22. Dezember 2006
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Der Weihnachtsmann über lästige Verpackungen, seine Beziehung zu Beate Uhse, eine rauchende Kanzlerin und wie er „Killerspiele“ testet

© Jakob Buhre, Ralf Krämer
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Voriges Zitat""
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Herr Weihnachtsmann, fangen wir gleich mit einer heiklen Frage an: Warum habe ich 1982 kein BMX-Rad bekommen?
W: Haben Sie nicht? (zieht die Augenbrauen zusammen und holt ein Palm aus der Tasche) Das muss an der innerdeutschen Grenze gelegen haben. Wahrscheinlich ist der Auslieferer festgehalten worden... (der Weihnachtsmann recherchiert in seinem Palm)
Erfüllen Sie alle Wünsche?
W: Man muss sich nur das Richtige wünschen...
Was, wenn man sich nicht das Richtige wünscht?
W: Dann landet der Wunsch auf der Sollseite, manchmal wird er dann ein Jahr später erfüllt. Wir versuchen jedenfalls, die Neuverschuldung möglichst gering zu halten. Was aber bei einem weltweitagierenden Unternehmen wie dem unseren nicht so einfach ist. (das Palmbook piept, der Weihnachtsmann murmelt Unverständliches in seinen Bart) Moment. Sie haben sich 1982 gar kein BMX-Rad gewünscht! (strafender Blick)
Stimmt, das war nur eine Testfrage. Ich wollte sicher gehen, dass Sie auch der Weihnachtsmann sind. Sie arbeiten mit einem Palmbook?
W: Das ist vom Laster gefallen (er lacht), will sagen, da hat jemand ganz kurzfristig seinen Wunsch geändert. Der wollte dann doch lieber ein iBook. Mir wäre es umgekehrt lieber gewesen. Wir verschenken das dann im nächsten Jahr. Solange testen wir. Ich teste alle Geschenke.
Sie testen alle Geschenke?
W: Man muss ja wissen, was man verschenkt.
Testen Sie auch die so genannten „Killerspiele“?
W: Wenn’s sein muss. Es sind ja so viele Geschenke, da teste ich parallel. Ich leg mir Entspannungsmusik ein, positioniere eine Flasche Jim Beam neben der Tastatur und stell die Massageliege an. Vor jedem Schuss dreh ich mir dann einen Joint. Mehr als drei Schüsse hintereinander hab ich aber nicht geschafft. Bin eingeschlafen, muss an der Entspannungsmusik gelegen haben.
Kommen wir mal zur Gretchenfrage: Wie halten Sie’s mit der Politik?
W: Faust hab ich schon lange nicht mehr verschenkt, wird zu oft als Pflichtlektüre verwurstet, außerdem fehlt immer Teil 2. Das ist so, als würde man einen Bikini ohne Höschen verschenken.
Was aber auch einen gewissen Reiz hätte. (der Weihnachtsmann zieht eine Augenbraue hoch und sieht tief in meine Augen)
Ähem ... kommen wir nochmal auf die vorige Frage zu sprechen, wo würden Sie sich politisch einordnen?
W: Ich liebe politische Strömungen, die kurz vor dem Untergang stehen. Kapitalismus, Konsum und Weihnachten vertragen sich sehr gut.
Sie meinen, wir befinden uns auf einem sinkenden Schiff?
W: Sie sagen es. Ja, ich liebe das. Konsum bis zum Untergang.
Aha, was bekommt denn Angela Merkel zu Weihnachten?
W: Warten Sie ... (holt wieder seinen Palm raus)... also, da hätten wir... einen Pferdekalender, neue Hausschuhe, die Biografie von Claudia Roth, Halorenkugeln und eine Stange F6.
Die Kanzlerin raucht?
W: Klar, wussten Sie das nicht? Sie raucht natürlich nicht in der Öffentlichkeit, zumindest nicht in Restaurants oder Diskotheken (lacht sich schelmisch in seinen Bart). Das mit dem Rauchen wird in Deutschland im Moment ja sowieso vollkommen illegalisiert. Aber das hat uns im Tabakbereich dieses Jahr ein großes Umsatzplus beschert. Das sind eben richtige Hamsterwünscher, die Deutschen.
A propos illegal, verschenkt der Weihnachtsmann auch selbstgebrannte CDs?
W: Das mit dem Selbstgebrannten, das war schon immer ein Problem. Aber heutzutage kann man wenigstens nicht mehr blind davon werden. Maximal taub. Natürlich verschenke ich, was gewünscht wird. Und wenn sich jemand mit Abfahrtsski oder beim Bungee-Jumping das Genick brechen will, bitte. Ich hab auch schon gewünschte Gipsbeine und Verstopfung getestet.
Das wünschen sich die Leute?
W: Meistens nicht so direkt. Aber wir erfüllen auch indirekte Wünsche. Die meisten wünschen sich aber immer noch Spielzeug. Übrigens auch die Erwachsenen.
Nach welchen Kriterien bestimmen Sie, wer welche und wie viele Geschenke bekommt?
W: Wir haben da ein hochkomplexes statistisches Verfahren, das auf der Input-Seite durch die dynamische Gewichtung unterschiedlicher Einzelvariablen zu einem bestmöglichen Output kommt.
In den letzten Jahren sind Sie stark in die Kritik geraten, weil der Eindruck entstand, Sie würden reiche Kinder bevorzugen.
W: Ich ziehe die Bezeichnung Kundenbindung vor. Wir ermitteln, wer uns in den Vorjahren den größten Umsatz beschert hat und legen anhand dieser Zahlen fest, wer in der aktuellen Geschenkperiode am meisten bekommt. Selbstverständlich gibt es auch Treueprämien und Rabattaktionen.
Haben Sie kein Mitleid?
W: Auch wir haben mit der Globalisierung zu kämpfen. Wenn eine bestimmte Region dieser Welt in der Marktanalyse durchfällt, dann fallen unsere Investitionen dort eben geringer aus. Es geht hier nicht um meine persönliche Meinung. Man stelle sich vor, wir müssten Insolvenz oder Konkurs anmelden, weil wir ein unternehmerisch nicht tragbares Risiko eingegangen sind.
Umweltschützer haben Ihnen vorgeworfen, Sie würden Geschenke oft in aufwendigen, unnützen Verpackungen ausliefern, wodurch das Müllaufkommen zum Jahresende regelmäßig dramatisch ansteigt. Was sagen Sie dazu?
W: Die Verpackungen müssen bleiben.
Wieso?
W: Schauen Sie in den ersten Januarwochen mal in die Geschäfte! Die Menschen tauschen zu Tausenden die Geschenke. Trotz unserer statistischen Verfahren und gründlichen Recherchen kommt es bei ca. 18,34% der Leistungs-Empfänger zu Fehlgeschenken. Wir arbeiten seit Jahren an dieser Quote, aber bei diesen Mengen sind Fehler nun einmal nicht ganz zu vermeiden. Wenn unsere Geschenke ohne Verpackungen ausgeliefert werden, dann sind sie vom Umtausch ausgeschlossen. Deshalb brauchen wir die Verpackungen.
Herr Weihnachtsmann, wenn das Leben ein Comic ist, welche Figur wären Sie?
W: Lara Croft, unbedingt Lara Croft!
Aber Lara Croft ist eine Frau?
W: Und? Was spricht dagegen? Haben Sie sich noch nie solche Brüste gewünscht? Was denken Sie, wie viel Brust-OPs ich jedes Jahr verschenke.
Was glauben Sie, sind die Ursachen für solche Wünsche?
W: Woher soll ich das wissen? Bin ich Jesus? Nein, ich bin der Weihnachtsmann! Für die Neurosen dieser Gesellschaft bin ich nicht zuständig. Ich kümmere mich nur um die Geschenke.
Und auf was für Frauen steht der Weihnachtsmann?
W: Warten Sie mal, sind Sie etwa von der „Bild“, oder von der „Bravo“? Wir reden hier doch übers Geschäft und nicht über mein Privatleben, also bitte...
Es wurde in den Medien immer wieder darüber spekuliert, ob Ihre langjährige Partnerschaft mit Beate Uhse wirklich nur eine rein geschäftliche war.
W: Ach, was da immer geschrieben wird. Lächerlich! Ich habe ihr lediglich ein paar Tipps für ihren Laden gegeben. Ich weiß halt, was die Leute sich so wünschen. Und wir hatten viel Spaß beim Geschenke-Testen. Und ja, Sie mochte meinen Bart. Aber das ist doch klar, es gibt halt nur wenige Männer mit so einem langen Bart.
Der Bart ist über die Jahre zu Ihrem Markenzeichen geworden. Haben Sie den eigentlich versichert?
W: Nein, wozu das denn? Wenn der mal eines Tages abfallen sollte, dann wünsch ich mir halt ’nen neuen.
Äh, von wem denn?
W: Na, vom Weihnachtsmann. Glauben Sie etwa nicht an den Weihnachtsmann?
Online-Version: http://www.planet-interview.de/index.php?id=303 | © planet-interview.de | Foto: Jakob Buhre, Ralf Krämer
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