01. August 2010
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Samy Deluxe über über HipHop im Alter, in den Medien und im Vergleich zu Goethe und Schiller

© EMI Music
Samuel Sorge alias Samy Deluxe (*19.12.1977, Hamburg) machte zuerst unter dem Namen "No Nonsens" Musik, gemeinsam mit DJ Dynamite. Als 1997 der Produzent Tropf hinzukam entstand das Trio "Dynamite Deluxe", dessen Debüt-Album im Jahr 2000 in die Top10 der Charts gelangte. Danach etablierte sich Samy Deluxe mit drei weiteren Alben fest in der deutschen Rap-Szene, gewann u.a. den MTV Europe Music Award (2001) und den Echo (2002). Seit 2007 setzt er sich mit dem Verein "Crossover" für ein besseres Miteinander von Jugendlichen ein und gibt Workshops an Schulen.

"Ich denke schon, dass viel Rap-Musik das Potential hat, Leute auch negativ zu formen."
Voriges Zitat
"Wenn jetzt nur noch Studenten und Ökos rappen, dann wird die Welt auch nicht unbedingt viel besser."
Voriges Zitat"Ich bin mir bewusst, dass ich aus einer Subkultur komme, die nicht für alle Leute eindeutig Kultur ist."
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Dies ist Teil 3 unseres ausführlichen Interviews mit Samy Deluxe, das im April 2010 in Hamburg entstand. Hier geht es zu Teil 1 und hier zu Teil 2.
Samy, kann HipHop noch 50 Jahre überleben?
Deluxe: Auf jeden Fall. Ich denke, das ist eine Subkultur, die auf jeden Fall etabliert ist, die auch wandlungsfähig ist. Vielleicht sind in 50 Jahren ein paar Elemente, die wir jetzt noch eindeutig als HipHop sehen, dann nicht mehr Teil der Veranstaltung, aber ich glaub schon, dass HipHop dableibt. Genauso wie Rock auch nicht weg gehen wird, Rock hat immer mal ein paar Jahre, wo es dann mehr in den Charts ist oder auch weniger. Also, es ist schon ein Lifestyle-Kultur-Ding, das kriegt man nicht weg.
Kann HipHop das Frauenbild von Jugendlichen nachhaltig negativ prägen?
Deluxe: Es kommt drauf an, das kann man jetzt nicht so pauschalisieren. Ich denke schon, dass viel Rap-Musik das Potential hat, Leute auch negativ zu formen, egal in welcher Richtung, ob jetzt Sexismus, Rassismus…
Man muss sich aber auch angucken, wie Frauen sonst in den Medien dargestellt werden. Ich kann die Kritik bei HipHop schon nachvollziehen, ich würde auch nie sagen, dass HipHop keine Gefahren birgt, Sexismus zu promoten. Aber ich denke eben auch, dass viele andere Medienbereiche genauso sexistisch oder rassistisch sind.
Kann HipHop bei „Deutschland sucht den Superstar“ stattfinden?
Deluxe: Das weiß ich nicht, ich bin nicht für die Einstiegskriterien zuständig, das müsst ihr Dieter Bohlen fragen, ich hab das noch nie gesehen. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass es in den nächsten Jahren genau so ein Format auch für HipHop und R’n’B geben wird, ich bin mir sicher, dass die damit noch Geld machen.
Kann HipHop auf Gangster-Rapper verzichten?
Deluxe: Das glaube ich nicht, sollte es auch nicht. HipHop soll ja eine Reflektion der Realität sein und es gibt ja nun mal auch den Teil… Also, wenn jetzt nur noch Studenten und Ökos rappen, dann wird die Welt auch nicht unbedingt viel besser. Dann wird’s einfach nur dazu führen, dass ein bestimmter Teil der Gesellschaft einfach nicht musikalisch dargestellt wird. Deutscher Rap, ja, deutscher Rap könnte gern auf Gangster-Rap verzichten (lacht).
Sido hat sich uns gegenüber im Interview mit Goethe und Schiller verglichen. Kann HipHop mit Goethe und Schiller konkurrieren?
Deluxe: Naja, was heißt „konkurrieren“, das hört sich immer so anmaßend an. Klar, damals gab es diese Leute, die mit der Sprache so umgegangen sind, dass sich extrem viele Leute dafür interessiert haben, das waren nun mal Dichter. Heute gibt es bestimmt auch ganz viele Dichter in diesem Land. Ich kenne keinem beim Namen – ich kenne aber viele Rapper. Die sind die prominentesten, die wahrscheinlich am meisten Menschen erreichen, dementsprechend kann es sein, dass wir für viele Leute so gelten.
Ich würde mich für meine Generation nicht als extrem viel unwichtiger bezeichnen, als die Dichter es damals waren. Aber ich könnte jetzt nicht direkt sagen, dass ich in hundert Jahren auch eine Statue dafür haben will. Ich bin mir schon bewusst, dass ich aus einer Subkultur komme, die nicht für alle Leute eindeutig Kultur ist.
Kann man als Musiker mit HipHop alt werden?
Deluxe: Ja, ich glaube schon. Ich sehe viele von meinen ehemaligen Kollegen, die vielleicht 5-10 Jahre älter sind, auf die 40 zugehen oder schon drüber sind – und die haben diesen Lebensstil. Vielleicht ein bisschen reduzierter als in ihrer Jugend, aber sie führen diesen Look fort, sammeln immer noch Platten, malen vielleicht noch Graffitis. Ich glaube, wenn man das einfach als Teil seiner Person sieht... Also, vielleicht hat man es sich am Anfang auferlegt um jemand anders zu sein, rebellisch zu sein. Aber wenn man das 20 Jahre durchzieht, dann muss da ja mehr dahinter sein, als dass man nur andere Leute mit seinem Outfit beeindrucken will. Dann hat man auch ziemlich viel Liebe für diese ganze Kunstform – und darum kann man mit HipHop auch alt werden.

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Kann HipHop als eine konstruktive Kraft in der Gesellschaft wahrgenommen werden?
Deluxe: Ja, das kommt dann tatsächlich auf die Medien an. Es ist ja nicht so, dass es in den letzten Jahren nur NUR Gangster-Deutschrap gab. Aber wenn jeder Typ, der über sexistische und Gangsterthemen und von Drogen redet, eine große Seite in der Süddeutschen Zeitung kriegt, wo die Journalisten eigentlich denken, sie schaden ihm, dabei promoten sie ihn in Wirklichkeit …
Dann gibt es andere Rapper wie zum Beispiel F.R. aus Braunschweig, „Rap braucht Abitur“ – das steht dann nicht in der Süddeutschen Zeitung, das kannst du dann nur auf hiphop.de oder in der Backspin finden. Ich glaube, dass oft bewusst immer nur Teile einer Subkultur belichtet werden, um das öffentliche Bild davon zu formen.
Generell wäre das natürlich machbar, HipHop ist schon eins der kreativsten Dinge. Wenn du die Möglichkeit hättest, es so zu promoten, wenn über die richtigen Sachen geschrieben und berichtet wird, dann würden viele Leute HipHop ganz anders wahrnehmen.

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Online-Version: http://www.planet-interview.de/index.php?id=1338 | © planet-interview.de | Foto: EMI Music
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Focus Online 27.01.
sueddeutsche.de 14.01.
Berliner Morgenpost 14.01.
RP Online 14.01.
Frankfurter Rundschau 12.01.
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