12. August 2010
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Morten Harket von A-ha über das geplante Ende von A-ha und die negativen Seiten des Erfolgs

© Jason Joyce/Warner Music
Kaum eine norwegische Band ist so bekannt geworden wie A-ha. 1983 startete das Trio, bestehend aus Morten Harket, Pål Waaktaar-Savoy und Magne Furuholmen, seine Karriere 1983 von London aus. Mit "Take on me" gelang ihnen 1985 der erste große Hit, im gleichen Jahr erschien das Debüt-Album "Hunting High and Low" - bis 2009 sollten acht weitere Studioalben folgen und damit auch zahlreiche Hit-Singles. Im Dezember 2010 wird die Band ihre letzten Konzerte geben und sich danach auflösen. Im August erschien ihr Best-of-Album "25".

"Wir haben uns mit unserer Musik nie auf Norwegen konzentriert. "
Voriges Zitat
"Wir wollten dort sein, wo der Wettbewerb echt und hart war."
Voriges Zitat" Das Gesicht des Ruhms ist die Dummheit."
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Mr. Harket, Sie hören mit A-ha auf – aber nicht mit der Musik, oder?
Harket: Nein. Ich bin auch mit der Band nicht fertig. Das, was wir geschaffen haben, wird ja da bleiben, dem kann ich mich nicht entziehen. Wir haben uns jetzt aber entschieden, den Kreis als geschlossen zu betrachten.
Was meinen Sie damit?
Harket: Das heißt, dass wir uns der Sache hingegeben haben, so wie es nötig war und jetzt an einen Punkt gekommen sind, wo wir zufrieden sein können. Wir können uns zurücklehnen und uns daran erfreuen, was A-ha gewesen ist. Es ist auch Zeit, den Horizont zu erweitern, für andere Dinge. Das ist möglich, weil wir fühlen, dass sich der Kreis jetzt geschlossen hat, dass wir unsere Sache sozusagen vervollständigt haben.
Keine Wehmut?
Harket: Nein, ganz im Gegenteil, Stolz.
Vielleicht kommen die traurigen Momente noch, auf Ihrer letzten Tour.
Harket: Nein, ich sehe da keine Traurigkeit aufkommen. Wir haben der Band so viel gegeben und wir haben so viel zurückbekommen. Außerdem wäre doch sowieso früher oder später Schluss gewesen. Jetzt ist ein guter Zeitpunk dafür, emotional fühlen wir uns gut damit. 1983 im Januar sind wir nach London gegangen, haben diese Karriere gemacht - das waren mehr als 25 Jahre.
Würden Sie anderen Bands empfehlen, den Zeitpunkt im Auge zu haben, wenn sich der Kreis schließt?
Harket: Nicht nur anderen Bands – das gilt für jede Art von Beziehung, Wenn du fühlst, dass das Potential ausgeschöpft ist... Du kannst natürlich auch weitermachen, aber du musst dich fragen, ob es noch einen Nutzen hat? Ist es an einen Punkt gekommen, wo das nicht mehr der Fall ist? Es geht auch darum, dass man sich dem Wert des ganzen bewusst ist, dem Privileg, dass man dies über 25 Jahre lang machen konnte.
Was würden Sie sagen, ist norwegisch an der Musik von A-ha?
Harket: Das weiß ich nicht. Nächste Frage.
Ehrlich, das muss jemand anderes beantworten, jemand der die Unterschiede analysiert. Ich bin ja nur ich selbst. Ich bin in Norwegen aufgewachsen...
...und Sie waren mit A-ha in Ihrer Heimat sehr oft an der Spitze der Charts.
Harket: Das war aber das Ergebnis von dem, was wir im Ausland gemacht haben. Wirklich, wir haben uns mit unserer Musik nie auf Norwegen konzentriert. Ich habe Norwegen damals verlassen, weil das Spielfeld, auf dem ich meine Sachen machen wollte, nicht in Oslo war, sondern in London.
Warum war das so?
Harket: Da ging es um Stimulierung, um Motivation. Wir wollten dort sein, wo der Wettbewerb echt und hart war. Wir wussten, dass wir uns diesem Wettbewerb sowieso irgendwann stellen müssen, wenn es uns mit der Sache ernst war. Wir haben nie daran gedacht, woanders hinzugehen. Wir sind einfach nach London gegangen, hätte es dort nicht geklappt wären wir nach Amerika gegangen. Dann hätten wir es eben dort geschafft.
Was war das Erste, was Ihnen am Ruhm eines Popstars gefallen hat?
Harket: Ich habe den Ruhm am meisten genossen als ich 17, 18 Jahre alt war.
Aber A-ha gab es zu dem Zeitpunkt ja noch gar nicht...
Harket: Nein, aber ich war in einer Phase, wo ich wusste, dass ich international berühmt werden würde. Das war mehrere Jahre bevor es dann wirklich passierte. Ich habe das damals sehr genossen, ich bin umhergelaufen mit diesem Gefühl, ich hatte so viel Energie, niemand störte mich dabei – das war großartig. Niemand anders bemerkte das, sondern das war eine persönliche Reise, ich habe die Energie des Berühmtseins genossen.
Und als Sie dann tatsächlich berühmt wurden....
Harket: Wenn es dann wirklich passiert, dann kommt die ganze Hektik dazu. Das ist der Widersinn des Ganzen: es ermüdet dich, es nimmt dir dein Leben weg, deine Seele, deinen Geist, deine Emotionalität.
Wann haben Sie das gemerkt?
Harket: Sofort. Gehirnamputiert, es gibt keine Kommunikation mehr, keine Interaktion, nur noch ein primitives Getriebensein. Das Gesicht des Ruhms ist die Dummheit. Kein Kontakt, niemand zuhause.
Wie sind Sie damit umgegangen?
Harket: Damit umzugehen ist eine schwierige Aufgabe. Es gibt verschiedene Möglichkeiten: du kannst Medikamente nehmen, Drogen, dich betrinken, ein Fall für die Irrenanstalt werden... Ich bin diesen Weg nicht gegangen, aber Ruhm an sich ist genau so. Es gibt hinsichtlich der Mechanismen eigentlich keinen Unterschied zwischen positivem Ruhm und dem Ruhm eines Gekreuzigten.
Aber was mochten Sie daran? Sie waren in Ihren 20ern als Sie mit A-ha zu Weltstars wurden...
Harket: Ich glaube, was Sie meinen, ist die Vorstellung von Ruhm. Aber das ist ein großer Unterschied zur Realität. Die Idee an sich hat viel positive Energie, eine Kraft, ein Leistungsvermögen, welches damit einhergeht und wunderbar ist. Diese Bestätigung bekommst du auch in dem Moment, in dem du berühmt wirst.
Und dann?
Harket: Ich denke, die einzige Art und Weise, wie du als Popstar bestehen kannst, ist, in dem du das Popstarsein ablehnst. Es ist eine Rolle, die du spielst, du spielst verschiedene Stücke in den Medien, das ist die Plattform von der aus du kommunizierst. Du musst versuchen, in den richtigen Momenten dort zu sein und eine Sprache sprechen, die funktioniert.
Meine Sprache war immer etwas dagegen, provozierend, ich habe diese Rolle nur gespielt, um zu irritieren. Das war auch das Beste, was ich tun konnte – meinen Teil dazu beizutragen, dass die Leute nicht glauben zu wissen, wer ich bin. Weil sie es ja wirklich nicht wissen.

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Online-Version: http://www.planet-interview.de/index.php?id=1340 | © planet-interview.de | Foto: Jason Joyce/Warner Music
» Ich bin Produzent, ich bin von Haus aus Journalist, ich war bereits Sportchef und DJ. Nennen Sie mich einen Medienmenschen.«
Focus Online 27.01.
sueddeutsche.de 14.01.
Berliner Morgenpost 14.01.
RP Online 14.01.
Frankfurter Rundschau 12.01.
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