15. Februar 2003
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Musikmanager Thomas M. Stein über über den Alltag der 'Superstars', die Zeit nach dem DSDS-Finale, die Misere in der Musikindustrie und eine verbrannte Blockföte

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Thomas Michael Stein, geboren am 28. Februar 1949 in Stuttgart, ist ein deutscher Musikmanager. Er war u.a. Geschäftsführer der Firma Teldec, Vorsitzender von BMG Ariola und später President von BMG Europe. Im Jahr 2002 wurde er in die Jury der Casting-Show "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) berufen; BMG übernimmt bei DSDS die Vermarktung der auftretenden Musiker. Das folgende Interview entstand im Vorfeld des Finales der ersten Staffel.

"Wer sagt Ihnen, dass die Musiker, die im Fernsehen entwickelt werden, künstlich sind?"
Voriges Zitat"Der Fehler ist oft, dass sich die Plattenfirmen bei einer neuen Trendentwicklung sagen: wo Platz für einen ist, da ist auch Platz für zwei."
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Herr Stein, hätten Sie sich als Teenager selbst bei "Deutschland sucht den Superstar" beworben?
Stein: Nein, ich konnte als Teenager bei weitem nicht so gut singen, dass ich mir zugetraut hätte, mich vor so eine furchtbare Jury zu stellen.
Sie empfinden die Jury als furchtbar?
Stein: Nein, aber es ist doch ganz klar, dass ein Jugendlicher das als furchtbar empfinden muss.
Haben Sie denn als Kind ein Instrument gespielt?
Stein: Ja, ich habe Blockflöte gespielt. Die habe ich aber irgendwann verbrannt.
Guckt Ihre Familie im Moment "Deutschland sucht den Superstar"?
Stein: Ja das tut sie und man kann es natürlich nicht ganz verhindern, dass dann auch zu Hause darüber gesprochen wird. Da werde ich dann genauso kritisiert, wie ich auch von den Medien kritisiert werde - oder auch gelobt, das kommt auf die Sendung an. Meine Familie nimmt das jedenfalls als Unerhaltungssendung und meistens sind sie ganz begeistert von der Show.
Am 08. März ist nun Finale - kommt danach das große Aufatmen?
Stein: Ja, dann geht zumindest der normale Alltag wieder los. Das Wochenende habe ich dann wieder zur freien Verfügung, ich würde mich freuen, wieder mal Snowboard zu fahren. Trotzdem ist es natürlich wichtig, dass das Interesse an der Sendung weiterhin erhalten bleibt und dass wir sorgsam mit den Talenten umgehen. Das sind die Aufgaben, die uns auch nach dem Finale sehr beschäftigen werden.
Wie sieht denn Ihr Kontakt zu den Kandidaten im Moment aus?
Stein: Ich sehe sie nicht so oft, aber ich telefoniere regelmäßig mit ihnen. Wir arbeiten ja mit manchen schon auf unterschiedlichen Ebenen zusammen und halten engen Kontakt.
Wie gehen die Kandidaten in Ihren Augen mit dem Druck um, der auf ihnen lastet?
Stein: Man merkt schon, dass die Anspannung von jetzt so kurz vor dem Finale enorm groß ist. Andererseits sind sie durch die letzten Monate auch sehr gestählt, das wissen sie positiv auszunutzen.
Ist der Alltag von Daniel, Juliette und Alexander im Moment vielleicht extremer als der eines richtigen Superstars?
Stein: Das mag sein, weil der Aufbau innerhalb eines sehr kompakten Zeitraum von sechs Monaten geschieht. Wie die Zeit nach dem Finale aussehen wird kann man jetzt natürlich noch nicht sagen.
Was meinen Sie, welche Stars können sich heute im Geschäft länger halten, die künstlichen, im Fernsehen erschaffenen oder die echten Künstler?
Stein: Wer sagt Ihnen, dass die, die im Fernsehen entwickelt werden, künstlich sind? Das ist meines Erachtens eine falsche Einschätzung, denn die richtige Arbeit fängt für die Interpreten erst nach der letzten Sendung an. Und dann muss man mal zwei Jahre warten und sehen, ob das nur künstlich war oder nicht. Im Moment glaube ich jedenfalls, dass viele der Teilnehmer das Potential haben, sich über diesen durch die Sendung entstandenen Popularitätsrahmen hinaus zu entwickeln.
Aber werden die jemals ihre Songs selbst schreiben?
Stein: Wieso sollten sie das nicht. Der Nektarios hatte schon Songs selbst geschrieben, Alexander auch. Die sind zwar noch nicht so ausgereift aber das ist entwicklungsfähig. Der Alexander beispielsweise spielt Klavier, Daniel ein bisschen Gitarre und damit sind sie auf dem besten Weg, Musik zu machen.
Aber für Ihre Plattenfirma wird es doch sicher einfacher und weniger riskant sein, denen einen ordentlichen Songschreiber und Produzenten zur Seite zu stellen.
Stein: Die Lösung liegt doch darin, für den Interpreten den richtigen Produzent zu finden, damit man gemeinsam das richtige Produkt entwickelt. In der Musikindustrie wechseln die Produzenten ja sehr häufig, weil die Interpreten ihre eigene Kreativität mit einbringen. Daher würde ich das nicht zu einseitig sehen.
Sie haben jetzt viele Samstage auf der Jury-Bank gesessen. Fanden Sie nicht manchmal, dass die Schminke bei den 'Superstars' ganz schön dick aufgetragen war?
Stein: Schminken gehört zum Geschäft. Wenn Sie in den Zirkus gehen, wird ein achtjähriger Trapezkünstler für seinen Auftritt ebenso geschminkt. Auch die ganz normalen Kinder fangen doch heute schon mit 13 Jahren an, sich zu schminken - das ist doch ein ganz normaler Vorgang.
Ich muss sagen, mir fehlte bei den Teilnehmern aber oft die Natürlichkeit.
Stein: Aber die Natürlichkeit hat doch mit dem Schminken nichts zu tun. Die Natürlichkeit ist das Transportmittel, welches zeigt, dass hinter der Maske mehr ist, als nur die Maske als solches. Man muss natürlich aufpassen, dass man diese Natürlichkeit nicht irgendwann verliert.
Und diese Gefahr ist bei den Superstars nicht gerade gering...
Stein: ... weshalb sie jetzt vor allem ein starkes Selbstbewusstsein bekommen müssen, damit sie diesen Gefahren nicht so schnell erlegen sind. Aber diese Risiken und Gefahren sind immer da, das trifft in gewisser Weise ja auf alle Künstler zu, die erfolgreich sind.
Die Musikindustrie hat nun schon seit längerem eine große wirtschaftliche Misere zu beklagen, Kritiker machen aber oft die Plattenfirmen selbst für die Missstände verantwortlich, weil sie immer mehr austauschbare und kopierte Produkte auf den Markt bringen. Wie sieht Ihr Standpunkt dazu aus?
Stein: Die Kritik ist sicher nicht unberechtigt und daran müssen wir arbeiten. Der Fehler ist oft, dass sich die Plattenfirmen bei einer neuen Trendentwicklung sagen: wo Platz für einen ist, da ist auch Platz für zwei. Anderseits ist es auch eine Koordinationsfrage. Die großen Plattenfirmen arbeiten international, da kann es schon passieren, dass es hier und da sehr artverwandte Projekte gibt. Zu verhindern ist das nur, indem man vor allem den Informationsaustausch verbessert.
Nun gibt es Gerüchte, nach denen Dieter Bohlen bei seinen Superstar-Songs auf altes Material zurückgegriffen hat.
Stein: Für mich hat sich diese Frage nicht gestellt: die Verkaufszahlen von bisher rund 600000 verkaufter CDs sprechen doch für sich! Sie sind der beste Beweis, dass die Menschen Dieter Bohlens Songs von "United" mögen.
Haben Sie denn früher Musik von Dieter Bohlen gehört?
Stein: Ja, keine Frage. Dieter Bohlen hat Gute-Laune-Musik gemacht, das hat jeder gehört.
Und mochten Sie Modern Talking?
Stein: Ich kann nur sagen, dass Thomas Anders damals wie heute eine gute Stimme hat.
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