16. Oktober 2006
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Schauspielerin Anne Hathaway über ihre Hauptrolle in „Der Teufel trägt Prada“, über Mode, die Zusammenarbeit mit Meryl Streep und den Mangel an guten Frauenrollen

© 20th Century Fox
Die am 12. November 1982 geborene US-amerikanische Schauspielerin ist benannt nach der Frau von William Shakespeare. Das erste Mal vor der Kamera steht sie in der TV-Serie "Sechs unter einem Dach". Als Aschenputtel in "Plötzlich Prinzessin" feiert sie 2001 ihren Durchbruch.
"Es gibt so viele starke, wirklich talentierte Schauspielerinnen in meiner Generation. Wir schenken uns gegenseitig nichts und kämpfen um gute Rollen. "
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Mrs. Hathaway, kleiden Sie sich anders, seitdem sie „Der Teufel trägt Prada“ gedreht haben?
Hathaway: Warum sollte ich?
Weil dieser Film vielleicht ihren Blick auf Mode verändert hat?
Hathaway: Nein, ich denke man kann viel aus Filmen lernen, aber sie verändern einen im Wesentlichen fast nie. Ich habe sehr gern mit der Kostümbildnerin Patricia Fields, die auch für „Sex and the City“ die Kleider ausgewählt hat, zusammengearbeitet und erkannt, dass ich sehr viel sorgfältiger bei meiner Kleiderwahl sein könnte. Aber mein Stil ist derselbe geblieben.
Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?
Hathaway: Ich habe mal meinen Freund gefragt, wie er das sieht. Und er sagte: „Du kleidest dich elegant und gleichzeitig leger.“ Das fand ich gut. Aber ich bin sicher, es existieren Fotos von mir, auf denen ich nicht elegant und leger aussehe. Doch zumindest bemühe ich mich darum.
Können Sie sich für teure Designerklamotten begeistern?
Hathaway: Ich habe sicherlich einen Sinn für Luxus – besonders jetzt, da ich mir ihn leisten kann. Ich bin in einer höheren Mittelstands-Familie aufgewachsen, wirkliche teure Klamotten standen da nie zur Diskussion. Heute sehe ich sie als ein besonderes Vergnügen oder als eine Schwäche. Aber ich habe dabei keine Gewissensbisse: Ich genieße jede Sekunde, wenn ich ein Teil entdecke, das ich kaufen möchte. Wichtig ist, dass man teure Mode nicht völlig kopflos konsumiert – das kann sehr gefährlich werden.
Gibt es bestimmte Kleidungsstücke, die Sie immer mitnehmen, wenn Sie auf Reisen gehen?
Hathaway: Diese Jeans – die sind super bequem und angenehm zu tragen. Ich mag sie. Dann habe ich einen schwarzen Pulli, den ich immer mitnehme. Einen Blazer und ein paar flache Schuhe. Sehr schlicht. Ach ja, und Tücher. Tücher sind sehr gut zum Reisen. Sie nehmen nicht viel Platz weg und können jedes Outfit variieren.
Im Laufe des Films „Der Teufel trägt Prada“ entwickeln Sie sich von einer grauen Maus zu einer modeinteressierten jungen Dame. Warum haben Sie sich nach „Plötzlich Prinzessin“ und „Plötzlich Prinzessin 2“ wieder für die Geschichte vom hässlichen Entlein entschieden?
Hathaway: Es ist keine Hässliches-Entlein-Geschichte! Andy Sachs ist ein normales Mädchen. Die Rolle ist ganz anders als bei „Plötzlich Prinzessin“. Am Ende lehnt sie dieses ganze Glamour-Zeug ab und macht viel mehr aus sich. Eigentlich wollte ich keinen Film mehr machen, in dem es um eine grundlegende Veränderung geht. Aber versuchen Sie mal, das Angebot abzulehnen, mit Meryl Streep zusammenzuarbeiten! Das kann man nicht machen! Ich hoffe, ich habe mich mit dieser Rolle von den Veränderungsfilmen verabschiedet.
Können Sie sich nach den Erfolgen von „Plötzlich Prinzessin“ und „Ella - Verflixt und verzaubert“ Ihre Rollen nicht aussuchen?
Hathaway: Nein, es ist nur leichter geworden, ein Vorsprechen zu bekommen. Ich habe mit unglaublich guten Schauspielern in Ang Lees „Brokeback Mountain“ zusammengearbeitet. Dieser Film war sehr erfolgreich und im Moment stehe ich ganz gut da. Aber das kann morgen schon ganz anders aussehen. Ich bin wirklich noch in einer unsicheren Position und muss mich daher über jeden Film freuen und über die Erfahrungen, die ich damit sammeln kann – selbst wenn es ein Flop wird.
Inwiefern waren Sie sich über Ihre Entwicklung als Schauspielerin durch Ihre Rolle in „Plötzlich Prinzessin“ bewusst?
Hathaway: Ich war mir über gar nichts bewusst. Ich hatte keine Ahnung, was mit „Plötzlich Prinzessin“ auf mich zukam. Alles war so neu. Jeden Tag arbeiten zu gehen, war wie zum Spielplatz zu gehen. Es war wirklich cool.
Können Sie verstehen, wenn Ihre Fans sich für Ihr Privatleben interessieren?
Hathaway: Ich lebe mein Leben nicht gern in der Öffentlichkeit. Ich gebe zwar auch Details preis, aber bleibe trotzdem sehr privat. Es scheint sich auch tatsächlich niemand für mein Privatleben zu interessieren. Zum Glück bin ich nicht in der Boulevardpresse und werde nicht von Paparazzi verfolgt.
Welche Botschaft wollen Sie den Kinozuschauern mit „Der Teufel trägt Prada“ vermitteln?
Hathaway: Ich wollte einen wahrheitsgemäßen Film darüber machen, was es heißt, als junges Mädchen aus der geschützten Umgebung von Familie und Uni in die Arbeitswelt zu treten, da raus zu kommen und plötzlich erwachsen zu sein; Verantwortung übernehmen zu müssen, für die Entscheidungen, die man trifft. Das war mir wichtiger, als irgendeine Botschaft zu senden.
Im Film geben Sie als College-Abgängerin Andy Sachs ihre Freunde und ihre Beziehung für ihren Job als Modejournalistin auf. Wie weit würden Sie in dieser Hinsicht im realen Leben gehen?
Hathaway: Ich bin sehr glücklich: Meine Familie und alle Menschen, die mir etwas bedeuten, unterstützen mich wirklich in dem, was ich tue. Ich muss keine Opfer für sie bringen. Sie machen es mir sehr leicht, indem sie mich nicht dazu zwingen, Entscheidungen für oder gegen sie zu treffen. Das ist ideal, so sollte es sein. Ich betrachte das nicht als selbstverständlich. Hmm, aber wir weit würde ich gehen? Ich würde nie so weit gehen, meine persönliche Geschichte für meine Karriere zu herzugeben. Ich kann nicht verstehen, wie Menschen schmerzhafte Erinnerungen verkaufen können, um auf Zeitschriftencover zu kommen. Ich halte es für sehr gefährlich, dass in unserer Gesellschaft Schmerzen mit Erfolg aufgewertet werden. Das ist wirklich destruktiv. Bestimmte Dinge würde ich einfach nicht tun.
Können Sie ein Beispiel dafür nennen?
Hathaway: Ich habe gerade eine Filmrolle angeboten bekommen, für die ich die Hochzeit meines älteren Bruders hätte absagen müssen. Ich habe abgelehnt.
Welche Bedeutung hatte es für Sie, dass Meryl Streep Miranda gespielt hat?
Hathaway: Sie ist eine großartige Person. Wenn man mit ihr zu Abend isst, gibt es niemanden der lustiger oder warmherziger ist. Aber mit ihr zu spielen, ist sehr hart. Sie ist einfach die beste der Welt. Was bin ich dagegen? Ich bin 23 Jahre alt. Was hatte ich da zu suchen? Es war wirklich eine Ehre, mit ihr zusammenarbeiten zu können.
Hat sie Ihnen Ihre Aufgeregtheit genommen?
Hathaway: Nein, eigentlich hat sie die noch unterstützt. Am Anfang sagte sie zu mir: „Hör zu, ich glaube, du bist perfekt für die Rolle und wir werden großartig zusammen sein. Und das ist das letzte nette Wort, das ich zu dir sagen werde.“ Und das war es. Bis zum Schluss hat sie wirklich nichts Nettes mehr zu mir gesagt. Erst dann schrieb sie mir einen wirklich schönen Brief. Sie hat mir meine Aufregung überhaupt nicht genommen. Ich denke nicht, dass sie sich überhaupt Gedanken darum gemacht hat. Sie hat sich wirklich vor allem mit ihrer Rolle beschäftigt. Und offen gesagt: So sollte es sein, außer wenn man mit seiner besten Freundin zusammenarbeitet.
Meryl Streep hat kürzlich festgestellt, dass es kaum ernstzunehmende Rollen für Frauen in ihrem Alter gibt. Haben Sie Angst, dass Sie mit 50 Jahren dieselbe Erfahrung machen werden?
Hathaway: Ich habe keine Ahnung, ob sich das ändern wird. Es ist aber eine sehr reale Angst, die jeder Schauspieler hat. Ich würde gern lange Zeit als Schauspielerin arbeiten. Meryl wurde mal gefragt, warum sie sich verändert habe und nicht mehr in so starken, gesellschaftsrelevanten Filmen spiele wie früher. Sie antwortete: „Zeigen Sie mir die Filme, die Sie meinen, mit Rollen für Frauen in meinem Alter. Und ich sage Ihnen, warum ich sie nicht gespielt habe.“ Ihr Standpunkt ist klar: Diese Rollen gibt es nicht. Deswegen schreibt sich Emma Thompson ihre Rollen selbst. Und deswegen haben so viele Schauspielerinnen ihre eigenen Produktionsfirmen: Drew Barrymore, Reese Witherspoon, Sandra Bullock… Es ist schade, denn sie können sich nicht aufs Schauspielen konzentrieren. Es ist übrigens auch nicht so leicht für mich, Rollen für mein Alter zu bekommen. Es gibt so viele starke, wirklich talentierte Schauspielerinnen in meiner Generation. Wir schenken uns gegenseitig nichts und kämpfen um gute Rollen.

Emma Thompson über Liebe und Schönheit, verdammte Esel, Kindererziehung, die Qual des Drehbuchschreibens und den Film "Eine zauberhafte Nanny"
Online-Version: http://www.planet-interview.de/index.php?id=327 | © planet-interview.de | Foto: 20th Century Fox
» Ein Kinderpublikum ist für mich unheimlich anstrengend. Die ziehen einen auf links, fragen tausend Sachen, versuchen einen zu ärgern und machen alles kaputt.«
Focus Online 27.01.
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