Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft” daherkommt, fast nebensächlich.

    Antworten
  2. Eleftheria |

    Danke für das ausgewogene, reflektierte, in ungewohnter Tiefe geführte Interview. Nuhr äußert seine Meinung. Die muss niemand teilen. Aber an keiner Stelle äußert er sie unbegründet, unüberlegt oder Effekt heischend.

    Ich nehme Nuhr ab, dass er authentisch spricht und sich inhaltlich nicht verbiegen lässt. Dass Nuhr ein Rückgrat besitzt, ist das eine. Wichtiger finde ich noch, dass er sich in diesem Land der Miesepeter und Jammerlappen den Humor und die positive Einstellung bewahrt hat. Der Hass, der ihm auch hier entgegenschlägt, gibt ihm nach meinem Empfinden Recht.

    Antworten
  3. Catherinè Schmelzi |

    Dass jemand, der gerne auch als Kabarettist firmieren möchte, in der Nach-Snowden-Ära auf offener Bühne mit einem I-Pad hantiert, um damit u.a. aus seinem persönlichen “Internetnotizbuch” vorzutragen, ist eigentlich Comedy pur. Nur eben sehr unfreiwillige. Klar, dass so jemand glaubt, die Matrix, in der auch er sich bewegt, sei echt. Da kann es schon durchaus passieren, dass so einer die Orientierung komplett verliert und dusseliges Zeug daherredet, wie etwa von dem Glück im “zivilisierten Bereich” der Welt zu leben.

    Auch ist es ein starkes Stück, wenn jemand, der gerne möchte das andere “einfach mal die Fresse halten”, wenn sie “keine Ahnung” haben, halluziniert, dass der Koran das einzige religiöse Stammwerk der großen monotheistischen Religionen sei, welches imperative Anweisungen und Verhaltensregeln enthalte.

    Nuhr offenbart sich am Ende des Interviews (letzte Frage/letzte Antwort) als genau der engstirnige, intolerante und greinende Jammerlappen, gegen welche er doch behauptet auf der Bühne und auch sonstens anzutreten und zu missionieren. Mich erinnert solche Sicht der Dinge – die darin enthaltene egoistische, subtile Rechthaberei, diese Selbstgerechtigkeit – an PEGIDA und ihre klandestinen Mitläufer. Aber Dummheit einerseits und rhetorische Begabung und partielle Intelligenz andererseits müssen sich nicht ausschließen. Das wusste auch schon D. Bonhoeffer. Deshalb haben die Nazis, die deutsche Variante des IS, ihn ja auch schnell noch aufgehängt.

    Für einen Comedian ist Dieter Nuhr nicht lustig genug. Und für einen Kabarettisten ist er – na ja, man muss es schon so deutlich sagen, leider – einfach zu blöde. Als professionelle Systemnutte ist er – mit all seinen Vorurteilen, seinen alltagsrassistischen Ressentiments und subkutanem Stammtischgefasel – für den neoliberalen, postdemokratischen Spätkapitalismus allerdings durchaus brauchbar.

    Antworten
  4. Stefan P. aus L. |

    “Deutschland geht es gut und das ist ein Grund zur Freude.” So oder ähnlich sprach unsere Frau Bundeskanzlerin.
    Dieter Nuhr ist wohl der gleichen Meinung und lässt in seinen Programmen durchblicken, dass er für die, deren “Freude” nicht so ausgeprägt ist, da z.B. ohne eigenes Verschulden ihr Lebensstandard spürbar sinkt, kein Verständnis hat, sie ihn kabarettistisch wohl nicht interessieren.
    Das darf er, man ist ja tolerant. Wenn er allerdings Kollegen, die angesichts z.T. haarsträubender wirtschafts- und sozialpolitischen (Fehl-)Entscheidungen einen anderen Weg gehen, als “links” und “ideologisch” kritisiert (was in seinen Augen für Kabarettisten ganz schlimm ist), muss man bei ihm wohl auch etwas Toleranz einfordern, die er so vehement beschwört.
    Danke für das aufschlußreiche Interview, in dem Dieter Nuhr zeigen konnte, was “er für einer ist.” Im positiven wie im negativen Sinne.

    Antworten
  5. Bloß Nech |

    Es ist schön, dass Dieter Nuhr seinem Publikum auch etwas mitgeben möchte, aber ob ein geschrumpfter Mandelkern das Richtige für jeden ist?

    Antworten
  6. Hubert Nentwig |

    Sehr geehrter Herr Nuhr,danke für Ihre sehr gute Sendungen.
    Ich habe auch ein Wort-Buchstabenspiel herausgefunden.
    Die Buchstaben IHS stehen auf ganz vielen Kirchen und Papieren.
    Und unter diesen drei Buchstaben wird seit Jahren über all in derWelt Krieg geführt. Der schlimmste für mich war der 30 Jährige Krieg.
    Wenn man die Anordnung der Buchstaben I H S nur geringfügig verändert,
    komme ich und auch andere auf die Zusammenstellung von I S , und das ist genau so füchterlich, wie die christlich geführten Kriege.
    Weiterhin guten Erfolg und schöne Weihnachten
    Bis dann Hubert Nentwig

    Antworten
  7. Wayne |

    Das Interview bestätigt eigentlich genau das, was Nuhr selber beschreibt: Journalisten geht es mittlerweile vor allem darum, auf den Putz zu hauen und Leute anzuprangern, die nicht einem gewissen Political Correctness-Mainstream folgen. Beim Versuch, Nuhr hier vorzuführen, sind sie allerdings auf Grund gelaufen.

    Antworten
  8. Th Fuegner |

    schön, dass Dieter Nuhr (noch) den Mut hat. Andere haben ihn schon verloren:

    * Hamed Abdel-Samad: “”Moderater Islam” ist eine Erfindung westlicher Islamwissenschaftler. Moderat und Islam ist ein Paradoxon, sie passen nicht zusammen. Die Wahrheiten der Islamisten stehen bereits fest. Auch das ist ein Kern des Faschismus.” http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article126336811/Schlacht-mit-apokalyptischer-Dimension.html
    * Auch der Holländische Politiker Geert Wilders steht wegen täglicher Morddrohungen unter Polizeischutz. Grund: seine Islam-kritischen Films Fitna.
    * Hirsi Ali: (Die schleichende Scharia) – unter Polizeischutz wg. Morddrohungen.
    * Sayran Antes, Frauenrechtlerin: Rückzug aus der Öffentlichkeit wg. Morddrohungen.
    * Sabatina James (Freiheit für Frauen): Unter Polizeischutz wg. Morddrohungen.
    http://www.blick.ch/news/schweiz/sabatina-james-nach-blick-interview-mit-tod-bedroht-ich-habe-alle-auftritte-abgesagt-id3276539.html
    * Minah Ahadi, (Ex-Muslime in Deutschland) Morddrohungen wg. Interviews.
    * Der dänisch-palästinensische Yahya Hassan prangert mit seiner Lyrik Heuchelei und Sozialbetrug seines Milieus an. … Nach Todesdrohungen musste er unter Polizeischutz gestellt werden.
    http://bazonline.ch/ausland/europa/Ehrlich-wuetend-talentiert/story/15026458

    Neben Morddrohungen liefert der moderate (!) Islam auch massive
    * Forderungen gegen die kulturelle und Meinungsfreiheit! Beispiele:
    * Deutsche Schüler in der Minderheit- gemobbt: ( v. Nicola Graef und Güner Balci)
    https://m.youtube.com/watch?v=-_Dyid3hZMg
    * Dasselbe Thema in panorama: Mobbing gegen Deutsche Schüler: (Die Opfer in dieser Doku heissen zufällig “Johnny” und “Dennis” …)
    https://m.youtube.com/results?q=panorama%20mobbing%20gegen%20deutsche&sm=3

    * Und das Schweigen über muslimischen “Rassismus” gegen Deutsche ist “multi-medial”! http://m.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/integration/rassismus-das-schweigen-der-schulen-ueber-deutschenfeindlichkeit-11056390.html

    * Berlin: Drohung, unkalkulierbares Risiko: Islamisten verhindern Mozart – Oper.
    * Konstanz: Türken setzen Theaterintendanz unter Druck! Die Freiheit der Kunst ist in Gefahr:
    http://www.nachtkritik.de/index.php?option=com_content&view=article&id=9293%3Atuerkische-demonstranten-setzen-theater-konstanz-unter-druck&catid=126%3Ameldungen-k&Itemid=100089

    * Düsseldorf Krimi der Autorin Gabriele Brinkmann – aus dem Programm genommen. Der Grund: Angst vor Islamisten.

    * Harald Schmidt wagt keine Witze mehr über den Islam: “Das ist mir zu heikel”.
    http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2006/02/08/a0128

    * Hape Kerkeling: “Ich würde und werde mich öffentlich mit dem Islam nicht beschäftigen. Aus Angst.”

    * Roland Emmerich sparte die Vernichtung der Kaaba in seinem Katastrophenfilm “2012″ bewusst aus: “Weil er Angst hatte vor einer Fatwa fundamentalistischer Islamisten!” Quelle: SZ.
    Wohin das führt?
    * Theo van Goghs letzte Worte, als ihm ein radikaler Muslim 2004 die Kehle durchschnitt, waren: “Wir können doch darüber reden!” Kann er jetzt nicht mehr.
    http://www.welt.de/kultur/article133887433/Nun-wisst-ihr-auch-was-euch-erwartet.html

    Antworten
  9. Friise |

    Gutes Interview, das Nuhr nicht bedauern muss. Er wird das auch nicht tun. Seine Einschätzung der Presse findet man auch sogleich bestätigt, wenn man die Beträge auf stern.de, welt.de oder focus online zu diesem Interview liest. Dass Nuhr von einigen Kabarettisten wie Christine Prayon (“Systemstütze”) kritisiert wird, ist für mich eher ein Zeichen dafür, dass er es richtig macht. Mir kommt das manchmal so vor, als würde man ihm noch den kleinen Seitenhieb im Zusammenhang mit Hoeneß auf Kabarettistenkollegen (die früher selbst den Fiskus beschissen haben) übelnehmen. Nuhr ist ein moderner Eulenspiegel, der allen den Spiegel vorhält, aber sicher keine Systemstütze. Nuhr weiter so.

    Antworten
    1. Statistiker |

      *stern.de, welt.de oder focus online*

      okay, dann weiß man, dass das Nuhr ein ekelhafter Systempressefaschist ist, der nur nachplappert, was Geld bringt.

      Macht er seit Jahrzehnten, eine eigene Meinung und Nuhr? Ich lach mich weg, dafür ist der Typ zu stupide……..

      Das Nuhr würde ich nicht mal meine Topfpflanzen anvertrauen, dafür ist der zu blöd……

      Lieber Menschen als Nuhr…….

      Die Hoffnung stirbt zuletzt, als dass das Nuhr zugunsten echter Menschen sich mal erbarmt, nicht alles zu beleridigen, was ihm einfach nicht passt. Nuhr muss nicht NAZI sein, auch wenn er es will, er will eben NAZI sein, er muss es nicht…… armer Nuhr…. er muss sehr krank sein…… krank an Seele und Geist…… ich hätte da eine Lösung…… *peng*

      Antworten
      1. Barnabas Ethel |

        Sehr geehrter “Statistiker”,

        mit dem indirekten Aufruf, Hernn Nuhr erschießen zu wollen, sollten Sie direkt vor eine Gerichtsbarkeit gezerrt werden. Ich hätte für solche Menschen wie Sie eine Lösung: “Verschwinden Sie aus unserem Land. Gehen Sie dahin, wo man Ihrer Haltung gerecht wird. Dort können Sie sich dann solange beschießen, bis keiner mehr da ist.” Hier, in unserer Demokratie, ist für Sie kein Platz.

        Antworten
        1. Hans Franz |

          Ich schließe mich an.

          Antworten
          1. Barnabas Ethel |

            Danke.

      2. Birgit |

        zu “Statistiker”
        Möglischerweise so gut erzogen um nicht mit vollem Mund zu sprechen, aber sie haben keine Bedenken es mit leerem Hirn zu tun.

        Antworten
        1. Barnabas Ethel |

          Chapeau!

          :-))

          Antworten
          1. Barnabas Ethel |

            Für den überforderten “Statistiker”:
            Chapeau! bedeutet, das man einer anderen Person Anerkennung zollt.

      3. Friise |

        Ey Alter, wie bist Du denn drauf? Nimm das Beißholz aus dem Mund und entspann’ Dich! Wir haben alle mal eine schlechten Tag. Es ist Winteranfang, ja das ist deprimierend, das heißt aber auch, dass ab morgen die Tage wieder länger werden. Übrigens, das ist nicht der Leibhaftige, das ist Nuhr der Nuhr.

        Antworten
  10. Harry |

    >Mein Programm ist einerseits lustig, es wird viel gelacht, …<
    Ich kenne keinen anderen Kabarettisten, bei dem so oft so quälende Pausen entstehen, weil er auf Lacher wartet.
    Der Mann hat seinen Beruf vefehlt.

    Antworten
    1. Friise |

      Die Pausen haben sie offensichtlich nicht verstanden Ich habe eigentlich nie den Eindruck, dass er auf Lacher wartet. Manchmal ist er schon eine fiese Socke, wenn er seinem Publikum den Spiegel vorhält. Über sich selbst zu lachen ist auch nicht jedermanns Sache.

      Antworten
      1. Statistiker |

        Tja, dann haben Sie eben nichts verstanden.

        Nuhr macht sich nur über andere lustig und warztet auf Huldigung……

        Ist ziemlich schleimig und eklig, aber eben nuhr widerlich,,,,,,,

        Antworten
        1. Barnabas Ethel |

          Sehr geehrter Statistiker,

          anscheinend frönen Sie der Position des Trolls. Diese Position ist oft ein Zeichen von Isolation. Vielleicht versuchen Sie es mit einem Taschenspiegel, bei einsamen Wellensittichen klappt das auch.

          Antworten
  11. Jörg Zajonc |

    Comedy oder Kabarett? Mir persönlich ist das vollkommen egal. Dieter Nuhr ist nicht immer einfach. Aber er bringt mich zum Nachdenken. Und Nachdenken ist nie verkehrt. Damit ist er eine Bereicherung. Außerdem hat er eine klare Sicht auf die Dinge und vertritt seine Haltung. Egal ob ich diese Haltung teile, halte ich diese Eigenschaften für respektabel. Auch, weil sie leider nicht mehr weit verbreitet sind.

    Antworten
  12. Peterson |

    Früher hat er mir gefallen, heute nicht mehr so. Irgendwie hatte ich den Eindruck seit seinem Burma Engagement hat er sich verändert.
    Aber dieses Interview macht ihn wieder richtig sympatisch.

    Antworten
  13. bombjack |

    Kleine Anmerkung zu der Bibel:

    Soviel ich in Erinnerung habe ist nur ein Teil der Bibel als Geschichte zu verstehen….das AT was ja die Tora und damit u.a. das 3. Buch Mose beinhaltet kann durchaus auch als Anweisung = Befehl gesehen werden….und auch das 2. Buch Moses wird im Kapitel 22 da ziemlich konkret z.B. mit
    “-Die Zauberinnen sollst du nicht leben lassen. ”
    “- Wer bei einem Vieh liegt, der soll des Todes sterben. ”
    “-Wer den Göttern opfert und nicht dem HERRN allein, der sei verbannt.”
    usw.

    Da kann man sich durchaus auch ähnliche Sachen zusammenreimen wie beim Koran…..

    bombjack

    Antworten
    1. Daniel |

      Lieber bombjack,

      auch von mir ein paar kleine Anmerkungen zur Bibel, bitte entschuldige die Länge des Textes es ist mir doch ein Anliegen einige Sachen auszuführen.
      das Alte Testament (AT) entspricht nicht ganz der Tora, diese besteht lediglich aus den 5. Büchern Moses, das AT umfasst deutlich mehr Bücher.
      Ich möchte allen Menschen die sich mit historischen und vor allem theologischen Texten beschäftigen die historisch-kritische Exegese ans Herz legen.
      Eine sogenannte Steinbruch-Exegese (heraussuchen einiger Stellen ohne jeglichen Kontext sowohl gesellschaftlich, historisch oder theologisch) ist nicht zu verwerten und führt nur zu Hass und Missverständnis.
      Diese Steinbruch-Exegese ist die, die auch im Interview (leider) immer wieder durchkommt, wobei Dieter Nuhr die entsprechenden Hintergrundinformationen liefert und die Zitate in einen Zusammenhang stellt.
      Ebenso muss man auch die von dir genannten Zitate betrachten. Viele der Regeln die im alten Testament niedergeschrieben sind beziehen sicha auf eine Zeit von vor 4000 Jahren. Wenn es dort um Regeln geht muss man diese aus der Sicht der damaligen Personen sehen, z.B. handelt es sich um Nomadenvölker deren Lebensgrundlage Tiere waren, und eine gespaltene Gruppe aufgrund unterschiedlicher Götter kann zum Sippenkrieg und zum Ende des Nomadenstammes führen um nur mal zwei kleine Argumente zu nennen.
      Ich habe nie den Koran gelesen, kann ihn daher nicht unter diesen Maßgaben beurteilen und tue es dementsprechend auch nicht.
      Ob Herr Nuhr dies getan weiß ich auch nicht, seine Antworten zeugen von einer sehr reflektierten Haltung.

      Antworten
  14. Julian |

    Ich finde Dieter Nuhr nicht witzig, eher nervtötend. Zum Glück kann man umschalten. Dieses Interview ist das Interessanteste, was ich über ihn oder von ihm je gelesen habe.

    Besonders gut ist die letzte Frage und seine sehr gute und offene Antwort darauf. Gut finde ich auch, diese Frage, die ja eher “nach dem Interview” gestellt wurde, hier mit zu veröffentlichen.

    Antworten
  15. Statistiker |

    PS:

    Ich zitiere: ” meinem Programm, das sich mit ganz anderen Dingen, mit dem großen Ganzen beschäftigt”

    Der Mann muss größenwahnsinnig sein…… ein Grövaz, der größte Volksverhetzer aller Zeiten……

    Antworten
  16. Statistiker |

    Danke für dieses Interview, denn das Nuhr demaskiert sich selbst.

    Wer nicht seiner Meinung ist, ist dumm primitiv, idiologisch und was er noch an Hass und Beleidigungen von sich gibt.

    Dabei sind die Fragen so harmlos, es kommen keine Nachfragen, warum er andere so beleidigt und hasst.

    Dieses NUhr ist bei der NPD, PEDIGA und anderen Rassisten bestens aufgehoben, diese Kreise protegiert er ja regelmäßig.

    Also Nuhr: Da Sie keine Ahnung heben: Einfach mal die Fresse halten!

    Antworten
    1. Patrick |

      Ich habe selten so einen populistischen Unsinn gelesen. Aber wer einer beliebigen Person vorwirft, er würde „sich selbst demaskieren“ (oder wahlweise „sich selbst entlarven“), den kann man ohnehin nicht ernst nehmen. Ansonsten allerdings kann man deinen gesamten Beitrag als ziemlich links stehende, undifferenzierte und ahnungslose Hetze gegen Nuhr bezeichnen. Und wer Nuhr wirklich mit der NPD „und anderen Rassisten“ gleichsetzt, der kann sich selbst nicht im demokratischen Spektrum befinden.

      Antworten
  17. Prüfer |

    Ich halte das für ein sehr gutes Interview, das von beiden Seiten mit offenem Visier geführt wurde. Bereuen sollte das keiner.
    Ich finds allerdings schon seltsam, dass die Perzeption des Kabaretts bei vielen “Intellektuellen” am Feindbild festgemacht wird.
    Links = gut
    Nicht links = schlecht

    Antworten
  18. loui |

    Dieter Nuhr ist ein Komiker. Wenn er sich an Kabarett versucht, liegt er oft daneben. Das hat auch dieses Interview gezeigt. Er verwechselt Ideologische Einstellung mit fehlender Schärfe. Zudem setzt er in seinen Programmen permanent Menschen herab, man könnte es als tragenden Teil bezeichnen.
    Dass er Kabarett ideologisch links verortet – und es deswegen als primitiv kritisiert, ist auch nicht mehr als eine Rechtfertigung für kurze Pointen ohne grössere Zusammenhänge. Und genau das macht ihn so erfolgreich. Bei seinem Islam-bashing fragt man sich, wie viele in seinem “offenen” Publikum inzwischen bei PEDIDA mitlatschen. Dabei spielt es garkeine Rolle, wie “der Islam” so drauf ist. Sondern was solche Pointen in Menschen auslöst , die kurz zuvor noch Fips Asmussen..nee, Moment, der andere…. ich meine Ingo Appelt … also, was diese Islam-Pointen in Menschen auslösen, die Minuten vorher noch Ingo Appelt frenetisch abgefeiert haben.

    Antworten
  19. CB |

    Danke für das Interview.
    Ich kann die Kritik nicht nachvollziehen. Das Journalisten “eigene Befindlichkeiten” einfließen lassen, liegt ja in der Natur der Sache, hier fragen sie halt Dinge, die sie interessieren. Dadurch kommen dann interessante Gesprächswendungen zustande.
    Wesentlich besser als totredigierte Interviews ohne Kanten und Meinung.

    Antworten
  20. Klaus D. |

    “da glaubte man als junger Mensch, man hätte die Wahrheit in den Händen und alle, die es anders machen wollen, sind Drecksäcke und moralisch verkommen”

    Nicht “man” glaubte, Herr Nuehr – . S I E . glaubten das offensichtlich. Aber übertragen Sie doch nicht Ihre nun eingestandenen Fehler auf viele andere, nur um sich heute zu entlasten.

    Antworten
    1. TJanssen |

      sinnloser kommentar….

      Antworten
      1. Dolph |

        Leider nicht… Herr Nuhr ist ja inzwischen offenbar auch wieder in diesem Stadium angekommen.

        Antworten
        1. oliver |

          2. sinnloser Kommentar….

          Antworten
    2. Kümsü |

      Sie haben den Anfang des Satzes überlesen. Vielleicht beruht darauf Ihre Unfähigkeit, die Aussage zu verstehen: “Ich bin in der alternativen Szene aufgewachsen, da glaubte man …” Vielleicht ist es aber auch einfach nur Absicht.

      Antworten
  21. Jonas |

    “Gespräch, welches Dieter Nuhr im Nachhinein wahrscheinlich bereut”
    Das denke ich nicht. Er hat Sie ja ziemlich bloßgestellt…

    Antworten
    1. oliver |

      So isses…

      Antworten
  22. Hans Franz |

    Dass Dieter Nuhr andere Fragen gestellt bekommt als er gerne beantworten würde, muss er aushalten. Und er hält es aus.
    Sehr aufschlussreiches Interview, bei dem ich wirklich das Gefühl habe, dass es offen und ehrlich geführt wurde und dass nichts geschönt/geändert/weggelassen wurde.

    Antworten
  23. Frank Orloff |

    Irgendwie liest sich das gar nicht wie ein Interview; eher wie ein Intensiv-Verhör, bei dem Jakob Buhre und Laura Bähr eigene Befindlichkeiten einfließen lassen. Kann mich ja täuschen, aber der Eindruck ist schon ziemlich zu Lesebeginn entstanden. Interessant dabei ist lediglich, dass Nuhr das offensichtlich erst am Ende der “Befragung” bemerkt hat.

    Antworten

Kommentar schreiben

* Erforderliche Angaben. Emailadresse wird nicht veröffentlicht.