Interview-Autobiographie der Einstürzenden Neubauten

Na klar, wer sonst könnte die Geschichte einer der einflussreichsten deutschen Bands besser kommentieren und interpretieren als die Protagonisten selbst?

Die Idee zum Buch stammt von den Autoren und Herausgebern Max Dax und Robert Defcon. Die wollten sich nicht anmaßen, als dritte Person von einem Leben zu erzählen, das sie selbst nicht geführt haben. Also führten sie in einem Zeitraum von zweieinhalb Jahren mit den Mitgliedern der Einstürzenden Neubauten insgesamt 49 Interviews, die dann Eingang in das 320 Seiten starke Werk fanden.

Entstanden ist dabei ein authentisches Dokument, dass nicht nur ein Stück Band- sondern auch Zeit- und Sozialgeschichte widerspiegelt. Da ist die Rede von der Loslösung von alten Identitäten und dem Aufbau neuer Persönlichkeiten. Wie das eben so ist, mit Anfang 20.

Brutal, ehrlich und ohne Scham wird da der jugendliche Drogenkonsum kommentiert. Nicht etwa um sich zu profilieren, wie Möchtegern-Gangster-Rapper das gerne tun. Das haben und hatten die Neubauten nie nötig. Ganz unphlegmatisch sieht es zum Beispiel Ex-Bassist Mark Chung: „Speed war die Droge der Wahl in Berlin, nicht nur bei uns. Es war billiger als Koks und wirkte viel länger und intensiver und hatte nicht diese Schicki-Micki-Assoziation.“ Nüchtern, als abgeschlossenes Kapitel findet diese Episode ihren Platz, ohne den obligatorisch erhobenen Zeigefinger über dem Gesagten kreisen zu lassen, sich der eigenen Zerstörung aber durchaus bewusst zu sein.

Bei der Lektüre fragt man sich manchmal, wie die Jungs es damals überhaupt geschafft haben, eine Band zu sein. Die Antwort gibt Gitarrist Jochen Arbeit: „Es ging darum Spaß zu haben[…]. Dass der Spaß mit selbstzerstörerischen Mitteln erreicht wurde, das hat man selbstverständlich in Kauf genommen. Außerdem hatte man ja immer die Gewissheit, dass man darüber hinaus fleißig war, es entstand ja gute Musik. Was sollte man sich da mit Gewissensbissen plagen?“

Natürlich ist die Musik der Neubauten auch das große Thema des Buches, und bei der Begeisterung, mit der die Neubauten von ihren Songs sprechen ist man immer wieder versucht, in die Scheiben von damals reinzuhören. Insofern ist diese Interview-Autobiographie nicht nur was für eingefleischte Neubauten-Fans, sondern auch für musikinteressierte Leser, die die Band bislang nur vom Hörensagen kennen. Und für alle, die schon immer mal nachlesen wollten, wie das damals so war, in den 80ern, als „Inselbewohner“ in West-Berlin. Mit „Nur was nicht ist, ist möglich“ ist Max Dax und Robert Defcon ist eine wunderbare Hommage an ein wichtiges Kapitel deutscher Musikgeschichte gelungen.

Das Buch kostet 24,50 Euro, weitere Infos gibt es auf der Bosworth-Website.

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