Michael Winterbottom über seinen Film "In this World", für den er mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde

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Mr. Winterbottom, in Ihrem Film "In this World" begleiten Sie zwei afghanische Flüchtlinge auf ihrem Weg nach London. Was hat Sie veranlasst so eine Geschichte auf die Leinwand zu bringen?
Winterbottom: Wir kamen auf die Idee zum Film über Berichte aus der Presse, über Menschen, die aus Afghanistan geflüchtet sind und deren Schicksale. Und nachdem wir uns etwas genauer mit dem Thema befasst hatten, wussten wir, in welcher Gegend wir solche einen Film beginnen und wo enden lassen würden. Wir haben dann Leute getroffen, die in England Asyl beantragt haben, Flüchtlinge, die uns immer mehr Geschichten erzählt haben. Dann sind wir nach Afghanistan gegangen und haben einmal die Fluchroute aus Afghanistan durch den Iran in die Türkei verfolgt, wobei schon die ersten Aufnahmen entstanden sind.
Wer waren diese beiden Jungen, Ihre Hauptdarsteller, wo haben Sie die gefunden?
Winterbottom: Wir sind einige Monate, bevor wir mit dem Drehen beginnen wollten nach Peshawar in Pakistan gefahren, wo Tausende von afghanischen Flüchtlingen lebten, es gab also wirklich kein Problem Flüchtlinge zu finden. Wir haben also zwei gesucht, die mit uns so einen Film machen wollten, denen so eine Arbeit gefallen würde. Und sie mussten Englisch sprechen können, denn sonst wäre die Arbeit noch um einiges schwieriger geworden.
Nach den Dreharbeiten wurden beide wieder Jungen wieder nach Peshawar gebracht. Aber der eine, Jamal, ist inzwischen tatsächlich wieder nach Großbritannien gekommen und hat Asyl beantragt.
Wie schwierig war des denn für Sie, in den verschiedenen Ländern zu drehen?
Winterbottom: Es war nicht so schwierig an den verschiedenen Orten eine Dreherlaubnis zu bekommen. Ein größeres Problem war aber, die beiden Jungen über die jeweiligen Grenzen zu bekommen. Zuerst haben wir den legalen Weg gesucht und beiden richtige Pässe in Kabul ausstellen lassen, aber als wir dann wieder in Pakistan ankamen, meinten die dortigen Behörden, die Jungen bräuchten ein Visum. Die Filmcrew konnte ungestört reisen, aber die Jungen hat man nicht gelassen, weshalb wir es dann halt auf andere Weise probiert haben.
Wieso haben Sie den Film "In this World" genannt?
Winterbottom: Wir hatten viele Titel für den Film, muss ich sagen. Als wir den Film gedreht haben, mussten wir das den Behörden immer als einen Dokumentarfilm verkaufen, zum Beispiel haben wir oft behauptet, wir würden einen Dokumentarfilm über die altertümliche Seidenstrasse. Auf den endgültigen Titel kamen wir dann, als wir an den Untertiteln gearbeitet haben. Jamal hat uns dabei geholfen und als wir die Szene bearbeiteten, in der Jamal im Film aus London seine Eltern anruft und ihnen mitteilt, dass sein Bruder unterwegs gestorben ist, hatten wir das mit "er ist tot" übersetzt. Aber wir lagen falsch, Jamal hatte gesagt: "er ist nicht mehr in dieser Welt".
Sehen Sie Parallelen zwischen Ihren Arbeiten "Welcome to Sarajevo" und "In this World"?
Winterbottom: Also offensichtlich ist ja die Gemeinsamkeit, dass sich beide Filme auf reale Geschehnisse beziehen. Und beide Filme machen auf eine missliche Situation aufmerksam, so reagiert "In this World" ja auf die Zuwanderungsdebatten in Europa, die oft von manchen Politikern mit extremen Äußerungen in die falsche Richtung geführt wird.
Was wäre die richtige Richtung?
Winterbottom: Ich finde, selbst wenn Menschen aus wirtschaftlichen Gründen aus Ihrem Land flüchten, muss man Sie in Europa aufnehmen. Ich habe aber in den letzten Jahren gemerkt, dass es in Europa generell eine sehr feindselige Haltung gegenüber Flüchtlingen gibt. Wenn ich das mit Amerika vergleiche, die amerikanische Geschichte basiert ja sozusagen auf Migration. Und die Immigranten werden dort akzeptiert, auch ihre Kultur, es behandeln ja auch viele amerikanische Filme dieses Thema. Für Europa sehe ich es daher als eine große Schande, dass die Menschen hier noch nicht genauso weit sind. Ich hoffe, ich kann wenigstens mit diesem Film zu einer Veränderung beitragen.
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