13. Februar 2003
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Schauspieler Benno Fürmann über die Stadt Wolfsburg, den gleichnamigen Film und seinen Tod im Film "Anatomie"

© Peripher
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Benno, dein aktueller Film trägt den Namen der Stadt Wolfsburg. Was kannst du über die Stadt erzählen?
Fürmann: Diese Stadt ist sehr artifiziell, finde ich. Wolfsburg hat so einen komischen Charme, ist sehr BRD, mit vielen Zebrastreifen, Ampeln, die zur Auslieferung fertigen Autos von Volkswagen stehen in riesigen Glas-Türmen, die wie große Kaugummi-Automaten aussehen. Alles wirkt sehr kommerziell, sehr industriell, das Herz ist einfach VW, alles andere spielt die zweite Geige.
Eine kühle Atmosphäre?
Fürmann: Kühle Atmosphäre ja, aber man trifft auch sehr herzliche Menschen, zum Beispiel den Chef des Autohauses, in dem wir gedreht haben. Aber das Setting an sich, die Stadt, ist einerseits kühl, hat aber andererseits ihren Charme. Es gibt wahnsinnig alte Parkanlagen, teilweise architektonische Meisterwerke, es gibt so einen Finnen Alvar Aalto, der in Wolfsburg ein Konzepthaus gebaut hat mit Restaurant, Bücherei, offener Feuerstelle - supermodern, aber auch sinnlich, romantisch. Sprich, es gibt ein paar Dinge, die mich in dieser Stadt sehr fasziniert haben. Und es wird dort auch unheimlich viel Geld in die Kunst gepackt, Geld ist ja da. In Wolfsburg geht schon was.
Doch obwohl der Film nun in Wolfsburg spielt, ihr dort gedreht habt, wurde keine Kooperation mit Volkswagen angestrebt.
Fürmann: Nein, unser Film ist ja auch nicht so pro-Auto, schließlich dient das Auto im Film ja auch als Mordwaffe. Da hätte Volkswagen wohl auch keine Lust gehabt, Gelder reinfließen zu lassen, weil es vielleicht dem Image geschadet hätte. Sponsoren sind da immer extrem sensibel.
Allerdings gab es auch von unserer Seite kein Bedürfnis in dieser Hinsicht. Das war eine kleine Produktion, das Geld wurde vom ZDF bereitgestellt, etwa 1,3 Millionen Euro. Dieser überschaubare Rahmen war aber auch durchaus gewollt von den Beteiligten, vor allem, weil wir uns in das Projekt von niemandem reinreden lassen wollten.
Du spielst ein Autoverkäufer, wäre der Job in deinem richtigen Leben mal etwas für dich gewesen?
Fürmann: Nee, Verkäufer überhaupt nicht. Ich hab auch nicht so eine Bauernschläue, feilschen musste ich erst auf diversen Reisen lernen - mittlerweile bin ich da drin wohl ganz gut. Trotzdem bin ich nicht der Dealer-Typ. Das Auto als Objekt und als Instrument interessiert mich allerdings schon sehr. Ich fahre gerne Auto ...
Was für eins?
Fürmann: Einen Mercedes-Kombi, so eine Familien-Kutsche, die ich sehr gerne mag. Und den Ro80, den ich im Film fahre, der war auch großartig. Kein Ottomotor, sondern Wankelmotor, wo die Kraft durch eine Schwingscheibe übertragen wird. Da hast du dann auch so tolle Bezeichnungen wie "Drehkolbendichtleiste", was du von anderen Motoren gar nicht kennst - find ich schon toll. Es war auch interessant, den Chef des schon erwähnten Autohauses näher kennen zulernen, mal in seine Garage zu gucken, ein bisschen mit dem Phaeton rumzufahren, mit dem Bentley ... - also ehrlich, ich fahre echt gerne Auto.
Wie weit bestand die Gefahr, dass ihr mit "Wolfsburg" zu sehr das Klischee Mann-Auto bedient?
Fürmann: Dem Klischee waren wir uns natürlich bewusst. Einen Mann im Auto, das gibt's doch eigentlich in jedem guten Film.
Für mich zeigt der Film aber vor allem, das man im Wagen so seinen eigenen kleinen Mikrokosmos hat. Du machst die Tür zu und auf einmal ist alles ein bisschen leiser, ein bisschen gefilterter und du befindest dich irgendwie in deiner eigenen Welt. Die Leute in fahrenden Autos sind immer sehr privat, abgeschirmt, in ihrem eigenen Mikrokosmos. Gerade für unsere Geschichte, die ja viel von der Einsamkeit erzählt, war das ein wichtiger Aspekt. So ein Auto hat immer etwas Einsames, du bewegst dich in deiner kleinen Welt durch die große Welt.
Die Autos im Film sind ja innen drin makellos sauber - wie sieht es in deinem Mercedes aus?
Fürmann: Ganz ok, da liegt so das normale Zeugs rum, Kassetten, Bonbons etc. Alle zwei Monate geht's in die Waschanlage - da wird der Wagen glaub ich zwischendurch schmutzig genug.
Zum Schluss: Vor kurzem lief ja "Anatomie 2" in den Kinos, hättest du da eigentlich wieder mitspielen können?
Fürmann: Nein, meine Rolle ist doch am Ende des erstens Teils gestorben. Es war ja sogar so, das mein Tod extra noch mal nachgedreht wurde, weil nach den ersten Test-Vorführungen des Films herauskam, dass ich den Zuschauern zu schnell sterbe - im Verhältnis zu dem, wie viel Gräuel ich in dem Film angerichtet habe. Zwei Tage lang haben wir deshalb noch mal gedreht, wie ich in der letzten Szene in eine Stromleitung greife und krepiere.

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Online-Version: http://www.planet-interview.de/index.php?id=467 | © planet-interview.de | Foto: Peripher
» Leider sind einige Medienvertreter in ihrer Berichterstattung tendenziell eher negativ. «
Focus Online 27.01.
sueddeutsche.de 14.01.
Berliner Morgenpost 14.01.
RP Online 14.01.
Frankfurter Rundschau 12.01.
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