Laid

Die Leute wollen Rockmusik!

Mit ihrer Musik bringen sie den Rock zurück nach Deutschland. Und dabei machen Laid richtig Druck! Ein Berliner Musikmagazin verglich die Stimme von Sänger Dan mit Kurt Cobain. Planet Interview sprach mit Laid über das Erwachsen werden, Ängste der deutschen Plattenindustrie und Rock in Deutschland.

Laid

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Euer erstes Demotape wurde bereits vom Uncle Sally*s Magazin rezensiert. Wie seid ihr dazu gekommen?
Dan: Relativ schnell nachdem wir uns gegründet haben, wollten wir ein Demo aufnehmen, da wir recht schnell ein relativ großes Repertoire zusammen hatten. Ich habe dann überlegt, was man mit dem Demo machen kann und habe das dann bei Uncle Sally*s eingeschickt. Was heißt eingeschickt. Die sitzen bei mir um die Ecke und da habe ich das dann einem in die Hand gedrückt und ihm gesagt, das müsse er sich unbedingt anhören! Und dann haben sie uns ausgewählt.

Die Damen und Herren des Uncle Sally*s sind alle schon recht lange dabei und kennen sich auf diesem Musikgebiet gut aus. Wie habt ihr ihnen gefallen?
Dan: Die Resonanz war okay für die erste Demo. Wir haben das zum Anlass genommen noch einen drauf zu setzen und alles noch ein wenig professioneller aufzuziehen.

Aber immerhin habt ihr jetzt im September beim Sonnencopp euren ersten Festival- Auftritt. Wie seid ihr da ran gekommen?
Dan: Das ist eigentlich ganz witzig. Irgendjemand hat mir mal vor vier Monaten erzählt, dass es im Internet eine Seite gibt, die „My Space“ heißt. Die sind darauf gekommen daraus ein Portal zu machen, auf dem sich Künstler präsentieren können. Wie eine Art Visitenkarte. Das lief fantastisch gut. Wir haben super viele Leute auf uns aufmerksam gemacht. Unter anderem auch die Organisatoren dieses Festivals. Dann kam die Anfrage, ob wir nicht spielen wollen und wir haben natürlich sofort „Ja“ gesagt. Wir waren so die letzte Band die die noch gebucht haben. Die haben mit Gods of Blitz und Elke ein echt gutes Line- Up.

Ihr wollt mit eurer Musik ja das Gefühl vermitteln: Ich bin jung, das ist die beste Zeit meines Lebens und ich habe ganz viel Spaß. Wird da das Erwachsen- Werden ausgeblendet, sowohl menschlich als auch musikalisch gesehen?
Dan: An mir erkenne ich, dass ich beim Songs schreiben, immer mehr zu dem zurückkehre, was ich mal gemacht habe, als ich 17 war. Es gab so eine Zeit, wo ich angefangen habe sehr skurril und abgefahren sein zu wollen. Die Idee zu Laid war, zu diesen Ursprüngen wieder zurück zu kehren. Jung sein, moshen wollen. Hauruck- Musik einfach. Ich finde viel zu viel Musik ist sehr verkopft heutzutage, besonders in Deutschland.

Wie wichtig ist Reife und das Alter um mit dem Musikerleben umgehen zu können?
Dan: Mit 18 oder so ist es noch ein Alter, wo man richtig durchdreht. Einer Band, mit der wir vor kurzem aufgetreten sind und die in dem Alter sind, fehlte es aber noch an Qualität. Da ist es ein wenig unstrukturiert, dafür ist genug Unsicherheit dabei. Das muss aber auch natürlich in einem drin stecken. Wir sind jetzt erst auf dem Status das richtig zu machen. Wenn ich mir jetzt ein paar Aufnahmen von früher anhöre, denke ich: Nette Ansätze, aber kickt mich nicht. Man muss wissen wo man hin will. Es ist auch immer gut, seine Linie nicht völlig aus den Augen zu verlieren.

Wie schätzt du die Belastbarkeit junger Bands wie beispielsweise Tokio Hotel ein?
Dan: Ich finde es ganz gut, dass es mal wieder eine deutsche Band ist, die die Mädels zum kreischen bringt. Aber ganz ehrlich: Ich möchte nicht in deren Haut stecken. Ich glaube in diesem Alter ist man sehr schnell ausgebrannt, wenn man dann wieder abstürzt. Ich glaube das ist eine Sache, die „gestandenen“ Musikern, die eine lange Arbeitsgeschichte hinter sich haben, nicht so schnell passiert. Wenn´s nicht mehr läuft, geht man halt wieder in die Ankerklause und trinkt da sein Bierchen!

Mit dem Erfolg umgehen zu können und bodenständig zu bleiben, ist das eine Frage des Reife- Grades?
Dan: Auf jeden Fall. Wenn mir das gleiche passiert wäre wie Tokio Hotel, ich wäre total durchgedreht. Mit 16 Jahren auf der Bühne stehen und da stehen tausende kreischende Mädchen! Ich kann nicht mehr die Straße lang laufen, ohne dass irgendwelche Leute an mir herumzerren. Das ist ein Punkt der mich einfach erschreckt, den ein junger Mensch auch extrem aus der Bahn werfen kann. Es gibt so viele Beispiele, bei denen solche Jungstars einfach mal versumpft sind, weil sie nicht damit klar kamen, dass sie halt nicht mehr die Coolsten sind. Man lernt, indem man mit Dämpfern umzugehen hat. Man wird abgeklärter, je mehr man erlebt hat. Mikka, unser Bassist zum Beispiel hat in so vielen verschiedenen Bands gespielt, die immer nur kurz davor waren groß zu werden. Man sollte nicht auf jeden Scheiß hören, der einem erzählt wird.

Wie gefrustet fühlt ihr euch, wenn ihr an eure Grenzen stoßt und merkt, dass es allein finanziell nicht machbar ist, was man sich vorstellt?
Dan: Was im Moment wirklich nervt, ist, einer No- Name- Band, wie Laid sie noch ist, anständige Gigs klar zu machen. Wir hatten in letzter Zeit ziemlich viel Glück. Hat aber natürlich auch eine Menge mit Arbeit zu tun. Wenn du keinen hast, der an dich glaubt, der sagt: „Die Jungs sind wirklich gut.“, dann hast du es sehr schwer, gute Gigs zu kriegen oder einfach nur einen Support stellen zu dürfen. Es ist natürlich das Ziel mal jemanden zu haben der sagt: „Ich nehme euch das ab, konzentriert euch nur auf eure Musik.“ Aber wir haben diese Leute im Moment noch nicht. Deswegen müssen wir uns auch einfach anbiedern und diese Ochsentour fahren, worauf wir auch Bock haben. Wir spielen mehr und wir merken, je mehr wir das tun, desto mehr sind an uns interessiert. Wir sind sehr ehrgeizig!

Ist Deutschland unrockbar?
Dan: Ich glaube eigentlich nicht. Wenn eine amerikanische Rockband her kommt, die geil ist, spielt die immer vor ausverkauftem Haus. Die Leute wollen Rock- Musik! Das ist einfach ein Lebensgefühl, das bei den meisten Menschen noch mit 50 oder 60 da ist. Das Potenzial ist da. Ich merke nach unseren Konzerten immer, dass die Leute das hören wollen. Die kommen an und sagen: „Hey geil! Endlich mal wieder eine deutsche Band, die so richtig dreckigen Rock macht!“. Eine mit so einem bisschen Drive halt.

Hat die deutsche Plattenindustrie deiner Meinung nach Angst, dass sich deutsche Rockbands nicht verkaufen?
Dan: Absolut! Man sieht das einfach in den Charts. Gerade in England oder Schweden ist das anders. Das bist du zwar Mainstream, aber auch ein riesen Star. Und das ist einfach schade, wenn die richtig guten Bands einfach nicht voran kommen, wie die Beatsteaks, die einfach mal 10 Jahre herumgedoktort haben, damals aber auch schon richtig geil waren! Rock ist definitiv unterrepräsentiert, obwohl ein Haufen Teenager auf solche Musik abfahren. Und damit meine ich nicht den standardisierten Gitarrenrock, der, ohne Frage auch recht gut ist.

Das Leben ist ein Comic: Welche Figur bist du?
Dan: Spongebob!

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