Herr Stefanowitsch, in Ihrem Buch über diskriminierende und politisch korrekte Sprache geht es auch um das sogenannte N-Wort bzw. N~. Weshalb schreiben Sie es an keiner einzigen Stelle aus?
Bestimmte Wörter sogar dann zu meiden, wenn man sie gar nicht verwendet, sondern nur metasprachlich über sie redet, ist sicher ein extremer Schritt, der begründet werden muss. Die Wirkungsmacht mancher Wörter entfaltet sich aber selbst schon bei ihrer bloßen Erwähnung. Sogar in einem Kontext, in dem ich sie explizit ablehne. Beim N-Wort ist das der Fall.
Andere diskriminierende Wörter wie „Fidschi“, „Rapefugee“ oder „Burkaschlampe“ nennen sie hingegen explizit. Inwiefern unterscheidet sich das N-Wort von ihnen?
Es ist ein Wort mit einem einzigartigen Stellenwert. Weil es verwendet wurde, um einer ganzen Menschengruppe das Mensch-Sein abzusprechen und zu rechtfertigen, dass die so Bezeichneten als Besitz gehandelt werden konnten. Zugleich war es das allgemein übliche Wort, um über diese Menschen zu sprechen. Deshalb hat es eine Wirkung, die in ihrer Reichweite mit der von „Burkaschlampe“ nicht zu vergleichen ist.
Eine Muslima könnte sich trotzdem verletzt fühlen.
Ich habe auch gezögert, Wörter wie dieses zu nennen, und würde das bei einer Neuauflage anders lösen. Das verletzende Potenzial ist immer da, wenn ich ein solches Wort aus dem Alltag kenne und dann plötzlich in einem Buch lese. Aber „Burkaschlampe“ ist nicht das übliche Wort, um über muslimische Frauen zu sprechen, sondern wird als explizit abwertende Bezeichnung verwendet. Deshalb habe ich nur das N-Wort systematisch ausgenommen.
Wie verhält es sich mit dem Wort „Zigeuner“, das Sie in Ihrem Buch zitieren?
Ich wurde kritisiert, man hätte das Wort nicht ausschreiben dürfen. Da bin ich mir nicht sicher. Die Sinti-und-Roma-Verbände sagen zwar übereinstimmend, sie möchten so nicht genannt werden und auch Wörter wie „Zigeunerschnitzel“ nicht hören, aber ich habe bisher noch nicht gelesen, dass sie allein die Erwähnung als verletzend empfinden. So wie es im Grundgesetz heißt, es müsse sehr gute Gründe geben, warum man eine bestimmte Meinung ganz unterdrückt, würde ich sagen: Es muss auch sehr gute Gründe geben, warum ein Wort so problematisch ist, dass man selbst in Zitaten und wenn man metasprachlich darüber redet, Umschreibungen finden sollte.
Die Menschen können sich an alles gewöhnen, wenn sie es nur wollen.
Im April sagte der MDR sagte nach massiver Kritik an der Erwähnung des N-Wortes eine Radiodiskussion ab, im Mai ließ Sandra Maischberger Bushido und Peter Hahne über Sprache streiten. Debatten über den richtigen Sprachgebrauch werden in den Medien emotional geführt, die „politisch korrekte Sprache“ ist längst zu einem Kampfbegriff geworden. Warum ist das so?
Ich glaube, es wird überschätzt, wie stark die Debatte polarisiert. Das ist zum Teil ein mediales Phänomen. Sendungen wie „Maischberger“ werden so zusammengestellt, dass Leute mit unterschiedlichen Meinungen aufeinanderprallen. Das ist keine Sendung, die ernsthaft einen Bildungsauftrag verfolgt, sondern Klamauk wie alle großen Talkshows.
Was vermissen Sie?
Den Betroffenen wird in zu geringem Umfang eine Stimme eingeräumt, und wenn doch, dann dürfen sie nur als unmittelbar Betroffene sprechen. So wird der Eindruck erweckt, es seien einzelne Angehörige von Minderheiten, die sich beleidigt fühlen und auf die die große Mehrheit Rücksicht nehmen soll. Was an strukturellen Aussagen von diesen Minderheiten kommt, wird gerne ignoriert.
Wie könnte die Debatte konstruktiver geführt werden?
Das Thema „politisch korrekte Sprache“ könnte man ganz ruhig abhandeln, mit großer Pragmatik. Man müsste sagen: Wir sind für Barrierefreiheit, für Inklusion, und hier geht es um eine sprachliche Inklusion von bisher diskriminierten Gruppen. Die konkrete Arbeit an einer antidiskriminierenden Sprache findet im Hintergrund seit Jahren statt: bei politisch Aktiven, bei Gleichstellungsbeauftragten in Behörden und Firmen, durch Bildungsarbeit. Unsere Sprache hat sich seit den 1970er-Jahren stark verändert, sie ist sehr viel weniger diskriminierend geworden. Man müsste einen guten Grund nennen, warum dieses so offenkundige Anliegen infrage zu stellen wäre.
Oft heißt es: „Dann darf man bald überhaupt nichts mehr sagen.“
Was spricht dagegen, bestimmte Ausdrücke zu vermeiden? Mir ist noch kein gutes Argument untergekommen. Eines lautet: „Das ist unästhetisch.“ Es kann aber wohl kaum unästhetisch sein, Strukturen wegzulassen, unästhetisch ist höchstens das, was man stattdessen vorschlägt. Und wenn jemand eine so enge Beziehung zur Sprache hat, dass schon im alltagssprachlichen Gebrauch ästhetische Belange relevant werden, in Zeitungstexten, Sachtexten, Fachtexten, dann würde ich sagen: Er oder sie soll sich hinsetzen und Alternativen vorschlagen.
Sie halten die Forderung nach einer ästhetischen Sprache für einen vorgeschobenen Grund?
Es ist auf jeden Fall intellektuell sehr bequem zu sagen: „Das ist unästhetisch und deshalb möchte ich beim bisherigen Sprachgebrauch bleiben.“ Wenn einem das derartig aufstößt, kann es natürlich daran liegen, dass es Gewohnheiten infrage stellt. Beim Thema „Sprache und Geschlecht“ geht es ja sehr viel um orthografische Konventionen. Aber einige von denen bestehen jetzt schon so lange, dass langsam ein Gewöhnungseffekt eintreten müsste.
Auch die Rechtschreibreform von 1996 hat damals stark polarisiert…
…und da ging es nicht mal um Geschlecht. Da wollten die Leute einfach nur beibehalten, was sie gewöhnt waren. Das kann ich auch akzeptieren. Ich akzeptiere es aber nicht, dieses gestörte ästhetische Empfinden über die Diskriminierungserfahrung der betroffenen Gruppen zu stellen.
Manch einer scheint um seine Meinungsfreiheit zu fürchten.
Ja, nach dem Motto: Eine linke Elite will dem Volk die Meinung verbieten. Interessanterweise ist es oft gar nicht „das Volk“, das sich dagegen sperrt. Als die Pippi-Langstrumpf-Bücher überarbeitet und rassistische Ausdrücke entfernt wurden, gab es eine Umfrage, wer dafür und wer dagegen ist. Je höher der Bildungsstand der Befragten war, desto stärker waren diese Leute gegen die Änderungen. Das heißt, hier spielen ganz andere Dinge eine Rolle.
Nämlich welche?
Vorstellungen von literarischen Traditionen, die zwar falsch sind, aber bei gebildeten Leuten stärker verbreitet: von der Unberührbarkeit eines Textes.
Warum ist diese Vorstellung falsch?
Bei dramatischen Texten sieht das ganz anders aus, Regisseurinnen und Regisseure greifen zum Teil massiv in den Text ein. Gerade bei älteren Stücken gehört das zum normalen Inszenierungsprozess. Ich habe noch keine Shakespeare-Aufführung gesehen, die sich eins zu eins an den Text gehalten hätte.
Wie sieht es mit Kinderbüchern aus?
Die zähle ich zur Gebrauchsliteratur. Auch da ist es üblich, in die Texte einzugreifen und sie anzupassen, damit die Kinder überhaupt noch verstehen, worum es geht. Die Bücher der Knickerbocker-Bande sind zum Beispiel alle neu aufgelegt und modernisiert worden. Da gibt es keine Telefonzellen mehr, sondern Handys, keinen Walkman, sondern MP3-Player. Mit der Anpassung der Pippi-Langstrumpf-Bücher ist es letztlich dasselbe.
Dort wurde das Wort „Negerkönig“ durch „Südseekönig“ ersetzt. Die Gegner dieser Änderung betonen, Astrid Lindgren sei keine Rassistin gewesen.
Das spricht erst recht dafür, dass der Rassismus aus ihren Büchern entfernt wird. Wäre sie eine Rassistin gewesen, wäre ich auch dagegen, etwas zu ändern. Dann sollten die Bücher nicht weiter verlegt werden. Das passiert ja. Kinderbücher aus der Nazizeit sind nicht gesäubert, sondern aus dem Verkehr gezogen worden, weil man sich einig war, dass an ihnen nichts zu retten ist.
Welche Gründe vermuten Sie wirklich hinter der Ablehnung der Änderungen?
Diese Leute halten Texte für zeithistorische Dokumente. Sie fordern Fußnoten im Kinderbuch oder auch ein Vorwort, das erklärt, dass diese Wörter früher harmlos waren. Aber das waren sie nicht.
Es heißt auch oft, Eltern könnten ihren Kindern beim Vorlesen ja erklären, worin das Problem liegt.
Man tut so, als ob alle Eltern rassismushistorische Vorträge für 6-Jährige halten können. Diese Idee ist absurd. Es zeigt, was die Leute glauben: „Der Text ist, wie er ist, und muss so bleiben.“ Dass es sich bei den Pippi-Langstrumpf-Büchern um Übersetzungen aus dem Schwedischen handelt, ist vielen gar nicht bewusst. Shakespeare etwa wird ständig neu übersetzt, auch Dostojewski. Immer nach dem Motto: Lasst uns überlegen, wie er das heute geschrieben hätte – ohne in den Inhalt einzugreifen, allein auf der sprachlichen Ebene.
Die Angst vor einer Meinungszensur durch eine „korrekte Sprache“ halten Sie für unbegründet?
Es ist ein wichtiger Einwand. Individuen Inhalte vorzuschreiben, halte auch ich für falsch. Allein deshalb, weil ich gerne wüsste, welche Meinungen die Person hat, die mir gegenübersteht. Wenn jemand meint, Migranten seien weniger wert, dann bin ich absolut dafür, dass diese Person das explizit äußern darf. Allerdings müssen Meinungen in einer sachlichen, nicht herabwürdigenden Sprache geäußert werden – weil man sie dann begründen muss.
Inwiefern?
Wenn ich bestimmte Wörter benutze, etwa das N-Wort oder „Kanake“, steckt die Herabwürdigung schon drin. Ich kann dann sagen: „Nein, ich habe überhaupt nichts gegen die. Ich kenne selber welche, da sind ganz nette Menschen dabei“, aber durch das Wort schaffe ich eine Abwertung, ohne dass ich mich auf eine inhaltlich Ebene begeben muss. Ich kann mich aus der Verantwortung ziehen und sagen: „Das ist doch nur die Sprache, so haben wir die schon immer genannt.“
Kants kategorischer Imperativ baut auf der Annahme auf, es gebe in uns allen ein „moralisches Gesetz“. Sie hingegen bevorzugen die sogenannte ‚Goldene Regel‘. Worin liegt der Unterschied?
Kants Imperativ war ein Versuch, auf Universalisierbarkeit abzuzielen. Ich habe mich für die Goldene Regel in ihrer einfacheren Form entschieden, weil ich glaube, dass sie gar nicht erfordert, dass es in uns ein moralisches Gesetz gibt. Sie setzt lediglich voraus, dass ich darüber nachdenken kann, was ich mir wünschen würde, wenn die Situation umgekehrt wäre. Wenn ich in der weniger mächtigen Position meines Gegenübers wäre.
Das ist nicht immer leicht.
Ja, gerade wenn ich zu einer Menschengruppe gehöre, die auf den meisten Diskriminierungsachsen privilegiert ist. Aber das ist die Aufgabe, die die Goldene Regel uns anträgt. Die Grenzen meiner Handlungen, auch meiner sprachlichen, werden dadurch bestimmt, wie ich sie ziehen würde, wenn ich das Ziel dieser Handlungen wäre. Das erfordert nicht mal ein universales Moralverständnis, sondern nur den Erfahrungsschatz negativer Gefühle, den jeder Mensch besitzt.
Viele sagen: Mich dürft ihr sprachlich diskriminieren, deshalb kann ich das auch mit anderen tun.
Es geht aber nicht darum, ob man dich sprachlich diskriminieren darf, sondern darum, ob man das auch dürfte, wenn du an der Stelle des anderen stündest. Es geht um diese Asymmetrien: Wieso sind manche geschützt vor Diskriminierung und andere nicht? Da wird es komplexer, als es die Goldene Regel vermuten lässt.
Sollte man sprachlichen Verfehlungen im Extremfall mit Gesetzen beikommen?
Ich bin absolut dagegen, hier Gesetze im juristischen Sinne zu formulieren. Im Grundgesetz und im Strafgesetzbuch ist ja eine Einschränkung der Meinungsfreiheit formuliert: das Verbot, Opfer des nationalsozialistischen Regimes zu verhöhnen, wozu auch die Holocaust-Leugnung gehört. Das auszuklammern war klug und zugleich hochproblematisch, weil ich überall da, wo ich mit Gesetzen drohe, auch klare Kriterien definieren muss. Diejenigen, die sich diesen Gesetzen unterwerfen, müssen ja wissen, was sie dürfen und was nicht. Und das ist überall dort, wo die Meinungsfreiheit betroffen ist, sehr schwierig.
Was könnte stattdessen helfen?
Sprachliche Diskriminierung ist ein gesellschaftliches Problem und es muss durch eine Diskussion, die zu einer Art Konsens führt, gelöst werden. Für diese Konsensbildung ist es wichtig, dass die Stimmen, die bisher nicht gehört werden, nicht mehr so stark marginalisiert sind. Sonst wird diese Diskussion immer im Sinne der gedachten Mehrheit ausgehen.
Nach dem Eklat um eine vermeintlich antisemitische Textzeile der Rapper Kollegah und Farid Bang stellt sich die Frage: Wie weit sollte die Freiheit der Kunst reichen?
Man sollte diskriminierende, rassistische, sexistische Dinge in der Kunst sagen dürfen, schließlich darf man sie auch im Alltag sagen. Aber die Tatsache, dass ein Werk Kunst ist, entzieht es nicht der Diskussion und entlässt die AutorInnen nicht aus der Verantwortung. Sie müssen sich fragen lassen: Wozu dient der Sexismus oder Antisemitismus? Hat er einen künstlerischen Wert, der die Diskriminierung, die damit repliziert wird, aufwiegen kann? Solche Gründe kann es geben.
Wo zum Beispiel?
In den Büchern über Tom Sawyer und Huckleberry Finn. Mark Twain hat dort den Sprachgebrauch des amerikanischen Südens seiner Zeit wiedergegeben, weil die Themen, auf die sich diese Sprache bezieht, Kernthemen des Buches sind: Armut und Sklaverei. Da haben wir ein zeithistorisches Dokument, in das ich nicht mit derselben Leichtigkeit eingreifen würde wie bei Pippi Langstrumpf.
Im Fall Böhmermann wurde sogar vor Gericht verhandelt, ob Sprache in Form von Satire beleidigen darf.
Man muss Jan Böhmermann zugestehen, dass er selbst nicht wissen konnte, was für Wellen das schlagen würde. Er hat gemacht, was Satire sicher soll: massiv in den gesellschaftlichen Diskurs eingreifen. Was ihm dabei gelungen ist, ist nicht nur Erdogan und dessen Bigotterie bloßzustellen, sondern gleich noch zur Diskussion zu stellen, ob Menschen besonders geschützt sein müssen vor Beleidigungen, nur weil sie in einer mächtigen Position sind.
Die Beleidigungen waren bewusst unter der Gürtellinie.
Die Frage ist, ob das Gedicht ohne diese drastische Sprache funktioniert hätte, mit der er ja nicht nur Erdogan trifft, sondern auch all diejenigen, die sich diese Dinge im Alltag anhören müssen: die türkischen und türkischstämmigen Menschen in Deutschland. Das wäre natürlich schöner gewesen.
Wie hätte das gelingen können?
Er hätte Erdogan bloßstellen können, indem er direkt auf die absolutistischen und diktatorischen Elemente seiner Politik hinweist. Wenn er stattdessen rassistische Sprache verwendet, stellt sich wieder die Frage, ob die Verhältnismäßigkeit gewahrt ist. Kann ich Millionen türkischstämmige Menschen pauschal beleidigen und dann sagen: „Euch habe ich doch gar nicht gemeint, nur Erdogan“? Ich würde sagen: „Du hast zwar Erdogan gemeint, aber diese Wörter leichtfertig zu replizieren, ist zumindest diskussionswürdig, weil unverantwortlich.“ Diese Diskussion ist leider weitgehend untergegangen, weil es sehr stark darum ging, ob man Erdogan beleidigen darf oder nicht.
Darf man?
Natürlich darf Böhmermann das, er musste sich ja den Konsequenzen seines satirischen Handelns stellen. Wenn auch nicht wegen der diskriminierenden Sprache, sondern wegen Majestätsbeleidigung. Dieses Risiko trage ich als Künstler: dass man mich in Verantwortung nimmt und Konsequenzen folgen. Das ZDF hätte sagen können: „Die Sendung setzen wir ab, das wird uns zu brenzlig.“
Ist Böhmermann ein Rassist, wenn er in einem satirischen Beitrag rassistische Wörter verwendet?
Wir alle sind RassistInnen, auch Böhmermann. Er ist in einer rassistischen Gesellschaft aufgewachsen, wie wir alle hat er rassistische Glaubenssätze internalisiert. Natürlich ist er kein Rassist in dem Sinne, dass er explizit rassistisch handeln wollte. Aber er hat das in Kauf genommen, und die Frage ist, ob er es auch in Kauf genommen hätte, wenn es Beleidigungen wären, die eine Minderheit betreffen, zu der er selbst gehört. Nun gehört er wahrscheinlich zu keiner Minderheit, deshalb werden wir das nie erfahren. Aber verbieten kann und sollte man Äußerungen wie seine nicht.
Behörden verteilen Ratgeber zur geschlechtergerechten Sprache – auch Ihre Universität, die FU Berlin. Was halten Sie davon?
Ich ärgere mich über diese Ratgeber immer dort, wo sie sagen: „So und so ist das zu formulieren.“ Meiner Meinung nach ist das der falsche Weg, richtiger wäre: „Folgende Dinge sind zu vermeiden. Was Sie stattdessen schreiben, bleibt Ihnen überlassen.“ Andererseits haben diese Leitfäden dazu beigetragen, Dinge normal erscheinen zu lassen, die vorher ungewohnt klangen. Verteufeln würde ich sie deshalb nicht.
Sie vertrauen darauf, dass jeder Mensch ein Gefühl hat, was diskriminierend ist und was nicht.
Ich vertraue sehr stark darauf, dass die Gesellschaft als Ganzes weiterkommt, wenn Menschen sich konstruktiv miteinander unterhalten. Fortschritte sind dadurch erzielt worden, dass sich eine bis dahin nicht gehörte Minderheit Gehör verschafft hat, so den gesellschaftlichen Diskurs verändert hat und klar wurde: Wir müssen bestimmte Handlungsweisen verändern.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, in der Schriftform gendergerechter zu werden, eine ist das Gendersternchen (Bsp. Schüler*Innen) über welche dieses Jahr auch der Rat für deutsche Rechtschreibung diskutierte. Würden Sie das Gendersternchen als amtliche Schreibweise empfehlen?
Ich bin generell kein Befürworter amtlicher Rechtschreibung, da sie häufig sprachliche Entwicklungen und ihre Ausbreitung verhindert – zum Beispiel eben im Bereich geschlechtergerechter Schreibweisen. Ich sehe es deshalb auch kritisch, aus den bestehenden Traditionen – Gendersternchen, Genderlücke, Binnen-I und was es da sonst noch gibt – eine auszuwählen und ihr einen amtlichen Segen zu verleihen. Wenn die Berliner Behörden, auf deren Wunsch über das Gendersternchen beraten wird, nicht den Mut haben, sich an dieser Stelle über die amtliche Rechtschreibung hinwegzusetzen, sind sie vielleicht noch nicht bereit für solche Schreibweisen und sollten lieber bei traditionellen Formen wie der Schrägstrichschreibung bleiben.
Weiterhin existiert die Idee der gendergerechten x-Form. Um ein Substantiv zu bilden wird an den Wortstamm der zugehörigen Verbform ein ‚x‘, bzw. im Plural ein ‚xs‘ angehängt (Bsp. ‚Studierxs‘). Zudem werden Pronomen durch ein ‚x‘ bzw. ein ‚xs‘ im Plural ersetzt. Befürworten Sie diese Form und glauben Sie, die Menschen könnten sich eines Tages daran gewöhnen?
Die Menschen können sich an alles gewöhnen, wenn sie es nur wollen. Das dürfte hier nicht der Fall sein, deshalb werden diese Formen auch immer auf bestimmte Subkulturen beschränkt bleiben. Es wäre auch gar nicht im Sinne der Erfinderinnen und Erfinder dieser Formen, wenn sie zum Normalfall würden. Diese Sprech- und Schreibweise soll dazu dienen, durch eine bewusste Störung unseres Sprachempfindens auf die sprachlichen Probleme im Umgang mit Geschlecht aufmerksam zu machen – stören können sie aber nur, solange sie eben nicht der Normalfall sind. Auch das Gendersternchen hatte ursprünglich ein gewisses subversives Potenzial, das durch die zunehmende Verbreitung aber verloren geht.
Ist der englischsprachige Raum dem deutschsprachigen in Sachen Gendergerechtigkeit voraus?
Ja, vor allem die USA, aber auch andere englischsprachige Länder. Zum einen liegt das daran, dass die englische Sprache strukturell weniger Hindernisse in den Weg stellt, zum Beispiel beim nicht-diskriminierenden Sprachgebrauch im Bereich gender. Es gibt kein grammatisches Geschlecht, dadurch existiert ein generisches Maskulinum nur bei Pronomen. Man kann es leichter abschaffen, als wenn es tief in die Grammatik eingreift. Zum anderen liegt es daran, dass das Gesellschaften sind, die sich spätestens seit den 1960er-Jahren mit fortdauernder Ungleichheit verschiedener ethnischer Gruppen und mit der eigenen rassistischen Geschichte auseinandersetzen mussten.
Sie vermissen das in Deutschland?
Es würde uns guttun, uns mit der eigenen Kolonialgeschichte, auch der Geschichte des Rassismus in Deutschland zu befassen. Das war wohl weniger drängend, weil es gesellschaftspolitisch nie so präsent war. In den USA sind diese Debatten sehr viel weiter – was nicht heißt, dass es nicht jederzeit die Möglichkeit eines backlashs gibt, wie wir ihn zurzeit ja beobachten können.
Buch: Anatol Stefanowitsch – Eine Frage der Moral: Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen (Duden Verlag)
Astrid Lindgren als „Gebrauchslitetatur“ zu bezeichnen, und es als akzeptabel zu bezeichnen, in ihren Büchern kleingeistig herumzukorrigieren, im Gegensatz zu Mark Twain, dessen Werke kulturgeschichtlich wichtiger und deshalb schützenswert seien, ist wohl der Gipfel der Anmaßung und der Inkompetenz.
PS: Bei Twain steht NIGGER, bei Lindgren NEGERKÖNIG. Deswegen ist auch die Formel „N-Wort“ vollkommen nutzlos
Das ganze Interview läuft darauf hinaus, dass man durch Abschaffung von Worten und Vermeiden von Begriffen die Problem löste, die damit gekennzeichnet werden oder die dahinter stehen – und damit kann man die gesamte Bandbreite an existenziellen Schwierigkeiten annehmen, die entstehen, wenn menschliche Wesen aus unterschiedlichen Gesellschaftsstrukturen, verschiedenen Kontinenten und variablem technischem Nutzungsstand zusammenleben oder aufeinandertreffen. Die Idee ist ja nicht neu und hier in den Kommentaren wurde schon darauf verwiesen, dass Orwell dies in 1984 schon etabliert hat – nach dem Motto ‚Wenn ich die Worte nicht habe, kann ich nichts Schlechtes mehr denken und auch kein schlechter Mensch mehr sein‘.
Super Idee – echt! (sarkastischer Unterton aus)
So einfach ist es aber leider nicht – einen Rassisten heile ich nicht von seiner falschen Einstellung, indem ich ihn verbiete, rassistische Begriffe zu verwenden! Im Extremfall unter Strafandrohung und -ausführung unterlässt er es, diese öffentlich zu verwenden – und wem ist damit geholfen? Er verschiebt die entsprechende Nutzung anonym ins Netz oder lässt sich andere Arten der Diskriminierung einfallen. Das Problem löst man auch nicht, in dem man die eine Gruppe durch diffamieren zurücksetzt, um die andere aus ihrer bisherigen diskreditierenden Stellung zu holen.
Im übrigen verwahre ich mich ebenfalls dagegen, nur aufgrund meiner Herkunft, Hautfarbe, Alters und der Tatsache, dass ich in Mitteleuropa oder, was mittlerweile zumeist als noch schlimmer empfunden wird, in Deutschland aufgewachsen bin, als Rassist bezeichnet zu werden. Mir ist scheißegal, welcher Religion mein Gegenüber anhängt, solange ihm egal ist, dass ich Gottesglauben ablehne. Die Hautfarbe meiner Mitarbeiter oder Kollegen ist mir solange egal, wie denen meine egal ist. Solange für alle meine Mitbürger, egal welchen Geschlechts, Hautfarbe, Religion und politischer Ansicht die gleichen Regeln und Gesetze gelten wie für mich auch und diese auch allen gegenüber gleichwertig durchgesetzt werden – habe ich keinen Grund, ein Rassist zu sein. Oder was auch immer ihr darunter versteht oder euch zurechtbasteln wollt, um eure eigene Meinung und Ansicht zu zementieren und eine bestimmte Gruppe ins Abseits zu drängen.
Künftige Generationen werden über unser albernes politisch korrektes Neusprech, insbesondere über das lächerliche Sozialgeschlechtssternchen oder gar solche Blödsinnigkeiten wie „Stand_Sitz_Liegepunkt“ (in gewissen Gutmenschenkreisen ernsthaft verwendet, um Behinderte, die nicht stehen können, nicht zu „diskriminieren) ebenso lachen, wie wir heute über die „Jahresendflügelpuppe“ oder den „Vierkopftreibling“.
Übrigens: in der bekannten Rede von Martin Luther King -„I have a dream“ – kommt nicht weniger als 15 Mal das Wort „negro“ vor. War Martin Luther King etwa ein verdammenswerter Rassist?
Dir ist schon klar, dass mit dem „N-Wort“ nicht „Negro“ gemeint ist, oder?
Im übrigen, für all diejenigen, die sich gerade vielleicht wundern, woher diese ganzen „kritischen Geister“ in diesem Kommentarbereich auftauchen; In bekannten Foren und Blogs der rechten (bzw. rechtsnationalen) Szene wurde dieser Artikel gelinkt, und um eine „passende Kommentierung“ gebeten.
Dies betrifft natürlich nicht diejenigen, die sich allgemein kritisch mit den hier verbreiteten These auseinandersetzen, aber diese sind klar abgrenzbar von Kommentatoren, denen es weniger um Argumente, sondern mehr um die Herabsetzung des Autors geht, und ihm eine irgendwie gerichtete Agenda, Ideologie usw. vorwerfen.
„In bekannten Foren und Blogs der rechten (bzw. rechtsnationalen) Szene wurde dieser Artikel gelinkt, und um eine „passende Kommentierung“ gebeten.“
Echt?
Nenn mal ein paar Beispiele.
Ist Firefox auch rechts, oder rechtsnational? Dort bekam ich den Link vorgeschlagen.
In den 70ern wurde ich übrigens noch als Kommunist beschimpft. War damals DAS Totschlagargument.
Heute ist man Nazi, auch wenn sich die Gesinnung über die Zeit nicht geändert hat.
Aber es macht nunmal Spaß, „kritische Geister“ zu stigmatisieren, nicht wahr?
Habe ich in irgendeinem Post hier was von „Nazis“ geschrieben? Habe ich hier irgendwo ansatzweise jemanden herabgesetzt, weil ich nicht seiner Meinung bin? Habe ich geschrieben, dass sie von einem rechten Blog hierher geschickt wurden oder sie irgendwie damit in Verbindung gebracht? Sollte mein Text so verstanden werden bitte ich dies zu entschuldigen, aber ich denke nicht, dass ich hier irgendjemanden „stigmatisiert“ habe.
Ich habe nichts gegen argumentative Diskussion, auch gerne schärfer, aber ist ihnen nicht aufgefallen, dass plötzlich eine Flut von Kommentaren auftauchen, die in ihrem Sinn und ihrem Sprachduktus sich stark ähneln? Es wird sich gar nicht mehr mit dem Inhalt dieses Textes ausienandergesetzt, sondern direkt was von „Sprachreinigung“, „Sprachbeschmutzer“ und Ideolohe gesprochen. Das muss nicht sein. Und ich bitte sie, ein Vergleich mit den Taliban, das ist doch nicht ihr Niveau, genausowenig wie die weit hergeholte Argumentation mit dem Dynamit am Kölner Dom.
Ich denke das ist das, was der Autor aussagen wollte mit diesem Satz: „Das Thema „politisch korrekte Sprache“ könnte man ganz ruhig abhandeln, mit großer Pragmatik.“
„Habe ich hier irgendwo ansatzweise jemanden herabgesetzt, weil ich nicht seiner Meinung bin?“
Nicht?
Was sollte dann der Hinweis auf die „rechten Foren oder Blogs“ sonst bewirken?
Wo jemand herkommt, sollte doch irrelevant sein, nur sein Beitrag zählen.
„Habe ich geschrieben, dass sie von einem rechten Blog hierher geschickt wurden oder sie irgendwie damit in Verbindung gebracht?“
Muss ich das „sie“ jetzt als „Sie“ interpretieren? Mag vielleicht altertümlich sein, aber im Deutschen haben die beiden Worte/Wörter unterschiedliche Bedeutung und können somit unterschiedlich gedeutet werden.
Wenn ich gemeint war: nein, haben Sie nicht. Aber ich könnte auch damit leben, weil – wie schon erwähnt – ich wurde schon in meiner Jugendzeit mit dem Reich des Bösen in Verbindung gebracht. Damals war es links, heute ist es rechts.
Ich kann damit leben, mir ist die Sache wichtig. Und die ist in diesem Fall der Schutz einer gewachsenen Sprache, einem Kulturgut.
Und, nein, es ist nicht nur das N-Wort, das mich aufregt, sondern die wachsende Geschwindigkeit, mit der die Sprache PC-gerecht überarbeitet wird. Wobei Vieles wirklich aus dem US-amerikanischen Kultur- und Geschichtsbereich importiert wird, ohne hierzulande eine Entsprechung zu kennen.
„Neger“ mag auch im Deutschen nicht wertfrei sein, hat aber bei weitem nicht die Brisanz des Ursprunglandes, die Aufregung ist also unbegründet. Im Gegenteil, erst die verschämte Umschreibung erzeugt die Aufmerksamkeit, die es vermeiden wollte, vermeiden SOLLTE.
Vor dreihundert Jahren war das Attribut „Hexe“ unter Umständen ein Todesurteil, heute ist es einfach nur ein Teil unseres Sprachschatzes. Niemand muss befürchten, verbrannt zu werden, wenn er als Hexe bezeichnet wird.
Vielleicht sollten wir versuchen, auch dem Wort „Neger“ seinen unaufgeregten Platz im Wörterbuch zurückzugeben.
Uiuiui – die Herrschaften, die ebenso routinemäßig wie grundlos Kritik an der Sprache üben und anderen mit absurden Argumenten Wörter klauen, reagieren ganz ungehalten, wenn jemand mal an ihrem Unsinn Kritik übt! Ja, solche Leute wie Kim Jong un, Wladimir Putin, Recep Tayyip Erdogan oder Anatol Stefanowitsch dulden halt keine Kritik, die gegen sie selbst gerichtet ist – besonders wenn sie auch noch mit unwiderlegbaren Fakten daherkommt. Da verunglimpft dann einer der Adlaten diese Kritik – diffamierend in Anführungszeichen „kritische Geister“ getauft – ganz billig mit dem Verweis, dass dieser Beitrag vielfach in der „rechtsnationalen Szene“ verlinkt gewesen sei. Na klar, die Nazi-Keule! Wie wäre es mit der harten Tatsache, dass seit mindestens 5 (fünf!) Tagen ein Link zu diesem Beitrag prominent ganz vorne auf der Mozilla-Startseite prangt? Dass also jeder, der ein Fenster via Mozilla öffnet, mal unter „Empfohlen von Pocket“, mal unter „Überblick“, unweigerlich das Gesicht von Herrn Stefanowitsch sieht samt Link auf diese Seite? Da im Juli 2018 Mozilla von 26,3 % der deutschen Internet-User verwendet wurde, darf man grob schätzen, dass auf jeden rechtsradikalen Devianten Hunderte von Mozilla-Usern kamen, die auf diese Seite des sprachradikalen Devianten gelinkt wurden. Die vielen klugen Kommentare, die Herrn Stefanowitsch höchst intelligent widerlegen, lassen auch gar keine andere Deutung zu!
Heute säubern wir die Sprache von allem geschichtlichen Unrat.
Legen wir morgen Dynamit an den Kölner Dom,
das Völkerschlachtdenkmal bei Leipzig,
das Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald?
Ich mein, jedes dieser Bauwerke heroisiert irgendeine fragwürdige Figur, ein fragwürdiges Ereignis.
Wir können ja mal bei den Taliban nachfragen, wie man Kultur auslöscht.
An den Unis tummeln sich in vielen Fachbereichen Leute, die herausgefunden haben, dass es wesentlich einfacher ist zu normieren (also neue Regeln aufzustellen) als ernsthafte Forschung zu betreiben. Verbündete gibt es genug, denn es ist eine Win-Win-Situation für die „Forscher“ und die „Opfer“. Erstere bekommen mehr Stellen und Forschungsmittel, letztere Quotenregelungen und moralische Macht, mit der sie unliebsame Personen zum Beispiel an Hand einer oft aus dem Zusammenhang gerissenen Äußerung aus dem Weg räumen oder zumindest beschädigen können. So ist jedenfalls meine Sicht auf die Dinge und ich kenne den Betrieb ein wenig aus der Binnensicht.
„Es geht um diese Asymmetrien: Wieso sind manche geschützt vor Diskriminierung und andere nicht?“ Schön das Stefanowitsch hier mit gutem Beispiel voran geht und solche Asymetrien bei sich vermeidet – Warte nee tut er ja gar nicht, er beschränkt sich ja mal wieder darauf die Asymetrie Umzudrehen und damit zu reproduzieren indem er nur auf den Schutz der „Opfergruppen“ eingeht, stereotypenbehafte Sprache die sich gegen Männer oder Weiße richtet ignoriert oder selbst verwendet und die alte Unterstellung auspackt diese seien alle privilegiert und sowiso direkt oder indirekt rassistisch (Narrativ der „Tätergruppen“).
Gibt von Brandon Tatum ein Video in dem er sehr gut erklärt weshalb die These von „White Privilege“ absoluter Nonsens ist ( https://www.youtube.com/watch?v=bhy-NvXt0-U Seine sonstigen politischen Ansichten muss man jetzt nicht umbedingt teilen, aber das Video kann ich nur empfehlen).
Generell würde ich sagen verhält es sich mit der ganzen „politischen Korrektheit“ wie auch mit Religion, Veganismus, Politischen Ansichten, usw.
Solange jemand für sich beschließt auf eine Bestimmte Art und Weise zu sprechen/essen/glauben; Schön für ihn, soll er machen, toll das er seine Prinzipien gefunden hat nach denen er sein Leben ausrichtet, hat niemand Schwierigkeiten mit.
Wenn er aber anfängt seine Ideen anderen ins Gesicht zu reiben, was ja leider gerade in den so „vorbildlichen“ USA immer häufiger der Fall ist, dann kriegen wir ein Problem. Nicht die Idee das man mit seiner Sprache sensibler umgeht, sondern penetrante Wichtigtuerei und moralisches Absolutheitsgebaren die allzu häufig damit einhergehen sind problematisch, denn am Ende sind es diese Dinge die eine möglicherweise tatsächlich etwas verbessernde Debatte unmöglich machen, die Spaltung der Gesellschaft vertiefen und tatsächlichem Rassismus Vorschub leisten.
Aber na ja was spielts für eine Rolle; Am Ende finden Debatten über die „korrekte“ Sprache eh nur in irgendwelchen Elfenbeintürmen statt und außerhalb von offiziellen Dokumenten/Auftritten für die man Shitstorms ernten könnte interessieren diese wie auch immer gearteten Richtlinien tendenziell keine Sau.
„Die Wirkungsmacht mancher Wörter entfaltet sich aber selbst schon bei ihrer bloßen Erwähnung. Sogar in einem Kontext, in dem ich sie explizit ablehne. Beim N-Wort ist das der Fall.“ – Die Welt postmoderner Sprachhypochonder in einer Nussschale.
Das ist nicht das erste Interview, welches ich von Stefanowitsch lese. Auf viele Fragen findet er sehr diplomatische Antworten, die ich in ihrer Ausgewogenheit schätze und mit der ich übereinstimme. Seine Arbeit scheint mir jedoch stark ideologisch eingefärbt zu sein, da seine Argumentation von gewissen Widersprüchen durchzogen zu sein scheint, die sich nur mit Hilfe von Willkür überbrücken lassen:
Sprachwandel ist komplex und das ist er nicht nur weil Sprache und unsere Benutzung vielfältig ist, sondern weil das Denken dahinter und die Sprache sich gegenseitig permanent beeinflussen (das weiß heutzutage wohl fast jeder). Was hier nicht reflektiert wird, und da scheint mir auch der Interviewer nicht ausreichend kritisch, ist, dass unsere Konzepte im Gegensatz zur Sprache nicht vollends abstrakt sind, sondern sie einen realen Gegenwert haben (der mehr oder weniger, bis fast gar nicht sozial konstruiert sein kann), und dass es für einen Realitäts-wandel und einen Denk-wandel mehr als nur eines Sprach-wandels bedarf. Sprachwissenschaft ist in diesem Prozess maximal eine Speiche im Rad und hat interessanterweise gerade dann wenn sie wie bei Stefanowitsch nicht mal besonders viel Kreativität an den Tag legen will für diesen Prozess kaum normativen Wert (d.h. Sie ist keine gute Handlungsanleitung) sondern nur deskriptiven.
Dennoch versucht er zu begründen, ohne auf diese absolut fundamentale Tatsache hinzuweisen, dass es sinnvoll sei bestimmte Wörter zu meiden, weil sie quasi inhärent beleidigend seien, was in den allermeisten Fällen offenkundiger Unsinn ist und selbst im Fall „Neger“ nicht kategorisch zutreffend ist, und wir sie mit Euphemismen ersetzen sollten, um die ‚Empfänger‘ der Urteile unserer Sprache vor (impliziter) Herabwürdigung zu schützen. Diese Euphemismen nehmen jedoch im Grunde unmittelbar den ganzen negativen Beigeschmack ihrer Vorgänger auf, während unsere soziale Entwicklung und unser Denk-wandel davon relativ unbeeindruckt und unabhängig seinen eigenen Weg geht. Überspitzt gesagt: Sprachchirurgie ist nichts als Symptombekämpfung!
Beispiele in der Geschichte sind zahlreich: Frau für Weib oder Fräulein, Schwarzer (oder gar „Farbiger“ – sorgt bei mir und meinen schwarzen Freunden stets für Schmunzler) für Neger.
Dass effektiver Sprachwandel eher eine Folge des Denkwandels, mit dem sie wie gesagt interagiert,
ist, als dass sie ihm vorausgeht zeigt sich in Historie und Zeitgeschichte an allen Stellen, an denen trotz (von Sprachexperten wie diesem wohl empfundene) Gleichheit und Inklusion in der Sprache teilweise fürchterliche Diskriminierung herrscht.
Interessant dazu diese Stelle: „Unsere Sprache hat sich seit den 1970er-Jahren stark verändert, sie ist sehr viel weniger diskriminierend geworden.“ – Ich frage mich da, ob so übereifrige Sprachwissenschaftler überhaupt die Sozialgeschichte erforschen und sich über die erwähnten Dynamiken und kausalen Beziehungen im Klaren sind – oder sie diese kennen, aber einfach ignorieren.
Nur mal eine grundsätzliche Anmerkung: Die Mehrzahl von „Wort“ ist immer noch „Wörter“ …
Worte – Wörter
„Ihre Worte hör‘ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“ kann man als konstruktiven Diskussionsbeitrag werten.
„Ihre Wörter…“ ist tendenziell eine Beleidigung, weil sie jede Sinnhaftigkeit bestreitet.
Noch eine Ergänzung:
Ob man tatsächlich Rassist ist oder ein von den Moralaposteln auf den Index gesetztes Wort rein sachlich benutzt, ohne damit jemanden abwerten zu wollen, interessiert diese Sprachsaubermenschen nicht. Sie machen den Rassismus nicht am Denken eines Menschen sondern an dessen Sprachgebrauch fest. Negerkuss mein eine bestimmte Sache, was heute Schaumkuss heißt.
Asylant meint einen Menschen, der Asyl beantragt hat. Gilt heute als rassistisch. Ist „Refugee“ demnächst auch auf dem Index?
Zigeuner meint Leute ohnen festen Wohnsitz. Sinti und Roma klingt vielleicht für den Moment besser. Aber warum soll man Sinti und Roma nicht auch abwertend meinen?
Schule für Geistigbehinderte -klingt für manche diskriminierend. Förderschule klingt viel besser – wie lange noch?
Die Verachtung für weniger erfolgreiche, weniger intelligente Menschen ist doch nicht damit aus der Welt, indem man sich schöne Namen für sie ausdenkt. Die letzte Ursache dafür, die Konkurrenzgesellschaft, bleibt dadurch völlig unverändert.
Ich finde diese völlig überzigene Moral in dem ganzen polit- korrekten Sprech nur noch abartig und einen Krampf im Hintern! Das böse, böse N Wort… Völliger Blödsinn; Neger kommt aus dem französisch – spanisch- lateinischen und bedeutet nix anderes als Schwarz. Daraus finstersten Rassismus zu konstruieren ist schon arg an den Haaren herbei gezogen; allerdings muss ich dazu einschränken, dass es natürlich immer auf den Gesamtzusammenhang ankommt. Ebenso das Wort Zigeuner – na und? Dieses Wort hat seine Ursprünge im neunten Jahrhundert. Aber klar; das passt nicht in die Denk- und Sichtweise der moralinsauren Köpfe derjenigen, die meinen Moral und Anstand für sich gepachtet zu haben. Übrigens, nur für diejenigen die es nicht wissen: Der Begriff „Polit- Korrekt“ hatte zwar seine Hochform in den USA, war aber unabdingabr im maoistischen China; dort hatte man der Partei zu folgen, also politisch korrekt zu sein. Na, klingelts? Ein Begriff aus einem der menschenverachtendsten System wir hier zur absoluten Moralvorstellung erhoben; wir können ja dann damit anfangen diejenigen, die sich nicht politisch korrekt verhalten und äußern in Umerziehungslager zu stecken, zu inhaftieren oder bei Unverbesserlichen zur Exekution schreiten. Leute, so was ist finsterste Diktatur; das kapieren diese Hypermoralisten in ihrer grenzenlosen Hybris allerdings nicht.
Ein weiterer politisch angepaßter Selbstdarsteller, Mitläufer, Wellenreiter und selbsternannter Volkserzieher vom Gutmenschen-Überwachungsdienst.
„Es geht um diese Asymmetrien: Wieso sind manche geschützt vor Diskriminierung und andere nicht?“ Schön das Stefanowitsch hier mit gutem Beispiel voran geht und solche Asymetrien bei sich vermeidet – Warte nee tut er ja gar nicht, er beschränkt sich ja mal wieder darauf die Asymetrie Umzudrehen und damit zu reproduzieren indem er nur auf den Schutz der „Opfergruppen“ eingeht, stereotypenbehafte Sprache die sich gegen Männer oder Weiße richtet ignoriert oder selbst verwendet und die alte Unterstellung auspackt diese seien alle privilegiert und sowiso direkt oder indirekt rassistisch (Narrativ der „Tätergruppen“).
Gibt von Brandon Tatum ein Video in dem er sehr gut erklärt weshalb die These von „White Privilege“ absoluter Nonsens ist ( https://www.youtube.com/watch?v=bhy-NvXt0-U Seine sonstigen politischen Ansichten muss man jetzt nicht umbedingt teilen, aber das Video kann ich nur empfehlen).
Generell würde ich sagen verhält es sich mit der ganzen „politischen Korrektheit“ wie auch mit Religion, Veganismus, Politischen Ansichten, usw.
Solange jemand für sich beschließt auf eine Bestimmte Art und Weise zu sprechen/essen/glauben; Schön für ihn, soll er machen, toll das er seine Prinzipien gefunden hat nach denen er sein Leben ausrichtet, hat niemand Schwierigkeiten mit.
Wenn er aber anfängt seine Ideen anderen ins Gesicht zu reiben, was ja leider gerade in den so „vorbildlichen“ USA immer häufiger der Fall ist, dann kriegen wir ein Problem. Nicht die Idee das man mit seiner Sprache sensibler umgeht, sondern penetrante Wichtigtuerei und moralisches Absolutheitsgebaren die allzu häufig damit einhergehen sind problematisch, denn am Ende sind es diese Dinge die eine möglicherweise tatsächlich etwas verbessernde Debatte unmöglich machen, die Spaltung der Gesellschaft vertiefen und tatsächlichem Rassismus Vorschub leisten.
Aber na ja was spielts für eine Rolle; Am Ende finden Debatten über die „korrekte“ Sprache eh nur in irgendwelchen Elfenbeintürmen statt und außerhalb von offiziellen Dokumenten/Auftritten für die man Shitstorms ernten könnte interessieren diese wie auch immer gearteten Richtlinien tendenziell keine Sau.
Wer Worte verbrennt, verbrennt auch Bücher.
Wer Bücher verbrennt, …
Weit davon entfernt ist die Gutmenschen-Gestapo nicht mehr, – so wurden Bücher von Erich Kästner aus Bibliotheken entfernt, – weil sie den neuen, diesmal linken Sprachfaschisten unliebsame Worte enthielten!
Übrigens wurden Kästners Bücher im III. Reich tatsächlich verbrannt, und er schrieb später dazu: „Ich wollte es mir nicht nehmen lassen, bei der Verbrennung meiner Bücher persönlich anwesend zu sein!“
Hätte man in der jungen deutschen Demokratie nach dem Krieg prophezeit. daß Kästners Bücher eines Tages wieder beseitigt würden, so hätte man zur Antwort bekommen: „Ach was, der Nationalsozialismus kommt nicht wieder!“
Doch, nur in einem anderen Gewand mit anderem Namen!
Erich Kästner aus den Bibliotheken verbannt? Steile These, sie haben da sicher auch eine Quelle? Ach ja, Tichy ist keine Quelle, der hat nämlich selbst keine angegeben.
Mir ist völlig entgangen, dass irgendwelche Bücher beschlagnahmt, verbrannt und deren Verkauf oder gar Eigentum verboten sind seit dem Ende des Dritten Reichs. Und Menschen, die nicht Ihre Ansichten teilen als „Gestapo“, also einer Todesschwadron zur Durchsetzung einer Terrorherrschaft zu titulieren ist mehr als daneben.
Und bevor wir uns hier falsch verstehen, Ich bin dagegen, dass Texte die damals im Deutschen so geschrieben wurden, umgeschrieben werden, sei es aus sprachlichen Gründen oder um es den Kindern „verständlicher“ zu machen. Der einzige der das Recht hat diese Texte zu ändern sind die Autoren selbst. Bei Übersetzungen kann dies etwas anderes sein, da kommt es auf den Einzelfall an. Aber ich sehe die Argumentation nicht ein, weil man das so „vor 30 jahren sagen konnte“, dass dies auch für heute gilt.
Vielen Dank für dieses interessante Interview!
Der Versuch einen bestimmtem Sprachgebrauch durchzusetzen, ist eine politische Kampagne, Probleme dadurch zu lösen, dass die Benachteiligten, Schlechtergestellten anders angesprochen werden. An ihrer objektiven Lage ändert sich dadurch nichts.Sie sollen sich aber trotzdem dazugehörig fühlen. Die Verachtung gegenüber ihnen soll den Rassisten nicht durch Nachweis von Fehlern, die sie machen, madig gemacht werden, sondern soll ihnen durch einen anderen Sprachgebrauch aberzogen werden. Das merken die natürlich und wehren sich gegen diese dumme Tour der Umerziehung.
Wenn sich jemand akademisch (oder doch moralisch? und das wäre dann nicht akademisch…) mit der „Säuberung“ von Texten beschäftigt (siehe Interview!), dann ist das mehr als bedenklich. Die Gefahr scheint mir nicht von Pippi Langstrumpf und der Sprache Astrid Lindgrens auszugehen, sondern von einem totalitären social justice warrior à la Herrn Stefanowitsch!
Herzlichen Dank für Ihren Beitrag!
Um zu verstehen, dass man Menschen nicht beleidigen oder diskriminieren darf – egal ob mit Bezug zu einer Gruppenzugehörigkeit (Burka-Schlampe) oder ohne Gruppenbezug (Schlampe) – braucht es keine Sprachwissenschaftler sondern lediglich den gesunden Menschenverstand.
Das Kritikwürdige am Thema Politische Korrektheit ist daher auch nicht die Auseinandersetzung mit offensichtlich beleidigenden Begriffen. Problematisch ist vielmehr der Versuch einer viel weiter greifenden Beeinflussung des Sprachgebrauchs, z.B. Gender-Sternchen. Das kann ja jeder so machen, wie er möchte aber sich anzumaßen, dass dies die einzig „korrekte“ Ausdrucksweise wäre, ist mindestens lächerlich.
Letztendlich handelt es sich bei den Verfechtern der politischen Korrektheit um eine durch nichts demokratisch legitimierte Gruppe, die sich auf plumpe Wiese gern selbst zu einer moralischen Instanz erheben möchte. Meine Inakzeptanz in dieser Hinsicht ist ihr weiterhin gewiss…
Das ist ja eine erfrischende Debatte hier. Herr Stefanowitsch behauptet: Die Aussage, dass Worte wie das N-Wort früher harmlos waren, sei falsch. Aber er begründet das nicht. Und ViktorI und hostr, die sich hier so merkwürdig für ihn einsetzen, kommen mit Aussagen wie: „Sei mal locker! Lass Dir doch von uns Sprachfaschisten einfach mal vorschreiben, was Du sagen darfst und was nicht!“ Ich will mir aber von größenwahnsinnigen, autoritären Sprachverhunzern nicht meine Sprache wegnehmen lassen! Wie sprach Martin Luther King in seiner berühmten Rede („I have a dream“) vom schwarzen Mann? Er nannte ihn „negro“. Aber er war natürlich ein Rassist, klar. Man kann in Wörterbüchern seit den 90er Jahren nachvollziehen, wie der brutale Deutungswandel etwa des N-Worts von irgendwelchen Theoretikern frech durchgesetzt wurde. Und jetzt wird der künstlich herbeischwadronierte Unsinn als Tatsache verkauft, und ich muss mich dreist als Diffamierer diffamieren lassen? Aber ich bin mit M.L. King ja in guter Gesellschaft…
Warum finden sie es merkwürdig, dass ich zumindest die Aussagen des Autors bedenkenswert finde, und ihn nicht gleich als „Sprachverhunzer“ tituliere?
Die Argumentation über Martin Luther King ist bekannt. Stokely Carmichael, der den Begriff „Black Power“ prägte, und ein ebenso bekannter Kämpfer für die Rechte dunkelhäutiger ist, argumentierte, dass „Negro“ die schwarze Minderwertigkeit impliziere, und von den ehemaligen Sklavenhaltern erfunden und verwendet wurde. Schwarze hätten dies nur angenommen, und damit auch Martin Luther King, um genau dies herauszustellen. In den 60er Jahren wurde ehe „negro“ verwendet, in den 70er Jahren eher der Begriff „Black.“ Dies war schon immer ein Diskussionspunkt auch bei den Schwarzen
ABER: Es ist schon unglaublich anmaßend, sich auf eine Stufe eines Vorkämpfers für Schwarzenrechte zu stellen und zu begründen, da ja ein Schwarzer das Wort Neger benutzte, kann das ja auch immer ein Weißer tun, also genau ein Mitglied der Bevölkerungsgruppe, die den Schwarzen jahrhundertelang jedes Menschenrecht abgesprochen hat.
Davon abgesehen, wenn das alles ja kein Problem ist, bitte ich Sie doch mal einen dunkelhäutigen Mitbürger doch mal ganz direkt als „Neger“ anzusprechen. Oder einen Roma als „Zigeuner“, oder einen türkischstämmigen als „Kanake“. Sie werden dann ja sehen, wie es ankommt.
Erstens: Wer vom Haareschneiden nichts versteht, sollte sich nicht als Friseur aufspielen. Und wer von der deutschen Sprache so wenig versteht wie Sie (4 Rechtschreib-, 7 Zeichensetzungsfehler in 1.332 Zeichen und vom Konjunktiv keine Ahnung), sollte nicht so tun, als sei er Sprachspezialist (si tacuisses!). Zweitens: Stokey Carmichael war ein Gewaltprediger (da also darf man die Sprachverhunzer verorten?), der keinerlei Deutungshoheit über M.L. King hatte. Drittens: Wenn ich als Kronzeugen für Nichtdiskriminierung des Wortes „Neger“ M.L. King als Kronzeugen anführe, stelle ich mich noch lange nicht mit ihm auf eine Stufe (aber Sie konstruieren diese Absurdität, um eine Beleidigung logikwidrig herbeilügen zu können!). Viertens: Ich arbeite seit Jahrzehnten als Journalist, Texter und Autor und ärgere mich furchtbar, wenn dilettierende Schwätzer in meinem Kompetenzbereich herumrödeln und frech Worte verunglimpfen und abschaffen, oft ohne überhaupt zu begreifen, worüber sie angebliche Regeln verkünden. Fünftens: In den Achtzigerjahren schrieb ich u.a. TV-Spots für „Uncle Ben’s Reis“. Vorgaben aus den USA, was im Sport zu erscheinen habe: „1. Neger. 2. Gabel-Test. 3. Herkunftsland USA…“. Kein Mensch, weder beim Hersteller noch bei der Agentur noch bei der TV-Produktion, verwendete das N-Wort damals verächtlich, sondern so, wie man auch „Schweizer“ oder „Aboriginee“ sagen würde (aber sicher darf man bald auch nicht mehr „Schweizer“ oder „Aboriginee“ sagen, nicht wahr?). Das ganze Produkt baute auf dem schwarzen Mann auf – wie könnte man ihn verachten? Wie quer muss ein Hirn gehäkelt sein, um so was zu denken? Sechstens: Gestern Abend hatte ich Besucher zu Hause. Dabei waren ein Schwarzer und ein Roma. Der Schwarze nannte die N-Wort-Diskussion eine „typisch weiße“, alberne Debatte; verletzend sei nur „Nigger“, und genau da gelte der Unterschied (den Sie natürlich falsch verorten): ich als Weißer dürfe „Nigger“ nicht verwenden, er aber schon (es folgte ein Vortrag über Rapper). Und der Roma sprach von seiner Familie: „Bei uns Zigeunern ist das nämlich…“. Aber was verstehen schon Schwarze und Roma von den Wörtern, die sie bezeichnen! Da müssen erst ein paar selbsternannte Sprach-Klugscheißer her und sie belehren (etwa solche mit 4 Rechtschreib- und 7 Zeichensetzungsfehlern pro 1.332 Zeichen). Siebtens: Ich finde die AfD grauenhaft. Sie hat nur einen mikroskopischen Kollateral-Nutzen: Ich höre nicht mehr so viel von den politisch korrekten Sprachverhunzern, die offenbar nicht mehr so laut mir Wort um Wort aus der Sprache stehlen wollen…
Ich red wie ich das für richtig halte und nicht, wie es mir ein Akademiker mit Stock im Allerwertesten sagt. Ich habe mich schon in der Schule nicht an so einen Müll gehalten und fange jetzt nicht damit an. Moral? Ich verdiene grade genug, dass es für Wohnung und Familie reicht und verzapfe keine Bücher, die niemand braucht – sondern arbeite tatsächlich. Anders als unsere Intellektuellen.
Was wir brauchen ist eine Gesellschaftsform, in der einer zwar seinen fragwürdigen geistigen Ergüssen freien Lauf lassen kann, dieser aber nicht verpflcihtend für die vernünftige Mehrheit werden dürfen. Deshalb sollten auch Intellektuelle, die das Leben nur aus der Sekundärliteratur kennen, keine Macht über andre haben. Es sollte überhaupt keiner Macht über einen andern haben. Dann sind auch die bestimmten Worte nicht mehr schlimm – ich würde dann empfehlen einfach wegzugehen. Aber da wir in unserer Freiheit eingeschränkt sind, werden Worte erst zu dem was wir grade noch so beeinflussen können… und da ist jetzt anscheinend der Staat und die Bourgeoisie damit beschäftigt uns auch noch vorzubestimmen. Irgendwann sind wir dann im Vierten Reich, in dem alles für den Staat gegeben wird und nichts mehr für den Menschen und die Freiheit des Menschen. Wegen solchem faschistoidem Müll.
Mensch, kann der Ernst Neger froh sein, dass er nicht mehr lebt (für die Jüngeren: in der Karnevalssendung „Mainz bleibt Mainz“ gab es früher mal den so genannten „singenden Dachdecker“ Ernst Neger, der seine Faschingsliedchen geträllert hat), sonst würde er wahrscheinlich bei Strafandrohung aufgefordert, sich umzubenennen. Sein Sohn hat mit dem vom Vater geerbten Dachdeckerbetrieb ja wegen des Namens und des zugehörigen Symbols ernste Schwierigkeiten.
Also für mich war in meiner Jugend ein „Neger“ ein schwarzer Mensch. Punkt aus! Da war nichts diskriminierendes dabei. Aber heute muss man ja jeden Firlefanz aufblasen. Wörter, die über die Zeiten immer verwendet wurden und vielleicht eine Konnotation hatten, aber an sich nichts schädliches bewirkt haben, darf man nicht mehr sagen, sonst ist man ein Rassist, ein weinseliger Dubbel wie Rainer Brüderle darf keine plumpe, aber harmlose Anzüglichkeit wie „…Dirndl ausfüllen…“ mehr loslassen, sonst ist er ein Sexist. Manchmal bin ich froh, dass ich schon relativ alt bin und wahrscheinlich nicht mehr mitkriegen werde, wie dieser Schwachsinn noch weiter getrieben wird…
Ich frage mich auch immer, warum sich andere Menschen, die in Handwerksberufen tätig sind, und die ich daher als „Proleten“ bezeichne, sich immer so aufregen, schließlich ist das ja nur rein deskriptiv gemeint, es bedeutet ja nur „Lohnarbeiter oder Angestellter“.
Kurt Tucholsky, linksliberaler Satiriker, politischer Autor und NS-Gegner, der vor den Nazis floh und sich in Norwegen 1938 umbrachte in einem seiner Bücher scherzend: „Ich kann mir manches vorstellen, – nur keinen Neger der sächselt!“
Neger war damals noch eine ganz normale Bezeichnung wie Asiate, Araber oder Europäer.
In Lateinamerika ist es das als span. „negro/negra“ immer noch. Wenn ein sehr dunkelhäutiger Mensch, selbst innerhalb der Familie oder im Freundeskreis freundschaftlich umgangssprachlich mit „Ey, negro…!“ begrüßt wird, denkt sich niemand etwas dabei, und der Betreffende selbst fühlt sich auch keineswegs beleidigt. Es ist nichts anderes als – für Menschen die wieder anders (asiatisch) aussehen: „Ey chino…(Chinese)!“ Oder „Ey indio…!“ Es sind einfach nur unterscheidende Bezeichnungen für menschliche Grundtypen, bzw. ethnische Varianten anhand des äußeren Erscheinungsbildes, ohne jede Wertung!
Warum geht das hierzulande nicht auch, bzw. ist es im westeuropäischen Massenwahn neuerdings „diskriminierend“?
Ein Student mit afrikanischen Wurzeln – sogar Mitglied einer der angeblich rechten Studentenverbindungen in Heidelberg – und meine Wenigkeit haben uns einmal köstlich gemeinsam amüsiert über diesen „Neger“-Blödsinn der üblichen Sprach- und Kulturhysteriker eher schlichten Geistes, denen es doch hauptsächlich nur um den eigenen Heiligenschein geht !
Als ich Kind war (*1966) war das beleidigende Schimpfwort „Nigger“ und nicht „Neger“.
Als Jugendlicher in den 80ern gab es allerdings den beleidigenden Satz: „Ich bin doch nicht dein Neger!“ der auch als politisch unkorrekt wahrgenommen wurde.
In den USA gibt es weiterhin die o.g. Unterscheidung, wobei sich die Betroffenen auch gerne mal gegenseitig „Nigger“ nennen, mal scheinbar ohne ihr Gegenüber tatsächlich herabwürdigen zu wollen, mal schon . Vielleicht ist das aber auch nur ein Versuch, der Beleidigung die Kraft zu nehmen, in dem man sie selbst über sich und „seinesgleichen“ bringt?
Ich nenne niemanden mehr „Neger“, spätestens seit ich weiß, das die so bezeichneten es inzwischen (?) sehr wohl als beleidigend empfinden würden. Ich hoffe nur, das kommende Generationen Hermann Hesse nicht irrtümlich für einen Rassisten halten.
Ich begrüße das Bemühen um P.C. in der Sprache, aber ich bedaure, das sich dann nicht die Mühe gemacht wird, „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ auszuschreiben:
Mit dem großen I innerhalb eines Wortes wurde leichtfertig ein nie dagewesener „Fehler“ in unseren Schreibgebrauch eingebaut, liebe Leserinnen und Leser! Soviel Zeit sollte uns die Sache wert sein, wenn es ernst gemeint ist.
Ich denke es ist wichtig, jeweils den geschichtlichen Kontext zu sehen. Bedenklich finde ich nur, wenn man sich eben auf diesen Kontext bezieht, aber sich daraus „das Recht“ ableitet, dann auch solche Begriffe zu nutzen. Nach der Idee; Was Hermann Hesse gesagt hat, darf ich auch.
Bzgl. der Ausschreibung gebe ich Ihnen vorbehaltlos Recht, ich halte nichts vom Gendersternchen oder dem großen I. Unsere Sprache ist da flexibel genug, und auch wenn es Zeit kostet empfinde ich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als die sinnvollere Schreibweise.
Was ich hier in der Diskussion interessant finde ist die Tatsache, dass so einige Kommentatoren das Gefühl haben, etwas zu verlieren, weil sie das Neger Wort nicht mehr sagen dürfen. Doch, dürft ihr! Aber wundert euch nicht, wenn ihr dementsprechend Gegenwind bekommt. Das muss man in einer Demokratie halt aushalten.
Da bin ich (wiedermal) ganz Ihrer Meinung! Auch was den geschichtlichen Kontext angeht. Ohne ihn kann man vieles nicht richtig verstehen und bewerten. Ohne ihn wird Hesse (der Menschenfreund) zum Rassist.
Und weil etwas „früher“ richtig (oder gebräuchlich) war, ist es dadurch heute nicht automatisch immer noch.
Sprache sollte im Idealfall der Gesellschaft entsprechen, und sie braucht Menschen, die sich über sie die Köpfe zerbrechen. Sie (= wir) braucht den Blick nach vorn und zurück. Wo wollen wir hin, wo stehen wir, was wollen wir nicht mehr und was lohnt sich, zu erhalten.
Und: Es ist dabei nicht alles steuerbar. Sprache verändert sich ja auch durch Einflüsse und Trends (z.B. Anglizismen), die zu „Benutzerfehlern“ führen, welche sich irgendwann einschleifen und nicht mehr umkehren lassen, da sie schließlich fast jeder macht. Aber das führt zu weit weg vom eigentlichen Thema.
Herr Stefanowitsch ist kein Sprachwissenschaftler, sondern ein Ideologe. Wäre er ein Wissenschaftler, würde er nicht solch einen Unfug verbreiten. Seine Meinungen und die seiner Freunde entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage und können sich nur durch Einschüchterung und Schwingen der Moralkeule (wer nicht meiner Meinung ist, ist ein Rassist, Frauenfeind, Reaktionär usw.) behaupten. Die Tatsache, daß in den Vereinigten Staaten immer noch unbewaffnete Schwarze hinterrücks von weißen Polizisten erschossen werden und daß dort und in Schweden, dieser Hochburg der Sprachumerziehung, der me-too-Skandal wüten konnte, zeigt eindrucksvoll, wie wirkungslos solche Bemühungen sind.
Die Geschichte zeigt außerdem, daß die tabula-rasa-Ideologie einen zutiefst totalitären Charakter hat. Die französische und die sowjetische Revolution wollten die alte Ordnung auf einen Schlag ohne Rücksicht auf die Menschen vernichten, es folgten die Schreckenherrschaft und der Stalinsche Terror und letztendlich eine Wiederherstellung der alten Ordnung. In China forderte die Kulturrevolution sehr viele Opfer – umsonst.
Es bleibt zu hoffen, daß die Sprachrevoluzzer wie ihre politschen Vorgänger auf dem Müll der Geschichte landen werden.
Ich glaube auch sie haben den Text nicht (komplett) gelesen; In keiner Silber wird was von reaktionären, Frauenfeinden etc. geschrieben, er geht ja sogar so weit, sich (und alle anderen) als Rassist zu bezeichnen, da alle in einer rassischtischen Gesellschaft aufgewachsen sind. Ein Zitat möchte ich aber gerne herausgreifen, weil es so gut zu ihrer Aussage passt;
„Die Angst vor einer Meinungszensur durch eine „korrekte Sprache“ halten Sie für unbegründet?
Es ist ein wichtiger Einwand. Individuen Inhalte vorzuschreiben, halte auch ich für falsch. Allein deshalb, weil ich gerne wüsste, welche Meinungen die Person hat, die mir gegenübersteht. Wenn jemand meint, Migranten seien weniger wert, dann bin ich absolut dafür, dass diese Person das explizit äußern darf. Allerdings müssen Meinungen in einer sachlichen, nicht herabwürdigenden Sprache geäußert werden – weil man sie dann begründen muss.“
Finden Sie nicht, dass ihre (sicherlich aus eigener wissenschaftlicher Arbeit fundierte) Aussage, er sei kein Wissenschaftler, sondern ein Sprachrevoluzzer, der auf den Müll der Geschichte landen wird, genau das ist: Eine Herabwürdigung?
Danke für Ihre Rückmeldung. Herr Stefanowitsch bezeichnet tatsächlich niemand als Rassisten, Frauenfeind, usw., aber ich wage zu behaupten, es sei implizit. Seine Argumentation finde ich etwas jesuitisch, wenn Sie mir das gestatten, ohne es gleich als Herabwürdigung aufzufassen… Beispielhaft für dieses Herumlavieren ist folgende Stelle:
„Dort wurde das Wort „Negerkönig“ durch „Südseekönig“ ersetzt. Die Gegner dieser Änderung betonen, Astrid Lindgren sei keine Rassistin gewesen.
Das spricht erst recht dafür, dass der Rassismus aus ihren Büchern entfernt wird. Wäre sie eine Rassistin gewesen, wäre ich auch dagegen, etwas zu ändern.“
Astrid Lindgren sei keine Rassistin, in ihren Büchern stecke aber Rassismus. Entweder war A. Lindgren doch eine Rassistin, oder das Wort Rassismus ist fehl am Platz.
Ich bin Übersetzer, interessiere mich für Sprache und Übersetzung und habe ein gewisses Wissen in diesen Bereichen erworben, ohne ein echter Wissenschaftler zu sein. Man muß auch nicht alle Feinheiten der Atomphysik beherrschen, um gegen die Atomkraft zu sein: es reicht zu wissen, daß die AKW Abfälle produzieren, für die niemand eine sichere Lösung hat und die 100.000 Jahre gefährlich bleiben werden. Auch weiß mancher Esel mehr als mancher Philosoph, das hat Victor Hugo in einem Gedicht auf den Punkt gebracht und vielleicht sogar andere vor ihm.
Viele Gegner der politischen Korrektheit haben sicherlich zwielichtige Hintergedanken. Vorbehaltlich einer freudschen Untersuchung ist es nicht mein Fall. Ich glaube nicht, daß die Verbannung des Wortes Neger irgend etwas im Kampf gegen Rassismus gebracht hat, benutze aber selbst das Wort nicht und trete auch nicht für dessen Rehabilitierung ein. Ich denke aber, daß die Emotion und die Abkehr der Vernunft unsere Zeit prägen und ärgere mich darüber, daß das bloße Hochhalten guter Absichten und moralischer Zielsetzungen ausreicht, um Kritiker und Andersdenkende ins falsche Licht zu rücken und jede Debatte zu unterbinden. Es gibt genug Beispiele von Zensur bzw. Zensurversuchen, die dies belegen.
Ärger… Ja, ich bin verärgert über so viel Unvernunft und Irrationalität. In Amerika selbst werden Zweifel an der Wissenschaftlichkeit bestimmter Forschungsrichtungen laut. Ich empfände es jedenfalls als eine ungeheure Gewalt und Freiheitseinschränkung, wenn ich doch letztendlich gezwungen werden sollte, diese Sprachverunstaltung mitzumachen. Sie schon jetzt lesen und erleiden zu müssen, ist schlimm genug.
Daher meine Schlußzeilen, die Sie durch Ihre Zusammenfassung ein bißchen verfremdet haben. Ich habe von Sprachrevoluzzern allgemein gesprochen und „Müll der Geschichte“ ist bildlich zu sehen. Ich habe mir Herrn Stefanowitsch wirklich nicht irgendwo sitzend umgeben von Unrat vorgestellt und noch weniger gewünscht.
Ich schätze sehr die deutsche Debattenkultur, aber das übertriebene Bedürfnis nach Harmonie, Korrektheit und Differenziertheit führt oft dazu, daß um den heißen Brei geredet wird und daß letztendlich bestimmte Fragen unbehandelt bleiben.
Aber sonst natürlich: Brüderlichkeit und Menschlichkeit sind die Zukunft der Menschheit!
„Die Menschen können sich an alles gewöhnen wenn sie nur wollen“
Dieses Zitat scheint natürlich nur für die zu gelten die die „bösen“ Worte benutzen und nicht für die die sie als verletzend empfinden.
Weiterhin halte ich es für grundsätzlich flasch iregendein Wort zu verbieten.
1. Es ist ein Mittel die Massen zu kontrollieren, siehe 1984.
2. Nur weil ein Wort verboten wird hält das niemanden davon ab trotzdem rassistisch zu sein, nur wähnt man sich dann in flascher Sicherheit
Vielleicht sollten Sie den Text nochmals (komplett) lesen, den Ihre Leseart kann man definitiv nicht aus dem Text ziehen. Der Autor schreibt sogar ganz direkt, dass er DAGEGEN ist, Worte zu verbieten!
„Es ist ein wichtiger Einwand. Individuen Inhalte vorzuschreiben, halte auch ich für falsch.“
„Ich bin absolut dagegen, hier Gesetze im juristischen Sinne zu formulieren. Im Grundgesetz und im Strafgesetzbuch ist ja eine Einschränkung der Meinungsfreiheit formuliert: das Verbot, Opfer des nationalsozialistischen Regimes zu verhöhnen, wozu auch die Holocaust-Leugnung gehört. Das auszuklammern war klug und zugleich hochproblematisch, weil ich überall da, wo ich mit Gesetzen drohe, auch klare Kriterien definieren muss.“
„ch ärgere mich über diese Ratgeber immer dort, wo sie sagen: „So und so ist das zu formulieren.“ Meiner Meinung nach ist das der falsche Weg, richtiger wäre: „Folgende Dinge sind zu vermeiden. Was Sie stattdessen schreiben, bleibt Ihnen überlassen.“
Lieber hostr,
ich danke dir für deine Kommentare.
Ich finde es bedenklich, dass auch in dieser Kommentarspalte viele Leser direkt wütende Zeilen hinterlassen – das Interview tut euch doch nichts!
Fühlt ihr euch angegriffen? Falls ja, dann fragt euch doch weshalb! Weshalb möchtest du, Jan Hagemann, nicht als Rassist verunglimpft werden?
Du könntest es für dich annehmen, dass deine Sprache sicherlich noch nicht perfekt ist, du aber nur bedingt dafür konntest, sie so gelernt zu haben. Du könntest von nun an aber darauf achten und dich verbessern?
Besteht bei dir kein Antrieb ein achtsamerer Mensch zu sein?
Liebe Grüße,
Seb
zum Kommentar: Wegen dem offensichtlichen Angriff auf die Redefreiheit fühlen sich Leute hier angegriffen. Von der Idee, dass man sich brav selbst zensieren soll, dann passiere einem auch nichts.
Haben sie nicht den gleichen Text gelesen? Wer soll denn bestimmen, ob ein Wort selbst ohne Zusammenhang diskriminiert? Doch wohl hoffentlich nicht die Gruppen selbst die es betrifft die sich sicherlich nicht einig werden, genauso wenig wie unsere linksgrünen Redakteure/Regierungen dazu im Stande wären nicht in ihrem vorauseilenden Gehorsam alles zu verbieten was ‚vielleicht‘ irgend jemand aus irgend einer Minderheit stören könnte.
zum Artikel:
das N-Wort ist übrigens ganz bestimmt nicht ‚Neger‘ – und Neger ist nicht per de abwertend, es ist lediglich ein anderer Sammelbegriff für Schwarze. Das N-Wort ist übrigens ‚N i g g e r‘, wohl in der Realität nicht aufgepasst, kann ja mal vorkommen wenn man im Elfenbeinturm lebt. Und das benutzt außer Rassisten und den Schwarzen selbst eh niemand mehr.
Sinti und Roma wollen nicht Zigeuner genannt werden? Wo kommen wir denn da hin, sie sind nunmal eine der verschiedenen Zigeunergruppen, ob sie das Wort blöd finden oder nicht ist hierbei völlig irrelevant. Wenn der Begriff so negativ behaftet ist sollte man eventuell etwas tun um das zu verbessern. Symptome bekämpfen anstatt die Krankheit bringt selten etwas, siehe Selbstzensur der Medien: ‚Asylant klingt zu negativ, wir benutzen jetzt nur noch Flüchtlinge. Flüchtlinge klingt inzwischen zu negativ, wir machen einfach Geflüchtete draus. Okay Geflüchtete klingt inzwischen auch negativ wegen der ganzen Vergewaltigungen und Morde – wir nennen die jetzt einfach Migranten‘
Die Sprache weniger diskriminierend machen? Klar gerne, mache ich selbst wenn ich das möchte.
Mir von verblendeten Ideologen wie ihnen das vorschreiben lassen? Aber ganz sicher nicht.
„Symptome bekämpfen anstatt die Krankheit bringt selten etwas, siehe Selbstzensur der Medien: ‚Asylant klingt zu negativ, wir benutzen jetzt nur noch Flüchtlinge. Flüchtlinge klingt inzwischen zu negativ, wir machen einfach Geflüchtete draus. Okay Geflüchtete klingt inzwischen auch negativ wegen der ganzen Vergewaltigungen und Morde – wir nennen die jetzt einfach Migranten‘“
Dafür gibt es sogar einen Namen: die „Euphemismus-Tretmühle“.
Ein (angeblich) negativ konnotierter Begriff wird durch einen (angeblich) positiv konnotierten ersetzt, der sich nach mehr oder weniger kurzer Zeit ebenfalls in einen negativen wandelt und durch einen weiteren (angeblich) positiv konnotierten ersetzt wird, …
Dabei übersehen die größten Eiferer, dass genau sie es sind, die die negative Konnotation am nachhaltigsten am Leben halten, indem sie sie ständig in der Diskussion halten.
Was soll das, „politisch korrekt“ ist Schwachsinn,denn wer legt das Bitte sehr aus. Wenn Claudia Roth sagt,die deutsche Nationalhymne könnte diskriminieren,dann stimmt ihr auch niemand zu. Hören sie damit auf und wenden sie sich größen Problemen,als der Verwendung des Wortes Neger zu!!!!!!
diese größeren probleme ergeben sich eben genau aus der verwendung der worte.
kann man dir nicht ein bisschen respekt abverlangen?
der weisse mann hat keine erfahrung damit aufgrund von geschlecht oder herkunft wirklich diskriminiert zu werden deshalb kann er dazu auch keine qualifizierten aussagen machen ausser er bildet sich und eignet sich dieses wissen auf andere art und weise an.
würde dir empfehlen dich mal mit der macht der sprache zu beschäftigen, worte sind nicht so harmlos wie sie scheinen.
„der weisse mann hat keine erfahrung damit aufgrund von geschlecht oder herkunft wirklich diskriminiert zu werden …“
Ach, wirklich nicht?
Ich komme aus einem Arbeiterhaushalt und stieß an echte gläserne Decken, als ich studieren wollte.
Was ist mit dem Ständewesen des Mittelalters, dessen Echo bis heute in die Gesellschaft hallt und in Deutschland einen sozialen Aufstieg im internationalen Vergleich besonders schwer macht?
Keine Diskriminierung?
Warum nicht?
Wird dem Wort „Neger“ nicht überhaupt erst der Ruch des Bösen und Geheimnisvollen dadurch erhalten, dass es nur hinter vorgehaltener Hand als Buchstabe getuschelt werden darf?
Wie nannte J. K. Rowling den Bösewicht?
„He who shall not be named“
Wird das jetzt zum Sprachstandard?
Ich frag mich echt was das problem ist sich nach den neusten entwicklungen der sprache zu richten? wenn der neue 8k fernseher rauskommt beschwert ihr euch doch auch nicht dass die auflösung nicht mehr die schöne alte schlechte ist oder? gäbe es nur die die ständig meckern und alles beim alten belassen wollen dann wären wir irgendwo in der steinzeit steckengeblieben.
das ist auch keine stimmungsmache sondern eine realistische einschätzung der situation. es fällt mir sehr schwer nachzuvollziehen warum man sich hier beschweren muss. wenn es neue verkehrsregeln gibt dann richtet man sich auch danach. es geht hier darum aus den fehlern der vergangenheit zu lernen. es geht um die gesellschaft als ganzes und nicht darum dass irgendjemand als rassist beschimpft wird….hätte es in den usa keine sklaverei gegeben dann dürfte jeder weisse das n-wort nach belieben benutzen, was ist denn daran so schwer zu verstehen. wie kann man so unfortschritlich denken, was soll diese kindische trotzreaktion? mein opa ist genauso, der kapiert das nicht… aber so ist das halt manche hören irgendwann auf zu lernen und ruhen sich auf ihren gewohnheiten aus anstatt mit der zeit zu gehen… so einfach ist das. oder seid ihr zu faul? oder fühlt ihr euch ungerecht behandelt…was ist eigentlich das problem?
Du illustrierst das Problem in hervorragender Weise.
Deine im Text verstreuten Anfragen stecken voller Vorwürfe und Beleidigungen.
Diejenigen die nicht deiner Meinung sind, diejenigen die anders sprechen wollen sind also „unfortschrittlich“, „wie dein Opa“, „meckern ständig“, „zu faul“ usw.
Wie kannst du erwarten, dass man deine Meinung ernst nimmt, wenn du deine Diskussionspartner massiv herabsetzt?
Ich wusste gar nicht das es solche Neusprecharbeiter wie bei Orwell nun auch in echten Leben gibt. Insgesamt scheint ihr Interviewpartner ein Mensch zu sein der seine Mitmenschen kontrollieren will in dem er sie manipuliert, was ihn überaus unsympatisch macht.
also mir ist er nicht unsympathisch. du bist eher der unsympath hier, ist aber nix was man nicht ändern könnte. werd einfach n bisschen entspannter, man lebt nur einmal, die welt ist groß, mach was draus, nerv nicht.
Ich würde Ihnen raten 1984 auch mal zu lesen. Mir fällt auf, dass meistens in der Weise Bezug auf dieses Buch genommen wird, dass offensichtlich ist, dass der Inhalt nicht bekannt ist.
Also, ich würde Genosse Anatol Stefanowitsch eher als einen „Beta -“ aus „Brave new World“ einschätzen. Die gleiche Realitätsferne, der gleiche Systemgehorsam, die gleiche Eingeschränktheit.
Und wieder jemand, der einfach nur „Zitate“ wiederkäut, ohne jemals das Buch gelesen zu haben. Nur der Form halber; Nach diesem Roman gelten Alphas und Betas als „the top of the caste system, and perform the more intellectual jobs.“
Ich habe auch Genosse Stefanowitsch keine Intelligenz abgesprochen. Dennoch sind in dem Buch auch Alphas und Betas nur willenslose Objekte des Systems gewesen.
Ich glaube dann haben wir ein anderes Verständnis von „Eingeschränktheit“, den dies verstehe ich durchaus als ein Absprechen von Intelligenz. Aber sei es drum. Haben sie noch Argumente, oder beschränken sie sich alleine auf die Herabsetzung der Person des Autors? In diesem Fall lasse ich sie hier mal alleine.
War das nicht sonnenklar, dass die ersten beiden Kommentare eine Verteidigung des N-Wortes und ein schnappatmendes „Ich bin doch kein Rassist!“-Trolling sind?
Es ist offensichtlich, dass hier noch viel zu tun ist, und ich bin sehr dankbar für die klaren Worte in diesem Interview.
Wir alle haben das Recht auf Meinungsfreiheit, und wo andere Menschen es Nutzen, um ausschließende Sprache zu verwenden, kann ich es ebenso nutzen, um meinen Unmut über diese Menschen auszudrücken.
Siri, und du bist ernsthaft der Meinung, die Sprache mit dir ist besser geworden?
Das N-Wort mit dem „Besitz“-Hintergrund lautet „Nigger“ und bezieht sich recht exklusiv auf Afroamerikaner (mit deutlicher Abgrenzung zu Menschen afrikanischer Abstammung ausserhalb der USA). Hierbei ist die Tilgung vielleicht gerechtfertigt (obwohl es dort immernoch und hauptsächlich im Eigenbezug benutzt wird).
Die deutsche Variante „Neger“ hat schon aus historischen Gründen (keine amerikanische Sklaventradition) nie die dortige Konnotation und war (ausser möglicherweise 33-45) unauffällig (Negerkuss, Negerkönig).
Zwei verschiedene Worte mit unterschiedlichem Bedeutungshintergrund – der Import der sprachlichen Tilgung ist unangemessen und unreflektiert.
Nach dem Etymologischen Wörterbuch der deutschen Sprache hat das Wort Neger die Ausgangsbedeutung „Schwarzer“ und ist ein Lehnwort nach dem französischen nègre, das wiederum vom spanischen negro, der Nachfolgeform des Lateinischen niger („schwarz“) kommt. Die Bezeichnung wurde erstmals im 16. Jahrhundert während des spanischen und portugiesischen Sklavenhandels für Menschen verwendet, vornehmlich für afrikanische Versklavte, und bezog sich auf deren Hautfarbe. Die damit verbundene Stereotypisierung von Menschen geht laut Veröffentlichungen des Soziologen Wulf D. Hund dementsprechend nicht auf die Wahrnehmung natürlicher Unterschiede zurück, „sondern ist vor dem Hintergrund von Kolonialismus und neuzeitlicher Sklaverei entstanden.
Also setzten – 6!
Es war ist und wird auch immer eine rassistische Konnotationen haben. Aber einige verschließen halt gerne die Augen vor der, seit immerhin knapp 500 Jahre währenden, Realität.
Sie ziehen Ihre Schlüsse falsch herum. Kein Wort führt zur Diskriminierung, sondern wenn jemand als diskriminiert wird, wird die Bezeichnung für diese Person oder Gruppe auch automatisch zur Beleidigung.
Die Juden wurden von Antisemiten, am prominentesten natürlich im 3. Reich, auch als „Du Jude“ beschimpft. Ist „Jude“ deshalb nun eine Beleidigung? Nein!
Schauen Sie sich im Internet um, dann werden Sie Artikel von großen Zeitungen aus den 70ern und 80er Jahren finden, in denen das Wort Neger komplett wertungsfrei und selbstverständlich gebraucht wird.
Wörter werden deshalb negativ, weil sie etwas schlechtes bezeichnen. Ein Arschloch wird nicht als etwas schönes gesehen, daher ist es eine Beleidigung. „Blöd“ heißt soviel wie „dumm“ oder „schlecht“, daher ist ein „Blödmann“ eine Beleidigung. Eine Hure wird als moralisch falsch handelnder Mensch eingestuft, daher ist „Du Jure“ eine Beleidigung. Ein „Neger“ ist ein Mensch mit schwarzer Haut. Ob das gut oder schlecht ist, dass muss jeder für sich selbst entscheiden. Ist „Neger“ für Sie eine Beleidigung? Dann sind Sie hier der Rassist!
macht irgendwie sinn, ist aber trotzdem eine komplett falsche logik. es gibt hier keine wahrheit, man muss sich immer nach der zeit richten und jedes wort ist anders zu benutzen. wenn eine mehrheit an juden 2018 nicht mehr als juden bezeichnet werden wollen würden dann müsste man das respektieren. das n-wort kannste vielleicht in ein paar jahren wieder benutzen wenn du unbedingt willst… falls sich politische umstände ändern, ändern sich auch die worte etc. etc. es ist alles eine frage der zeit. wenn dinge aufgearbeitet werden, wenn gerechtigkeit hergestellt wird dann kann es auch sprachlich zu einer entspannung kommen oder andersrum zu einer zuspitzung.
Ich denke worauf der Autor hinaus will ist, dass Worte wie „Neger“ usw. niemals werteneutral waren. Sie wurden dafür geschaffen, Menschen zu klassifizieren und abzuwerten. Dies ist zumindest ein Gedanke, den man weiter durchdenken sollte. Dies passt auch stringent zur These des Autors, dass wir alle in einer rassistischen Gesellschaft augewachsen sind und dadurch rassistische Bilder aufgenommen haben, die wir selbst gar nicht als rassistisch empfinden. Mir fällt beispielsweise kein Text in, in dem „der Jude“ oder „du Jude“ vorkam, ohne direkt damit einen bestimmten, und vor allem negativen Kontext zu implizieren. Solche Worte sind eben nicht „neutral beschreibend.“ Anders herum, Aussprüche wie: „Du Katholik“, „Du Weißer“ und „Du Hetero“ hört und liest man im allgemeinen Sprachgebrauch höchstselten. Warum wohl?
Ich finde es nicht akzeptabel, von Ihrem Interviewpartner pauschal als „Rassist“ verunglimpft zu werden. Das ist eine Beleidigung, die jeden einzelnen Leser trifft. Warum verbreiten Sie Hass und Hetze? Warum wird so etwas veröffentlicht? Welches Ziel verfolgen Sie? Was soll die Stimmungsmache?
lies mal was über rassismus bevor du pauschal vermutest dass rassismus eine verunglimpfung ist. es wird klar gesagt dass rassismus ein problem der gesellschaft ist. also fühlst du dich auch persönlich beleidigt wenn vom klimawandel die rede ist? leute es ist zeit mal zu lernen.
Aha, also „Rassist“ ist in Zeiten der so verbreitete Rassismuskeule doch keine Verunglimpfung, dafür aber Zigeuner, oder Neger. Ich befürchte, dass du versuchst hier deine Ideologie (anscheinend die einzig richtige…), als „Wissenschaft“ zu verkaufen.
Nennen sie ruhig mal einen Polizisten, Juristen oder Staatsanwalt/Richter den sie finden einen Rassisten und die Anklage wegen Beleidigung ist raus bevor sie überhaupt ihren Blödsinn erklären können.