betr. Neo-Anteil im Programm von ZDFneo

Vor der ZDF-Pressekonferenz am 23.März hatte ich mal einen kurzen Blick in das TV-Programm von ZDFneo geworfen. Anlass dazu war ein Kommentar auf uebermedien.de, in dem sich der Kommentator darüber beklagte, „dass man auch bei ZDFneo seit einiger Zeit vornehmlich geil auf Quoten zu blicken scheint“.

Beim Durchblättern des ZDFneo-Programms der Kalenderwoche zwölf konnte ich dann auch nur zwei Formate entdecken, die originär ZDFneo sind, sprich die eigens für den Sender produziert werden: das „Neo Magazin Royal“ und die Quiz-Show „Kennste den?“.

Darauf angesprochen, entgegnete mir auf der PK der ZDF-Intendant Thomas Bellut: „Ihre Zahl ist eindeutig falsch, wir können das verifizieren. Wir haben mehr Eigenproduktionen für Neo.“

Das wollte ich mal nachprüfen — weshalb ich nun das ZDFneo-Programm in KW12 minutiös ausgewertet habe. Hier gibt’s die Statistik als PDF.

Ergebnis 1: Thomas Bellut hatte Recht, es sind nicht zwei Formate sondern drei, ich hatte schlicht eine Folge der ZDFneo-Sitcom „Nix Festes“ übersehen. Außerdem gab es noch den Thriler „Tabula Rasa — Das Ende der Lügen“, eine Koproduktion von ZDFneo und dem belgischen Sender VRT/één.

Ergebnis 2: ZDFneo ist (fast ausschließlich) eine Wiederholungsplattform. Das Programm besteht zu 96,5 Prozent aus Wiederholungen. Knappe sechs Stunden des Programms der untersuchten Woche waren neu, der Rest wurde schonmal irgendwo gesendet: im ZDF, auf RTL, arte, in der ARD, in der BBC, auf Netflix, Sat.1, Prosieben, Vox oder schon vor einiger Zeit in ZDFneo. Und am Wochenende verzichtet ZDFneo sogar komplett auf neues Programm.

Daraus ergeben sich natürlich weitere Fragen:

Kann man bei 50 Erstsendeminuten pro Tag schon von einem eigenständigen Sender sprechen?

ZDFneo stehen (laut Haushaltsplan 2018) pro Woche 639.804 Euro zur Verfügung. Lässt sich damit vielleicht möglicherweise noch mehr neues Programm finanzieren?

Die Sender-Chefin Simone Emmelius beschreibt ZDFneo als „Experimentierplattform“. Was ist damit gemeint? Wird hier am Zuschauer getestet, wie viel Stunden man „Bares für Rares“ pro Tag wiederholen kann, ohne dass es jemand merkt (Rekord am 23.03.: 5 Stunden)? Oder soll die maximale Krimi-Dosis ermittelt werden (höchster gemessener Tageswert: 12 Stunden und 25 Minuten)?

Und überhaupt: Warum 50 Minuten pro Tag neues Programm, wenn man doch stattdessen eine Folge von „Der Alte“ wiederholen könnte? ;)

UPDATE 04.04.: Uebermedien.de hat eine noch genauere Statistik vorgelegt, der Analyse-Zeitraum war vier Wochen. Dort kommt man auf einen Erstausstrahlungs-Anteil von lediglich 1,2% an der Sendezeit von ZDFneo. Dass dieser Wert nun noch niedriger liegt als die von mir errechneten 3,5%, dürfte vor allem daran liegen, dass ich fälschlicherweise fünf Folgen von „Kennste den?“ als Erstausstrahlung eingeordnet habe, dabei handelte es sich nur um Wiederholungen.

 

 

 

 

Ein Kommentar zu “betr. Neo-Anteil im Programm von ZDFneo”

  1. Mayo Marbez |

    Es geht doch nur ums Geld und wie Gebühren eingefahren werden können.
    Die Werbeeinnahmen reichen nicht aus,-
    der zwangszahlende Zuschauer interessiert sowieso nicht mehr. „Gerechtfertigt“ wird alles mit dem Rundfunkstaatsvertrag…

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