11. August 2008
Leseansicht
Die Schwimmerin Britta Steffen über Trainingsmethoden, Doping-Kontrollen, Ernährung und die Tibet-Frage bei den Olympischen Spielen

© Christian Thomas
Die 1983 geborene Schwimmerin Britta Steffen gewann bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking in der neuen olympischen Rekordzeit von 53,12 Sekunden die Goldmedaille über 100 m Freistil. Dies war die erste deutsche Schwimm-Goldmedaille seit 1992. Zusätzlich gewann sie die Goldmedaille über die 50 m Freistil-Strecke. Bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen hatte sie ihre Ziele zuvor nicht erreicht und im Anschluss daran das Schwimmen zunächst aufgegeben. Erst im August 2005 begann sie wieder zu trainieren. Das Interview entstand im Juni 2008 vor den Olympischen Spielen.

"Ich war Trainingsweltmeister, aber wenn es darauf ankam, dann habe ich versagt."
Voriges Zitat
"Ich bin auf dem Land groß geworden und habe bei Omas Hühnern selbst die Eier eingesammelt. Da hat man sowieso schon einen anderen Bezug zum Essen."
Voriges Zitat"Ich bewundere den Dalai Lama und finde es gut, dass er die Aufmerksamkeit für sein Volk genutzt hat. "
Beim Userview stellt ihr die Fragen. Wir kündigen euch einen Interview-Partner an - und dann seid ihr dran: Im Formular könnt ihre eure Fragen stellen (ohne Registrierung möglich) und die Fragen anderer Leser bewerten (erfordert Registrierung). Die besten 10 Fragen werden von uns im Interview gestellt und die beste Frage mit einem Preis honoriert. Das geführte Interview erscheint wenige Tage später exklusiv auf Planet Interview.
Wir behalten uns vor, beleidigende, rassistische oder sonstwie menschenverachtende Fragen kommentarlos zu löschen. Doppelte Fragen werden ebenfalls gelöscht.
Frau Steffen, Sie kommen gerade vom Braingym. Was genau ist das?
Steffen: Wir versuchen, die rechte und linke Gehirnhälfte in Einklang zu bringen, dazu massieren wir verschiedene Punkte am Körper synchron, zum Beispiel Nabel und Steißbein oder den Bereich über den Augenbrauen.
Nehmen solche mentale Trainingsmethoden einen großen Raum ein?
Steffen: Ja. Wir visualisieren alle einzelnen Stufen des Wettkampfes, zum Beispiel einen guten Start, aber auch Situationen, die schief gehen könnten, zum Beispiel, wenn vor dem Start die Brille verloren geht.
Was macht man dann?
Steffen: Erst mal: Keine Panik – und dann greift man sich die Ersatzbrille, die man immer dabei hat.
Zusätzlich zum Mannschaftstraining haben Sie auch noch eine persönliche Mentaltrainerin, was macht die?
Steffen: Wir arbeiten u.a. mit Kinesiologie. Frau Dr. Janofske stellt mir Fragen und testet an meinem Muskelwiderstand, ob ich wirklich meine, was ich sage. So haben wir heraus gefunden, dass ich eine Zeitlang nicht wirklich gewinnen wollte. Ich war ja Trainingsweltmeister, aber wenn es darauf ankam, dann habe ich versagt. Ich wollte den anderen die Peinlichkeit ersparen, zu verlieren.
Hat es geholfen?
Steffen: Mit Hilfe verschiedener Mentaltechniken habe ich mein Tief 2005 überwunden und seither ist meine Leistung konstant.
Ihr Comeback 2006 mit all den Weltrekorden war für manche überraschend…
Steffen: Ja, das Wort Doping stand sofort im Raum. Dass ich einfach wieder zu mir selbst gefunden hatte und – nicht zuletzt – in einem neuartigen Langanzug schwamm, wollte niemand hören.
Macht so ein Anzug soviel aus?
Steffen: Aber sicher. Als Frau erreiche ich eine Absprunggeschwindigkeit von etwa vier Meter pro Sekunde, die im Wasser sofort auf zwei Meter pro Sekunde herunter gebremst werden. Ein Anzug der mich nur halb so stark bremst, verschafft mir auf den ersten 25 Metern einen Gewinn von einer Sekunde, ohne dass ich dafür mehr tun muss. Außerdem erhöht der Anzug wie ein Kompressionsstrumpf die Fließgeschwindigkeit des Blutes, es kommt mehr Sauerstoff in die Muskeln und die Entschlackung geht schneller. Die Muskeln sind stärker vorgespannt, ohne dass man dafür vor dem Wettkampf wertvolle Energie mit Liegestützen und Kniebeugen vergeuden muss.
Muss man hinterher einen Preis dafür bezahlen?
Steffen: Nein, sogar die Regeneration ist besser.
Inzwischen haben fast alle Schwimmerinnen so einen Anzug, hat das die Doping-Vermutungen zum Schweigen gebracht?
Steffen: Ich werde jedenfalls so oft untersucht wie keine andere Schwimmerin im Team, allein dreimal in den letzten sieben Tagen, unangekündigt natürlich. Mir ist das Recht, auch wenn es jedes Mal ein bis zwei Stunden kostet und den Trainingsplan durcheinander bringt. Ich wollte ja freiwillig mehr Untersuchungen machen, aber dafür stehen zu wenig finanzielle Mittel zur Verfügung. Und selbst bezahlen konnte ich es auch nicht, das wäre dann nicht mehr unabhängig genug gewesen. Wenn ich jetzt gewinne, bin ich sauber. Wenn jemand gewinnt, der kaum getestet wurde, hat er ein Erklärungsproblem.
Kinesiologie wird ja auch gerne verwendet, um Lebensmittel auszutesten.
Steffen: Ja, das haben wir seit meinem Neustart 2005 auch gemacht. Ich halte dann die Augen geschlossen und halte verschiedene Lebensmittel in der Hand, während Frau Dr.Janofske wie gesagt meinen Muskelwiderstand testet. Es sind meistens die teuersten und besten Lebensmittel, meistens aus dem Bioladen, die für mich die besten sind. Ich bin dadurch beim Essen viel bewusster geworden, kann besser schmecken, was mir gut tut und esse weniger Masse, dafür mehr Qualität. Das Gefühl, mir da etwas Gutes zu tun und Lebensmittel mit einer guten Energie zu mir zu nehmen, trägt viel zu dem Körpergefühl bei, dass ich für gute Leistungen brauche.
Legt der Bundestrainer Wert auf Bio-Produkte?
Steffen: Er interessiert sich sehr dafür. Im Trainingslager in Japan werden wir einen Koch haben, der selbst sehr für Bio ist. Da freue ich mich schon drauf.
Wie werden Sie das bei den Olympischen Spielen in China machen?
Steffen: Im Olympischen Dorf hat man die Wahl zwischen chinesischem, deutschem und italienischem Essen. Da muss ich irgendwie durch. Mehr Sorgen bereitet uns das Trinkwasser. Das ist in China generell destilliert und wird dann wieder mit Mineralien versetzt. Energetisch ist das mit einem natürlichen Mineralwasser nicht zu vergleichen.

Thomas Reichart über seinen Dokumentarfilm "Mission Gold", den noch existenten chinesischen Dopinggeist, die Beweggründe für Doping und die schmutzigen Aussichten für Olympia 2008

Kelsang Gyaltsen über diplomatische Spannungen zwischen Deutschland und China, die Rolle Europas und der USA bei der Tibetfrage und Chancen durch die Olympiade 2008
Wie ernähren sich andere Hochleistungssportler?
Steffen: Ganz unterschiedlich. Viel Biobewusstsein habe ich noch nicht angetroffen, aber auch nur mit einer Handvoll anderer Sportler darüber gesprochen. Ich bin auf dem Land groß geworden und habe bei Omas Hühnern selbst die Eier eingesammelt. Da hat man sowieso schon einen anderen Bezug zum Essen.
Im Vorfeld der Olympischen Spiele hat der Tibet-Konflikt für Schlagzeilen gesorgt. Einige Sportler haben schon angekündigt, dass sie über diesen Konflikt nicht kommentarlos hinweggehen wollen. Was ist mit Ihnen?
Steffen: Wenn ich gut schwimme und die entsprechende Aufmerksamkeit bekomme, dann hätte ich schon eine Gelegenheit, etwas zu sagen. Aber ehrlich gesagt, ich traue mir nicht zu, dem Thema in drei Sätzen gerecht zu werden. Die normalen Chinesen sind ja selbst total schlecht informiert. Ich habe Kontakt zu einer Chinesin und die wundert sich sehr, was die ganze Welt gegen China hat. Ich bewundere den Dalai Lama und finde es gut, dass er die Aufmerksamkeit für sein Volk genutzt hat. Er hat von einem Boykott der Olympischen Spiele abgeraten und es sieht ja so aus, als ob China jetzt mit ihm reden wolle. Er sagt selbst, dass er mehr erreicht hat, als er erwartet hat. Vielleicht sollte man das nicht kaputtmachen.
Süddeutsche, 13.11.2008
Online-Version: http://www.planet-interview.de/index.php?id=817 | © planet-interview.de | Foto: Christian Thomas
13:47 Uhr, am 11. August 2008 | Robbi Köhler
Hallo,
ich bin Heilpraktiker und Kinesiologe. Ich konnte mit der Kinesiologie schon vielen Menschen helfen. Ich bin froh, dass es immer mehr Medien gibt,die unvoreingenommen darüber berichten. Danke.
» Keith Richards kam in mein Studio, ist dort herumgelaufen und hat sich amüsiert. Er war guter Dinge, aber ihm Anweisungen zu geben wäre unmöglich gewesen. «
Focus Online 27.01.
sueddeutsche.de 14.01.
Berliner Morgenpost 14.01.
RP Online 14.01.
Frankfurter Rundschau 12.01.
Nigel Kennedy zählt zu den Promis unter den Geigern. Im ausführlichen Interview spricht er über Vielseitigkeit, Musikgeschmack, Erziehung und sein Verhältnis zu den Royals. VÖ: Dezember 2011
Sarah Kuttner legt mit "Wachstumsschmerz" ihren zweiten Roman vor. Wir sprachen mit ihr über die "Third Life Crisis", hässliches Fernsehen und warum sie kein Quotenbringer ist VÖ: Dezember 2011
Roland Kaiser über sein neues Leben, treue Fans, Klatschblätter und starke Frauen VÖ: Dezember 2011
Fabian Heilemann und Ferry Heilemann über die Gründung ihres Rabattportals „DailyDeal“, selbstgebastelte Gutscheine und kopierte Internet-Ideen
Gary Oldman über seine schweigsame Rolle in „Dame, König, As, Spion“, Angst vor zu großen Fußstapfen und die Analog-Ära
Extremsportler Joey Kelly über seinen 900 Kilometer langen Deutschlandlauf, körperlichen Ausnahmezustand, Essen aus dem Mülleimer und das Leben in der Öffentlichkeit