09. August 2006
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Leslie Feist über Festivalwetter, ihre deutschen Vorfahren, Remixe und ihr nächstes Album

© Universal Music
Leslie Feist wurde am 13. Februar 1976 in Amherst, Kanada geboren. Das Debütalbum von Feist "Monarch (Lay Your Jewelled Head Down)" erschien 1999. Es folgten 2004 "Let It Die" und 2007 "The Reminder". Das Remix-Album "Open Season" erschien 2006.
"Als ich das erste Jahr auf Tour war, habe ich mich heimatlos gefühlt und war verwirrt. Jetzt habe ich eine Band – die sind wie meine Brüder. Das macht das Leben so viel einfacher."
Voriges Zitat""
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Leslie, du hast vor kurzem auf dem Immergut Festival in gespielt, wie war dein Eindruck vom Festival?
Feist: (lacht) Als ich ankam, musste ich erst mal lachen. Denn egal, auf welches Festival man kommt, ob es in Amerika, Kanada, Belgien oder Deutschland ist: Immer tragen die Leute Winter-Klamotten. Man ist draußen auf dem Land und dort ist es kälter als man denkt. Und irgendwie regnet es auch immer. Aber das macht Festivals auch so interessant und stark. Ich finde, das Wetter ist ein guter Equalizer. Ich habe einmal in Kanada auf einem Festival gespielt und plötzlich fing es an, zu blitzen und zu donnern. Jeder musste rennen, um sich unterzustellen bei diesem 20-minütigen Gewittereinbruch. Das war das Gesprächsthema für den Rest des Wochenendes. Und jeder war total dreckig.
Es muss ungefähr ein Jahr her sein, dass ich Feist für mich entdeckt habe. Und von Anfang an wollte ich wissen, was es mit dem Namen auf sich hat. Ist Feist ein deutscher Name?
Feist: Ja, beide Teile meiner Familie kommen aus Deutschland. Der Name meiner Familie mütterlicherseits ist Achen. Ihre Vorfahren kamen aus Aachen, aber in Kanada wurde ein A gestrichen und man spricht es dort „Eken“ aus. Feist ist der Name der Familie meines Vaters, sie kam aus Trier. Allerdings sind die Vorfahren meines Vaters schon 1830 oder so ausgewandert. Und ich bin in Kanada aufgewachsen – ohne irgendeine besondere Bindung zu Deutschland. Es wurden keine deutschen Traditionen bewahrt über diesen langen Zeitraum.
Dein letztes Album „Open Season“ bestand allein aus Remixen. Wie ist dieses Projekt entstanden?
Feist: Eigentlich weiß ich nicht, warum dieses Album veröffentlicht wurde. Ich dachte, es wäre so eine Brücke zwischen dem alten und dem neuen Album. Aber jetzt lenkt es die Leute von ihrer Neugier auf das nächste Album ab. Es sind nur Remixe und alles was ich daran gemacht habe, ist die Leute zusammenzubringen, die ich mag und sie zusammen auf ein Album zu packen.
Im Booklet von „Open Season“ schreibst du, dass du gar nicht genau wusstest, was Remixe eigentlich sind. Hat sich das inzwischen geändert? Hast du jetzt ein anderes Verständnis oder ein anderes Gefühl für Remixe?
Feist: Es gibt eine riesige Community von Leuten, die Remixe machen und sammeln. Ich kann nicht sagen, dass ich da drin stecke und mich auskenne, aber ich habe verstanden, worum es geht. Im Grunde werden die Songs nur neu abgemischt. Es sind Re-Makes. Aber das ist eigentlich nichts, was ich besonders interessant finde. In meinem Fall fand ich nur diese speziellen Remixe musikalisch interessant. Aber sie stehen nicht für sich allein als Songs, sondern hängen mit meinem alten Album zusammen. Es ist, als ob mein Baby „Let it die“ erwachsen und selbständig geworden, von zu Hause weggegangen und mit völlig anderen Klamotten zurückgekommen ist. Ich mag die Remixe, besonders die VV-Mixe am Ende der Platte. Aber ich wollte gar nicht, dass „Open Season“ so viel Aufmerksamkeit erhält. Ich dachte, dass nur Leute, die Remixe mögen, die Platte entdecken würden.
Beim Reinhören dachte ich, dass es mehr ein Album für Club-DJs sei.
Feist: Ja, ich auch. Aber jetzt weiß jeder davon und ich bin irgendwie ein bisschen enttäuscht. Denn ich möchte nicht, dass die Leute „Open Season“ hören und damit ihre Neugier auf mein nächstes Album stillen. Denn das nächste Album bedeutet mir viel mehr und ist etwas ganz Besonderes für mich.
Was können wir denn erwarten?
Feist: Ich weiß nicht. Es ist ja noch nicht fertig. Mit „Let it die“ war es so, als ob man einen vertrauten Geruch wahrnimmt, der Erinnerungen weckt, aber man nicht weiß, wo diese Erinnerungen herkommen. Bei dem neuen Album habe ich das Gefühl, dass es das alte auf eine bestimmte Art vollendet. Es geht tiefer als „Let it die“, aber in derselben Art von Melodie, Gefühl und Schlichtheit. Und es wird mehr Live-Instrumente geben.
Du hast auch den Song „Fighting away the tears“ mit Mocky zusammen aufgenommen. Wie kam es überhaupt zu der Zusammenarbeit mir Mocky?
Feist: Ich kenne ihn jetzt fast seit zehn Jahren, noch aus Kanada. Er ist in derselben Crew wie ich, zu der auch Peaches, Gonzales, Taylor Savvy oder The World Provider gehören. Wir sind sozusagen eine Gang. Und Mocky arbeitet auch mit mir an meinem neuen Album. Er hat viel Percussions gespielt und die Songs mitarrangiert.

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Du wohnst in Paris, deine Familie und viele deiner Freunde leben in Kanada und dann kommen noch die Touren in der ganzen Welt dazu. Erfüllt das viele Herumreisen dein Leben? Droht man nicht einsam zu werden?
Feist: Nein. Aber ich kann das auch mit nichts vergleichen. Es ist mein Leben geworden. Ich bereue nichts. Ich liebe, was ich tue. Und jetzt habe ich eine Band – die sind wie meine Brüder, richtige Freunde. Das macht das Leben so viel einfacher. Es ist, als ob man sein zu Hause mit auf Reisen nimmt. Als ich das erste Jahr auf Tour war, habe ich mich heimatlos gefühlt und war verwirrt. Mein Körper hat mir das gezeigt, ich war ständig müde. Ich wusste nichts mit mir anzufangen. Aber wenn man über diesen körperlichen Punkt hinweg ist, und sich an den ständigen Wechsel des Tagesrhythmus gewöhnt hat, dann fühlt man sich wesentlich besser. Ich denke schon, dass ich eines Tages mein Zuhause an einem festen Ort finden werde. Aber das hat keine Eile. Das heißt wohl, dass ich jetzt zufrieden damit bin, wie ich lebe. (lacht)
Kurz: Die Musik ist dein Leben?
Feist: Ja. Es ist mehr die Freundschaft, die die Musik macht. Heute Abend werde ich allein spielen und das ist sehr interessant für mich. Denn es gab eine Zeit, in der ich nur solo aufgetreten bin. Und das hat mich irgendwann verrückt gemacht. Denn du machst die Musik nicht mit jemandem zusammen. Sie verändert sich nicht, wächst nicht. Aber jetzt macht es wieder Spaß, alleine aufzutreten.
Online-Version: http://www.planet-interview.de/index.php?id=387 | © planet-interview.de | Foto: Universal Music
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