09. Mai 2005
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Jungschauspieler Sebastian Butz über seine Rolle in dem Film "Netto" und soziale, gesellschaftliche Probleme in Deutschland

© stardust filmverleih
Sebastian Butz, 1988 geboren, feierte in Hans Weingärtners Spielfilm "Die fetten Jahre sind vorbei" sein kleines Kino-Debüt und stand darüber hinaus in dem Stück "Wild Boys" auf der Bühne des Maxim Gorki Theaters in Berlin und agierte 2002 im Rahmen des Internetprojekts "hamlet_x part 02" (Regie: Thomas Fritsch) in der Rolle des Hamlet. In dem hochgelobten Film "Netto" spielte er 2005 als "Sebastian" seine erste große Kino-Hauptrolle. Aus diesem Anlass traf sich David Sarkar mit Sebastian Butz im April 2005 zum Interview.
"Der Erfolg kann gerne auch noch anhalten, aber auf jeden Fall werde ich jetzt erstmal mein Abitur machen."
Voriges Zitat""
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Sebastian, wie kam es zu deiner Mitwirkung an dem Film "Netto"?
Butz: Ich habe mit dem Regisseur Robert Thalheim bereits an dem Theaterstück "Wild Boys" am Maxim Gorki Theater in Berlin zusammen gearbeitet und als er mir dann von seinem neuen Filmprojekt erzählt hat und mir eine Rolle anbot, habe ich sofort zugesagt.
Der Film wurde in nur 17 Tagen mit sehr geringem Budget, einem kleinen Team und mit Mini-DV-Kamera in Berlin gedreht. Und obwohl ein Drehbuch vorhanden war, wurden viele Szenen improvisiert und ohne Proben durchgespielt. Wie bist du mit diesen ungewöhnlichen Arbeitsbedingungen umgegangen?
Butz: Ich habe es als sehr befreiend empfunden, da ich so die Möglichkeit hatte, mich in vielen Dialogen und Szenen selbst zu verwirklichen und in die Rolle des Sebastian auch viele persönliche Aspekte einbauen konnte. Dadurch bekommt der Film eine große Authentizität, die er mit einem vorgefertigten Drehbuch wahrscheinlich nicht gehabt hätte.
Das gesamte Team hat für den Film auf jegliche Gage verzichtet. Fiel dir das schwer?
Butz: Sicherlich waren die Dreharbeiten manchmal ziemlich anstregend, aber weil ich Robert kannte und "Netto" ursprünglich auch nur als Semesterabschlussfilm gedacht war, war es letztendlich kein Problem für mich, auf die Gage zu verzichten. Um so schöner ist es, zu sehen, dass der Film jetzt mit großem Erfolg in den Kinos läuft, von der Presse gelobt wird und sogar schon zwei Preise bekommen hat. Mit so etwas hätte keiner von uns je gerechnet!
Wie gehst du mit diesem Erfolg um?
Butz: Ich finde es sehr schön, dass unsere Arbeit so gut beim Publikum ankommt und freue mich natürlich auch über das Lob hinsichtlich meiner schauspielerischen Leistung. Der Erfolg kann gerne auch noch anhalten, aber auf jeden Fall werde ich jetzt erstmal mein Abitur machen. Im Moment hat sich mein Leben durch diesen Filmerfolg noch nicht sonderlich verändert, da bin ich auch ganz froh drüber!
Kommen wir mal zum Film: es gibt da diese Liebe zwischen Sebastian und Nora, wobei du als schüchterner Sebastian von der neuen Freundin oftmals überrumpelt wirst. Kennst du das auch aus dem richtigen Leben?
Butz: Also, zum Beispiel die Liebesszene auf dem Dachboden stand nicht im Drehbuch, sondern war rein improvisiert. Wir bekamen die Regieanweisung, dass wir heftiger flirten sollen als es wir es bis dahin getan hatten und ansonsten konnten wir die Szene durch unsere eigenen Dialoge füllen. In Wirklichkeit hätte ich mich wahrscheinlich auch so schüchtern wie Sebastian verhalten, denn ich bin einfach nicht so der Draufgänger-Typ wie Nora, sondern lasse alles lieber etwas langsamer angehen.
Neben der Liebe spielt im Film auch das Ideal der Freundschaft eine wichtige Rolle. Wie wichtig ist sie für dich?
Butz: Freundschaften und die Gewissheit, dass man Menschen hat, die einem in schwierigen Situationen helfen und für einen da sind, sind ein wichtiger Bestandteil in meinem Leben. Ohne Freunde könnte ich nicht leben!
Wie haben dein privates Umfeld und deine Freunde in der Schule auf den Kinostart von "Netto" reagiert?
Butz: Die meisten meiner Schulkollegen und Freunde haben den Film noch nicht gesehen, da er in Berlin nur in wenigen ausgewählten Kinos läuft und viele von denen in Potsdam ins Kino gehen, doch bisher waren eigentlich alle begeistert!
Inwiefern hast du schon einmal Neid zu spüren bekommen?
Butz: Ich habe Neid, bezogen auf meine Arbeit, glücklicherweise noch nicht mitbekommen. Meine Freunde und Lehrer standen bisher immer voll und ganz hinter mir und freuen sich über meine Projekte und Erfolge. Ich hoffe, dass das auch so bleibt.
Ein zentrales Thema in "Netto" ist die Arbeitslosigkeit - hattest du dich vor den Dreharbeiten schon einmal mit dieser Problematik befasst?
Butz: Ja, man kriegt das ja aus der täglichen Berichterstattung durch die Medien mit, und auch im Bekanntenkreis ist man ja gelegentlich damit konfrontiert. Arbeitslosigkeit ist in Deutschland ein ständig präsentes Thema und ich kann auch die Perspektivlosigkeit dieser Menschen sehr gut verstehen. Als sich mein Filmvater für den Job als Bodyguard bewirbt, muss er frustiert feststellen, dass für zwei Stellen 300 Bewerbungen eingegangen sind und die Personalabteilung sich nicht mal mehr an seinen Namen erinnern kann. Das gibt einem schon sehr zu denken...
Hast du als Jugendlicher manchmal Angst vor der Gefahr späterer Arbeitslosigkeit?
Butz: Sicherlich mache ich mir viele Gedanken über die Zukunft, denn ich habe jetzt noch zwei Jahre bis zum Abitur und wenn man sich mit Leuten über seine Berufspläne unterhält, wird einem ja immer wieder klargemacht, wie unsicher und hart der Arbeitsmarkt mittlerweile ist und dass sowieso nur die wenigsten wirklich ihren Wunschberuf bekommen. Das ist dann ja alles nicht unbedingt motivierend.
Wo liegen, deiner Meinung nach, die Gründe für die momentane Gesellschaftssituation?
Butz: Das heutige kapitalitstische System wird immer schärfer kritisiert, nur gibt es eben kaum konstruktive Lösungsvorschläge, an die man sich halten könnte. Durch die zunehmende EU-Osterweiterung besteht außerdem die Gefahr, dass sich Unzufriedenheit in der Bevölkerung breit macht. Und durch die Arbeitslosigkeit und der damit verbundenen Frustation tritt zunehmend auch wieder rechtes Gedankengut auf, und die Leute geben extremen Parteien wie der NPD ihre Stimme, weil sie denken, diese Parteien könnten das Problem lösen.

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Inwiefern hast du Angst vor dieser Entwicklung?
Butz: Ich finde es sehr bedrückend und kann nicht verstehen, wie man dieses ausländerfeindliche Gedankengut für positiv befinden kann. In vielen Schichten der Bevölkerung herrschen immer noch viele Voruteile gegenüber Ausländern, doch ich hoffe und wünsche mir, dass es nie wieder zu so einem grausamen Holocaust wie vor 60 Jahren kommt. Man sollte und müsste, aus dem was sich damals ereignet hat, eigentlich eine Lehre gezogen haben, und verfassungsrechtlich wurden sicherlich auch viele Vorkehrungen getroffen, die eine Wiederholung des dritten Reiches unmöglich machen. Dennoch ist das Wiedererstarken dieser rechen Parteien natürlich bedenklich.
Glaubst du, dass sich die gesellschaftliche Situation in Zukunft verbessern wird?
Butz: Man soll ja immer optimistisch bleiben, doch es wundert mich schon manchmal, dass wir trotz aller Einschnitte immer noch einen relativ hohen Lebensstandard gegenüber vielen Entwicklungsländer genießen. Und obwohl die westlichen Nationen die Kapazitäten hätten, um alle armen Länder dieser Welt materiell zu versorgen, werden diese Länder im Stich gelassen. Auch in Bezug auf die globale Klimaerwärmung muss dringend etwas passieren, die Regierungen sollten ein Exempel statuieren, um diese gefährliche Entwicklung aufzuhalten.
Einmal angenommen, du wärest Bundeskanzler in Deutschland - was würdest du ändern, um die Menschen wieder in Arbeit zu bringen und die gesellschaftlichen Probleme zu lösen?
Butz: Das ist eine sehr gute Frage! Erst mal müsste ich natürlich genau analysieren, wo die Probleme ihren Ursprung haben und mich in die einzelnen Themenbereiche einarbeiten. Auf jeden Fall würde ich mich verstärkt für die Umwelt einsetzen, denn was bringt es, wenn wir keine Arbeitslosen mehr haben, aber dafür unsere gesamte Umwelt zerstört ist?
Könntest du dir vorstellen später einmal im politischen Bereich zu arbeiten?
Butz: Das würde mich schon reizen und sicherlich wäre es auch interessant, wenn man wirklich etwas zum Positiven hin verändern könnte. Es ist jetzt aber nicht mein oberstes Ziel, in die Politik zu gehen.
Sondern?
Butz: Natürlich würde es mich reizen, später als Schauspieler zu arbeiten, doch wenn man dann keine Angebote mehr bekommt, hängt man in der Luft und das ist dann finanziell gesehen auch nicht so günstig. Ich denke ,nach dem Abitur werde ich erst mal ein Geschichts-Studium anpeilen.
Unsere Schlussfrage: Das Leben ist ein Comic - welche Figur bist du?
Butz: Ich wäre eine Art Bio-Superman, der versucht die Welt vor der totalen globalen Erwärmung zu retten!
Online-Version: http://www.planet-interview.de/index.php?id=777 | © planet-interview.de | Foto: stardust filmverleih
21:43 Uhr, am 30. Januar 2009 | stefanie glapski
ich möchte gerne ein klassentreffen organiesieren. hilfst du mir?
19:56 Uhr, am 05. August 2006 | Daniel
Lieber Sebastian!!!
Der Film Netto ist einfach super geil... Der Film ist bei mir so gut angekommen, dass ich ihn gern noch einmal gesehen hätte!!! Aber das ZDF leider kein Wiederholungstermin hat... Du hast die Rolle spitze gespielt und geile Klamotten getragen... Ich würde auch gern eine Autogrammkarte von Dir haben: FaberMunster@aol.com... Liebe Grüße
» Ich betrachte die Heimatlosigkeit als etwas Positives.«
Focus Online 27.01.
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RP Online 14.01.
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