Der Sachliche: Christian Wulff im Interview(-Buch)

Im Januar 2008 will sich Wulff (CDU) bei der Landtagswahl in seinem Amt als Ministerpräsident bestätigen lassen, das er 2003 vom heutigen Bundesumweltminister Sigmar Gabriel übernommen hat. Rechtzeitig vor der Wahl erschien nun unter dem Titel "Besser die Wahrheit" eine Gesprächsbiographie des Publizisten Hugo Müller-Vogg.

Der BILD-Kolumnist und ehemalige Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hatte zuletzt bereits viel beachtete Gesprächsbände mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Horst Köhler veröffentlicht. Da passt Christian Wulff, dem man zutraut, es irgendwann ganz nach oben zu schaffen – sprich Bundeskanzler zu werden – perfekt in die Reihe.

„Besser die Wahrheit“ heißt das Interview-Buch, das das Ergebnis von insgesamt 20 Interview-Stunden ist und – mit vielen bunten Bildern im Mittelteil vom „Politiker zum Anfassen“ – einen interessanten Streifzug durch Wulffs politisches Leben darstellt. Im Laufe der Lektüre erfährt man nicht nur, warum Wulff seinen politischen Ziehvater Helmut Kohl „knuddelig“ findet, auch sein Familienleben, die Trennung von seiner Ehefrau und die Erziehung der gemeinsamen Tochter kommen zur Sprache. Ebenso wie die von früher Verantwortung für die an Multipler Sklerose erkrankte Mutter geprägte Kindheit und Jugend.

Bundespolitischen Ambitionen erteilt er in dem Buch eine klare Absage. „Ich möcht’s nicht machen“, sagt Wulff auf die Frage, ob er sich das Amt des Bundeskanzlers vorstellen könne. Umfassend ausgelastet sei er, und die zusätzliche Dimension der internationalen Politik bei Angela Merkel und anderen auf Bundesebene in besseren Händen.

Man möchte es ihm glauben, zumal sich Christian Wulff auf der Glaubwürdigkeitsskala eh recht weit oben befindet. Denn Wulff ist kein Hau-Ruck-Politiker, er polarisiert nicht, ist ein selbst erklärter „Mann der Mitte“ – und keiner, der dafür bekannt ist, dass sich das, von dem, was er sagt, elementar von dem unterscheidet, was er tut. Doch selbst wenn er sich vorstellen könnte, nach Berlin zu gehen – sagen würde er es, zumindest zu diesem Zeitpunkt, wohl kaum. Denn es wäre unklug, sich frühzeitig aus der Deckung zu wagen.

Davon könnte Roland Koch profitieren – der Hesse gilt als schärfster Konkurrent für Wulff, wenn es um die personelle Neuausrichtung der Union nach Angela Merkels Kanzlerschaft geht. Zwei, die übrigens beide dem berühmt-berüchtigtem „Andenpakt“ angehören.

Was hat es damit eigentlich auf sich? Für Wulff ist es „einer der fröhlichsten, freundschaftlichsten Kreise“, die er kennen gelernt habe. „Ein überschaubarer Kreis von Leuten, die jung in der Politik angefangen haben und sich heute immer noch jung fühlen.“ Einzelne Medien hätten monatelang recherchiert, „und was die dann alles herausgefunden haben wollen (zum Beispiel das Gelübde der Pakt-Mitglieder, niemals gegeneinander anzutreten, Anm.) hat mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun.“

Wulff bleibt immer sachlich, es ist nicht seine Art andere schlecht zu machen. Lieber stellt er eigene Vorzüge heraus: „Die Bürger wissen, dass sie einen Ministerpräsidenten haben, der kommt wenn sie ihn einladen, der zuhören kann und seine Position verändern kann. Ich habe mir einen solchen Ministerpräsidenten immer gewünscht“.

Aber auch die eher unverständlichen Politiker-Äußerungen finden in diesem Buch ihren Platz. Auf die Frage, „was wirklich sozial ist“, verheddert sich Wulff in einem ziemlichen Sprachwirrwarr und kommt zu folgendem Schluss: „Dadurch, dass die, die viel leisten, auch Anerkennung erhalten und dadurch mehr leisten, kann für die, die weniger leisten, mehr Hilfe geleistet werden.“ Ah, ja.

Müller-Vogg ist kein harter Fragensteller, es gelingt ihm an keiner Stelle, Wulff zu provozieren. Somit ist er oftmals nicht mehr als der Stichwortgeber, der er eigentlich gar nicht sein will. Was sicher auch daran liegt, dass der generelle politische Konsens mit Wulff nicht zu übersehen ist.

Christian Wulff: „Besser die Wahrheit. Ein Gespräch mit Hugo Müller-Vogg“ ist erschienen im Hoffmann und Campe Verlag, hat 224 Seiten und kostet 17,95 Euro.

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