28. Januar 2009
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TV-Moderator Marco Schreyl über die sechste „DSDS“-Staffel, Dieter Bohlen und sein Schwiegermutter-Image

© RTL / R.Stempell
Der TV- und Radiomoderator Marco Schreyl wurde 1974 in Erfurt geboren. Seine Fernsehkarriere begann 1997 beim MDR im Bereich der Sportberichterstattung. Im Jahr 2000 wechselte er zum ZDF, wo er u.a. die Sendungen "hallo deutschland" und "Der große Preis" moderierte. Seit 2005 ist Schreyl Moderator der RTL-Casting-Sendung "Deutschland sucht den Superstar" und anderer RTL-Shows ("Unglaublich – Die Show der Merkwürdigkeiten", "Das Supertalent"). Im Januar 2009 moderierte er für RTL zudem die Übertragungen der Handball-WM.

"Dieter Bohlen ist nicht böse. Er ist direkt und verdammt ehrlich."
Voriges Zitat
"Man kann nicht am Samstagabend acht Millionen Zuschauer haben und am Sonntag, wenn man ins Restaurant geht, nicht erkannt werden wollen."
Voriges Zitat"Ich bin mir sicher, dass Dieter Bohlen genauso viele Liebesbriefe wie Hassbriefe bekommt. "
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Herr Schreyl, vor einer Woche startete die sechste Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“. Inwieweit haben Sie Probleme damit, Ihr Gesicht für eine Fernsehsendung hinzuhalten, die pausenlos kritisiert wird?
Schreyl: Kritik ist nichts Schlimmes – aber ich finde sie muss konstruktiv bleiben. Mich ärgert es, wenn Menschen Kritik üben, die sich in ein Thema nicht richtig eingearbeitet haben und Dinge wiedergeben, die gar nicht stimmen. Ich selbst bin bemüht, mich immer gut mit einer Geschichte auseinanderzusetzen, bevor ich andere kritisiere.
Können Sie sich mit DSDS identifizieren?
Schreyl: Ja, natürlich. DSDS zu moderieren macht unglaublichen Spaß, man ist so nah dran am Zuschauer. Die Kandidaten, die zu uns kommen, sind ja vorher selbst Zuschauer der Sendung gewesen. Es ist einfach toll, mit ihnen zu arbeiten. Wenn das nicht so wäre, würde ich es nicht machen.
Die Person, die bei DSDS am meisten kritisiert wird, aber auch am meisten austeilt, ist Dieter Bohlen. Darf sich der Zuschauer wieder auf seine markanten Sprüche freuen?
Schreyl: Ich finde es schön, dass Sie „markant“ sagen, denn ich glaube, das trifft es auch. Viele fragen, ob nun auch wieder die bösen Sprüche von Dieter Bohlen kommen. Wenn ich ehrlich bin, kann ich das nicht mehr hören. Dieter Bohlen ist nicht böse. Er ist direkt und verdammt ehrlich. Und das finde ich gut. Er verstellt sich nicht. Er versucht den Kandidaten auf den richtigen Weg zu helfen, indem er sagt, was er fühlt und denkt. Er macht zwar auch Fehler, aber ich möchte behaupten: Zu 90 Prozent sind seine Entscheidungen fundiert und richtig.
Was macht Bohlen so populär?
Schreyl: Dieter Bohlen ist Deutschlands Liebling. Und egal ob man ihn liebt oder nicht und trotzdem hinguckt: Dieter Bohlen hat eine unglaubliche Anziehungskraft. Ich würde auch sagen, „Deutschland sucht den Superstar“ ist gleich Dieter Bohlen. DSDS ohne Bohlen in der Jury wäre nicht mehr die gleiche Sendung.
Weil er so polarisiert?
Schreyl: Ja, damit macht er dieses Format so erfolgreich. Er polarisiert im positiven wie im negativen Sinne. Ich bin mir sicher, dass Dieter Bohlen genauso viele Liebesbriefe wie Hassbriefe bekommt.
Ist Dieter Bohlen schuld daran, dass die Besetzung der Jury von DSDS so häufig wechselt?
Schreyl: Das würde ich nicht sagen. Es soll ja auch immer etwas verändert werden. Dass gewechselt wird, spricht für RTL und die Produktionsfirma Grundy Light Entertainment. Die machen sich eben Gedanken, wie man die Sendung voran bringen kann.
Bohlen verteilt gern mal eine Standpauke. Haben Sie auch schon mal eine von ihm bekommen?
Schreyl: Nein, da kann ich mich nicht dran erinnern. Dieter Bohlen kann übrigens genauso gut zuhören, wie er austeilt. Das ist ganz wichtig, finde ich.
Was denken Sie über Jugendliche, die sich von DSDS erhoffen, prominent zu werden?
Schreyl: Ganz genau richtig so: Einfach hingehen und versuchen, das Beste zu geben. Es bringt nichts, hinzugehen und sich damit zufrieden zu geben, einmal Dieter Bohlen anfassen zu dürfen. Wenn jemand kommt und sehr von sich überzeugt ist, wir Außenstehenden aber merken, dass er nicht der beste Sänger ist, dann kann es trotzdem sehr unterhaltsam werden. Aus diesem Grund habe ich Respekt vor jedem, der das durchzieht.
Hat das Prominentsein für Sie eher Vor- oder Nachteile?
Schreyl: Man kann nicht am Samstagabend acht Millionen Zuschauer haben und am Sonntag, wenn man ins Restaurant geht, nicht erkannt werden wollen. Das passt nicht zusammen. Trotzdem gibt es Situationen, in denen Menschen gewisse Grenzen überschreiten. Das ist nicht immer angenehm. Aber ich habe gelernt, damit umzugehen. Dass es für viele scheinbar nicht normal ist, dass auch ein TV-Moderator im Supermarkt einkaufen gehen muss, überrascht mich sehr.
Sind Sie eigentlich noch nervös, wenn Sie moderieren?
Schreyl: Natürlich ist immer etwas Aufregung dabei, es wäre schlimm, wenn das nicht so wäre. Nach einigen Minuten ist die Anspannung aber dann zum Glück immer vorbei.
Die Presse zeichnet von Ihnen das Bild eines „glatten“ und „langweiligen“ Moderators. Wie gehen Sie mit derartiger Kritik um?
Schreyl: Solche Artikel lese ich mir einmal durch und lege sie dann weg. Sie treffen mich nicht. Wenn mich der SPIEGEL als "langweilig" und "glatt" bezeichnet, dann ist das sein gutes Recht. Aber es freut mich, in einem Zug mit erfolgreichen Kollegen wie Markus Lanz, Oliver Geissen oder Johannes B. Kerner genannt zu werden. Die haben sehr viel Erfolg mit dem, was sie machen.
Ihnen werden auch des Öfteren fehlende Ecken und Kanten vorgeworfen.
Schreyl: Wer mich näher kennt, weiß sehr wohl, dass ich Ecken und Kanten habe und alles andere als ein Schwiegermutter-Typ bin.

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Trotzdem: Haben Sie sich mittlerweile mit dem Schwiegermutter-Image abgefunden?
Schreyl: Man wird in viele Schubladen gesteckt. Aber es gibt Schlimmeres auf der Welt. Damit kann ich ganz gut leben.
Welche Eigenschaften muss ein TV-Moderator Ihrer Meinung nach mitbringen?
Schreyl: Er muss, wenn es drauf ankommt, spontan seriös aber auch spontan witzig sein können. Er braucht dafür viel Kraft und ein gutes Team im Rücken. Ohne geht es nicht. Am Ende gehört auch ein kleines bisschen Glück dazu. Heißt: Zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle sein.
Wenn Sie am Anfang ihrer Karriere diese Möglichkeit bekommen hätten, über eine „Call-in-Show“ ins TV-Geschäft einzusteigen - hätten Sie diese Chance wahrgenommen?
Schreyl: Das kann ich so nicht sagen. Es käme auf die Situation an. Wenn ich meinen Kühlschrank hätte voll bekommen müssen und keine andere Chance gehabt hätte, wahrscheinlich schon.
Was denken Sie heute von Kollegen, die solche Sendungen moderieren?
Schreyl: Wenn ich beim Zappen dort hängen bleibe, denke ich: Das könnte ich nicht moderieren. Da würde ich lieber Kindern das Schwimmen beibringen. Trotzdem habe ich einen großen Respekt vor denen, die diesen Job machen.
Sie moderieren für RTL derzeit auch die Handball-WM aus Kroatien. Hatten Sie vorher eigentlich schon mal Kontakt mit dieser Sportart?
Schreyl: Das Schöne ist, dass wir ja alle ein bisschen Ahnung von Handball haben. Da rennen Mädels und Jungs auf dem Parkett umher und versuchen das Runde in das Eckige zu bringen. So wie beim Fußball auch. Während meines Sportstudiums hatte ich des Öfteren mit Handball zu tun aber ich würde mich nicht als den großen Experten bezeichnen. Gerade das ist aber für meine Rolle ein Vorteil, denn wir wollen den Zuschauern diese Sportart so präsentieren, dass jeder verstehen kann, was gerade passiert. Zusätzlich sind neben vielen Fachjournalisten auch ein sehr guter Kommentator und der Weltmeister von 2007, Markus Baur, im Team.
Ist es schwierig, ein für Sie eher unbekanntes Thema zu moderieren?
Schreyl: Alles was neu ist, ist für mich auch spannend. RTL hat bisher noch niemand mit Handball in Verbindung gebracht. Ich finde es schön, als „Geburtshelfer“ mit dabei zu sein, wenn diese Sportart bei RTL auf Sendung geht.
Zuletzt waren Sie auch mit dem RTL-„Supertalent“ auf Sendung. Haben Sie auch ein Supertalent?
Schreyl: Ich kann in unglaublich kurzer Zeit ganz viele Süßigkeiten in mich hinein stopfen. Am liebsten alles was mit Schokolade zu tun hat. Und auch Gummibärchen gehören dazu. Hinter der Bühne stehen immer Obst- und Schokoladen-Teller. Und am Ende einer Sendung sind die Obstteller meist nur halbleer und die Schoko-Teller komplett leer geräumt.
Sie haben eine steile Karriere hingelegt. Gibt es da noch Träume?
Schreyl: Eine Samstagabend-Sendung bei einem Privatsender zu moderieren, das ist schon nah am Ziel. So schnell kann da nichts Größeres um die Ecke kommen. Aber irgendwann kommt immer etwas Neues. Ich habe bis jetzt immer versucht, mit jedem Wechsel eine andere Seite von mir zu zeigen. Ich kann mich erinnern, dass – als ich vom MDR zum ZDF gegangen bin, alle gefragt haben, warum ich denn so etwas machen könne, da ich beim MDR gerade so erfolgreich war. Ich bin quasi als Ersatzspieler zum ZDF gegangen, mit der Zeit zum Stammspieler geworden und dabei ganz ungeplant bei einem Boulevard-Format gelandet. Auch der Wechsel vom ZDF zu RTL – also vom Boulevardmoderator zum Unterhaltungsmoderator einer polarisierenden Samstagabend-Show – hat ganz neue Herausforderungen mit sich gebracht. Zurzeit mache ich beim Radio Informationssendungen und könnte mir gut vorstellen, dass ich auch meine journalistische Seite noch einmal mehr zeigen werde.
Wie?
Schreyl: Vielleicht gibt es in fünf, sechs Jahren die Möglichkeit, die Krawatte anzuziehen und zu zeigen, dass ich den Menschen gut vermitteln kann, was in der Welt passiert.
Süddeutsche Zeitung, 07.05.2011
Online-Version: http://www.planet-interview.de/index.php?id=1016 | © planet-interview.de | Foto: RTL / R.Stempell
» Ich glaube nicht, dass man ein Mörder sein muss, um einen Mörder zu spielen.«
Focus Online 27.01.
sueddeutsche.de 14.01.
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