10. Oktober 2008
Leseansicht
Schauspieler David Kross über seine Titelrolle in „Krabat“, Schauspielanfänge und erste Erfahrungen auf internationaler Bühne

© Claussen+Wöbke+Putz Filmproduktion / Mar
David Kross, geboren 1990, spielte 2005 seine erste große Rolle in Detlev Bucks kontrovers diskutiertem Film "Knallhart" (u.a. drei deutsche Filmpreise). Am 9. Oktober 2008 kommt nun Marco Kreuzpaintners Film "Krabat" in die deutschen Kinos - in der Verfilmung des gleichnamigen Jugendbuchs von Otfried Preußler spielt Kross die Hauptrolle, den Müllerburschen Krabat. Der nächste Film mit Kross lässt zudem nicht lange auf sich warten - kürzlich stand er neben Kate Winslet für die Verfilmung von Bernhard Schlinks Roman "Der Vorleser" vor der Kamera.

"Das schönste an Magie ist, dass sie einem erlaubt, sich vorzustellen: Was wäre, wenn ich das alles könnte? Allein diese Vorstellung kann helfen, das anzugehen, was man erreichen möchte."
Voriges Zitat
"Ich bin eher der selbstkritische Typ, der jede Kleinigkeit an sich bemängelt und bei der Premiere auch mal raus rennt. "
Voriges Zitat"Irgendwann hat Stephen Daldry beiläufig erwähnt: Habe ich’s dir noch nicht erzählt? Du hast die Rolle."
Beim Userview stellt ihr die Fragen. Wir kündigen euch einen Interview-Partner an - und dann seid ihr dran: Im Formular könnt ihre eure Fragen stellen (ohne Registrierung möglich) und die Fragen anderer Leser bewerten (erfordert Registrierung). Die besten 10 Fragen werden von uns im Interview gestellt und die beste Frage mit einem Preis honoriert. Das geführte Interview erscheint wenige Tage später exklusiv auf Planet Interview.
Wir behalten uns vor, beleidigende, rassistische oder sonstwie menschenverachtende Fragen kommentarlos zu löschen. Doppelte Fragen werden ebenfalls gelöscht.
David, in deinem neuen Film „Krabat“ bist du nahezu in jeder Szene zu sehen. Wie schwer ist in dem Fall der Druck, der auf einem lastet?
Kross: Den Druck spürt man schon. „Krabat“ war ja erst mein zweiter Film. Die Titelrolle zu haben, während noch solche Schauspieler wie Daniel Brühl und Robert Stadlober mitspielen – da hatte ich natürlich auch eine gewisse Angst. Die konnte ich dann aber für meine Rolle nutzen. Es gab also auch eine Art guten Druck, den ich auch richtig finde.
Kanntest du die Romanvorlage von Otfried Preußler vorher?
Kross: Ich gehöre zu den wenigen, die sie vorher nicht kannten, auch für meine Freunde war das Buch kein Begriff. Ich habe es dann im Bezug auf den Film gelesen, noch vor dem Drehbuch. Und erst später hat sich für mich herausgestellt, wie superbekannt das Buch ist.
Hat das Genre Fantasy im deutschen Kino überhaupt eine Chance?
Kross: Ja, auf jeden Fall. Gerade auch für mich, wo ich vorher mit „Knallhart“ so einen realistischen Film gedreht habe. Jetzt in die Zeit des 30jährigen Kriegs hineinzuschlüpfen, in ein Genre voller Zauberei und Geheimnis, wo man sich in einen Raben verwandelt – das war einfach wahnsinnig spannend.
Der Film wurde zum großen Teil in Rumänien auf dem Land gedreht. Welche Erfahrungen hast du da gemacht?
Kross: Wir waren wie eine Männertruppe auf Klassenfahrt, die jeden Morgen vom Hotel zum Drehort an der Mühle gefahren wurde, durch Dörfer, in denen noch Ochsen auf der Straße stehen und Pferdekutschen neben der Straße hergefahren sind. Einmal ist vor uns sogar ein Bär auf der Straße aufgetaucht. Diese mittelalterliche Landschaft in den Kaparten hat sehr geholfen, um in die richtige Stimmung für den Film zu kommen. Man vergaß das Alltägliche.
Sind bei so einem Projekt, wo so viele schon profilierte junge Schauspieler mitmachen, nicht auch Spannungen vorprogrammiert?
Kross: Klar, jeder will seinen Teil dazu erzählen. Das ist bei so einem Ensemble schwierig, gerade für den Regisseur, der dann auch manchmal schwere Entscheidungen treffen muss. Weil ich aber als einziger so gut wie jeden Tag drehen musste, hatte ich eher mit anderen Problemen zu kämpfen.
Mit welchen?
Kross: Ich musste meine Energie behalten. Von 80 Tagen war ich 78 dabei, die manchmal ziemlich lange waren. Trotzdem muss man dabei und wach bleiben.
Krabat erfährt von seiner Berufung zum Zauberer durch seine Träume. Wie hast du den Ruf zur Schauspielerei erhalten?
Kross: Das einzige, was ich da vergleichen kann, ist, dass ich da auch eher so reingerutscht bin, wie Krabat in die Mühle. Aber ich glaube nicht, dass es so etwas, wie eine große Bestimmung gibt. Es ist eher so, dass sich Rollen ihre Schauspieler suchen.
Glaubst du an Magie und Zauberei?
Kross: Das schönste an Magie ist ja, dass sie einem erlaubt, sich vorzustellen: Was wäre, wenn ich das alles könnte? Allein diese Vorstellung kann einem helfen, das anzugehen, was man erreichen möchte – ganz ohne Zauberei.
„Krabat“ ist auch eine Parabel über die Herausforderungen, mit Macht verantwortungsvoll umzugehen. Spielen solche Gedanken für deine Arbeit eine Rolle?
Kross: Als Schauspieler kann man darüber nicht so nachdenken. Wenn man spielt, muss man klar und einfach sein. Wenn man versucht, große politische Themen zu spielen, wird es nicht gut. Versuchung ist eben eines der großen Themen, die sich der Zuschauer hier herausfischen kann, ohne dass sie einem platt präsentiert würden. Für mich ist „Krabat“ auch ein Loblied auf die Freiheit, die manchen Menschen kostbarer ist, als Macht.
Was geht in dir vor, wenn du dich auf der großen Leinwand siehst?
Kross: Ich bin eher der selbstkritische Typ, der jede Kleinigkeit an sich bemängelt und bei der Premiere auch mal raus rennt. Beim zweiten Sehen habe ich dann schon gemerkt, dass der Film als Ganzes schon gelungen ist und jetzt würde ich ihn mir gerne noch ein drittes Mal angucken.
Deine erste große Rolle hattest du in Detlev Bucks Dealer-Drama „Knallhart“. Wie unterscheidet sich Buck von Marco Kreuzpaintner, dem Regisseur von „Krabat“?
Kross: Der eine kommt aus dem Norden und der andere aus dem Süden. Die sind halt so verschieden, wie die Orte in denn sie geboren wurden. Marco ist sehr kommunikativ und mitfühlend. Buck hat eine eigene, andere Art. Aber beide sind tolle Regisseure.
Nun hast du bereits deine erste internationale Produktion, die Bestsellerverfilmung „Der Vorleser“ hinter dir. Wie ist Regisseur Stephen Daldry auf dich gekommen?
Kross: Ich war beim Casting. Ziemlich oft. Dann haben wir uns noch mal getroffen, um über den Film zu reden und da klang er schon so komisch, als hätte ich die Rolle bereits. Irgendwann hat er dann beiläufig erwähnt: Habe ich’s dir noch nicht erzählt? Du hast die Rolle.
Wie war dieser Sprung vom deutschen ins internationale Kino?
Kross: Ich habe gemerkt, dass es da in der Arbeit nicht wirklich große Unterschiede gibt. Das sind alles auch nur Menschen mit Leidenschaft für den Film, bei denen man sich auch familiär aufgehoben fühlen kann.
Wie war die Zusammenarbeit mit deiner Filmpartnerin Kate Winslet?
Kross: Sehr toll. Sie ist sehr erfahren und kollegial. Es ist toll, solchen Leuten bei der Arbeit zuzusehen, die so genau arbeiten und wissen, was sie machen.

Daniel Brühl über Rebellion, den Film "Die Fetten Jahre sind vorbei" und dass er sich gerne 'mehr trauen' würde

Schauspieler Robert Stadlober über seine Rolle im Kinofilm "Engel und Joe" und den Tapetenwechsel Berlin-Barcelona

Regisseur und Schauspieler Detlev Buck über seinen Part im Film "Herr Lehmann" und die eigene künstlerische Arbeit
Du bist im Sommer 18 geworden. Hattest du eigentlich genug Zeit, zur Schule zu gehen?
Kross: Abi werde ich wahrscheinlich gar nicht machen. Durch „Krabat“ hatte ich vier Monate in der Schule verpasst. Dann kam das Angebot zu „Der Vorleser“ und meine Mutter sagte, ich darf das nur annehmen, wenn ich vorher die zehnte Klasse schaffe. Dafür hatte ich nur noch drei Monate Zeit, aber mit dieser Motivation habe ich es dann doch noch geschafft. Das hat mich selbst überrascht.
Hast du überhaupt noch Lust, zum Beispiel eine Schauspielschule zu besuchen?
Kross: Das würde ich wahnsinnig gerne. Theater wäre für mich auch eine tolle Herausforderung. Am liebsten würde ich aber auf eine englischsprachige Schule gehen. Ich habe bei „Der Vorleser“ diese Sprache sehr schätzen gelernt. Ich mag es einfach sehr, mich auf Englisch auszudrücken.
„Krabat“ handelt auch von dem Preis, den man für die Erfüllung seiner Träume bezahlen muss. Welchen Preis hat es, ein erfolgreicher Schauspieler zu sein?
Kross: Ach, das ist bei mir noch nicht so ausgeprägt. Natürlich zahlst du mit einem kleinen Teil deiner Privatsphäre. Aber ich kann immer noch unbehelligt U-Bahn fahren. Mal sehen, wie das jetzt wird...
Märkische Allgemeine, 07.02.2009
Welt Online, 22.02.2009
Nordkurier.de, 25.02.2009
Online-Version: http://www.planet-interview.de/index.php?id=934 | © planet-interview.de | Foto: Claussen+Wöbke+Putz Filmproduktion / Mar
» Ich versuche immer wieder deutlich zu machen, dass Umfragen keine Vorhersagen sind.«
Focus Online 27.01.
sueddeutsche.de 14.01.
Berliner Morgenpost 14.01.
RP Online 14.01.
Frankfurter Rundschau 12.01.
Nigel Kennedy zählt zu den Promis unter den Geigern. Im ausführlichen Interview spricht er über Vielseitigkeit, Musikgeschmack, Erziehung und sein Verhältnis zu den Royals. VÖ: Dezember 2011
Sarah Kuttner legt mit "Wachstumsschmerz" ihren zweiten Roman vor. Wir sprachen mit ihr über die "Third Life Crisis", hässliches Fernsehen und warum sie kein Quotenbringer ist VÖ: Dezember 2011
Roland Kaiser über sein neues Leben, treue Fans, Klatschblätter und starke Frauen VÖ: Dezember 2011
Fabian Heilemann und Ferry Heilemann über die Gründung ihres Rabattportals „DailyDeal“, selbstgebastelte Gutscheine und kopierte Internet-Ideen
Gary Oldman über seine schweigsame Rolle in „Dame, König, As, Spion“, Angst vor zu großen Fußstapfen und die Analog-Ära
Extremsportler Joey Kelly über seinen 900 Kilometer langen Deutschlandlauf, körperlichen Ausnahmezustand, Essen aus dem Mülleimer und das Leben in der Öffentlichkeit