30. September 2004
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Daniel Brühl über Rebellion, den Film "Die Fetten Jahre sind vorbei" und dass er sich gerne 'mehr trauen' würde

© Delphi Filmverleih
Daniel Brühl, 1978 in Barcelona geboren, ist einer der Hoffnungsträger des deutschen Films. Durch seine Hauptrolle in "Nichts bereuen" wurde die Öffentlichkeit 2001 auf ihn aufmerksam. Seinen endgültigen Durchbruch erlange Brühl jedoch 2003 durch den Film "Good Bye, Lenin!", der weltweit sechs Millionen Menschen in die Kinos lockte. Sowohl der Film als auch Daniel Brühl wurden mit Preisen überhäuft. David Sarkar traf Brühl im September 2004 anlässlich des Kinostarts von "Die fetten Jahre sind vorbei" im Marriot Hotel in Hamburg zum Interview.

"Ich hoffe, dass irgendwann einmal wieder ein komplett neuer Ruck durch's Land geht!"
Voriges Zitat
"Ich bin ja auch schon voll die MTV-Generation und wir haben uns damals auch mit 18 hingestellt und gegen Rassismus in der Schulband gesungen."
Voriges Zitat"Ich will auf dieser Erfolgswelle nicht alles mitnehmen was kommt."
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Daniel, in dem Film "Die fetten Jahre sind vorbei" spielst du den gesellschaftsverdrossenen Jungrevoluzzer Jan, der zusammen mit seinen Freunden in Villen einbricht und den Besitzern mysteriöse Botschaften hinterlässt und die existierende Ordnung gänzlich durcheinander bringt. Kannst du diesen Rebellionsgedanken selbst nachvollziehen?
Brühl: Ja total, allerdings muss ich dazu sagen, dass ich privat nicht so mutig bin, wie die drei Helden im Film! Diese drei Freunde schaffen es auf eine neue und teilweise sicherlich auch sehr extreme Art und Weise Widerstand zu leisten; das finde ich bewundernswert! Bei mir beschränkt sich dass dann leider darauf, dass ich schon ein gesellschaftskritisches Bewusstsein habe und auch mit meinem Freundeskreis und meiner Familie über aktuelle Themen diskutiere, nur über das Reden nie wirklich hinauskomme. Dieses Rebellische und Mutige geht mir da leider so'n bisschen ab; ich wünschte ich wäre da manchmal etwas konsequenter und würde mich mehr trauen!
Inwiefern belastet dich dieser innere Konflikt?
Brühl: Ich würde gerne etwas verändern, nur als Einzelkämpfer kommst du da natürlich nicht weit. Seit den 60er und 70er Jahren gab es ja auch gar keine richtige Jugendbewegung mehr in Deutschland, der man sich irgendwie anschließen könnte. Das führt dann zu so einer komischen Lethargie, dass man immer gerne wollen würde, aber nicht so richtig weiß, mit wem und vor allem gegen was man dann letztendlich angehen sollte.
Dein Schauspieler-Kollege Robert Stadlober hat einmal gesagt, dass es im Endeffekt nichts mehr zu rebellieren gäbe, weil alle Arten der Rebellion schon einmal dagewesen sind. Siehst du das auch so?
Brühl: Ja, das ist immer das, was man so denkt und im Endeffekt hat Robert ja auch Recht. Es ist nur bei mir so, dass ich schon noch zumindest an so eine Utopie und einen Willen glauben möchte und ich will auch an Helden wie Jan, Peter und Jule glauben und ich hoffe, dass irgendwann einmal wieder ein komplett neuer Ruck durch's Land geht, denn es gibt definitiv noch genügend Dinge, gegen die es sich zu rebellieren lohnt. Die Globalisierung, zum Beispiel, wird immer schlimmer und doch resignieren die Menschen zunehmend an der momentan gesellschaftlichen Situation. Wir Menschen werden immer erst dann aufgerüttelt, wenn bereits etwas schreckliches passiert ist! Ein weiteres Problem ist, dass die Feindbilder nicht mehr so klar sind wie früher, sondern einem alles verwaschen und beliebig vorkommt. Alles was dagegen ist, wird dann auch schnell zu einer Attitüde und einem neuen Trend. Genau das wird ja auch im Film gesagt: "Alles was früher subversiv war, kann man heute im Laden kaufen!". Ich bin jauch schon voll die MTV-Generation und wir haben uns damals auch mit 18 hingestellt und gegen Rassismus in der Schulband gesungen. Da war sicherlich auch Verzweiflung im Spiel, aber letztendlich war es auch nur ein Trend!
Inwieweit darf man, deiner Meinung nach, die geltenden Gesetze verletzen um zu rebellieren?
Brühl: Ich glaube man bricht täglich Gesetze, nur kommt es natürlich darauf an welche Gesetze man bricht und dass man halt nie zu weit gehen sollte, in dem was man tut. Was mir an der Idee dieses poetischen Widerstandes in "Die fetten Jahre sind vorbei" gefällt, ist, dass er gewaltfrei verläuft. Ich verabscheue jede Art von Terrorismus und finde diesen aggressiven Mittel wie Geiselnahmen und Anschläge, die von Terroristen häufig angewendet werden, absolut verwerfenswert. Ansonsten glaube ich aber auch, dass es nur schwer ist, Widerstand gegen etwas zu leisten, ohne dabei auch nur ein einziges Gesetz brechen. Das ist eine komplizierte Sache!
Die waghalsigen Aktionen bringen dich und deine Freunde im Film zunehmend in Gefahr, vor allem als der Topmanager Hardenberg ins Spiel kommt, der für euch die verhasste Kapitalistenschicht der Gesellschaft verkörpert. Worin liegen, deiner Meinung nach, die Gründe für diesen Gesellschafts- und Generationenkonflikt?
Brühl: Ich finde es interessant, dass es auf beiden Seiten Argumente gibt, die sehr treffend und auch nachvollziehbar sind. Der Manager Hardenberg, dass dieses kapitalistische Denken ein schleichender Prozess ist, der mit dem Alter kommt und den meisten Menschen wiederfährt. Das stimmt ja auch, denn wenn ich mir heute meine damaligen Lehrer, größtenteils halt auch Alt-68er, ansehe oder andere Menschen, die mir über den Weg laufen, dann haben sehr viele von denen eine schicke Eigentumswohnungen und fahren einen teuren Wagen. Genau das macht es den dreien auch so unerträglich; dass sie da jemanden vor sich haben, der selber behauptet, er sei früher aktiv am Widerstand beteiligt gewesen, also einer von ihnen war, und dann so zum Gegenteil mutiert ist. Es wäre einfacher, wenn sie ein reines Arschloch vor sich hätten, dass schon immer so gewesen ist, aber eben dieser Konflikt macht die Sache so schwierig.
Momentan ist die umstrittene SPD-Arbeitsmarktreform "Hartz IV" in aller Munde, viele sehen den sozialen Frieden bedroht und allwöchentlich strömen Hunderte zu den 'Montagsdemonstrationen'. Könnte es nicht sein, dass "Die fetten Jahre sind vorbei" da zusätzlich Salz in die Wunde streut und das Verhalten der drei Protagonisten Nachahmer findet?
Brühl: Das wäre wünschenswert, allerdings sollte diese Rebellion nicht derartig eskalieren wie im Film beschrieben. Ich hoffe, dass der Film die Leute wieder zu mehr politischem und kritischem Denken anregt. Das wäre schon ein großer Erfolg!

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Du bist ja nicht in Deutschland sondern in Barcelona geboren. Hattest du auch eine spanische Kindheit?
Brühl: Nein, ich war so klein; Deutschland war das erste, was ich wirklich bewusst wahrgenommen habe. Ich war in Köln im Kindergarten und in der Schule und bin ich dann jeden Sommer nach Barcelona geflogen. Ich fühle mich dort sehr wohl und könnte mir auch vorstellen, irgendwann einmal für eine bestimmte Zeit nach Barcelona zu ziehen. Mein Bruder lebt zur Zeit in Spanien und zuhause spreche ich mit meiner Mutter Spanisch, was mir auch sehr wichtig ist!
Dein Weg ins Filmgeschäft war ja durch deine Familie quasi vorgezeichnet: Dein Onkel war Hörspiel-Regisseur beim WDR und hat dir mit acht deinen ersten Synchron-Job besorgt. Mit 16 Jahren standest du dann in einem TV-Film von Roland Suso Richter das erste Mal vor der Kamera ...
Brühl: Ja, das war alles Klüngel! (lacht) Nein, letztendlich war die Tatsache, dass meine Familie so in den Medien vertreten ist, sicherlich auch der Grund, weshalb ich mich letztendlich auch getraut habe, in diesen Bereich zu gehen und als Schauspieler zu arbeiten. Mein Vater allerdings wollte nicht, dass ich so früh in diese Medienwelt eintrete, sondern dass ich die Schule beende und dann Journalismus studiere. Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass er mich lange Zeit davon abgehalten hat zu schauspielern, denn wenn man zu früh anfängt, kann das alles auch schnell nach hinten losgehen. Ich sehe oft Kinder an Filmsets, die von ihren Eltern zum Drehort gescheucht werden und eigentlich gar kein Bock auf diese ganze Welt haben; das finde ich furchtbar!
Aber auch du selbst hast sehr früh angefangen ...
Brühl: Das stimmt, allerdings war ich mit 16 auch schon in einem Alter, in dem ich ganz gut abschätzen konnte, ob diese Welt mir gefällt und ob Schauspielerei wirklich das ist, was ich machen will. Trotz allem habe ich es im Nachhinein nie bereut, das Abitur gemacht zu haben!
Mit "Goodbye Lenin" hattest du einen sensationellen Erfolg und wurdest für deine schauspielerische Leistung mit dem César als "Bester europäischer Schauspieler 2003" ausgezeichnet. Hast du trotz des großen Erfolges Angst, dass bald schon alles wieder vorbei sein könnte?
Brühl: Ich versuche so eine Angst zu verdrängen und habe im Moment auch nicht so die Riesenangst vor der Zukunft! Darüber nachdenken tut man allerdings schon, vor allem wenn man wichtige Projektentscheidungen treffen muss und Rollen dann entweder spielt oder eben ablehnt. Ich bin sehr froh, dass ich in solchen Fällen mit meinem Vater darüber sprechen kann und auch von einer sehr guten Agentin betreut werde. Ich will auf dieser Erfolgswelle nicht alles mitnehmen was kommt, denn ich glaube, manchmal schadet es auch nicht, wenn man sich ein bisschen rar macht, denn dadurch wird man irgendwie auch wieder interessanter für das Publikum!

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Daniel Brühl über seine Rolle in "Vaya con Dios" - für die er einen Bayerischen Filmpreis einheimste -, lateinische Choräle und seine innere Stimme
Rheinische Post, 08.10.2008
Hamburger Abendblatt, 11.02.2003
Online-Version: http://www.planet-interview.de/index.php?id=536 | © planet-interview.de | Foto: Delphi Filmverleih
20:55 Uhr, am 18. Januar 2005 | Adalbert
Für die Windschutzscheibe einiger Daimler, BMW usw:
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DIE FETTEN JAHRE SIND VORBEI
Luxuskarren ab jetzt auch nur noch mit Festbetrag absetzbar.
Denn, warum sollen Sie mehr Steuern für ihren Wagen zurückbekommen, als die meisten insgesamt dafür bezahlen?
Mehr Festbeträge auch für die Reichen.
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oder: in Hamburg gibt es z.B. Villenviertel , in denen pro Kopf weniger Steuern bezahlt werden, als in wesentlich ärmeren Mischgebieten. Wie wärs da mit z.B. einer 'Postwurfsendung mit der Ankündigung einer Steuerangleichung?
Einfach um ein Bischen Bewegung in die Partygespräche der Satten zu bekommen.
21:34 Uhr, am 09. Januar 2005 |
super david, haste gut geführt!
17:45 Uhr, am 08. Dezember 2004 | bine
hi,
in dem lebenslauf wird leider gar nichts über den film Vaya con dios gesagt, der auch mit daniel brühl ist!
19:09 Uhr, am 05. Dezember 2004 | Corinna
Hallo Planet-Interview!
Habe das Interview mit Daniel Brühl mit Interesse gelesen und muss sagen, dass ich einiges interessantes über Daniel Brühl erfahren habe. Habe den Film auch schon sehr gesehen, musste an einigen Stellen sehr lachen und finde es höchst erfreulich, um nicht zu sagen geil, dass ich dann an dieser Stelle so ein gut geführtes Interview finde.
Respekt an den Autor!
» Die Ursache für Hunger ist nicht in erster Linie Knappheit an Nahrung sondern Armut und der mangelnde politische Einfluss der Armen.«
Focus Online 27.01.
sueddeutsche.de 14.01.
Berliner Morgenpost 14.01.
RP Online 14.01.
Frankfurter Rundschau 12.01.
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