13. November 2006
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Schauspielerin Katja Flint über "Franziskas Gespür für Männer", Definitionen von Liebe, schlechte Drehbücher und Charakter-Rollen

© ZDF
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Frau Flint, zwei Jahre nach der kriminalistischen Liebesgeschichte „21 Liebesbriefe“ spielen Sie erneut die Hauptrolle als Franziska in dem Film „Franziskas Gespür für Männer“. Wird daraus bald eine Serie?
Flint: Wir haben bereits einen dritten Teil gedreht, es ist eine lose Reihe. Das war auch von Anfang an unser Wunsch, als die Idee zu der Franziska Luginsland ins Leben gerufen wurde. Ich habe irgendwann den Produzenten Oliver Berben angesprochen, wie er diese Idee findet und es gefiel ihm. Dann habe ich Friedrich Ani als Autor sowie Nina Grosse als Regisseurin vorgeschlagen und fand Zustimmung bei Oliver Berben. Daraufhin haben wir das ZDF angesprochen und so kam das Projekt ins Rollen.
Und Sie selbst haben die Figur der Franziska erfunden?
Flint: Nein, die Franziska wurde in all ihren Details von unseren Autoren Friedrich Ani und Nina Grosse erfunden. Ich hatte nur die Grundidee, dass es sich um eine Detektivfigur handelt. Wir haben dann gemeinsam diese Idee weiterentwickelt und beschlossen, dass die Figur ein Hobby-Detektiv darstellt. Zu dieser Zeit hatte ich allerdings schon genauere Vorstellungen, wie Franziska ungefähr aussieht und dass sie ihren Lebensmittelpunkt nicht im Villenviertel von München hat, sondern in einfacheren Verhältnissen.
Das ZDF bezeichnet den Film als „kriminalistischen Liebesfilm“. Ist „Franziskas Gespür für Männer“ mehr ein Krimi oder ein Liebesfilm?
Flint: Beides zu gleichen Teilen. Man könnte den Film auch als poetischen Krimi bezeichnen. Und er hat sehr viel Humor. Es war mir immer wichtig, dass der Film Humor, Poesie und Magie hat. Franziska ist eine sehnsüchtige Träumerin. Sie sucht nach der grossen Liebe und findet einen Kriminalfall der sie wieder einmal so fasziniert, dass sie ihre Nase hineinstecken muss.
In„Franziskas Gespür für Männer“ ermitteln Sie in der Single-Szene, wo auch die Partner-Suche über das Internet eine wichtige Rolle spielt. Wäre das auch was für Sie?
Flint: Also, ich könnte mir das nicht vorstellen. Aber es gibt ja durchaus Leute, die über das Internet mit Erfolg einen Partner kennen lernen.
Haben Sie denn schon einmal reingeguckt?
Flint: Nein, ich bin ein Computer-Idiot.
Der Film zeigt Menschen, die dem Single-Dasein entfliehen wollen – in einer Selbsthilfegruppe, beim „Candle-Night-Dinner“...
Flint: Das Thema des Films ist die Einsamkeit. Er zeigt verschiedene Formen von Einsamkeit bis zum Extrem. Ich glaube, dass sich jeder Single mit irgendeiner Figur des Filmes identifizieren kann.
Suchen diese Menschen eigentlich Liebe oder einen Partner? Gibt es da einen Unterschied?
Flint: Die Leute in der Geschichte suchen beides. Sie suchen Liebe. Sie suchen einen Partner, der die Einsamkeit beendet.
Wie definieren Sie selber Liebe?
Flint: Es gibt ja sehr viele Formen der Liebe. Die Liebe zwischen Geschwistern oder die Liebe zu meinem Kind ist etwas anderes als die Liebe zwischen Mann und Frau.
Vom Film hergeleitet meine ich die Liebe zwischen Mann und Frau.
Flint: Das ist eine schwierige Frage.
Ich finde, die Frage steckt in dem Film. Als Zuschauer hat man den Eindruck, dass alle Figuren etwas anderes suchen und damit die Frage nach der Definition der Liebe stehen lassen.
Flint: Was die meisten Leute in dem Film suchen und was auch mit meinem Verständnis von Liebe zusammenhängt ist ein Gefühl von Geborgenheit. Sie wünschen sich, dass die gegenseitige Anlehnungsbedürftigkeit erfüllt wird. Gemeinsamkeit, Trost, und Glück finden.
Sie zählen zur Elite der deutschen Schauspieler. Zählt diese Rolle zu einem wichtigen Baustein ihrer Karriere?
Flint: Solche Begriffe wie „Elite der deutschen Schauspieler“ finde ich unpassend. Jede Rolle ist ein Baustein – das gehört alles zusammen.
Bauen Sie bewusst an der Marke Katja Flint?
Flint: Nein. Das eine entwickelt sich aus dem anderen. Das ergibt sich alles so. Und bei manchen Projekten spreche ich mit den Autoren, Produzenten und Regisseuren schon während der Zeit des Entstehens. Das ist zwar ein zusätzlicher Arbeitsaufwand, aber dieser Aufwand verbindet mich mehr mit dem Film. So ist das dann ein bisschen auch mein Baby. Das macht die Sache noch intensiver.
Macht Ihnen die Arbeit dann mehr Freude, wenn Sie sich stärker mit dem Projekt identifizieren ?
Flint: Auf der einen Seite macht mir das mehr Freude, auf der anderen Seite macht es die Sache manchmal schwieriger. Es ist einfacher, wenn ich nur nach dem Drehbuch entschiede, ob ich an dem angebotenen Projekt teilnehme oder nicht. Wenn ich an dem Projekt von Anfang an mitwirke und es entwickelt sich nicht positiv, dann kann ich nicht einfach aussteigen. Dann bin ich mit im Boot und muss die Probleme und Schwierigkeiten mittragen.
Gilt das auch für den aktuellen Film „Franziskas Gespür für Männer“?
Flint: In diesem Fall war das gar nicht schwierig, weil das alles von selber ging. Aber es gibt andere Projekte bei denen ich mitgewirkt hatte, wo ich einen enormen Arbeitsaufwand hatte und es zwischendurch nicht sehr gut aussah.
Verfolgen Sie mit dieser Arbeit auch die Idee, abseits der Schauspielerei Fuß zu fassen?
Flint: Nein. Mir gefiel es einfach nicht, dass man als Schauspieler so tatenlos dasitzt und auf Anrufe warten muss. Man ist dem relativ hilflos ausgeliefert, was einem so angeboten wird.
Sie wollten aktiv sein und mitgestalten?
Flint: Ja. Manchmal sind die Drehbücher, die man angeboten bekommt, so schlecht, dass man nur die Hände über den Kopf zusammenschlagen kann, dass so etwas überhaupt verschickt wird. Aber es ist nun einmal so, dass die Gagen nicht so großartig sind, dass man immer ablehnen kann. Diese Hilflosigkeit hat mir nicht gefallen und ich habe mir überlegt, was zu tun ist, um das zu ändern. Ich habe mir gedacht, dass mir im Vergleich zu einem Großteil der angebotenen Drehbücher selbst etwas besseres einfällt. Also lass ich mir was einfallen und versuche fähige Autoren und Regisseure für diese Ideen zu gewinnen.
Was werden Sie als Nächstes machen? Welche Rolle wollen Sie gerne einmal spielen?
Flint: Die Rollen, die mich für die Zukunft interessieren, sind Charakter-Rollen. Frauen, die ein gewisses Alter erreicht haben und bei denen die Spuren des Lebens sichtbar werden. Heutzutage interessieren mich weniger die glamourösen Schönheiten, die makellosen, gut angezogenen Traumfrauen, sondern Frauen, die schon die eine oder andere Tragödie hinter sich haben.
Im Gegensatz zu früher?
Flint: Früher wäre das gar nicht möglich gewesen, vom Alter her, meine ich. Aber jetzt, mit 47 geht das natürlich, weil das Gesicht anfängt zu altern und es dadurch glaubwürdig wird. Das ist das Schöne am Altern. Viele sagen ja: „Wie traurig, dass man alt wird!“. In der Schauspielerei kann das auch ein Vorteil sein. Natürlich sind dann die jungen, ganz jugendlichen Rollen nicht mehr spielbar, aber ich empfinde jetzt die reiferen Rollen als interessanter.
Unsere Schlussfrage lautet: Das Leben ist ein Comic – welche Figur sind Sie?
Flint: Bei Comics muss ich immer an die „Flintstones“ denken, wegen dem Namen. Also, ich wäre Wilma Flintstone.
Online-Version: http://www.planet-interview.de/index.php?id=318 | © planet-interview.de | Foto: ZDF
» Es gibt im Moment viele gute Serien, die im Vergleich zum Kinofilm bestehen können.«
Focus Online 27.01.
sueddeutsche.de 14.01.
Berliner Morgenpost 14.01.
RP Online 14.01.
Frankfurter Rundschau 12.01.
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