Helmut Schleich

Ratzinger zu parodieren war ein Genuss

Kabarettist Helmut Schleich über die bayerische Identität, Politikertypen, sein Alter Ego Franz Josef Strauß und warum München nicht mehr die „Weltstadt mit Herz“ ist

Helmut Schleich

© Büro Bachmeier

Herr Schleich, gemeinsam mit Co-Autor Thomas Merk sind Sie für Ihr Buch „Daheim is ned dahoam“ durch Bayern gereist, um die bayerische Identität aufzuspüren. Sind Sie fündig geworden?
Helmut Schleich: Die „bayerische Identität“ kommt ja heutzutage oft sehr plakativ daher. Mit Sprüchen wie „Bayern ist die Vorstufe zum Paradies“, wie das der Seehofer dieses Jahr in Passau am Aschermittwoch so schön gesagt hat, oder mit der Idee, dass man ein Heimatministerium braucht. Oder auch in so gängigen Sprüchen wie „Mia san mia“ oder „Dahoam is dahoam“. Jetzt ist es aber so, dass in Zeiten, in denen alles immer unsicherer wird – Stichwort „Globalisierung“ – die Leute sich immer mehr nach einem Zuhause, nach einer sicheren Basis und nach ihren Wurzeln sehnen. Und die sind natürlich nicht so einfach in Weißwurst, Bier, Brezen, blauem Himmel und schönen Bergen zu finden.

Sondern wo?
Schleich: Diese Identität ist in einem Vielvölkerstaat wie Bayern, der mit Franken, der Oberpfalz, Schwaben, Oberbayern und Niederbayern letztlich fast ein Völkergemisch darstellt, ja sehr viel vielfältiger. Und ich glaube, dass gerade in diesen Details, in den Kleinigkeiten, die jeder für sich individuell suchen muss, die „bayerische Identität“ liegt.

Sie konstatieren Ihren Landsleuten eine „bayerische Doppelzüngigkeit“, „dieses ganz spezielle Janusgesicht unter dem gamsbartgeschmückten Trachtenhut“. Wann und worin zeigen sich diese Charakteristika für Sie besonders?
Schleich: Naja, die Bayern sind immer ganz groß im Maulaufreißen. Wir sind die Besten und es gibt nichts Schöneres, Besseres und Gesünderes als Bayern. Aber wenn’s drauf ankommt, haben die Bayern immer gekniffen. Da muss man sich nur das 19. Jahrhundert anschauen: Die Bayern zusammen mit den Franzosen gegen die Österreicher, dann mit den Österreichern gegen die Preußen, dann mit den Preußen gegen die Franzosen. Schließlich haben sie sich Bismarck unterworfen und sind im Deutschen Reich aufgegangen. Mit dieser bayerischen Eigenständigkeit, die immer so laut – zum Beispiel bei der Klage gegen den Länderfinanzausgleich – postuliert wird, mit dieser bayerischen Eigenständigkeit ist es, wenn man genauer hinschaut, letztlich gar nicht soweit her. Das ist einfach nur Geschrei.

Sie schreiben, dass gerade die Oberbayern ihr Bundesland als eine eigene Welt sehen, die heil und makellos schön ist und in der „alles Böse von Nicht-Bayern wie ein Virus eingeschleppt wird“. Woher kommt diese Einstellung? Und warum ist dieses „Mia san mia“-Gefühl z.B. in Franken oder der Oberpfalz weniger ausgeprägt?
Schleich: Ich glaube, wenn man Bayern, wie schon gesagt, als einen Vielvölkerstaat betrachtet, dann sehen sich die Oberbayern ein bisschen als die Kolonialherren dieses Reiches an. Denen sich alle anderen unterzuordnen haben – sei das jetzt kulturell oder eben auch politisch.

Gibt es da vielleicht auch einen gewissen Minderwertigkeitskomplex bei den anderen Regierungsbezirken?
Schleich: Minderwertigkeitskomplex würde ich das nicht nennen. Aber es ist schon so, dass man, wenn man in Franken konstatiert, dass die Franken keine Bayern sind, sondern eben Franken, schnell viel Applaus kriegt. Die ticken einfach ein bisschen anders, haben aber durchaus ein Selbstbewusstsein für ihre Region. Ich denke nicht, dass sie sich minderwertig fühlen. Ich glaube, sie fühlen sich manchmal etwas von dieser Boomregion München, aus der ja nach wie vor sehr zentralistisch für Bayern entschieden wird, zurückgesetzt. Und das ja durchaus auch mit Recht.

Um noch kurz bei den Franken zu bleiben: Sie haben in einem Interview gesagt, dass ein Ministerpräsident Markus Söder für Sie durchaus ein Grund wäre, aus Bayern auszuwandern. Was an ihm löst bei Ihnen dieses Fluchtverhalten aus?
Schleich: Ganz sicher nicht die Tatsache, dass er aus Franken kommt (lacht). Aber ich halte den Söder, der ja mein Jahrgang ist, für einen sehr spezifischen Politikertypus unserer Generation. Ihm geht’s nur um sein Fortkommen und seine Karriere und nicht um das Land. Und schon gar nicht um die Menschen. In diese Schiene gehört für mich auch Christine Haderthauer. Wenn die Ministerpräsidentin werden würde, wär das für mich auch ein Grund auszuwandern. Von solchen Leuten will ich nicht regiert werden, weil das in meinen Augen reine Zyniker sind. Und die finde ich besonders an der Regierungsspitze fatal.

Gehört in diese Riege nicht auch Horst Seehofer…
Schleich: Nein, das ist was Anderes. Dass wir uns richtig verstehen: Ich bin kein CSU-Parteigänger, ich bin überhaupt kein Parteigänger, aber Seehofer ist aus einer anderen Generation. Der schaut natürlich auch immer, woher der Wind weht und wie er sein Fähnchen ausrichten muss, aber er hat nicht diesen Zynismus, um seinen Karriereinteressen alles unterzuordnen. Und das ist das Üble an diesen anderen Figuren, das macht sie für mich durchaus bedrohlich.

Als nun kürzlich bekannt wurde, dass viele Abgeordnete im Bayerischen Landtag Verwandte oder Ehepartner beschäftigt haben — waren Sie da vom Ausmaß dieser Mitnahme-Mentalität überrascht, oder hatten Sie nichts Besseres erwartet?
Schleich: Bei diesem Thema muss ich differenzieren. Zum einen gibt es Gestalten wie den Ex-CSU-Chef Georg Schmid, den sogenannten „Schüttelschorsch“, der mit aller Chuzpe seine Ehefrau zu einer Firma gemacht hat und sie zum Zwecke der Vermehrung des Familienvermögens bei sich beschäftigt hat.
Andererseits erzählen mir aufrichtige Abgeordnete unseres Landtages, wie sie an Wahlkampfständen von Bürgern für ihre Mitnahme- Mentalität beschimpft werden, während sich die Leute mit Kugelschreibern, Einkaufssäcken und Aufklebern die Taschen vollpacken. Ein lustiges Bild für eine – auch – verlogene Diskussion.

Wenn Sie jetzt auf Ihre Reise durch den Freistaat zurückblicken, welches Fazit ziehen Sie dann?
Schleich: Das Fazit, das ich ziehe, ist, dass Bayern sehr, sehr viel mehr ist als die Klischees, die über Bayern existieren. Sehr viel bunter, sehr viel vielfältiger, und gerade in dem versteckten, in dem leisen, in dem dadurch auch etwas in den Hintergrund tretenden Bayern, da liegt die eigentliche Qualität. Bayern ist schon etwas Besonderes, aber etwas Besonderes ist etwas Anderes als etwas Besseres. Und die Besonderheiten liegen weder im Oktoberfest, noch auf der Zugspitze, noch in Neuschwanstein, noch in der Weißwurst, noch im Bier, sondern sie liegen in der Vielfalt der Menschen und der Kulturen in diesem Land.

Wo fühlen Sie sich denn daheim?
Schleich: Ich bin in München aufgewachsen, in Schwabing, und um uns herum gibt es einen persönlichen Mikrokosmos aus Nachbarn und Freunden, der mich hier immer noch daheim sein lässt. Das Stadtviertel und die Stadt München selber sind mir in den letzten Jahren sehr fremd und sehr unsympathisch geworden. Man hat den Eindruck, als gäbe es überhaupt keine andere Idee mehr als „noch höher, noch schneller, noch weiter, noch reicher“. Immer noch mehr Geld, immer noch mehr Druck auf den Kessel geben. Ich sag immer, es gibt keine Stadt in Deutschland mit einer so hohen Arschlochdichte wie München. Und es gibt niemanden, der Lust hat, das zu stoppen, sondern es scheint eher nachahmenswert zu sein.

Können Sie mir ein Beispiel für diesen Wettbewerbswahn geben?
Schleich: Ja! Unbedingt die Olympischen Spiele haben zu wollen, ist für eine Stadt wie München aus stadtplanerischer Sicht das völlig falsche Signal. In München geht eh schon nichts mehr, weil alles explodiert. Da muss man doch nicht auch noch Olympische Spiele herzerren.

München ist also in Ihren Augen nicht mehr die „Weltstadt mit Herz“?
Schleich: Nein, München ist heute eine Weltstadt mit allen negativen Seiten, die dazugehören. Und es ist ja zunächst mal nicht unbedingt etwas Erstrebenswertes, Weltstadt zu sein. Weltstadt bedeutet auch Rücksichtslosigkeit, Kälte, Brutalität. Und damit meine ich jetzt nicht Kriminalität, sondern Brutalität im Sinne von „weg mit denen, die sich nicht halten können“. Alle die schwach sind, haben keine Chance in dieser Stadt. Das ist ein Trend, der viel zu wenig kontrolliert wird.

Geboren sind Sie ja in Schongau, einer Kleinstadt. Wie lange haben Sie dort gelebt?
Schleich: Ich war nur als kleines Kind in Schongau und bin schon 1975 mit meiner Mutter nach München gezogen. Ich habe also nur meine frühe Kindheit in Schongau verlebt.

Zitiert

Bayern ist sehr viel mehr ist als die Klischees, die über Bayern existieren.

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War einer der Gründe, Franz-Josef Strauß zu parodieren, die Tatsache, dass der spätere bayerische Ministerpräsident nach dem Zweiten Weltkrieg seine politische Karriere als Landrat in Schongau begonnen hat?
Schleich: Direkt ist dieser Zusammenhang nicht vorhanden. Es ist eher so, dass mich die Figur Strauß immer interessiert hat. Ich habe ja schon mit 17 Jahren angefangen, Kabarett zu machen. Damals habe ich zusammen mit Christian Springer und Andreas Rüttenauer das Kabarett „Fernrohr“ betrieben. Da hat der Strauß noch gelebt, und wir hatten da schon großen Spaß daran, ihn zu parodieren. Und schon damals ist mir diese Aufgabe im Ensemble zugefallen. Wiederbelebt habe ich ihn, als der Stoiber nicht nach Berlin wollte. Danach ist es mit der CSU bergab gegangen und die Frage stand im Raum, was eigentlich der Übervater der CSU zu all dem und zu seinen Epigonen sagen würde. Da hab ich ihm die Stimme geliehen und ihn dazu reden lassen. So hat sich das entwickelt und spätestens seit dem Nockherberg 2010 verselbstständigt.

Gibt es denn einen indirekten Zusammenhang zwischen Schleich, Strauß und Schongau?
Schleich: Ja, durchaus. Mein Großvater, bei dem ich ja die ersten Lebensjahre auch aufgewachsen bin, war ein großer Strauß-Verehrer. Die beiden waren derselbe Jahrgang und haben sich auch irgendwie gekannt „seit dem Krieg“, wie das immer so lapidar formuliert wurde. Und dass mein Opa diesen Strauß so verehrt hat, der mir dann ja so gar nicht sympathisch war als Politiker, war für mich auch ein Antrieb, diese Figur überhaupt mal ins Visier zu nehmen.

Ist diese glühende Verehrung Ihres Großvaters auch Ihre erste persönliche Erinnerung an Franz Josef Strauß?
Schleich: Ja, was der Strauß gesagt hat, war halt aus der Sicht meines Großvaters immer das Richtige und das Beste. Als dann bei mir in der Pubertät der Widerstandsgeist erwacht ist, hab ich natürlich alles in Frage gestellt, was mein Großvater da formuliert hat. Und so ist diese Figur Strauß praktisch von Anfang an präsent gewesen. Persönlich hab ich zu seinen Lebzeiten nicht viel mit ihm zu tun gehabt. Ich war auf der einen oder anderen Wahlkampfveranstaltung…

Haben Sie da einen „Stoppt Strauß“-Anstecker getragen?
Schleich: Nee, die Gesinnung war zwar „Stoppt Strauß“, aber das war ja ein Anstecker zur Bundeskanzlerwahl 1980, und da war ich noch zu jung, um auf Wahlkampfveranstaltungen zu gehen.

Einer Ihrer größten Fans scheint der älteste Strauß-Sohn Max Josef zu sein, er hat zumindest einen Auftritt von Ihnen aufgenommen und auf Youtube gepostet.
Schleich: Ja, nachdem er mich gefragt hat, ob er das darf. Er will da, glaube ich, in keinerlei Fettnäpfchen mehr treten. Er hat mir dann auch gesagt, dass er mir das Material jederzeit zur Verfügung stellen würde, und hat hinzugefügt, dass das dann selbstverständlich honorarfrei sei. Daran sieht man, dass ihm das Straußsche Geschäftsgebaren mit der Muttermilch mitgegeben wurde (lacht).

Hatten Sie ansonsten auch schon Kontakt zu ihm oder anderen Mitgliedern der Strauß-Familie?
Schleich: Ja, wir haben uns schon zwei-, dreimal getroffen. Nachdem ich mich mit der Figur seines Vaters ja eingehend befasse und im Herbst zum 25. Todestag von Franz Josef Strauß ein satirisches Buch über ihn plane, bin ich natürlich auch dankbar dafür, dass es Leute gibt, die bereit sind, die eine oder andere Geschichte zu erzählen.

Wie soll denn das Buch heißen?
Schleich: „Franz Josef Strauß – Mein Tagebuch 1988 bis heute“. Und ich werde darin als Strauß alles, was seit 1988 politisch Bedeutsames passiert ist, satirisch kommentieren – von der Wiedervereinigung über den Euro bis zu Guttenberg.

Sie haben ja schon erzählt, dass Sie bereits mit 17 Jahren Ihr erstes Kabarettensemble gegründet haben. Wollten Sie nie etwas Anderes machen?
Schleich: Nein, wollte ich eigentlich nicht. Ich hatte mit 20 eine Freundin, die der Meinung war, dass Kabarett die völlig falsche Schiene für mich ist, und die mich mehr oder weniger zum Geografiestudium genötigt hat. Ich hab dann Geografie studiert und nach sechs Semestern wieder abgebrochen, um weiter Kabarett zu machen. Nicht, dass mich das Thema nicht interessiert hätte, aber ich glaube nicht, dass ich ein guter Geograf geworden wäre. In irgendeiner Stadtverwaltung als Stadtplaner zu arbeiten, hätte mich wahrscheinlich nicht so befriedigt wie mein jetziger Beruf.

Mich reinsteigern, das kann ich wie kein Zweiter“ haben Sie im Buch geschrieben. Kann man sagen, dass das Kabarett auch eine Art Ventil für Sie ist?
Schleich: Ja, selbstverständlich (lacht). Das ist wahrscheinlich der Hauptgrund, warum ich persönlich so sehr am Kabarett hänge, weil es natürlich eine wunderbare Möglichkeit ist, das, was einen aufregt, was einen wütend macht, was einem auch weh tut, zu kanalisieren und auf der Bühne, im Fernsehen oder in Buchform loszuwerden. Im Grunde ist das ein Luxus, den dieser Beruf beinhaltet. Und dass man davon auch noch leben kann, ist ja was ganz Großartiges, wofür man auch dankbar sein muss.

Sie arbeiten ja auch bei Ihren Kabarettprogrammen mit Thomas Merk zusammen. Wann und wie haben Sie sich kennengelernt?
Schleich: Wir haben uns 2007 kennengelernt, die Frau vom Thomas ist die Geigenlehrerin meines Sohnes. Wir haben damals öfter miteinander geratscht und haben gemerkt, dass wir einen sehr ähnlichen Humor und eine sehr ähnliche Wahrnehmung der Wirklichkeit haben. Also hab ich ihn gefragt, ob er nicht Lust hätte, bei meinem Programm – das war damals „Der allerletzte Held“ – mitzuarbeiten. Diese Zusammenarbeit hat sich dann immer mehr intensiviert. Durch den Thomas, der eigentlich Schriftsteller und literarischer Übersetzer ist, hat sich mein eigener Schleichscher Stil verdichtet.

Wie muss man sich diese Zusammenarbeit konkret vorstellen?
Schleich: Sowohl beim Kabarett als jetzt auch beim Buch bringt erst einmal jeder für sich seine Eindrücke und Assoziationen zu Papier. Dann setzen wir uns zusammen und machen daraus eine redigierte Fassung des Textes. Durch diesen Arbeitsprozess diskutieren wir sehr stark, was wir schreiben, und wägen die Worte dadurch auch stark ab. Es kann auch mal sein, dass nur einer vorlegt und der andere dann drübergeht, was ja eigentlich dieselbe Form ist, nur in etwas verknappter Weise.

Sie haben ein sehr breites Figurenspektrum. Wie wählen Sie Ihre Figuren aus und wie machen Sie sich sie zu eigen?
Schleich: Manche Figuren wohnen einfach in mir und ich entdecke sie. Es gibt gewisse Charakterzüge, gewisse Archetypen, z.B. den Choleriker oder einen völlig schrägen Vogel, wo ich merke, den kannst du gut spielen, irgendwie liegt der dir. Andere Figuren hole ich mir direkt über die Themen, die mich interessieren. Und dann stellt sich ja im Kabarett immer die Frage: Wie breche ich das Thema so runter, dass es einen Unterhaltungswert hat und trotzdem der Inhalt noch rüberkommt und der satirische Mehrwert erhalten bleibt? Und da findet sich dann manchmal auch eine passende Figur dafür.

Sie gehen ja mit „weißblauen Premiummarken“, wie Sie u.a. FJS und den emeritierten Papst Benedikt nennen, nicht gerade zimperlich um. Stößt das bei Ihrem Heimatsender, dem Bayerischen Rundfunk, nicht manchmal auf Widerstand?
Schleich: (lacht) Beim Strauß haben sie es einfach hingenommen, dass ich den wiederbelebt habe und er mir sozusagen „gehört“. Der ist ja jetzt auch schon lange genug tot. Da kann ich sagen, was ich will. Ich bin sehr froh um diese Figur, weil keine andere Figur in Bayern so unangreifbar ist, auch wenn sie etwas völlig Unkorrektes sagt. Aber der Ratzinger war auch eine tolle Figur. Es ist einfach ein Genuss gewesen, diesen intellektuell vergeistigten Menschen zu parodieren, weil’s ja auch immer mehr Spaß macht, kluge Leute zu parodieren als dumme. Aber so jemand ist natürlich sehr viel gefährlicher beim Bayerischen Fernsehen. Da gab’s schon Bedenkenträger und auch immer mal wieder den Versuch, das eine oder andere zu zensieren. Aber da haben wir uns bisher immer durchgesetzt.

Ist es für Bayern eigentlich ein Gewinn oder ein Verlust, dass der gebürtige Bayer Joseph Ratzinger nicht mehr Papst ist? Sein Pontifikat war ja nicht unumstritten…
Schleich: Mei, was heißt „nicht unumstritten“? Vieles von dem, was da diskutiert wird, sind Medienthemen, die auf den Alltag der Menschen keinen Einfluss mehr haben. Wir leben ja selbst in Bayern nicht mehr in einem Kirchenstaat, wo umgesetzt werden muss, was Rom sagt. Aber wenn ich sehe, wer in den letzten acht Jahren in Bayern alles versucht hat, sich dieses Papstes zu bemächtigen, von Trachtenvereinen über Fernsehdirektoren bis zu Ministerpräsidenten, indem schon mehr selbstherrlich als stolz von „UNSEREM bayerischen Papst“ gesprochen und auch so gedacht wurde, dann bin ich eigentlich ganz froh, dass diese Leinen nach Rom erst mal gekappt sind bzw. nach Argentinien verlegt wurden.

Eine zentrale Figur beim Bayerischen Fernsehen ist der Chefredakteur Sigmund Gottlieb. Hat der sich Ihnen gegenüber schon mal zu seinem Alter EgoTraugott Sieglieb, dem Chefreporter bei „SchleichFernsehen“, geäußert?
Schleich: Wir haben ja den Kunstgriff gemacht, dass aus Sigmund Gottlieb Traugott Sieglieb wird. Und dann ist es natürlich so, dass jeder wichtige Mensch weiß, dass es eine viel größere Ehre ist, parodiert zu werden als übersehen zu werden. Und deswegen ist er dem Ganzen gegenüber sehr wohlgesonnen.

Hat der Hapflinger Sepp, der Außenreporter von „SchleichFernsehen“, auch ein reales Vorbild?
Schleich: (lacht) Das kann sich jeder selber suchen, das reale Vorbild. Jeder wird irgendeinen kennen, der so ähnlich drauf ist. Der Hapflinger Sepp ist eine meiner absoluten Lieblingsfiguren. Einfach weil er dieses Wild-Assoziierende hat, und immer glaubt, er hat den Kern der Wahrheit gefunden. Er ist aber auch eine reine Fernsehfigur. Der braucht diese Nähe, dieses direkte Spiel mit der Kamera, was ja dann auch ein Vieraugengespräch mit dem Zuschauer ist.

Gibt es auch die eine, absolute Lieblingsfigur?
Schleich: Nein, das wär jetzt gemein, wenn ich sagen würde, das ist die Lieblingsfigur. Das ist wie wenn man Vater von mehreren Kindern ist. Da darf man ja auch nie und nimmer sagen, das ist mein Lieblingskind. Ich mag alle meine Figuren sehr gerne, sonst würde ich sie nicht spielen. Die, die ich nicht so mochte, gibt’s schon lange nicht mehr.

Helmut Schleich (*1967 in Schongau) hat bereits als Jugendlicher mit zwei Freunden ein Kabarettensemble gegründet. Seit 1998 ist er erfolgreich als Solokünstler unterwegs, u.a. in seiner eigenen Sendung „SchleichFernsehen“ im Bayerischen Fernsehen, mehr

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